"The Hurting" ist wohl ein etwas anderes Jugendbuch mit einer ungewöhnlichen Geschichte. Wie schon im Klappentext zu sehen, haben wir es mit einer Mischung aus Liebesgeschichte, aber auch Thriller/Krimielementen zu tun. Diese Mischung mag für den ein oder anderen zwar klasse sein, aber mich konnte sie leider nicht überzeugen und ab einem gewissen Punkt habe ich das lesen nur noch als anstrengend empfunden.
Nell lebt zusammen mit ihrem Vater und ihrer Schwester in Norwegen. Aufgrund der Erkrankung von Nell's Schwester dreht sich der Alltag sehr um sie und Nell kommt öfter mal zu kurz. Abgesehen davon, habe ich Nell's Familie als sehr unsympathisch empfunden, da der Umgang mit Nell alles anderes als liebevoll ist. Die Beziehung zwischen Nell und ihrer Schwester Harper ist mir bis zum Ende des Buches ein Rätsel geblieben. Denn auf der einen Seite ist ihre Geschwisterlieber sehr groß, aber auf der anderen Seite ist sie in manchen Momenten einfach nicht vorhanden und man könnte meinen, dass die beiden sich absolut nicht leiden können. Natürlich ist Harper's Situation bedingt durch ihre Erkrankung nicht leicht, allerdings rechtfertigt diese es nicht, ihre Schwester so mies zu behandeln. Gleiches gilt auch für Nell's Vater. Er ist sehr religiös und zugleich Alkoholabhängig weshalb er zu Wutausbrüchen neigt. Dies entschuldigt aber dennoch nicht sein Verhalten, dass er für die eine Tochter alles gibt was geht, damit diese wieder gesund wird und die andere im Gegensatz dazu wie Dreck behandelt und sie nicht bei ihren Träumen und Wünschen unterstützt.
Nell ist ein junges Mädchen mit eigenen Träumen und wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre sie erst gar nicht in Norwegen gelandet, sondern immer noch in ihrem alten Zuhause in Manchester. Von daher kommt ihr die Begegnung mit Lukas eigentlich nur gelegen, da sie eine Bezugsperson gebraucht hat, da ihr bester Freund leider sehr weit weg ist und nicht immer helfen kann. Allerdings wird spätestens ab hier sehr deutlich wie jung unsere Protagonistin ist, da sie ziemlich naiv denkt, handelt und leider nicht nochmal genauer über alles nachdenkt. Sie spricht nach der Begegnung mit Lukas von Liebe auf den ersten Blick. Ehrlich gesagt ist das irgendwie völlig an mir vorbeigegangen. Na klar glaube ich, dass es so etwas wirklich gibt, aber für mich war es hier in dieser Situation einfach zu nebensächlich, zu klein, um daraus etwas so großes zu machen. Allerdings war dies der Auslöser für Nell's handeln, sodass man getrost sagen kann, dass sie blind vor Liebe war, wobei man in ihrem Alter noch nicht unbedingt weiß was Liebe überhaupt ist. Das einzig positive, ihr wird selbst irgendwann klar, dass ihre Liebe größer ist, als die von Lukas und das sie sich in eine Situation reinmanövriert hat, aus die sie schnellstmöglich wieder heraus muss..
Lukas war für mich die komplette Geschichte über nicht richtig greifbar. Bei dem ersten Treffen mit Nell dachte ich erst noch an einen netten, mysteriösen Jungen, aber es hat nicht lange gedauert, da ist er mir komplett entglitten und ich konnte mit ihm nichts mehr anfangen und alles wurde für mich nur noch seltsamer. Seine komplette Familiengeschichte, seine Tat, seine Handlungen, all dies hat mir irgendwann nur noch Fragezeichen ins Gesicht gezaubert. Das soll nun nicht heißen, dass ich die Geschichte nicht verstanden habe, sondern eher das mir die Geschehnisse so völlig realtitäsfern waren, dass ich mich nicht richtig in die Geschichte vertiefen konnte, da mir die gesamte Handlung seltsam erschien.
Zu Beginn gefiel mir der Schreibstil prinzipiell ganz gut, da er kurz und knackig ist und man die Seiten gut lesen konnte. Das hat sich bis zum Ende hin auch nicht viel geändert, allerdings waren die Sätze stellenweise etwas holprig geschrieben, sodass ich beim Lesen den Faden verloren habe und kurzzeitig der Handlung nicht mehr folgen konnte. Ansonsten ist das Buch aus der Sicht von Nell in der Ich-Perspektive geschrieben. Gelegentlich gibt es Kapitel aus der Sicht von Lukas, allerdings haben sie mir beim lesen nicht geholfen, sondern eher mehr Verwirrung hinterlassen.
Fazit:
Das Buch konnte mich leider nicht überzeugen, trotz interessantem Klappentext und schönes Setting in Norwegen. Die Charaktere waren eher unsympathisch, anstrengend und es fehlte ihnen an Tiefe. Der Klappentext macht zwar neugierig, verrät aber leider auch schon viel zu viel vom eigentlichen Inhalt, sodass jegliche Spannungen sowie Überraschungen vorweg genommen werden.