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478 pages, Kindle Edition
First published August 15, 2016
Fredrik Beier ist zwischendurch mehr tot als lebendig. Medikamente und Alkohol sorgen immer wieder mal für Filmrisse. Das bleibt natürlich nicht verborgen, sein Sohn und seine Lebensgefährtin fürchten Selbstmordabsichten, seine Kollegen halten ihn zwischendurch für unzurechnungsfähig. Natürlich ist er beziehungsunfähig, was sonst. Und natürlich hält er sich nicht immer an die Vorgaben seiner Vorgesetzten.
Auch seine Kollegin Kafa Iqbal hat so ihre Geheimnisse. Blaue Flecken und Striemen in der Halsgegend sorgen für Verdachtsmomente.
Tja, die Osloer Polizei hat wohl ein Händchen für Kommissare, die lange Schatten werfen.
Noch längere Schatten werfen aber die zwei Leichen, die gefunden werden. Im Haus einer Witwe, die selbst verschwunden ist, wird die Leiche eines Mannes gefunden, der eigentlich schon seit 20 Jahren tot sein müsste.
In einem Abwasserschacht wird eine männliche Leiche gefunden, die massive Folterspuren aufweist. Beide Leichen verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, die in die Zeit nach dem Fall der Sowjetunion zurückreicht. Und natürlich bleibt da der Geheimdienst nicht fern, denn damals wurde mit biologischen Waffen experimentiert und dadurch ist die nationale Sicherheit betroffen.
Der Thriller liest sich gut, denn als Leser tappt man lange im Dunkeln und weiß nicht so recht, wo die Reise hinführt. Auch die Probleme, die sich die Kommissare teils selbst einfangen, spitzt die Lage immer wieder zu.
Geheimnisvoll sind auch die Rückblicke in den Kalten Krieg, eine Militäraktion, von der man nicht weiß, ob sie mit dem Fall unmittelbar zu tun hat oder nur Hintergründe beleuchten soll.
Auch die Hauptfigur Fredrik Beier hat nun zwar - wie für versierte Krimileser üblich - seine Schandflecken wie Alkohol, Medikamente, Beziehungsunfähigkeit,... - aber Johnsrud hat Beier ganz gut umgesetzt. Nicht übertrieben, aber doch auch nicht nebensächlich schränkt sich der Kommissar selbst ein.
Ganz verzwickt hingegen ist der Fall gestrickt. Der wirkt sehr überfrachtet, denn bei dem kommt alles zusammen. Folter, Tötung, Entführung, der Geheimdienst mischt mit, der Fall wirkt grenzübergreifend, da er sehr weit in die Vergangenheit führt, Rache fehlt nicht, Schuld, usw. Dadurch wird die Story natürlich spannend, weil man als Leser nicht weiß, wo der Faden hinführt, wirkt aber am Ende doch überfrachtet und etwas zu voll gepackt.
Insgesamt ist es für mich ein Thriller, wie man ihn als Leser erwartet. Im Grunde kann man nichts falsch machen, er liest sich gut, aber er überrascht auch nicht sonderlich. Was die Reihe aber sicherlich interessant macht, ist die Charakterweiterentwicklung der Hauptfigur Beier. Denn wer so Schatten sammelt, droht von ihnen irgendwann verschluckt zu werden.
Ein Thriller für zwischendurch, der gut und rätselhaft zu lesen ist.