Im Gegensatz zu „Jenseits der Gene“ behandelt „Zaubergarten Biologie“ deutlich fortgeschrittene Themenbereiche der Biologie, die teilweise weit über normales Schulwissen hinausgehen. Einiges ist für einen Biologie Leistungskurs ein Einstieg geeignet. Eine leichte Lektüre als Hausaufgabe, damit man dem Unterricht und den Prinzipien besser folgen kann. Diese Texte bringen den Leser mit einfacher und poetischer Sprache auf ein gutes Allgemeinbildungsniveau in den behandelten Themen.
Als Biologe lese ich sie gemütlich und entspannt. Die Fakten sind mir lange bekannt. Zitate wären nett und einigen Phänomenen noch einmal genauer nachspüren zu können. Leser ohne sehr solide biologische Grundkenntnisse werden an diesen Essays ein wenig zu knabbern haben aufgrund der Faktenfülle die in wenigen Seiten jeweils vermittelt wird.
Was diese Essays jedoch besonders macht ist die Einbettung der erklärten Phänomene in ein großes biologisches und gesellschaftliches Gesamtkonzept. Aus wissenschaftlicher Sicht springt der Autor teilweise schnell von einem Thema zum nächsten von einem Abschnitt zum nächsten. Wenn man aber den ganzen Essay gelesen hat merkt man, dass diese Dinge zusammengehören, auch wenn sie im Unterricht häufig nicht zusammen behandelt werden, obwohl das das Verständlich möglicherweise erleichtern würde, weil man sie eben in ein immer größeres Gesamtkonzept einordnen kann, was die Informationsverarbeitung deutlich effizienter macht.
1. Der kleine Warme Tümpel behandelt Bakterien und Archea.
2. Feuer aus dem All behandelt erneut die Endosymbiontentheorie und einige der Abschnitte des Essays erinnern stark an Essays in „Jenseits der Gene“. Es geht aber auch um die Funktionsweise der ATP Synthase, die sehr schön anschaulich beschrieben wird.
3. Der Lebensspendende Strom behandelt die Nahrungskette und wieviel Sonnenenergie gegen Ende der Nahrungskette jeweils noch enthalten ist.
4. Ein besonderer Saft ist ein sehr schöner Essay zum Thema Immunbiologie. Er beschreibt die Funktionsweise von Blutzellen und Stammzellen und ist somit gut für Klasse 12/13 (G9) geeignet.
5. Des Lebens Bruder ist ein sehr schöner Essay zum Thema Apoptose und Altruismus.
6. Grenzen des Ichs behandelt das Mikrobiom und ist somit nützlich für Klasse 12/13 (G9)
7. Der Kobold in mir beschreibt die Entstehung von Vitaminen und wofür sie benötigt werden. Insbesondere Vitamin B12 wird behandelt
8. Ungeduld des Herzens beschreibt warum wir Spurenelemente brauchen und was passiert, wenn wir nicht genug von ihnen zu uns nehmen.
9. Planet der Mirkoben beschreibt Yersinia Pestis, Persepidemien und Antibiotika.
10. Das Große Würfelspiel erklärt die Vorteile und die Funktion sexueller Fortpflanzung. Verschiedene in der Natur umgesetzte Mechanismen werden vorgestellt.
11. Wundersame Reise basiert auf teils veralteten Forschungsdaten, nach denen Spermien den Geruch von Maiglöckchen riechen. Das ist seit 2012 wiederlegt. Einige Teile des Essays sind aber immer noch sehr nützlich für Chemotaxis und man kann ja darauf eingehen, dass sie die Datenlage geändert hat, das ist die Natur der Naturwissenschaften.
12. Wider die Natur beschreibt Bisexualität bei Fliegen und wie man sie auslösen und beeinflussen kann.
13. Das Leben ein Traum ist ein schöner Essays der Epigenetik einfach erklärt. Sehr nützlich für LK Bio.
14. Das weite Land ist eine sehr gute Einführung in chemische Signalübertragung bei Neuronen, ebenfalls Klasse 12/13.
15. Schöpfer Zufall: Wie wird DNA kopiert + proofreading. Warum sind Fehler eine gute Sache?
16. Sprachwerdung und FoxP2. Spannend auch für Linguisten. Es geht um spontane regionale Zeichensprachen und eben FoxP2.
17. Bedrohtes Erbe hat nichts mit Biologie zu tun sondern beschreibt die Voyager Sonde und die Goldene Platte an Bord.
18. Die lange Sicht ist ein Ausblick auf den Energiehunger der Welt und dass wir ihn bald nicht mehr decken werden können.
19. Die große Frage ist, ob es außerirdisches Leben gibt.
Mein Lieblingsessay in diesem Band ist „Der Kobold in mir“.
Die beste take home message hat aber „Schöpfer Zufall“: „Zufälle und Fehler sind Quellen des Neuen; wer sie rigoros unterdrückt, wird wenig neues schaffen. […]hätte sie [die lebendige Natur] Zufälle und Fehler gescheut, wären wir alle noch Bakterien.“ (S. 130f)
Diesen Satz sollten sich alle Lehrer zu Herzen nehmen. Die Natur „lernt“ aus Fehlern, wir sollten das auch und sie als Teil eines Experiments sehen und nicht sofort mit schlechten Noten bestrafen.