Das Buch zur Nannen-Preis-gekrönten »Reportage des Jahres«Noch nie hat ein Politiker so einen rasanten Aufstieg und so einen tiefen Fall erlebt wie Martin Schulz. Während er zu Beginn des Wahlkampfs als Retter der SPD und möglicher Bundeskanzler galt, ist er ein Jahr später mit seinem Anspruch, eine andere, ehrlichere Politik zu machen, auf ganzer Linie gescheitert. Erst verlor er die Wahl, dann den Rückhalt der Partei und seine Posten. Markus Feldenkirchen hat Martin Schulz durch die Höhen und Tiefen des Wahlkampfs und den darauffolgenden Absturz begleitet, so exklusiv und hautnah, wie es in Deutschland bislang nicht möglich gewesen ist – selbst am Abend vor seinem Rücktritt. Eindrucksvoll erzählt er in seinem Buch nun die ganze Geschichte eines politischen und persönlichen Dramas.
Markus Feldenkirchen, 1975 in Bergisch Gladbach geboren, studierte in Bonn und New York und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Seither arbeitet er als Redakteur und Reporter in Berlin, zunächst beim Tagesspiegel, seit 2004 beim Spiegel, mittlerweile als Autor für Deutsche Politik im Hauptstadtbüro. Seine journalistische Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Axel-Springer-Preis für Nachwuchsjournalisten. Sein Dokumentarfilm Es ist, wie es ist über Wolfgang Schäuble lief 2012 im deutschen Fernsehen. Bei Kein & Aber erschien 2010 sein viel gelobter Debütroman Was zusammengehört.
Ein echtes Lesevergnügen für politisch Interessierte, das mich aber desillusioniert zurück lässt, ob des Zustands der SPD und des politischen Systems der Republik und seiner Politiker. Leider wird es wohl in Zukunft keinen Spitzenpolitiker mehr geben, der sich auf so ein Experiment einlässt und sich von einem Journalisten während einer Kampagne so eng begleiten lässt. Das Scheitern von Martin Schulz und die detaillierte Beschreibung desselben wird auch dazu führen, dass wir in Zukunft nur noch Politikertypen wie Christian Lindner haben werden, die von Medienberatern und Coaches glattgeschliffen und weichgespült werden.
Das Buch ist glänzend geschrieben und lässt sich schwer aus der Hand legen, weil man, obwohl der Ausgang bekannt ist, unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Für mich eine echte Leseempfehlung.
Dieses Buch gibt einen tiefen und schonungslosen Einblick in die SPD-Bundestagswahlkampagne 2017. Dabei wahrt der Autor kaum Distanz zum ehemaligen Spitzenkandidaten Martin Schulz; er scheint mit ihm zu leiden. Feldenkirchen kommentiert, zieht Schlussfolgerungen, wertet und beschreibt den derzeitigen Zustand der SPD. Dadurch lässt sich erahnen, wieso die Partei sich oft selbst im Weg steht. Angedeutet werden Intrigen von Andrea Nahles und Olaf Scholz, ohne dafür jedoch nicht einmal Indizien zu präsentieren. Hauptfeindbild scheint Sigmar Gabriel zu sein, an dem Martin Schulz und Markus Feldenkirchen sich in diesem Buch abarbeiten bzw. eher an dessen professioneller Öffentlichkeitsarbeit nach seinem Wechsel ins Auswärtige Amt. Schulz wird als larmoyant dargestellt und als jemand, der geradezu Zuflucht in Würselen sucht.
Es wird herausgearbeitet, dass das Scheitern der Kampagne auf einer Vielzahl von Gründen beruht. Um nur die offensichtlichsten zu nennen: eine auf eine andere Person zugeschnittene Kampagne; Paralyse durch Analyse; Medienpersonal, das mit dem sozialdemokratischen Habitus fremdelt; fehlende Wechselstimmung; fehlendes Agendasetting durch die SPD und unsouveränes Reagieren auf das Agendasetting der Medien; fehlende Aufarbeitung der Bundestagswahlniederlagen seit 2005. Deutlich wird auch der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Der Autor beobachtet die physischen und psychischen Strapazen eines Bundestagswahlkampfes gerade für das Spitzenpersonal und seiner Entourage. Es kann als Mahnung dienen, wie eine Kampagne nicht zu führen ist, und wird sicherlich nicht nur in SPD-Kreisen mit Interesse gelesen werden. Erkennbar wird auch der Wandel der politischen Kommunikation. Der Bundestagswahlkampf 2017 kann daher als endgültiger Übergang von den klassischen Medien ins Digitale verstanden werden. Als erste Lektion sollte man daraus lernen, dass Politik und Medien die Mitmenschen intellektuell nicht unterfordern dürfen.
Wahnsinn. Ich bin beeindruckt. Dieses Buch bietet etwas vorher nie Dagewesenes: Einen scharfsinnig und präzise beobachteten sowie treffend formulierten Blick hinter die Kulissen des Politbetriebs und eine authentische und tiefehrliche Charakterisierung des Menschen Martin Schulz. Unglaublich interessant.
