n Zeiten todbringender Armut und Ausbeutung muss sich Lenchen Demuth schon früh als Dienstmädchen verdingen. Im Haushalt der Familie Marx wird sie der jungen Ehefrau Jenny zur engen Freundin – und bald auch Vertraute des großen Philosophen Karl Marx. Fasziniert verfolgt sie seine Studien und erkennt bald, dass diese auch mit ihrem eigenen Leben zu tun haben. Doch dann verliebt sich Lenchen rettungslos in Karl Marx.. Als sie ein Kind erwartet, steht nicht nur ihre Freundschaft mit Jenny, sondern auch das Werk von Marx und Engels auf dem Spiel.
Schon traurig, dass jemand, der sich so stark mit Kapitalismus auseinandergesetzt hat wie kein anderer, privat überhaupt nicht mit Geld umgehen konnte…
»Während einer Revolution öffnen sich die Menschen. Mir war, als ob selbst die steifsten, hochnäsigsten Menschen ihre Masken ablegen und ihre Hoffnungen ungeniert mit anderen teilen würden. Sie waren bereit, alles zu geben, sie waren sogar bereit zu sterben.« – S. 188
Im April diesen Jahres, 200 Jahre nachdem Karl Marx das Licht der Welt erblickte, erschien dieses Buch und erzählt die Geschichte des grossen Denkers aus einer ganz neuen Perspektive. Helena "Lenchen" Demuth war das Dienstmädchen der Familie Marx und eine ihrer engsten Vertrauten. Die Schwestern Claudia und Nadja Beinert erzählen dabei nicht nur vom Leben und wirken von Karl Marx, sondern vielmehr gelingt ihnen ein einfühlsamer Blick auf das Leben der Frauen zur damaligen Zeit.
Weg von zu Hause und rein ins Ungewisse Lenchens Geschichte beginnt in Sankt Wendel, einem kleinen Ort in der Nähe von Trier. Dort lebt sie mit ihrer Familie und wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon früh muss sie mit anpacken. Dabei stellt sie sich manches mal etwas ungeschickt an, was ihr Spott und Häme, sowie den Spitznamen "Zitterhand" einbringt. Ihr einziger Verbündeter in der Familie scheint ihr Pabbi zu sein, der sie an langen Abenden in die Geheimnisse des Schachspiels einweiht. Leider verstirbt der geliebte Vater viel zu früh und lässt die Familie in bitterer Armut zurück. An manchen Abenden kommt gar nicht genug Essen für alle auf den Tisch, so dass Lenchen sich den Bauch mit Wasser füllen muss. Als sie dann eines Sonntags vor der Kirche von einem Mädchen aus dem Nachbardorf hört, das in Trier sein Glück als Dienstmädchen gemacht hat, steht ihr Entschluss fest. Noch in der selben Nacht schleicht sich Lenchen heimlich vom elterlichen Hof und wandert den langen Weg nach Trier. Ein wagemutiger Schritt für ein noch nicht einmal zehnjähriges Mädchen. In Trier läuft Lenchen dann auch das erste Mal Karl Marx über den Weg, ist allerdings nur wenig angetan von ihm. Dafür freundet sie sich mit Jenny von Westphalen an, bei deren Familie sie auch Anstellung findet. Die Freundschaft, die sich zwischen den zwei Frauen unterschiedlichen Standes entwickelt, geht tief und Lenchen steht fortan loyal an Jennys Seite. Auch als diese den düsteren Karl heiratet und weg zieht. Einige Jahre später kümmert sie sich dann nämlich um den Haushalt der Familie Marx und zieht mit ihnen von Brüssel über Köln und Paris bis nach London.
