Was hat uns Karl Marx heute zu sagen?Ist der Kapitalismus noch zu retten? Oder brauchen wir eine neue Gesellschaftsidee? Gregor Gysi untersucht kritisch, unterhaltsam und pointiert die Bedeutung des Marx’schen Denkens und seiner Rezeption, die von akademischer Erbauungsliteratur bis zum Popart-Design reicht. Seine Die Menschheit braucht eine neue Utopie.„Karl Marx war einer der größten Historiker und Ökonomen nicht nur unseres Landes, sondern der Geschichte.“ Gregor Gysi.Als linker Politiker hat man ein Verhältnis zu Marx, und angesichts der Niederlage historischen Ausmaßes, die die Linke im 20. Jh. erfahren hat, kann dieses Verhältnis nicht völlig ungebrochen sein. Gregor Gysi hat aber auch ein sehr persönliches Verhältnis zu Das hat mit seinem Leben und Arbeiten in der DDR zu tun sowie damit, dass er die SED „übernommen“ und an vorderster Stelle an deren Umformung zu einer modernen Linkspartei mitgewirkt hat. Ein Prozess, in dem Auseinandersetzungen über den Marxismus eine große Rolle spielten. Gysi schildert die Bedeutung, die Marx für seine Biographie, aber auch für linkes Denken und linke Politik und die gesamte Gesellschaft hat. Überdies untersucht er die brennenden Fragen der Gegenwart und in welcher Weise Marx` Denken für ihre Lösung hilfreich sein kann.
Ein persönlich Blick darauf was an Marx heute politisch noch relevant ist - viel neues oder überraschendes enthält das Buch aber nicht. Etwas ärgerlich dass viele Zitate keinen Textnachweis/Quellenangabe haben.
Die Frage nach einer neuen Gesellschaftsidee, deren Beantwortung im Verlauf des Buches schwammig ist, stellt sich nicht ganz zu Unrecht. In meinen Augen ist dieses Buch jedoch eher eine Lobrede auf Marx und Gysi‘s persönliches Bild vom Marxismus/Leninismus als die tatsächliche kritische Auseinandersetzung mit der eingangs gestellten Problemfrage, die durchaus auch unter Einbringung des Kapitals und der marxistisch-leninistischen Denkweise kontrovers diskutiert werden kann.
Leider kann Gysi bei diesem Versuch der theoretischen Arbeit nicht mit unterhaltsamen Erzählungen aus dem Alltag punkten und seine lauwarme Verteidigung des Reformismus rasselt, ohne die gewohnte Stütze seines Charismas, durch jedes kritische Lesen durch.
ganz ok. gysi ist mir halt ein bisschen zu altmodisch was klassenkämpferische ideen angeht. es braucht halt ein bisschen mehr, famit tinfas, rassifizierte und behinderte menschen die gleichen chancen haben wie weisse cis männer, als es braucht, damit alle weissen cis männer die gleichen chancen haben. die teile über marx' biografie sind dafür umso spannender.
Ganz nett geschrieben, hilft beim Verständnis einiger einfacher Konzepte, aber alles in allem recht mittelmäßig. Gysi überzeugt mich nicht von seinem auf Marx basierten Reformismus.
Eher enttäuschend, hätte von gysis schreibstil durchaus mehr erwartet. Etwas irreführend, sofern man sich eine beantwortung der frage des titels erhofft