Das Buch wurde mir von verschiedenen Stellen empfohlen, sodass ich mich nun ein paar Jahre zu spät auch mal dran gemacht habe es zu lesen. Auch wenn ich keine grundsätzliche Bewertung dieses Buches als Wahlkampfbericht vornehmen kann, da ich bisher kein vergleichbares Buch gelesen habe, gefiel mir gerade die sehr subjektive Perspektive des Autors sehr gut. Er war parteiisch, das ist okay. Denn er kritisiert auch. Ob seine Kritik und seine Entschuldigungen zutreffend sind - wer kann das letztlich schon wirklich beurteilen. Besonders interessant war es für mich, da es einer der Wahlkämpfe war, den ich wirklich intensiv verfolgt habe (insofern also eine Außenperspektive hatte), mich aber in meiner BA auf Merkels Perspektive konzentrierte. Dieser dritten Blickwinkel auf bekannte Situationen zu bekommen war wirklich höchst amüsant. Allerdings muss man diesen Kontext haben und einen gewissen Abstand wahren. Gerne gelesen.
Noch einmal in ausführlich, was schon im 13-seitigen Artikel von Markus Feldenkirchen für den Spiegel verstörend war. Ein sehr direkter Einblick in die Kampagne des Martin Schulz, ob der mir durch die Schilderungen wirklich wesentlich näher gekommen ist, vermag ich nicht zu sagen. Wer sich seit Jahren im Brüsseler Politikdickicht durchgeschlagen hat: kann der wirklich so naiv daherkommen? Ein paar Merkposten 1. Das Buch ist keine umfassende Analyse des SPD-Wahlkampfes, was ja auch nicht versprochen wird, sondern ein Kandidatenportrait, das viel über die SPD erzählt. Und wenn das auch nur annähernd stimmt: 2. Die SPD ist verloren. Mit diesen Personal an der Spitze wird sich die alterwürdige Partei nicht mehr vom Status einer Partei unter vielen erholen. Vielleicht ist die Zeit der "Volksparteien" ohnehin vorbei, aber wessen partikulare Partei die SPD sein soll, das ist ja ebenfalls vollkommen unklar. 3. Es gab nach zwei satten Niederlagen der Herren Steinmeier und Steinbrück keinen Masterplan für den Wahlkampf 2017. Das ist so bitter schwach, und geht auf die Kappe der Generalsekräterinnen bis da hin und natürlich des grandiosen Vorsitzenden. 4. Es gibt aber auch mit Martin Schulz keine Idee von der Geschichte, dem Narrativ, das die SPD im Wahlkampf erzählen will, warum Martin besser als Angela sein könnte. Und auch der Kandidat selbst erzählt mir in diesem Buch nicht, was er inhaltlich will. Da ist eine Leerstelle, und es geht irgendwie um "Europa" und "was für die Menschen machen", ist aber dann furchtbar inhaltsleer. Keine Diskussion um Ökonomie, Arbeits- oder Lebenswelt. 5. Die Spin-Doctoren und Berater werden als auslösender fataler Faktor geschildert, in der Fixierung auf Demoskopie und Leitmedien-Artikel ändern sie ständig Kurs. Das ist nicht untypisch, kann aber alleine nicht stehen: warum schafft es Martin Schulz nicht, etwas dagegen zu setzen. Oder: warum hat er nicht sein eigenes Team? 6. Mir kommt dann Schulz etwas zu gut bei der Analyse weg, man hätte ihn besser authentisch sein lassen sollen, dann wäre es besser gelaufen. Denn ich erkenne gar nicht, was der Kern dieses Authentischen sein soll? Die Biografie? Als ziemlich authentisch habe ich sein "ich-habe-mit-Macron-telefoniert"-Habitus wahrgenommen, und das ist nicht wirklich förderlich. 7. Aber das restliche Spitzenpersonal der SPD scheint abgetaucht, nur Sigmar Gabriels Rolle wird im Buch mehrfach thematisiert. Scholz und Nahles tauchen selten auf, allerdings dann auch nicht positiv. 8. Etwas zu wenig thematisiert wird mir, welche Absprachen es gab, welche Dinge im Buch nicht auftauschen sollten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Kandidat nur über Gabriel und Hannelore Kraft erbost war. Ein "Bekannter aus Brüssel" taucht auf, hier scheint ja vereinbart worden zu sein, den Namen nicht zu nennen. Es gab sicher noch mehr solche Absprachen. 9. Die SPD ist verloren. 10. Nein, mit dem Thema "Europa" hätte Schulz nicht gewonnen.
Ein lesens- bzw. hörenswertes Buch. In den 9 1/2 Stunden etliches Kopfschütteln, ein bisschen bitteres Lachen, aus meiner Sicht lohnende Lektüre im Zeitalter der neuen großen Koalition.
