Ob Señora Botero de Mejía, eine Greisin, die durch die Straßen von Bogota zieht und Nahrungsmittel an die Ärmsten verteilt, ob der Schuhputer Xavier in Ecuador, der sich für die Geheimnisse der Sprache interessiert, ob eifersüchtige Rentner oder strenggläubige 16-jährige Mütter: Andreas Altmann destilliert aus ihren Lebensgeschichten ein unsentimentales Porträt des heutigen Südamerika und zeigt, dass Gier und Zerstörung nur eine Handbreit von Barmherzigkeit und Liebe entfernt sind.
So trifft er in Cali auf unbeugsamen Lebensmut bei einem Fußballspiel, in dem blinde Spieler einem klingenden Fußball hinterherjagen. In Ayacucho begegnet er dem Mitgefühl in Person der 78-jährigen Angelica, die mit ihrer Organisation Anfasep den Angehörigen der Opfer aus den peruanischen Terrorjahren hilft. Und in Quito lernt er, was Einsamkeit bedeutet, als er im Frauenzuchthaus „El Inka" die zu acht Jahren Haft verurteilte Deutsche Anna besucht. Dabei mischt sich in seine Wut über den Zustand der Welt immer neu seine Liebe zu den Menschen, deren Lebenswille und Schönheit.
„Reise durch einen einsamen Kontinent“ wurde mit dem Globetrotter-Reisebuchpreis 2008 ausgezeichnet.
Altmann war Dressman, Schauspieler am Residenztheater München und am Schauspielhaus Wien, Jura- und Psychologiestudent, Gärtner, Taxifahrer, Privatchauffeur, Spüler, Kellner, Anlageberater, Straßenarbeiter. Er lebt heute als Auslandsreporter und Reiseschriftsteller in Paris. Unter anderem ist er ohne Geld von Berlin nach Paris gelaufen (34 Tage, 33 Nächte), durch Indien (Notbremse nicht zu früh ziehen) und durch Südostasien (Der Preis der Leichtigkeit) gereist. Zudem hat er Storys aus der weiten wilden Welt unter dem Titel Getrieben vorgelegt. Er war unterwegs in Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile (Reise durch einen einsamen Kontinent).
Andreas Altmann hat mich erneut nicht enttäuscht. Als ich auf der Suche nach einem Reisebericht über Südamerika war und sein Name in der Datenbank auftauchte, war dieses Buch sofort gekauft. Es ist der klassische Altmann, wie ich ihn kenne- ein bisschen schräg, meinungsstark und dennoch weltoffen, extrem romantisch und sprachlich begabt. Er ist dafür bekannt, dass er anders reist als viele anderen. Er such nicht nach bekannten Bildern oder den neuesten Sensationen. Altmann bewegt sich still, mit offenen Augen und Ohren und wenn er nicht nach für ihn persönlich interessanten Geschichten sucht, so lässt er sich einfach mittreiben.
Da seine Kapitel in diesem Buch sehr offengehalten werden, war es mir außerdem möglich meine Lesezeiten komplett frei zu wählen. So habe ich es immer wieder dann aufgemacht, wenn ich mich nach seiner Sprache oder der Flucht nach Südamerika sehnte.
Have been to South America before I read this book. With it, I was a second time there - in memories. Very good traveling book, packed with many eye opening facts and somewhat unbelievable stories which are typical to get from Andreas Altmann.
Before I went travelling I thought what Altmann describes was good but I could not fully relate and imagine what he wrote about, but after I've been to southamerica I understood him so well! I loved the style of his writing and enjoyed every sentence, Altmann has a very unique way of travelling and writing.