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ボラード病

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生れ育った町が忘れられず、人々は長い避難生活から海塚に戻ってきました。心を一つに強く結び合い、「海塚讃歌」を声を合わせて歌い、新鮮で安全な地元の魚を食べ、ずっと健康に暮らすことができる故郷―。密かにはびこるファシズム、打ち砕かれるヒューマニズム。批評家を驚愕・震撼させた、ディストピア小説の傑作。

165 pages, Hardcover

First published June 10, 2014

30 people want to read

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Man'ichi Yoshimura

14 books3 followers

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Buchdoktor.
2,367 reviews190 followers
August 28, 2018
Kyoko Oguri geht in die 5. Klasse einer japanischen Grundschule. Mit ihrer allein erziehenden Mutter hat sie es nicht leicht; denn die pflegt einen außergewöhnlichen Sauberkeitswahn und hat Bedenken, die Nachbarn könnten etwas an ihrem Lebenswandel auszusetzen haben und sie irgendwo denunzieren. Die Wortwahl wirkt für die Gedanken einer elfjährigen Schülerin anfangs sonderbar, selbst dann noch, als ich als Leser realisiert hatte, dass die Ereignisse 20 Jahre her sind und die Ich-Erzählerin inzwischen Anfang 30 ist. Mutter und Tochter haben spürbar Probleme, miteinander eine angemessene Sprache zu finden für Themen, die nur sie betreffen, im Unterschied zur öffentlichen Sprache gegenüber Fremden. Eigentlich sollte Japanisch unterschiedliche Vertrautheit abbilden können, dachte ich verblüfft.

Kyokos Lehrer wendet für asiatische Verhältnisse ungewöhnliche Lehrmethoden an. Jeder Schüler soll ein Selbstlern-Heft zu einem frei gewählten Thema anlegen, doch nicht alle Schüler finden ein Thema. Dass seine Schüler mit der Aufgabe überfordert sein könnten, scheint Fujimura-sensei nicht in den Sinn zu kommen. Kyoko darf das Thema nicht wählen, das sie am stärksten interessiert, Vorgänge, die es nur in ihrem Kopf gibt. Sie beschließt, für dieses Thema heimlich ein eigenes Heft zu beginnen. Ihre Klassenkameradin Hiroko schreibt einfach über Armut und warum sie sich selbst als arm einstuft. Kyoko bewundert, wie offen und prägnant Hiroko sich ausdrücken kann und wie klar ihre Schrift wirkt. Lehrer Fujimuras Selbstlernhefte wirken umso sonderbarer, als Selbstständigkeit und eigenständiges Denken der Schüler unerwünscht ist und ihnen allein Parolen abgefragt werden, deren Inhalt niemand füllt. In der Schule gibt es ebenfalls Probleme mit unterschiedlichen Sprachniveaus. Die Tabu-Themen Mobbing und dass es einigen Schülern gesundheitlich nicht gut geht, treten erst zutage, als eine Schülerin stirbt. Sie ist offenbar nicht die erste. Kyoko fragt sich nun, welches die Welt ist, ihre kleine Familie, die Schule oder etwas bisher Unbekanntes.

Wie auf dem Plan eines Verkehrsverbundes betreten Yoshimuras Leser von innen nach außern nach Familie, Nachbarschaft und Schule gemeinsam mit Kyoko die nächste Zone, die Gemeinschaft von Umizuka, einem kleinen Ort, der zur Stadt Kaizuka in der Bucht von Osaka gehören könnte. Ein fatales Problem mit Krankheiten und Umweltschäden, die an eine Atomkatastrophe denken lassen, wird dort mit einigem Aufwand vertuscht. Mit diesem Wissen lassen sich die Ängste von Kyokos Mutter völlig anders einordnen. Wem bewusst wird, wo Kyoko sich heute befindet, als sie diesen Text schreibt, der wundert sich vermutlich auch nicht mehr über die sonderbare Wortwahl im ersten Kapitel.