»In meinem Traum liefen die Menschen dort [London] wie Maschinen herum: mit Gehirnen voller Zahnräder, mit Armen aus Eisenstangen, die mit Scharnieren verbunden waren, und mit Herzen, die der Dampf antrieb.« – S. 160
Eine ungewöhnliche Perspektive Mit dem Blick fürs Detail beschreiben die Autorinnen die Lebensumstände Mitte des 19. Jahrhunderts und lassen sie im Kopf des Lesers/der Leserin lebendig werden. Man spürt förmlich den Druck des Familienoberhauptes, genügend Geld für die nächste Mahlzeit auf den Tisch zu bringen, aber auch die kleinen Freuden des Alltags werden äusserst bildhaft dargestellt. Zu gerne würde ich einmal Gordons Kaffee probieren oder dem Lied vom Knotenpelz lauschen. Diesen harten Alltag erleben wir Leser und Leserinnen nicht etwa aus der Perspektive des Familienoberhauptes oder der Dame des Hauses, sondern aus jener des Dienstmädchens. Eine ungewöhnliche Sicht auf die Dinge, aber auch eine, die es ermöglicht ganz private Situationen auferstehen zu lassen. Das Frisieren am Morgen beispielsweise, ein Schachspiel oder eine Theateraufführung der Kinder für ihre Eltern und Freunde. Claudia und Nadja Beinert gelingt es zudem wirklich ganz toll, die historischen Fakten mit fiktiven Erzählungen auszuschmücken und zu verschmelzen. So wird auch reichlich über die philosophischen und politischen Ideen von Marx und Engels debattiert und zahlreiche historisch belegte Persönlichkeiten geben sich die Klinke in die Hand. Mir brachte das Buch diesbezüglich einiges an Information, da ich von Marx und Engels aus der Schulzeit zwar noch eine vage Vorstellung hatte, mir jedoch nicht Bewusst war, wie stark ihre Theorien in den Folgejahren aber verfälscht und abgewandelt wurden. In Bezug auf die Geschichte im Buch glaube ich aber, dass etwas weniger Politik nicht geschadet hätte, einige Passagen waren doch eher trocken und langatmig zu lesen.
Die vollständige Rezension kann auf meinem Blog Livricieux nachgelesen werden.
Helena, genannt Lenchen, bangt mit ihrer Familie nach dem Tod ihres Vaters um ihrer aller Leben. Arm war die Familie schon vorher, doch nun geht es ums nackte Überleben. Also zögert sie nicht lange und geht in die nächstgrößere Stadt nach Trier, wo sie als Dienstmädchen im Hause Westphalens anfangen kann und sich nicht nur mit deren Tochter Jenny anfreundet, sondern auch auf Karl Marx', Jennys späterem Ehemann, trifft...
Der Leser verfolgt Karl Marx' Leben durch den Blick der jungen Helena. Lenchen ist zu Beginn des Romans acht Jahre alt und ungefähr 30 Jahre verfolgen wir ihr und damit auch Karl und Jenny Marx' Leben. Das Erwachsenwerden von Lenchen wird dabei nicht nur durch die steigenden Jahreszahlen und weiter geblätterten Seiten deutlich, sondern die Autorinnen schaffen dies hervoragend in ihrem Schreibstil zu verdeutlichen. Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben und während man Lenchens kindlich-naiven Blick in die Welt am Anfang bemerkt und dieser Blick immer mehr reift, ist das vor allem am sich wandelnden Erzählstil bemerkbar. Dieser Prozess findet aber so schleichend statt, dass es einem nur auffällt, wenn man darauf achtet, weil der Prozess so natürlich vonstatten geht.
Inhaltlich bietet das Buch sehr viel. Es beschreibt die Lebensumstände eines armen Mädchen, das es schafft, sich hochzuarbeiten. Es gibt einen Einblick in das kommunistische Gedankengut und beschreibt das nicht immer einfache durch Armut geprägte Leben der Marxen Familie. Darüber hinaus ist es aber auch mit einer Liebesgeschichte gespickt, in der es um Leidenschaft, Freundschaft und Verrat geht. Auch wenn man als Leser nicht immer jeden Schritt der Figuren gut heißt, so sind sie dennoch verständlich und hoch emotional.
Alles in allem ist das Buch rundum stimmig. Stil und Inhalt harmonieren wunderbar miteinander und dann gibt es eine schöne Karte von London und die Noten und den Text des wichtigsten Liedes in den Innenseiten des Buches gedruckt. Ein Buch für Fans von historischen Büchern, die im 19. Jahrhundert in den ärmeren Schichten angesiedelt sind, die sich für das Leben von Karl Marx interessieren und/oder gerne leise aber mitreißende Liebesgeschichten mögen.
