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Miakro

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Die Stimme, die seinen Namen rief, war schmal und flach und fremd. Nein, Nettler wollte nicht, dass sie ihn weckte.

Büroleiter Nettler steht unausgeruht an seinem Pult aus weichem Glas. Nacht für Nacht wird er von einem Binnenwind geweckt, der ihm alles, was er als Arbeitserfahrung zu erinnern glaubt, auf eine verwandelte Weise vor Augen führt. Nettler will, er muss, mit drei Kollegen, denen er vertraut, den Ausbruch wagen. Ihr Weg führt durch ein Netz von fein gesponnenen Bezügen, hinein in eine phantastisch-fremde und dabei sonderbar vertraute Welt.

333 pages, Hardcover

First published February 1, 2018

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About the author

Georg Klein

46 books11 followers

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Community Reviews

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6 (12%)
1 star
2 (4%)
Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Matt.
752 reviews625 followers
April 14, 2020
This is a disparate book, unlike anything I read before -- with one notable exception.

I cannot, for the life of me, wrap explanatory words around this story.

It is difficult to put the rare words and the much used ones, the well known, the half forgotten and the not yet reliably introduced ones into order. All very difficult! Time slips away as well, and it all floats past like schlieren in elastic glass.

There’s a not-thing in the end, or perhaps it’s an un-thing? Anyway, something for which there is no name. Yet. That probably makes the whole thing a dystopia?

Not a dystopia of world-building, but of word-building.

Chapter titles include things like...

... Glastiefenschleim

... Lichtpflichtstunden

... Nebelzeitdichte

... Suchwurmspitze

... Zeitspeckschwinden

Need I say more? I hope not, because I can’t.

Happy Easter! Greetings from K.


Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Unported License.
Profile Image for Markus.
283 reviews95 followers
July 28, 2023
In- und Auswändigkeiten

So wie "Die Wand" von Marlene Haushofer ist auch "Miakro" nur mit Mühe in die Schublade Dystopie zu zwängen. Beide spielen in einer nicht näher erklärten Nachwelt. Bei Haushofer steht plötzlich eine rätselhafte Wand in der Landschaft, hier sind es Wände mit Eigenleben. Wand wie Wände trennen (und verbinden zugleich) Inwändigkeiten und Auswändigkeiten.

Inwändigkeit - in körperlicher wie geistiger Bedeutung - ist wahrscheinlich das in Kleins Roman immer wieder anzutreffende Wort, das am treffendsten beschreibt, um was es geht. Innerhalb der Wände, im Mittleren Büro arbeiten Büroleiter Nettler und seine Kollegen an oder mit Tischen aus Weichglas. Den Unterleib an die Tischkante gepresst, drücken und streichen sie mit den Fingern das transparente Material, um den Bildfluss zu stimulieren und darin Hinweise zu erhalten, ob und wo Nahrung, Kleidung oder Utensilien aus den Wänden ausgewandet werden. Ab und an kommen in Kutten gekleidete Wandler vorbei, um Gebrechen sowohl der Tische als auch der Menschen zu behandeln.

Die zweite Hälfte des Buches handelt dann in der wilden Aussenwelt, in der Hauptmann Blank und seine Hundertschaft in derselben Situation sind wie die Leserin. Auch sie stehen den Gegebenheiten völlig ratlos gegenüber. Sie wissen noch nicht einmal vom mittleren Büro und den Männern, die darin arbeiten und sich von Süßkartoffeln ernähren, die sie aus den Wänden pulen.

blue mushrooms
auch blaue Riesenpilze kommen vor.
[generiert mit app.leonardo.ai - stable diffusion 2.1]


Rätselhaft ist auch die geschlechtliche und soziale Auftrennung der verschiedenen Gruppen. Sind es hier nur Männer, besteht das Volk ausschließlich aus Frauen und Greisen. Aber es gibt Ausnahmen, wie Frau Fachleutnant und Naturkontrollagentin Xazy, die Hauptmann Blank als Aufpasserin an die Seite gestellt wurde. Das Hauptkommando dürfte, wenn auch nicht explizit erwähnt, nur aus Frauen bestehen, und anders als im Märchen rettet einmal die Prinzessin den Prinzen.

Überhaupt wird wenig explizit preisgegeben. Erklärungen zum Ursprung dieser seltsamen Welt mit ihren getrennten Gesellschaften gibt es keine und auch Hinweise zum näheren Verständnis der Handlung finden sich nur spärlich und weitläufig verteilt. Es ist förderlich, langsam, aufmerksam und in kleinen Portionen zu lesen. Der Stil ist anspruchsvoll, die Erzählperspektiven wechseln unerwartet, Handlung und Wahrnehmung der Figuren vermischen sich mit Gedankenströmen oder luziden Träumen (und nicht selten wähnt man sich selbst in einem solchen). Gedachte Erinnerungen erweisen sich häufig als wichtige Rückblenden. Zu schnell übersieht man dabei eine beiläufig eingeflochtene, aber verständniserhellende Andeutung, versäumt ein subtiles Wortspiel oder verliert überhaupt den Kontext unter den Füßen.

Antworten oder gar eine Auflösung darf man sich auch am Ende nicht erwarten. Es ist mehr ein vages, intuitives Empfinden von Verständnis, das man mit Mühe zustandebringen wird, gemischt mit subjektiven Interpretationen oder Verweisen auf unsere bekannte, sich zunehmend auflösende, auseinanderstrebende Welt. Das Büro mit seiner völligen Aufhebung von Arbeit und Privat, der intensive Körperkontakt mit den weichgläsernen Bildflusstischen, das Verschwimmen von Organischem und Festem, von Mikro und Makro, lassen an viele gegenwärtige Entwicklungen denken, aber immer bedeutungsoffen und vage. Aber gerade das Miakro, das Mehrdeutige oder Unbestimmbare macht die Qualität aus, gute Literatur ist schließlich kein Kreuzworträtsel.

