Kurz vor seinem Wechsel zum Landeskriminalamt wird Gereon Rath noch einmal zu einem Einsatz im alten Job gerufen. Ein Taxi ist gegen einen Brückenpfeiler gekracht, der Fahrer und sein Fahrgast sind ums Leben gekommen. Was zunächst nach Unfall aussieht, wirkt bei genauerem Hinsehen aber ziemlich suspekt, weil der Fahrer offenbar ungebremst gegen die Mauer gedonnert ist. Es gibt keine Hinweise auf technische Probleme am Auto, also muss es entweder Absicht oder menschliches Versagen gewesen sein. Dass es sich bei dem Fahrgast um einen SS-Offizier handelt, lässt die Alarmglocken läuten - und sie werden noch lauter, als Rath in der Aktenmappe des Toten brisante Papiere findet.
Indessen plant der Unterweltboss Johann Marlow seinen Ausstieg aus zwielichtigen Geschäften, zumindest offiziell will er sich aus allem Anrüchigen zurückziehen, um seine neuesten wichtigen Verbindungen nicht zu gefährden. Und während Rath mit Marlow nie wieder etwas zu tun haben wollte, bittet dessen Chauffeur und treuer Handlanger Liang ausgerechnet Charly, die jetzt als Teilzeitdetektivin arbeitet, weil sie als Frau keine Anwältin mehr werden darf, um Unterstützung.
Die braunen Machthaber treiben schon seit über zwei Jahren ihr ekelhaftes Unwesen in Deutschland, und ganz allmählich scheint auch Gereon Rath endlich zu begreifen, dass Charly mit ihrem Widerwillen gegen die Nazis nicht übertreibt. Alles liegt unter einer bedrückenden Wolke aus Misstrauen, immer schlimmer werdender antisemitischer Propaganda und dem Wissen, dass man gar nicht genug aufpassen kann, was man tut und sagt und wer es mitbekommt.
Rath begibt sich bei den Ermittlungen zu dem Taxiunglück auf sehr, sehr dünnes Eis und spielt mehr als einmal mit dem Feuer. Bei einem weniger versierten Autoren hätte das wahrscheinlich überzogen gewirkt, aber Kutscher ist ein echter Meister darin, die Handlung glaubwürdig in die historischen Hintergründe einzubetten und für höchste Spannung zu sorgen, ohne dass Rath zum albernen Superhelden mutieren muss. Er bleibt, wer er schon immer war, ein cleverer, mutiger, manchmal aber auch enervierend grenzwertig agierender Einzelgänger - kein Wunder, dass er Charly gelegentlich zum Wahnsinn treibt.
Ihren Part im Buch mochte ich auch sehr, auch, weil er zeigt, wie das Leben für fortschrittlich denkende Frauen schon so früh im Dritten Reich immer enger und schwerer wurde. Die Atmosphäre wird überhaupt von Band zu Band düsterer und beklemmender. Besonders eindrucksvoll im negativen Sinne war Raths Abstecher nach Nürnberg während des Reichsparteitages inklusive Verkündung der widerwärtigen "Nürnberger Gesetze".
Geschichtsunterricht zum Anfassen gepaart mit spannenden, politisch angehauchten Kriminalfällen ist eine Formel, die nicht immer aufgeht, aber Volker Kutscher hält auch im 7. Band das hohe Niveau aufrecht, selbst wenn ich Teilaspekte der Auflösung ein wenig konstruiert fand. Und ich bin unglaublich gespannt, wie es im nächsten Band mit den Raths beruflich wie privat weitergeht.