Die japanische Kultur zeichnet sich durch strenge Hierarchien aus und durch die Eigenheit, Konflikte selbst dann noch zu leugnen, wenn sie allen anderen außer den Japanern längst bewusst sind (siehe Japans Kriegsverbrechen und die fehlende Auseinandersetzung mit menschlichen Fehlern). Wer bereit ist, sich auf die Erzählperspektive einzulassen, kann hier einer Elfjährigen dabei folgen, wie sie allmählich ein Pauksystem als Vorstufe zu totalitärer Herrschaft und sektenartiger sozialer Kontrolle erkennt.

Wer Atwood und Ishiguro mochte, sollte mit Yoshimuras Dystopie einen Versuch wagen …
Profile Image for Tina (Sips & Scares).
277 reviews20 followers
September 2, 2018
Puristisch und bedrückend liegt in „Kein schönerer Ort“ eine ungesagte Katastrophe in der Luft — gekonnt inszeniert!

Als ich in der Herbstvorschau des cass Verlags diesen Titel entdeckte, war mir direkt klar: Das muss ich lesen. Der Klappentext deutet auf eine mögliche Atomkatastrophe hin, nach der die Bewohner Umizukas dort leben, aber ausgesprochen wird dies nicht. „Kein schönerer Ort“ von Manichi Yoshimura erzählt aus der Perspektive eines jungen Mädchens, wie sich Ungeheuerliches abspielt, Todesfälle überspielt werden und der Zusammenhalt des Orts irgendwie erzwungen scheint. In den Schulen fehlen nach und nach immer mehr Kinder, sie klappen im Unterricht zusammen und wenige Tage später erfahren wir, dass sie gestorben sind. Der Grund dafür wird uns allerdings nicht genannt. Die unschuldige Sprache Kyoko-chans lässt uns nur langsam die Katastrophe wahrnehmen, die sich in Umizuka abgespielt haben muss. Nach dutzenden Malen, in denen Kyoko die Umizuka-Hymne gezwungenerweise und lustlos mitsingt, weil sie sich von der Gemeinschaft ihrer Klassenkameraden ausgeschlossen fühlt, wächst in ihr das Bewusstsein, dass etwas faul ist. Ihre Mutter kocht nie frisch, lässt Dosen voller Fertiggerichte importieren und achtet penibel auf jedes Staubkorn. Ist womöglich doch etwas geschehen? Aber wieso tun dann alle so, als wäre nichts gewesen?

"Am Ende tut nicht nur Umizuka, sondern das ganze Land so, als wäre nichts gewesen. Vielleicht nimmt gar […] die ganze Welt an dieser Komödie teil."

Dieser Roman hat mich gut 50 Seiten (ein Drittel!) gekostet, bis ich richtig drin war. Die Sprache und Erzählperspektive schien erst ungelenk, doch danach hat „Kein schönerer Ort“ seine schaurige Magie entfaltet. „Kein schönerer Ort“, das scheint Umizuka nach Meinung der gesamten Stadtbevölkerung tatsächlich zu sein, und obwohl die Kinder dahinsterben, bemühen sich die Älteren um Normalität. Was auch immer geschehen ist, es hat die Bewohner Umizukis zusammengeschweißt, ein übertrieben erscheinendes Gemeinschaftsgefühl hat sich entwickelt. Die Anwohner betonen immer, dass man das Gemüse und das Obst aus der Stadt bedenkenlos essen könnte, und spätestens jetzt fragt man sich als Leser, wieso sie geblieben sind. Oder werden die Bewohner Umizukas gar gezwungen, dort zu verbleiben, um andere Regionen nicht zu kontaminieren? Der Begriff „Atomkatastrophe“ steht wie ein dicker Elefant im Raum, doch niemand, wirklich niemand, spricht in Umizuka darüber — beziehungsweise wird von der Polizei mit den Worten „Alles erstunken und erlogen!“ abgeführt und nie wieder gesehen.