Die Schulz-Story von Markus Feldenkirchen bietet einen fesselnden Einblick in den Aufstieg und Fall von Martin Schulz während seines Wahlkampfs zur Bundestagswahl 2017. Feldenkirchen, der Schulz und sein Team über ein Jahr hinweg begleitete, zeichnet ein schonungsloses Bild eines Wahlkampfs, der zwischen anfänglichem Hype und späterem Chaos hin- und hergerissen war.
Das Buch zeigt eindrucksvoll den „Schulz-Hype“, der die SPD zu Beginn des Wahljahres mit Hoffnung und Begeisterung erfüllte. Doch ebenso präzise legt Feldenkirchen die dilettantischen Fehler offen, die den Wahlkampf prägten. Unklare Strategien, Kommunikationspannen und interne Konflikte führten dazu, dass der Schulz-Zug entgleiste. Die SPD, die sich im Wahlkampf gegen die routinierte Kanzlerin Merkel positionieren wollte, wirkte oft unkoordiniert und überfordert.
Besonders beeindruckend ist die menschliche Dimension, die Feldenkirchen einfängt. Schulz wird nicht nur als Politiker gezeigt, sondern auch als Mensch, der mit enormem Druck, Selbstzweifeln und persönlicher Enttäuschung kämpft. Seine Verletzlichkeit verleiht der Geschichte eine emotionale Tiefe, die über die Analyse politischer Strategie hinausgeht.
Dennoch bleibt das Buch stellenweise auf die inneren Abläufe des Schulz-Teams beschränkt. Eine tiefergehende Betrachtung der strukturellen Schwächen der SPD oder eine Analyse des politischen Umfelds hätte das Gesamtbild abgerundet.
Die Schulz-Story ist ein fesselndes Buch über die Höhen und Tiefen der modernen Wahlkampfführung. Es dokumentiert nicht nur die Tragödie einer gescheiterten Kandidatur, sondern auch die strukturellen Probleme einer Partei, die sich im Wahlkampf oft selbst im Weg stand.
Die Schulz-Story ist wirklich lesenswert, insbesondere wenn man sich ohnehin schon für Parteien und politische Prozesse interessiert und einen Einblick hinter die Kulissen der großen Bundespolitik bzw. des Bundeswahlkampfes ergattern will. Durch Feldenkirchens Bericht, welcher auch immer mit Analysen gespickt ist, erhält man nicht nur ein gutes Porträt über Martin Schulz, den Kanzlerkandidaten. Als Leser*in ist man Beobachter*in eines Aushandlungsprozesses über die beste Entscheidung, erfährt, was die Entscheidungsprämissen waren - auch wenn diese im Nachhinein als unglücklich oder falsch gefasst werden können - und wie Pleiten und Pannen des Wahlkampfes entstehen konnten. Gerade als Zeitzeugin des vergangenen Wahlkampfs empfand ich es als sehr bereichernd nun eine Perspektive aus dem Dunstkreis des Steuerungskreises der Kampagne zu bekommen und diese mit meinen eigenen Bewertungen und Empfindungen der Zeit vergleichen zu können. Diese Möglichkeit gibt es doch selten.
reading this just makes u feel sad for him but not really because you realize how he was never actually charismatic and people just wanted to improve bargaining postisions with merkels cdu. he never had a real chance. if someone wrote this book about my political career in the future i would go into the mountains & away from civilization forever
Sehr interessante, humorvolle und leider auch ernüchternde Einblicke in einen deutschen Wahlkampf und den Politikbetrieb als Ganzes. Unbedingt lesenswert.
Ich habe höchsten Respekt vor Martin Schulz, dass er dieses Projekt ermöglicht hat. Das Buch liefert einen wahnsinnig spannenden Einblick hinter die Kulissen der Berliner Politik. Unglaublich wie inkompetent das Willy-Brandt-Haus auf höchster Ebene funktioniert.
Im Buch gibt Schulz einen Tipp, wie die Karriere seines Rivalen Scholz beendet werden kann. Bizarr, dass es im November 2019 genau so kommt. Gott segne die SPD-Basis, dass sie Scholz in der Wahl zum SPD-Vorsitz abserviert hat.
Großartige Einblicke und dennoch/gerade deswegen eine vertane Chance. Zu stark orientiert sich das Buch am bestehenden Narrativ, zu sehr opfert es tatsächliche Einblicke dem spritzigen Erzählfluss von Currywurst und Macher-Sprech, zu wenig beleuchtet es die Haltung Schulz' - und vor allem deren Veränderung. Und so hilft es wenig, die Frage danach zu beantworten, wie viel "Authentizität" Politik braucht oder verdient.
Scharf gezeichnetes Porträt, durch das man nur so fliegt und dazu einlädt, Politik und Medienbetrieb stärker zu reflektieren. Insgesamt einfach ein starkes Stück Politikjournalismus, das auch 2021 noch hochaktuell ist.