Ich bin kein Mörder. Ich bin kein Mörder! Ich bin … Thomas brauchte nur ein paar Handgriffe, um ihre Arme und Beine an je einem Tischbein zu fixieren. Die einzige Bewegung, die sie noch ausführen konnte, war, den Kopf von einer Seite zur anderen zu schleudern. Sie versuchte, sich aufzurichten und ihm mit ihrer Stirn einen Kinnhaken zu versetzen. »Das habe ich auch probiert«, lachte er. »Und bin genauso gescheitert wie du. Weißt du, wie sie es nennen? Paranoide Psychose. Ein schöner Begriff für das natürliche Gefühl, das sich in einer solchen Situation einstellt.« Thomas Juchmann kann aus dem Maßregelvollzug fliehen. Er ist nur von einem Gedanken getrieben: Rache an denjenigen, wegen denen er verurteilt wurde. In der Psychiatrie eingesperrt für einen Mord, den er nie begangen hat. Aber ist er wirklich besser als die Bestie, für die ihn alle halten? Dieser Thriller ist eine vollständige Neuüberarbeitung von „Die Sprache des Schmerzes“.
Gleich vorweg: Die Thriller von Leonie Haubrich sind alle auf ihre Art heftig. Nicht, weil es so viel Blut gibt, sondern weil sie beim Leser immer Gänsehaut aufgrund der Handlungen der Personen verursachen. "Die Sprache des Schmerzes" ist aber nochmal einen Tick heftiger. Und das hat folgenden Grund: Neben den Protagonisten Liz und Christopher und dem zu unrecht verurteilten Thomas spielt auch Jan, ein Grundschüler, eine wichtige Rolle. Obwohl er noch so jung ist, und man eigentlich denkt, dass kleine Kinder total süß sind, hat er ziemlich erschreckende Gedanken. Gerade beim Lesen seiner Passagen ist mir die Luft weggeblieben - ich dachte immer, das kann ein Kind doch nicht denken! Und als mir die Autorin dann auch noch verraten hat, dass es für Jan eine reale Vorlage gibt... einfach erschreckend und traurig zugleich.
Der Aufbau des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die vier Hauptpersonen haben eigene Kapitel, sodass man genau mitverfolgen kann, was sie denken und fühlen. Dadurch kann man sich intensiver hineinversetzen, als würde man nur die Handlung verfolgen. Überhaupt steht die Gedankenwelt der Protagonisten im Vordergrund. Die Autorin hält sich nicht lange damit auf, Handlungsstränge in die Länge zu ziehen, sondern bringt diese schnell auf den Punkt. Wichtiger sind wirklich die Beweggründe, warum eine Person tut, was sie tut. Dadurch geht der Thriller sehr tief - was für mich vor allem die Spannung ausmacht. Damit es nicht zu Verwechslungen kommt und man den unterschiedlichen Perspektiven gut folgen kann, ist jedes Kapitel mit dem Namen der handelnden Person überschrieben. Das finde ich immer sehr hilfreich.
Sehr gut gewählt ist auch der Plot. Denn über Fehlurteile, gerade im psychiatrischen Bereich, wird wenig gesprochen und geschrieben. Deshalb ist es auch schwer, Thomas, den "Bösen", zu hassen. Auch wenn er hier eindeutig Dinge tut, die man in der Gesellschaft zu recht verurteilt, zeigt es doch, wie wenig man dagegen tun kann, wenn man einmal einen offiziellen "Stempel" aufgedrückt bekommen hat. Er verbringt Jahre in der Psychiatrie und wird gezwungen Medikamente zu nehmen, obwohl er unschuldig ist und ohne Chance auf Rehabilitation. Im Endeffekt wird er dann zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung, aber es bleibt doch die Frage im Raum: "Was wäre gewesen, wenn...?" Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht.
Der mir am wenigsten sympathischste Charakter in diesem Buch ist eindeutig Christopher, und dass, obwohl er nur seinen Job macht. Aber vor allem in Bezug auf Liz, die mir schon in "Was du nicht siehst" richtig ans Herz gewachsen ist, verhält er sich wie ein Macho, der alles besser weiß. Die Beziehung zwischen den beiden, die am Ende zu sein scheint, nimmt viel Raum ein, wird aber perfekt in den Plot eingebunden. Es verdeutlicht noch mehr die Stärke Liz', nämlich das zu tun, was ihr wichtig ist und natürlich ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
Der Schreibstil ist sehr direkt, beschönigt nichts und treibt dadurch die Handlung schnell voran. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, weil die Spannung permanent gesteigert wird. Das eher rationale Erzählen steht in einem guten Gegensatz zu den Emotionen der Protagonisten. Das hat mir sehr gut gefallen.