"Mit dem Bewusstsein des Menschen hat es so eine Bewandtnis. Beeinflusst vom Verhalten seiner Umgebung, sieht der Mensch bald nicht mehr, was er sieht. Selbst das Dreieck unmittelbar vor seinen Augen wird, wenn alle anderen behaupten, es sei ein Kreis, zum Kreis. Er fasst es nicht nur als solchen auf. Er sieht wirklich: einen Kreis."

Die Sprache von „Kein schönerer Ort“ ist für mich typisch „japanische Literatur“. Dieses Schnörkellose, Leise, fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Und trotz der Kürze dieses Romans hat Yoshimura den richtigen Ton getroffen. Der Klappentext verrät uns, dass dieses Buch zum Anlass der Reaktorkatastrophe in Fukushima geschrieben wurde, was den Eindruck der „Kontamination“ nur noch verstärkt. Mehrmals wird zudem erwähnt. dass Umizuki die Heimat ist, „die wir einmal verloren haben“ und die wieder aufgebaut wurde — das ist meiner Meinung nach der letzte Groschen, der fallen musste.

Fazit: Mit „Kein schönerer Ort“ von Manichi Yoshimura ist wieder mal ein kurzer, eigensinniger, aber auch wunderbarer Titel im cass Verlag erschienen! Die Sprache, die Geschichte, alles fügt sich toll zusammen. Lediglich der Start fiel mir etwas schwer und gegen Ende schlug die Handlung eine Richtung ein, die sich mir nicht ganz erschlossen hat. (Wer es gelesen hat, möge sich bei mir melden!) Yoshimuras Roman möchte ich jedem ans Herz legen, besonders aber allen, die die japanische Literatur bereits kennen, denn dieses Buch fügt sich nahtlos ein, obwohl es kein gleichförmiges Puzzlestück ist.

Mehr unter: https://killmonotony.de/rezension/man...
22 reviews
December 15, 2023
"Beeinflusst vom Verhalten seiner Umgebung, sieht der Mensch bald nicht mehr, was er sieht. [...] Vor seinen Augen können sich die ungeheuerlichsten Dinge abspielen - wenn alle behaupten, sie existierten nicht, sind sie nicht mehr da."

Kein Schönerer Ort von Manichi Yoshimura beginnt harmlos: Wir begleiten ein junges Mädchen in ihrem Alltag in einer japanischen Kleinstadt. Zwar ist sie sehr arm und ihre Mutter scheint sie sehr lieblos zu behandeln, doch sonst führt sie ein vermeintlich normales Leben. Schnell realisiert man jedoch, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Menschen verschwinden. Kinder sterben. Keiner spricht mit dem Mädchen und erklärt ihm, was in dieser Stadt, Umizuka, passiert ist. Ein erstaunlich großer Lokalpatriotismus und Zusammenhalt der Gemeinschaft lenkt die Einwohner*innen von diversen Vorkommnissen ab. Weshalb weigert sich die Mutter des Mädchens aber so sehr, sich in diese Gemeinschaft einzufügen, sich darin fallenzulassen?

Keine 160 Seiten braucht der Autor, um eine ganze heile Welt zu erschaffen, zu zerstören, und sie als universell gültiges Beispiel dafür heranzuziehen, was passieren kann, wenn man die Augen und Ohren vor der Realität verschließt. Falls das alles für euch spannend klingt, würde ich dringend raten, das Buch oder den Autor nicht vorab zu googeln, denn an vielen Stellen (auch im Klappentext) wird die (oder besser: eine) mögliche Auflösung bereits preisgegeben. Dennoch kann ich die Lektüre definitiv sehr empfehlen!

Übersetzt aus dem Japanischen von Jürgen Stalph.
12 reviews
January 1, 2026
"weil ihr mich braucht [...]. Weil ihr ohne kranke Menschen wie mich nicht mehr sicher sein könnt, dass ihr selber gesund seid".

