Das Buch war ein herrlich entspannter Streifzug durch die eigene Vergangenheit und Kindheit. Beschrieben wird die Zeit in den späten 60er und 70er Jahren. Allerdings wäre der Streifzug für mich noch schöner gewesen, wäre ich ein Junge. Da das Buch aus der Sicht eines Jungen geschrieben ist, ist klar, dass ab einem gewissen Alter auch "Jungsthemen" vorherrschen. Das machte das Buch für mich gegen Ende uninteressant. Daher auch nur drei - vier Sterne. Dies ist natürlich eine, daraus folgend, subjektive Bewertung. Wäre ich ein Mann, gäbe es vier - fünf Sterne.
Das Buch beinhaltet keine Handlung im klassischen Sinne und stellt somit auch keinen Plot im klassischen Sinne in den Mittelpunkt. Im Grunde ist die Geschichte aufgebaut wie ein Tagebuch, in dem ein Leben durch das Aneinanderreihen von Erinnerungen, Ereignissen und Erfahrungen erzählt wird. Somit ähnelt der Aufbau auch dem eines Tagebuchs. Daher hätte ich dem Buch auch nicht den Titel "Kindheitsroman" sondern "Kindheitserinnerungen" oder "Kindheitsjahrzent" gegeben, denn ein Roman ist es für mich nicht. Der Leser bekommt vielmehr das Gefühl die Aufzeichnungen des jungen Mannes mit all seinen Eindrücken und Gedanken über seine Jungend, seine Familie und seine Umgebung zu lesen. Das macht das Buch auch so schön, denn Vieles von dem, was dort steht hat jeder, und besonders die männlichen Leser des Buches, sicherlich in der einen oder anderen Form selbst so erlebt, erfahren oder gedacht. Darüber hinaus erfährt man viel über die Zeit, die Denkweise, die Erziehung, die Gepflogenheiten, die Mode, die gerade aktuellen Produkte etc. Auch dies ist schön zu lesen.
Als Literatur würde ich das Buch nun nicht bezeichnen, aber ich denke, dass der Autor hierauf auch keinen Anspruch erhebt. Für mich ist es eine nette Wochenendlektüre gewesen, die mich für eine Moment in die meine Kindheit und Jungend zurückversetzt hat. Nicht mehr und nicht weniger. Besonders schön ist das Buch natürlich für all diejenigen , die ebenfalls in der beschriebenen Stadt leben oder gelebt haben.
Schade, dass es das Buch nicht in einer "weiblichen Variante" gibt.
KINDHEITSROMAN liest sich weg wie nichts. Der Protagonist Martin Schlosser ist zwar ein paar Jahre älter als ich und seine Eltern sind auch etwas älter als meine, außerdem habe ich ja leider keine Geschwister, dennoch fühlt man sich in den Martin Schlosser Romanen sofort wie in einer Zeitreisen in die eigene Vergangenheit. Richtig begeistert hat mich besonders der Stil des ersten Martin Schlosser Romans. Denn hier wird in der Ich-Form erzählt. Aber eben nicht in der Vergangenheitsform, sondern eben in der Gegenwartsform. Ja, die ersten Sätze fangen mit Ereignissen an, an die man sich auch selbst noch dunkel aus seiner Kindheit erinnern kann. Geburtstage, besonders die eignen, Familienfeste und so etwas. Alles in kindlicher Form verfasst. Mit zunehmenden Alter von Martin Schlosser werden die Absätze länger und ausführlicher. Main wächst quasi nicht nur mit Martin Schlosser auf, sondern man wächst als Martin Schlosser beim lesen auf! Das ist wirklich ganz fantastisch geschrieben. Und, ja, vielleicht ist das natürlich besonders interessant für Leute die selbst aus der Generation stammen und in den 60zigern geboren sind, aber ich denke auch für Jüngere oder gar Ältere ganz das durch aus spannend sein!
Allerdings musste ich ehrlich gesagt auch erst einmal nachschlagen wo den Vallendar, Meppen und Jever überhaupt liegen. Ich war zwar mal in der einen oder anderen Gegend gewesen, aber das ist dann auch schon gefühlte 100 Jahre her. Natürlich geht es in JUGENDROMAN nahtlos weiter. Eben mit den abgeschlossenen Umzug der Familie Schlosser nach Meppen. Und den Roman habe ich nun auch schon fast durch und freue mich schon auf den Nächsten.
Wunderbares Vergnügen für alle, die die 60er und frühen 70er Jahre als Kind in Deutschland (West) verbracht haben.
Als der Protagonist zum Fußballfan mutiert, wird's ein bißchen sehr detailliert mit den verschiedenen Spielen, Halbzeitergebnissen und Torschützenlisten ... wäre das nicht über gefühlt die letzten 100 Seiten des Buches abrupt dominierend geworden, hätt's vielleicht noch ein Sternchen mehr in der Bewertung gegeben.
Sehr schön zu lesen, öfter witzig. Ich habe allerdings die Urfassung gelesen und zwar als dtv-Taschenbuch mit dem Schwarzweissfoto von den Kindern und dem weißen VW Käfer.