Zum Buch: In Zeiten todbringender Armut und Ausbeutung muss sich Lenchen Demuth schon früh als Dienstmädchen verdingen. Im Haushalt der Familie Marx wird sie der jungen Ehefrau Jenny zur engen Freundin – und bald auch Vertraute des großen Philosophen Karl Marx. Fasziniert verfolgt sie seine Studien und erkennt bald, dass diese auch mit ihrem eigenen Leben zu tun haben. Doch dann verliebt sich Lenchen rettungslos in Karl Marx.. Als sie ein Kind erwartet, steht nicht nur ihre Freundschaft mit Jenny, sondern auch das Werk von Marx und Engels auf dem Spiel. Mit tiefer historischer Kenntnis verweben die Beinert-Schwestern Fakten und Fiktion zu einem einfühlsamen Roman um eine geheime große Liebe.
Der historische Roman zum 200. Geburtstag von Karl Marx von den Autorinnen Claudia und Nadja Beinert und gleichzeitig eine große Liebesgeschichte.
Meine Meinung: Ich muss gestehen, mein Geschichtsunterricht ist schon sehr lange her und mir waren Marx und Engels zwar ein Begriff und grob wusste ich auch noch, was die zwei (und etliche Helfer) geschaffen hatten, aber genaueres wusste ich dann doch nicht mehr. Aber das Buch hat meine eingerosteten Gedanken wieder auf Vordermann gebracht. Ein total beeindruckender Roman über die Geschichte Deutschlands, über die Anfänge der Industrialisierung und natürlich über die unstandesgemäße Liebe. Ich möchte nicht wissen, wieviel Dienstmädchen ungewollt (in diesem Buch eher gewollt) von ihren Dienstherren geschwängert wurden. Ich fand es sehr schön geschrieben, meiner, laienhaften, Meinung nach wurde auch der Ton und die Geschicke der damaligen Zeit gut getroffen. Mich hat Helena "Lenchen" Demuth doch sehr begeistert, wie lernwillig und fortschrittlich sie doch zu der damaligen Zeit war.
Es ist ein historisches Erlebnis, diesen Roman zu lesen und ihre kann ihn nur weiterempfehlen. Wer gerne über kleine Rebellen liest, hier ist er richtig.
Ein historischer Roman mit Karl Marx als Hintergrund? So ganz sicher war ich nicht, ob dies was für mich wäre. Aber irgendwie fand ich den Ansatz dann doch spannend. Und zum Glück habe ich dieses kleine Juwel gelesen. Als junges Mädchen verlässt Lenchen den elterlichen Hof, um in der Stadt zu arbeiten und ihre Familie zu unterstützen. Dort trifft sie auf Jenny von Westphalen und diese nimmt Lenchen mit nach Hause. Anfänglich bereitet der Haushalt Lenchen ein wenig Probleme, aber auch dank Jenny hat sie dort ein neues Zuhause gefunden. Wäre doch nur nicht dieser dunkle, griesgrämige Karl Marx, der im Hause von Westphalen oft zu Besuch ist. Als Jenny und Karl sich verloben, arbeitet Lenchen in deren Haushalt. Und je mehr Zeit sie mit Karl Marx verbringt, umso weniger unsympathisch ist er ihr. Und so kommt irgendwann was kommen muss. Die beiden beginnen eine Affäre. Jenny bricht daraufhin mit Lenchen. Mehr wird nicht verraten. Ich mochte den Schreibstil sehr gerne. Man taucht wunderbar in die damalige Zeit ein und auch der Sprachstil ist der damaligen Zeit angepasst. Das Buch erzählt die Lebensgeschichten zweier starker, aber so unterschiedlicher Frauen. Und auch das allgmeine Bild von Karl Marx wird hier neu beleuchtet. Es ist eine bewegte Zeit, in der die drei aufeinander treffen und miteinander leben. Es ist spannend beschrieben und ich bin wirklich froh, dass mich der Name Karl Marx nicht abgeschreckt hat.