Auch sprachlich ist das ganze ein Fest und weit über dem Anspruch, den Sci-Fi, Fantasy oder ähnliche Genres gewöhnlich stellen. Unübersehbar steht die Sprache selbst mit ihren fließenden In- und Auswändigkeiten als Thema im Fokus. Immer wieder verblüfften mich ganz hinreißende Wortkreationen und die Kapitelüberschriften heißen Lichtpflichtstunden, Sonnenblumenbrummen, Glastiefenschleim oder Zeitspeckschwinden.

Der mit zahlreichen Preisen dekorierte Georg Klein war mir bislang kein Begriff, was eindeutig eine Bildungslücke war. Es ist aber auch erfreulich, so einen außergewöhnlichen Autor übersehen zu haben, da er ein recht umfangreiches Oeuvre geschrieben hat und es eine Menge nachzuholen gibt.
3 reviews
July 15, 2018
Ein Buch wie eine Musik. Aus dem Wehen des Binnenwindes klingen erste Themen auf, die mit sorgfältig durchgearbeiteten Melodien das Ohr vorbereiten auf das immer dichtere Geflecht der Stimmen, aus dem gar einzelne Wörter und Wortfelder wie Akzente herausragen. Große Bögen werden aus kleinen Mordents und Schleifern zusammengesetzt, und aus der scheinbar lichten Genauigkeit der Sprache entsteht ein dunkel waberndes, seltsam bekannt anmutendes Fremdes.
Und wie beim ersten Hören einer großen Symphonie freut man sich schon darauf, beim zweiten Mal vielleicht ein wenig mehr davon zu verstehen, worum es geht.
- Aber wunderlich, sagte Goethe, dass sich beide Gedichte nicht malen lassen.
Profile Image for Matthias.
409 reviews8 followers
April 30, 2018
Georg Klein kehrt mit diesem Buch zum "post-kafkaesken" Stil seiner frühen Erzählungen und Romane zurück. Wer es schätzt, irritiert zu werden, und nicht auf das alles erklärende Schlußwort hofft, wird hier fündig.
Miakro spielt, wie so vieles dieser Tage, in der Zeit danach. Das Buch beginnt aus der Perspektive derer, die sich mit den geänderten Umständen arrangiert haben: Eine seltsam mutierte Unterwelt sorgt sich um seine Bewohner. Nach etwa der Hälfte erfahren wir, daß es auch konventionell Überlebende gibt. Beiden Gruppen ist gemein, daß sie die veränderte Welt verstehen wollen, und auf Expeditionen gehen.

Das erreichbare Verständnis beider Gruppen ist abhängig von der noch vorhandenen oder neu entstehenden Sprache, womit wir beim eigentlichen Thema des Buches sind: Der Anpassung von Sprache an die Umstände. Auf der einen Seite haben wir die natürlich entstehenden Begriffe, die das wundersame Geschehen der Unterwelt verständlich machen, auf der anderen Seite die verzweifelten Anstrengungen, durch monatliche Vorlesestunden etwa das Vokabular der Überlebenden aufrechtzuerhalten.

Grandios.
Profile Image for Janlsg.
2 reviews
August 23, 2022
Tja, was soll man zu diesem Buch sagen?
Georg Klein weiß - das muss man ihm wirklich lassen - mit Sprache umzugehen und erschafft durch eine bedachte und eindrucksvolle Wortwahl eine mysteriöse und unverständliche Welt, die es Kapitel um Kapitel schafft, den Leser irgendwie in seinen Bann zu ziehen. Die Story selbst schlägt auch ungefähr in die selbe Kerbe und ist mindestens genauso verwirrend und schwer zu durchblicken. Vielleicht ging es auch nur mir so, jedoch steckt meines Erachtens nach hinter dieser künstlerischen Art zu Schreiben einfach nicht genug Substanz. Klein schafft es eine tolle Welt zu schaffen, doch irgendwie passiert nicht sonderlich viel, oder es ist so unklar, dass man sich nicht sicher ist, was passiert. Viele Fragen werden gestellt und nur die Wenigsten davon zufriedenstellend beantwortet. Wer sind die Wunderer? Was hat es mit den Tischen und dem fließenden Glas auf sich? Und, und, und.

Es ist ein tolles Buch, wenn man es mag, beim Lesen zu grübeln und nachzudenken. Wenn man hingegen eine abgeschlossene, runde Story erwartet, ist das Buch vielleicht eher etwas, wenn man gerade nichts anderes zur Hand hat.
73 reviews
July 24, 2021
Dies ist kein Buch, das sich einem einfach erschließt. Aber trotzdem zieht es einen in seinen Bann. Gemeinsam mit, aber auch durch die Protagonisten erfährt man mehr über diese vage Welt, die sich langsam entfaltet und so selbstverständlich fremd ist. Und langsam, ganz langsam, schält sich aus den kurz(weilig)en Kapiteln der Kern des Ganzen heraus…

Dies ist keine geradlinige Science Fiction, dies ist eher Solaris von Lem. Sprachlich sehr sorgfältig komponiert ist das Lesen ein Genuss, auch wenn man nach dem ersten Lesen noch ein wenig unschlüssig ist, was man gerade genau erfahren hat. Vier von fünf Sternen.
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