Puh weiß gar nicht wie ich dieses Buch bewerten soll. Würde am liebsten 2.5 Sterne geben, aber runde mal auf.
Teilweise hochgradig spannende Erzählungen über Abenteuer in der Arktis sowie ein Einblick in die komplett fremde und leicht primitive Kultur der Inuit. Überwiegend interessant geschrieben mit Humor, wilden und skurrilen Kurzgeschichten (Inuitkinder erhängen sich als Zeitvertreib (?)) und mit Bilder untermalt (nicht diese Geschichte). Man bekommt Einblicke in die Essenskultur, das tägliche Leben, die Liebesbeziehung und das Frauentauschen, sowie eine gewisse Allgemeinbildung über Iglos, Hundeschlitten und Eis. Die Expeditionen, die der Autor unternahm sind geprägt von Hindernissen und Problemen und zeigen eindrucksvoll das schwierige Leben in der Arktis auf, wo jeder Tag ein Kampf ums Überleben ist und man nicht weiß ob der nächste überhaupt angetreten werden kann. Die starke Abhängigkeit von der Natur aber auch die Stärke und das Durchhaltevermögen eines Menschen werden hier besonders deutlich.
Aber der Schreibstil wäre auch eine meiner größten Kritikpunkte an dem Buch: durch diese Art mit den "Kurzgeschichten" ist es teilweise schwierig dem übergreifenden Plot zu folgen, es werden ein Haufen Namen genannt, die nach 2 Seiten nicht mehr relevant sind, nur um dann später nach weiteren 150 Seiten wieder aufgegriffen zu werden (dabei sind es Inuit Namen wie Uvisanavsik, die unheimlich schwer zu merken sind). Darüber hinaus sind Thematiken oder Motivationen einzelner Personen sowie von Peter Freuchen selbst, oftmals nicht nachvollziehbar dargestellt, sodass man nie ganz im Bilde ist. Ein weiteres Problem ist, dass einige der Kurzgeschichten schlichtweg uninteressant und langweilig sind. Es wird seitenlang beschrieben, wie einer der Händler sich Lügengeschichten ausdenkt und sich betrinkt oder über Tänze, dass sie die ganze Nacht gingen und dass es viele waren und viele Leute da waren etc. Eine Geschichte, die sich mir in diesem kontext eingeprägt hat, war, als sie ein Haus von Peary besucht und wieder aufgebaut hatten. Diese Geschichte ging grob über zwei bis drei Seiten. Am Ende hatte sie keine Relevanz, es ist nichts spannendes passiert und den Grund, warum dieses Haus jetzt wieder aufgebaut wurde, habe ich immer noch nicht verstanden (war es Forschung, Langeweile, Zeitvertreib, eine Hommage ????). Da hätte ich lieber mehr über die Abenteuer erfahren oder über die Kultur der Inuit.
Eine weitere, diesmal extremst spannende Geschichte ging darüber, wie der Autor zu Fuß aus der einen Siedlung in die andere gehen musste, mit einem verfaulten Bein, dabei im Schlamm versunken ist und fast verhungerte. Vor Start dieses Unterfangens wurde gesagt, er müsse die Schlitten da lassen und könne sie nicht nutzen. Warum das so ist, wurde nicht erklärt. Und ich glaube dies fasst meine Kritik ganz gut zusammen. Aufgrunddessen musste ich dieses Buch auch mehrmals weglegen und wieder aufnehmen und habe mehrere Monate gebraucht, um es zu lesen.
Meine anfängliche Frage an das Buch, wie die Inuit diese schlimmen äußerlichen Bedingungen und Herausforderungen täglich überstehen und meistern wurde darüber hinaus kaum bis gar nicht beantwortet (außer dass sie über alles lachen, okay 👍🏽). Aber ich denke das ist eher meine Erwartungshaltung an das Buch gewesen und hat nichts mit der Qualität zu tun.