Ich habe „Winter des Bären“ auf einen Sitz gelesen.
Es gab eine Sache, die mich gestört hat. Der Klappentext sagt aus, dass die Hauptfigur Mila mit ihren beiden Schwestern unterwegs ist, was aber nur insoweit stimmt, als dass sie zu Beginn (eigentlich noch vor der eigentlichen Reise) zusammen unterwegs sind und dann auf der letzten Etappe nochmals. Dazwischen werden Mila und ihre kleine Schwester von einem (männlichen) jungen Zauberer begleitet. Das ist vollkommen in Ordnung, auch mochte ich den Zauberer und seine (Kräuterhexen-ähnliche) Fähigkeiten sehr, dennoch war es ein wenig enttäuschend, da es eben so klingt, als ob hier drei Mädchen bzw. zwei Mädchen und eine junge Frau unterwegs wären, die ohne männliche Hilfe auskommen. Vielleicht dient es auch einfach nur dazu, dass das Buch dadurch eher von männlichen Lesern angenommen wird.
Das Buch ist eine wunderschöne märchenhafte Erzählung. Es spielt in einem Land, Eldbjørn, in welchem seit ein paar Jahren Winter herrscht, der Frühling ist nicht zurückgekommen. In diesem Land leben und überleben wenige Menschen. Beim Lesen spürt man den Winter und seine Kälte regelrecht. In einer kleinen Hütte mitten im Wald leben auch die vier Geschwister: Oskar, Sanna, Mila und Pípa. Eines Abends taucht eine Gruppe junger Männer unter der Führung eines riesen Hünen, der den Geschwistern nicht geheuer ist, auf und verlangen Unterschlupf und Nahrung. Als die Gruppe am nächsten Morgen zum Glück wieder verschwunden ist, ist auch Oskar verschwunden. Während Sanna überzeugt ist, er hat sich der Gruppe angeschlossen, um endlich ein abenteuerhaftes Leben zu führen und sich nach dem Tod der Mutter und dem Verschwinden des Vaters nicht mehr um seine drei Schwestern kümmern zu müssen, ist Mila überzeugt, dass er entführt wurde. Denn der Anführer der Truppe schwebte leicht über dem Schnee und immer, wenn er Milas Namen aussprach, durchzuckte ein Schmerz ihren Kopf. Mila beschließt ihren Bruder zu retten und zu befreien. Dafür muss sie nach Norden und in das Reich des Bärengeist Bjørn.
Die Geschichte ist eingebettet in eine sibirische Landschaft, Folklore und wunderbare sprachliche Bilder. Es war ein Lesevergnügen.