Insgesamt hat mich der Thriller sehr gut gefallen, da die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und man nicht auf den ersten Blick sagen kann, auf welcher Seite man steht. Das Schwarz-Weiß-Denken wird hier aufgebrochen und es fällt schwer, sich ein Urteil über die einzelnen Personen zu bilden, da man teilweise Verständnis für ihre - wenn auch brutalen oder falschen - Handlungen aufbringen kann.
Von mir gibt es 5 Sterne! Ich hoffe, es wird noch ein Buch rund um Liz geben!
Ein Fehlurteil, eine Entführung, ein Psychoduell – und ein Kampf um Gerechtigkeit, der in unfassbare Abgründe führt. Thomas Juchmann kann aus dem Maßregelvollzug fliehen. Dabei ist er nur von einem Gedanken getrieben: die Konfrontation mit dem Gutachter, der dafür verantwortlich ist, dass Thomas für einen Mord verurteilt wurde, den er nie begangen hat. Elf Jahre lang saß er in der Psychiatrie. Doch das Vorhaben gestaltet sich schwieriger als geplant. Bald muss sich Thomas fragen: Gibt es für ihn eine Grenze, die er nicht überschreitet, um sein Ziel durchzusetzen? Ist er wirklich besser als der Gewalttäter, für den ihn alle halten? Ein dramatischer Psychothriller, in dem aus Jägern Gejagte werden und umgekehrt, in dem Schuld und Unschuld verschwimmen.
Über die Autorin:
Mit ihrem Wunsch, Schriftstellerin zu werden, schaffte es Leonie Haubrich immer wieder, sich das Leben selbst schwer zu machen. Warum nicht einfach nach dem abgeschlossenen Studium (Musikwissenschaft, Germanistik und Schulmusik) etwas »Vernünftiges« arbeiten? Doch das Leben ist nicht dafür da, um das zu tun, was alle tun. Man kann die Sterne nicht vom Himmel holen. Aber wenn Leonie Haubrich einmal alt ist und über das Meer blickt, möchte sie sich sagen können, dass sie es wenigstens versucht hat. Doch bei einem Versuch ist es nicht geblieben. Jahrelang war Leonie Haubrich als Journalistin für Frauenzeitschriften tätig. Sie veröffentlicht seit 1999 als Verlagsautorin, seit 2012 auch als Selfpublisherin. Mit ihrem Mann, drei Kindern, vier Katzen und Hund lebt sie in Wiesbaden. Zur besseren Einordnung der Werke erscheinen die Psychothriller unter dem Pseudonym Leonie Haubrich, die anderen Romane unter dem Realnamen Heike Fröhling.
Mehr über die Autorin erfahrt ihr auf ihrer Homepage, ihrer Facebookseite und auch bei Instagram.
Mein Fazit und meine Rezension:
Thomas Juchmann saß zu Unrecht im Maßregelvollzug, wurde dort gequält und stets unterdrückt, doch der Gedanke daran, seinen einstigen Peiniger selbst zu unterdrücken, hält ihm am Leben und verhilft ihm zur Flucht – hin zu dem Gutachter, der sein Schicksal besiegelt hat. Doch wie weit kann er gehen und was wäre er bereit alles zu tun?
Thomas Juchmann wurde zu Unrecht im verurteilt, er hat nichts getan und das Gutachten hat ihn so verteufelt, dass kein anderer Ausweg geblieben ist, als ihn in die Psychiatrie zu stecken. Schuld daran allein trägt der Gutachter Christopher, der unter Zuhilfenahme von Rorschachtests Thomas analysiert und bescheinigt hat, dass er zutiefst böse ist und eine erneute Gefährdung von anderen nicht ausbleiben würde. Allein wegen ihm hat er elf Jahre lang ein Martyrium auf sich nehmen müssen, dass er nun mit aller Macht gegen Christopher wenden möchte, doch der Gutachter ist einfach schwer zu fassen.