Interessantes Buch, das die interessante Frage nach Krankheit und Gesundheit, nach Normalität und Abweichung davon, in einem kranken, inhumanen System stellt.
Starkes Ende. Starke Perspentivenwechsel. Ich brauchte am Anfang etwas, um reinzukommen. Kurz mit vielen Denkanstößen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Ernst.
652 reviews29 followers
February 18, 2024
Ein japanischer Roman, aber mal keine heile Welt und keine Katzen, aber immerhin aus der Perspektive einer Teenagerin geschrieben (rein, unverdorben und natürlich ein bisschen naiv), diesmal ein ernsteres Thema und man merkt wie schwierig es ist, schlimme Dinge anzusprechen ohne sie ganz direkt zu adressieren. Ist ganz gut gelungen und das Buch lässt sich sehr leicht und schnell lesen.
Profile Image for MuesTube.
62 reviews1 follower
June 11, 2024
Eine sehr bewegende, kurze und sehr gut erzählte Geschichte. Vieles wird sehr subtil vermittelt, einige Dinge bleiben am Ende in ihrer Deutung offen. Sehr lesenswert und eine Empfehlung meinerseits.
Profile Image for Bücherbrise.
123 reviews24 followers
December 27, 2018
Kein schönerer Ort ist ein Buch, in dem man zwischen den Zeilen lesen muss, um die Geschichte zu verstehen. Mit der Zeit wird ersichtlich, was in Umizuka passiert ist, auch wenn es nie ausgesprochen wird. Yoshimura beschreibt auf faszinierende Weise eine Geschichte über eine Katastrophe in Japan und deren Folge für die Bewohner.
Profile Image for COOKIEHEAD.
35 reviews5 followers
March 11, 2023
「私はこの島を、明日島と名付けています。全てが浅い明日へと先延ばしされていくような気がするからです。ずっとこの島では、何一つ前に進まず、何一つ実現しないのです(中略)明日があるからです。今日はだめでも、取り敢えず明日がある。勿論明日と言うのは、希望等ではありません。今日じゃないというだけの、絶望的な見通しに過ぎません。 (P.94)

「私には、どうしても自分でもうまくコントロールできない或る性癖があって、それを母はずっと私に注意し、叱り続けてくれていたのでしたが、もう言うべき言葉の在庫がなくなりかけたというか、親としての自信のようなものが折れかかっていたのではないかと思います。母は私を叱るとき、決まって『何度言ってもわからないのね!』とか『まだこんなことをしているの!』と言いましたが、それは即ち、自分の行ってきた躾や教育の無力さを露呈する言葉なのでした。」 (P.103)

「海塚の海産物は、どれも美味しく安全であると言う事は、どんな場合にも態度で示される必要がありました。それが海塚市民の結び合いの実践と言うものでした。」(P.119)

「私みたいな人間を、あなた方は残しておかないと駄目なんでしょう?あなた方は、私みたいな病気の人間がいないと、自分たちが正常だと確認出来ないからです。それに、本当の世界を見ている人間が残っていないと、やっぱり不安なんじゃないかって、健君も言っていました。あなた方は私を見ない。見ないけれども、私のような存在に頼っているんじゃないですか。あなた方は嵐の海に翻弄される船みたいなものです。何の根拠もないでっち上げの世界は今にも崩れそうで、本当は難破しそうになっているんでしょう?あなた方は何とかこの世界に繋ぎ留めているのは.あなた方が必死になって隠そうとしている私たちのような人間の存在なんじゃないですか?私には根拠があるんだ。どう見たって、あなた方は地に足がついていないじゃないですか。私はちゃんと大地に足を踏ん張って立っているんだ。
私はボラードですか?どうしてあなた方のために、あなた方の命綱でガチガチに縛られて.こんなところで生き続けていなくてはならないんですか?
ひょっとすると海塚だけでなく、この国全体がすべてを無かったことと見做しているのかも知れませんね。あの規模を考えると、もう世界全体がこの茶番に参画してしまっているかも知れないし。何を言っても無駄な事は、分かっています。しかし私は、たとえ世界中の人々が何もなかったと主張しても、自分の目が見ている世界しか信じられません。病気は治っていません。しかし本当に病気なのはあなた方のほうです。せいぜいそうやって、どこまでも仮想現実を生きていけばいいんだ。もう何十年も経ってしまったから、戻れないんでしょう?」 (P.163)
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