Er lenkte die Limousine um die nur scheinbar harmlosen Pfützen herum. Im Schanzenviertel durfte man nichts und niemandem trauen."
Hamburg im Jahr 2059. Die Bundesrepublik ist Geschichte. Die nördlichen Bundesländer haben sich zu "Nordland" zusammengeschlossen, einem Staat, in dem allein das Geld regiert. Politiker, Richter, Frauen - in Nordlands Hauptstadt Hamburg ist alles käuflich. Als ein Mann aus dem heruntergekommenen Schanzenviertel für ein Verbrechen hingerichtet wird, das er nicht begangen hat, regt sich ein lang vergessener Widerstand. Lillith, die zu den reichen Birds gehört, sympathisiert mit den Rebellen. Sie ahnt, dass mehr hinter dem Aufstand steckt. Aber Nordland ist ein gefährlicher Ort für Frauen, die das bestehende System hinterfragen. Die Männer an der Spitze räumen jeden aus dem Weg, der das fragile Gleichgewicht des Landes bedroht. Und Lilliths Vater ist nicht dafür bekannt, Ausnahmen zu machen …
Eine interessante Aussicht auf eine zersplitterte Bundesrepublik und eine Herrschaft des Kapitals unter Vorspiegelung demokratischer Prozesse. Sehr schöne Szenen in Hamburg, mit Ausflügen in die Unterwelt, die heute schon exisitiert aber bestimmt vielen unbekannt ist - z.B. das das Bismarkdenkmal an der Reeperbahn begehbar ist und wie die Katakomben unter dem Rathaus aussehen. Was leider für mich nicht gestimmt hat war die Protagonistin, oder irgendeiner der Hauptakteure.. Lilith hat mit Hyperempathie eine sehr interessante und gerade in ihrer Geschäftswelt extrem nützliche Superkraft - die eigentlich immer nur als Nachteil dargestellt wird und etwas, das sie unter Kontrolle bekommen muss, weil sie sonst nicht lebensfähig ist. Ansonsten wird nur der kleine Anteil, nämlich ein menschlicher Lügendetektor zu sein, kurz am Anfang erwähnt, ist danach aber nahezu irrelevant. Das ist etwas enttäuschend. Ihr Romanze mit Bo ist auch nicht furchtbar glaubwürdig. Ihre Interaktionen sind minimal, und außer, das sie jedesmal eine Gänsehaut bekommt, wenn er etwas sagt, gibt es keinen wirklichen Grund, warum sie zusammen sein sollten. Merkwürdig fand ich auch den Umgang mit Gewalt - es kommt an mehreren Stellen zu überraschenden Gewaltexzessen (unter anderem gegen Kinder), über die aber relativ kommentarlos hinweg gegangen wird. Auch war ich mir immer ein wenig unsicher über die Funktionalität der Technologie in dieser nahen Zukunft. Einerseits gibt es ein extrem schnelles und nützliches Internet, das sogar holographische Avatare quer durch die Städte projizieren kann, aber es scheint merkwürdig restriktiv zu sein. So hat unsere Protagonistin Probleme, geschichtliche Fakten über starke Frauen in Politik und Wirtschaft zu finden, obwohl der Umsturz gerade 25 Jahre her ist. Es gibt offene Kommunikation mit den idealisierten freien skandinavischen Ländern, wo ist also das Problem? Interessant fand ich das Ende, wenn auch einige sehr dumme Zufälle zusammen kommen , aber wenigstens Das Buch hätte etwas kürzer sein können, wenn man ein paar Nebenplots streicht, die sowieso nirgendwo hinführen (z.B. die unglückliche Ehe ihrer Freundin), so zog es sich etwas. Fazit - eine gut recherchierte und interessante Zukunftsvision, die etwas lebendigere Charaktere hätte vertragen können.
Eigene Meinung: Deutschlands Autoren haben schon einige gute Dystopien hervorgebracht und ich war ganz gespannt auf Nordland, das nicht nur in der wunderschönen Stadt Hamburg spielt, sondern auch das von mir geliebte gesellschaftskritische Thema rund um die Frauenrechte enthält.
Nordland vereint technologischen Fortschritt mit sozialem Rückschritt und mittendrin ist die junge Lillith, die anfängt die gegenwärtige Situation zu hinterfragen indem sie zufällig mit dem Widerstand und der schlechten Situation der normalen und armen Bürger konfrontiert wird.
Lillith ist eine badass Lady, die alles hinterfragt sobald sie feststellt, dass ihr Leben auf jeder Menger Lügen aufgebaut ist.
Der Widerstand rund um Bo ist supersympathisch und der Leser fiebert sehr mit ihnen mit und hofft auf einen friedlichen Umbruch.
Mein grötßes Problem mit dem Buch war seine Langatmigkeit. Die Handlung ist sehr spannend, viele Beschreibungen waren mir jedoch zu ausufernd und haben meinen Lesefluss gehemmt.
Auch der Umfang an Personen war am Anfang erst einmal erschlagend, das hat sich mit der Zeit jedoch etwas gelegt.
Ohne zu viel verraten, möchte ich auch noch eine überraschende Wendung am Ende des Buches erwähnen, die mir kurz den Atem raubte.
Fazit: Nordland hat eine superspannende Grundidee mit interessanten Figuren, der Handlungsfortschritt war mir jedoch zwischenzeitig zu langsam und langatmig und die Buchmagie konnte mich dennoch nicht vollständig erreichen.
Hamburg im Jahr 2059. Die Bundesrepublik ist Geschichte. Die nördlichen Bundesländer haben sich zu „Nordland“ zusammengeschlossen, einem Staat, in dem allein das Geld regiert. Politiker, Richter, Frauen – in Nordlands Hauptstadt Hamburg ist alles käuflich. Als ein Mann aus dem heruntergekommenen Schanzenviertel für ein Verbrechen hingerichtet wird, das er nicht begangen hat, regt sich ein lang vergessener Widerstand. Lillith, die zu den reichen Birds gehört, sympathisiert mit den Rebellen. Sie ahnt, dass mehr hinter dem Aufstand steckt. Aber Nordland ist ein gefährlicher Ort für Frauen, die das bestehende System hinterfragen. Die Männer an der Spitze räumen jeden aus dem Weg, der das fragile Gleichgewicht des Landes bedroht. Und Lilliths Vater ist nicht dafür bekannt, Ausnahmen zu machen …
Der Schreibstil ist mega gut und hat einen sofort in den Bann gezogen. Sehr flüssig von der Autorin verfasst worden. Sehr spannend, hat mich emotional berührt und zum Nachdenken angeregt.
Die Charaktere sind super ausgebaut und das hat mir geholfen, die Gedanken und Entscheidungen nachzuvollziehen.
Der Storyaufbau hat mir sehr gut gefallen. Finde ich echt toll.
Das Buch ist super spannend von Anfang bis zum Ende. Kann ich nur weiterempfehlen.
Was passiert, wenn sich einzelne Regionen Deutschlands für unabhängig erklären? In "Nordland" von Gabriele Albers wird dargestellt, wie es sein könnte. Dabei muss man feststellen, dass sich immer wieder die Mächtigen und Reichen durchsetzen und über andere bestimmen. Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Als Hamburger ist es natürlich auch interessant, wie sich die Heimatstadt entwickelt hat.