Aber auch Christopher, den wir als Leser bereits kennen lernen durften in Leonie Haubrichs Roman „Was du nicht siehst“, hat schwer mit sich zu kämpfen, denn auch er muss einsehen, dass er nicht jedem Menschen helfen kann und dass die Schwierigkeiten noch nicht einmal vor seiner Ehe Halt machen.
Dann treffen wir auch wieder auf Liz, die Kinder- und Jugendpsychologin, die wir ebenfalls in dem Roman „Was du nicht siehst“ kennengelernt haben. Sie hat dieses Mal keine leichte Zeit, denn nicht nur ihre Ehe ist seit dem Tod von Christophers Bruder aus den Fugen geraten, auch ein kleiner Junge namens Jan, der Mordgedanken hegt, bereitet ihr große Sorgen. Doch als ob das alles nicht genug wäre, taucht dann auch noch dieser Fremde vor ihrer Haustür auf und wartet auf ihren Mann. Sie kann ja nicht ahnen, dass sie Thomas Juchmann vor sich hat, der wenige Zeit später ihr Schicksal besiegeln will.
Ich hoffe, ich habe euch nicht zu viel verraten, denn das ist nicht meine Absicht! Wie jeder ihrer Romane, ist auch dieser von Leonie Haubrich ausgeklügelt und reich an Spannung sowie Szenen, die einem den Atem stocken und das Blut in den Adern gefrieren lassen. Wieder einmal werden wir mit der Psyche des Menschen konfrontiert, die undurchdringlich scheint und bei der man niemals gedacht hätte, dass man auf solche tiefen Abgründe stoßen kann. Leser mit schwachen Nerven (und einer regen Fantasie) seien hier vorgewarnt!
Mit ihrem Schreib- und Erzählstil schafft es die Autorin wieder einmal, mich mitten ins Geschehen hinein zu ziehen und zwar so intensiv, dass ich selbst die Emotionen der Protagonisten fühlen, die Kälte der Umgebung, aber auch den Schlamm und Morast im dunklen Wald spüren und riechen kann. Und genau DAS macht für mich einen guten Psychothriller aus: hier werde ich nicht nur „unterhalten“ und kann mich für einige Lesestunden aus der Realität fliehen, ich werde selbst ein Teil dieser Geschichte und empfinde so intensiv mit, dass ich am Ende gar nicht mehr weiß, ob ich all das nur gelesen oder aber wirklich erlebt habe.
Allen Fans von Leonie Haubrich kann ich diesen Roman einfach nur ans Herz legen: wer spannende Lesestunden erwartet, wird hier garantiert nicht enttäuscht, denn auf Leonie Haubrich kann man sich verlassen!
Ein spannender Psychothriller, bei dem die Grenzen zwischen Schuld und Unschuld verwischen
*Inhalt* Wer ist Opfer, wer ist Täter? Thomas Juchmann wurde vor 11 Jahre unschuldig wegen Mordes verurteilt und landet auf Grund eines Gutachtens von Dr. Christopher Günther in der Psychiatrie. Seine Rachegedanken sind mittlerweile so groß, dass er es schafft zu fliehen. Nun will er sich an diesen Gutachter rächen und spioniert ihn und seine Frau aus. In einem zweiten Erzählstrang geht es um Jan, einem kleinen Jungen, der sich bei Liz Günther, einer Kinder- und Jugendpsychologin in Therapie befindet. Seine Gedanken sind manchmal schon sehr erschreckend… Hier stellt sich die Frage, werden seinen Gedanken Taten folgen?
*Meine Meinung* "Der Knochenmacher" von Leonie Haubrich ist ein spannender Psychothriller, der ohne Blutvergießen auskommt und mir beim Lesen eine Gänsehaut erzeugt. Mit ihrem fesselnden Schreibstil zieht die Autorin mich sofort in den Bann. Sehr einfühlsam beschreibt die Autorin die Geschichte des kleinen Jans. Es ist echt erschreckend, was für Gedanken in seinem Kopf herrschen. Welche Qualen oder welche Not hat dieser Junge durchlitten, dass er so denkt? Seine Entwicklung im Laufe des Buches ist der Autorin gut gelungen, sie kommt sehr glaubhaft rüber. Hier will ich nicht näher ins Detail gehen, sonst spoilere ich. Der Erzählstrang um Thomas ist gruselig und wird immer dunkler. Thomas Rachegedanken nehmen immer Gestalt an. Wird nun aus einem Opfer ein Täter?
