"Ein Cornwallkrimi" ist der Untertitel von diesem Roman, sofort blitzen Bilder und Klischees vor den geistigen Augen auf: Landschaften, Herrenhäuser, Intrigen, Geheimnisse, Affären, Mord, enge Straßen, alte Autos, Kleider, Tee. Und genau das trifft den Nagel auf den Kopf. Denn all das ist in diesem Roman unter einem Hut gebracht.
Mich hat dieser Roman positiv überrascht, denn ich hätte nicht damit gerechnet, dass er so gut ist. Die Handlung is sehr geschickt aufgebaut, der Verdacht wird mal auf jeden Dorfbewohner gelenkt. Und kein Wunder: Jeder hat sein eigenes brisantes Geheimnise. Mabel ist eine Art Wecksignal. Die Dinge geraten ins Rollen, obwohl sie schon lang verstockt waren. Sie hinterfragt, nervt und bleibt an der Sache.
Hier passiert nichts Knall auf Fall. Der Leser kann sehr gut mitverfolgen, was gerade Sache ist und verliert den Faden nicht. Auch werden die Personen nacheinander mit ihrem markanten (vielleicht sogar klischeehaften) Eigenschaften vorgestellt, sodass man mit den Namen nicht durcheinander kommt. Manche Szenen und Passagen waren für meinen Geschmack sogar etwas zu detailliert und langatmig. Wobei man da immer abwägen muss: Bei langsam voranschreitenden Krimigeschichten lernt man die Personen umso besser kennen.
Und das in dem Fall von Mabel super, denn am Ende des Romans wird die Aussicht auf eine Fortsetzung gestellt. Super! Fall Nummer 2 von Mabel. Zum Ende: Überraschend. Ja, wirklich. Kurzzeitig hatte ich in der Mitte der Romans tatsächlich schon den Verdacht gehabt, aber die Autorin ist über die - im Nachhinein sogar ziemlich eindeutigen Hinweise - einfach darüber hinweg gegangen, sodass ich sie ausgeblendet hatte. Alles in allem bedrachtet, gibt es einen roten Faden.
Die Geschichte ist realistisch. Die Charaktere sind sympathisch, auch wenn sie teilweise wirklich stereotypisch sind: Die junge Frau, die sich allein um ihre Geschwister und ihren betrunkenen Vater kümmern muss. Der gutaussehende junge Mann, der aus reichem Hause kommt und nichts auf die Reihe bekommt. Der verknötterte Tierartzt, der auf den ersten Blick ein alter Brummbär ist und auf den zweiten ein liebevoller guter Kerl ist. Tja und auch Mabels Cousine Abigail fällt so manch einem Klischee zum Opfer.
Aber wen interessiert das? Solange die Geschichte super ist und alles ins Bild passt, kann die Autorin so viele Stereotypen und Klischees verwenden wie sie will. Und mir gefällt das Buch. Für England-Fans ist es ebenfalls toll. Mabel fährt durch Ortschaften, erzählt von der Landschaft und den Geflogenheiten. Wer selbst schon in Cornwall war, wird mit Sicherheit so einiges wieder erkennen.
Fazit:
Ein unterhaltsamer und spannender Roman, der mit sympathischen Charakteren und überraschenden Wendungen überzeugt. Empfehlenswert für Krimi- und Englandliebhaber, die eher gemächliche Krimigeschichten mögen und nicht allein auf Action aus sind.