Als der Vater stirbt, sich die blutjunge Lenchen Demuth in der Pflicht aus dem Dorf in die Stadt zu gehen und für ihre Familie Geld als Dienstmädchen zu verdienen. Als die Tochter ihrer Herrin den Philosophen Karl Marx heiratet, wechselt Lenchen in dessen Haushalt und begegnet dabei Armut, Tod, Freundschaft, politischem Eifer und dem Schachspiel. Fasziniert von Marx' Lehren verliebt sich Lenchen mit weitreichenden Konsequenzen in ihn.
Der historische Roman zum 200. Geburtstag von Karl Marx von den Autorinnen Claudia und Nadja Beinert beruht auf wahren Begebenheiten. Im Mittelpunkt steht das Dienstmädchen Lenchen und bittet einen guten Einblick in die Welt Ende des 19. Jahrhunderts. Spannend fand ich die leidenschaftliche Ergebenheit von Lenchen gegenüber der Familie Marx, egal was passiert.
Ein sehr lesenswertes und interessantes Buch. Versetzt einen sofort in die Lebenswelten und sozialen Umwälzung des 19. Jahrhunderts. Die Haushälterin von Karl Marx steht im Mittelpunkt. Die Autorinnen haben gut recherchiert und man bekommt das Gefühl dass sie sich um historische Korrektheit bemüht haben, ohne jetzt sich an jedes Detail zu halten. Nach dem Buch habe ich mich gefragt, ob die Welt eine andere geworden wäre, wenn Karl Marx, statt das Kapital zu schreiben, sich darum gekümmert hätte dass seine Kinder in besseren Umständen aufwachsen. Also was wäre die Welt ohne Marx? Im heutigen Zeitalter des Hyper Kapitalismus fällt es schwer hier nicht zynisch über zu denken.
Auch die Ausbeutung der Haushälterin scheint kein richtig interessiert zu haben. Das private ist politisch- dieser Slogan kam wohl erst 100 Jahre später.
Zeitweise muss man tapfer weiter lesen, bis es wieder spannend wird. Aber als DDR Kind habe ich dieses Buch gerne gelesen. Gibt ein solches Buch über Ernst Thälmann?
Von twinklingletters "Revolution im Herzen" von Claudia und Nadja Beinert ist ein historischer Roman, welcher Fakten und Fiktion rund um Karls Marx und seiner heimlichen Liebe Lenchen Demuth miteinander verbindet. Lenchen Demuth ist ein junges Mädchen aus einer armen Bauersfamilie. Nach dem Tod ihres geliebten Vaters verlässt sie als junges Kind ihre Familie und macht sich auf den Weg ins ferne Trier, um eine Anstellung als Dienstmädchen zu finden. Auf ihrem Weg dorthin lernt sie die junge Baronesse Jenny von Westphalen und ihre Begleiter kennen, darunter ein Junge namens Karl Marx. Jenny nimmt sie als Dienstmädchen in ihre Familie auf, obwohl sich Lenchen zunächst recht ungeschickt anstellt. Es entsteht rasch eine tiefe Freundschaft zwischen den Beiden. Als Jenny dann Karl Marx heiratet und nach Paris zieht, fühlt sich Lenchen allein und freut sich umso mehr, als sich die Chance bietet wieder mit ihrer Freundin vereint zu sein und in ihrem Haushalt zu dienen. Aus den anfänglichen Abscheu gegenüber Marx entsteht langsam etwas anderes und die Beiden kommen sich näher ...
Ich habe bisher kein Buch der Schwestern Beinert gelesen, aber als großer Fan historischer Romane, hatten sie mich schnell mit ihrer angenehmen Schreibweise eingenommen. Die Geschichte liest sich wundervoll und flüssig. Geschickt werden hier Roman und geschichtliche Fakten miteinander verbunden. Ich habe bereits vorher einen Roman über Marx gelesen, in welchem auch seine Beziehung zu Lenchen Demuth Thema war. Hier war nun die Gelegenheit mehr über diese außergewöhnliche Frau und die Beziehung der Beiden zu erfahren. Der Roman hat mir insgesamt sehr gut gefallen und ist nicht nur für Geschichtsinteressierte zu empfehlen.