Die Spannung wird durch die Perspektivwechsel zusätzlich erhöht, jedes Kapitel wird abwechseln aus der Sicht der vier Hauptprotagonisten geschrieben, was mir sehr gut gefällt.
Die Charaktere sind facettenreich, die Autorin zeigt uns hier, dass Menschen nicht nur gut oder böse sind, die Konturen verwischen sich. Auf ein Wiedersehen mit Liz habe ich mich sehr gefreut, mir war sie schon im ersten Band sehr sympathisch. Ich mag ihre Art, wie sie mit ihren Patienten umgeht. Sie hat nicht dieses Schubladendenken, wie ihr Mann Christopher. Wie sie mit dem kleinen Jan umgeht und seine Gedanken hinterfragt, gefällt mir sehr gut.
Ich mag es, wenn Bücher mich zum Nachdenken animieren und das ist bei diesem Thriller der Fall. Schwarz oder Weiß, Gut oder Böse, kann man hier eine klare Grenze ziehen?
*Fazit* Wer spannende und fesselnde Psychothriller liebt, die ohne Blutvergießen auskommen, ist hier genau richtig. Von mir gibt es 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung. Über einen dritten Teil mit der Psychologin Liz Günther würde ich mich sehr freuen.
Ein spannender Psychothriller, bei dem die Grenzen zwischen Schuld und Unschuld verwischen
*Inhalt* Ist es moralisch vertretbar, sich an einem Gutachter zu rächen, wenn sein Gutachten Grund dafür ist, dass man unschuldig verurteilt wurde. Wer ist Opfer, wer ist Täter? Diese Fragen muss sich Thomas Juchmann stellen, der 11 Jahre unschuldig wegen Mordes in der Psychiatrie saß. Seine Rachegedanken sind so groß, dass er schafft zu fliehen. Nun will er sich an den Gutachter Christopher Günther rächen und spioniert diesen aus. In einem zweiten Erzählstrang geht es um Jan, einem kleinen Jungen, der sich bei Liz Günther, einer Kinder- und Jugendpsychologin in Therapie befindet. Seine Gedanken sind manchmal schon sehr erschreckend… Hier stellt sich die Frage, wird er seinen Gedanken Taten folgen lassen?
*Meine Meinung* "Die Sprache des Schmerzes" von Leonie Haubrich ist der zweite Teil der Liz-Günther-Reihe, ein spannender Psychothriller, der ohne Blutvergießen auskommt und mir beim Lesen eine Gänsehaut erzeugt. Mit ihrem fesselnden Schreibstil zieht die Autorin mich sofort in den Bann. Einfühlsam erzählt sie die Geschichte von Thomas Juchmann, von seiner Unschuld und von seinen Racheplänen. Die Autorin beschreibt den Zwiespalt, der im Inneren von Thomas herrscht, sehr gut. Wenn er seine Rache umsetzt, ist er dann genauso schuldig wie der Gutachter? Wie weit kann man mit seiner Rache gehen ohne schuldig zu werden? Ich mag es, wenn Bücher mich zum Nachdenken animieren und das ist bei diesem Thriller der Fall. Schwarz oder Weiß, Gut oder Böse, kann man hier eine klare Grenze ziehen?
Die Spannung wird durch die Perspektivwechsel zusätzlich erhöht, jedes Kapitel wird aus der Sicht was mir sehr gut gefällt.
Die Charaktere sind facettenreich, die Autorin zeigt uns hier, dass Menschen nicht nur gut oder böse sind, die Konturen verwischen sich. Auf ein Wiedersehen mit Liz habe ich mich sehr gefreut, mir war sie schon im ersten Band sehr sympathisch. Ich mag ihre Art, wie sie mit ihren Patienten umgeht. Sie hat nicht dieses Schubladendenken, wie ihr Mann Christopher. Wie sie mit dem kleinen Jan umgeht und seine Gedanken hinterfragt, gefällt mir sehr gut.
*Fazit* Wer spannende und fesselnde Psychothriller liebt, die ohne Blutvergießen auskommen, ist hier genau richtig. Von mir gibt es 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung. Über einen dritten Teil mit der Psychologin Liz Günther würde ich mich sehr freuen.