Berlin, 1831. Seit Wochen geht die Angst um, die Cholera könne Deutschland erreichen – und als auf einem Spreekahn ein Schiffer unter grauenvollen Schmerzen stirbt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. In der Charité versuchen Professor Dieffenbach und seine Kollegen fieberhaft, Überträger und Heilmittel auszumachen: ein Wettlauf gegen die Zeit. Während die Ärzte um das Überleben von Tausenden kämpfen, führen drei Frauen ihren ganz persönlichen Kampf: Gräfin Ludovica, gefangen in der Ehe mit einem Hypochonder, findet Trost und Kraft in den Gesprächen mit Arzt Dieffenbach. Hebamme Martha versucht, ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu bieten, und verdingt sich im Totenhaus der Charité. Die junge Pflegerin Elisabeth entdeckt die Liebe zur Medizin und - verbotenerweise - zu einem jungen Arzt ...
A historical novel about Berlin's largest hospital. Even though I really like the author, I did not particularly enjoy this book. -----------------------------------
Das Buch berichtet von der Geschichte der Charité zwischen 1830 und 1850.
Kaleidoskopartig entwirft Ulrike Schweikert ein Mosaik aus Kurzepisoden, die sich immer um dieselben Protagonisten drehen.
Der damalige Stand der Medizin wird erschreckend klar aufgezeigt. Damals war es ein größeres Risiko für Leib und Leben einen Arzt aufzusuchen, als der Erkrankung einfach ihren Lauf zu lassen. Auch die nicht vorhandene Hygiene versetzt uns aus heutiger Sicht in Angst und Schrecken. Gerade der medizinische Teil des Romans hat mir gut gefallen. Auch die Beschreibung der Krankienpflege zur damaligen Zeit fand ich hochinteressant. Historisch gesehen liefert die Entwicklung der Krankenpflege auch eine Erklärung für die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung und Bezahlung des Pflegepersonals bis in die heutige Zeit.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus der Sicht einiger Individuen (Professor Dieffenbach, Dr. Heydecker, Wärterin Elisabeth, Hebamme Martha und Gräfin Ludovica). Dadurch erhält der Roman zwar eine menschliche Komponenete, aber ich hatte kein Interesse an den romantischen Verwicklungen der Charaktere.
Ich lese sehr gerne Romane über medizinische Themen und bin auch ein großer Fan von Arztserien.Ich habe von Ulrike Schweickert auch schon einige Mittelalterromane gelesen, die mir ausgesprochen gut gefallen haben. Dennoch bin ich mit diesem Buch nicht warm geworden. Für mich haben die kurzen Episoden einen richtigen Lesefluß verhindert. Auch hätte ich gerne einen stärkeren medizinischen Schwerpunkt gesehen, anstatt die persönlichen Befindlichkeiten der Charaktere auszuwalzen.
Insgesamt war dieser Roman also kein Treffer für mich. Ich bewerte mit 2,5 Sternen aufgerundet auf 3.
Ich habe dem Buch hier vier Sterne gegeben, würde ihm aber gerne 3 1/2 geben. Mir haben die historischen, medizinischen Details unheimlich gut gefallen und ich fand es ziemlich spannend. Allerdings fehlte mir sehr die Tiefe zwischen den Protagonisten und irgendwie auch der Erzählfluss auf menschlicher Ebene.
Berlín, principios del s. XIX. Una nueva ola de cólera ha llegado a la ciudad. Como siempre, los más perjudicados son los más pobres. Y todos los afectados van al hospital de la Charité, el único que acepta a los enfermos que no pueden permitirse un tratamiento médico.
Tres mujeres están vinculadas de una forma u otra al hospital. Martha es una antigua partera que tras un incidente, decide empezar a trabajar en la morgue del hospital. Elizabeth es una joven que empieza a trabajar como enfermera, con mucha curiosidad por cuidados y tratamientos médicos. La Condesa Ludovica decide invertir tiempo y dinero en crear la escuela de enfermería, para iniciar la formación de verdaderos profesionales en cuidados de enfermos.
Las vidas de las 3 convergen en este hospital, y girarán en torno a él. Incluso el amor es posible en situaciones complicadas.
Una historia que en algunos momentos me ha parecido aterradoramente actual, con virus que se propogan y enfermedades que vuelven a aparecer. De los personajes femeninos me quedo con Elizabeth, con su inquietud por aprender y su actitud reflexiva y crítica respecto a tratamientos y cuidados que recibían los pacientes en aquella época.
Una novela de narrativa histórica muy bien documentada, con la que he disfrutado aprendiendo las diferencias entre la medicina de la época y la actual.
Berlin 1831, die Cholera geht um und könnte bald Deutschland erreichen, die Angst ist groß. Professor Dieffenbach und seine Kollegen forschen und behandeln an der Charité. Die junge Pflegerin Elisabeth entdeckt ihre Liebe zur Medizin und verbotenerweise auch zu einem jungen Arzt. Dazu hat sie mehr mit Gräfin Ludovica gemeinsam als sie ahnen kann... Gräfin Ludovica ist gefangen in ihrer Ehe mit einem Hypochonder, dem ihre Schwangerschaft schwer zu schaffen macht und findet Trost in seinem Arzt Dieffenbach, zu dem sie sogar Gefühle entwickelt. Hebamme Martha, eine Kämpferin, versucht ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu bieten und nachdem sie in einen Konflikt zwischen Eid und Recht gerät, wird sie zur Totenwächterin.
Das Buch beginnt mit der ersten Choleraepidemie und vielen Personen, die man erstmal einordnen muss. Bei mir hat das aber super geklappt, ich war schnell drin und habe einen Überblick bekommen. Immer mehr Kranke, der Kampf der Medizin, ganz verschiedene, interessante Charaktere, Krankheiten, der Umgang mit Patienten und untereinander. Sowohl der medizinisch historisch Aspekt ist total interessant, die Darstellung der Methoden damals, die Leiden der Patienten aber auch ihre und auch die Geschichten der Haupt- und Nebenfiguren, die wir in verschiedenen Perspektiven bekommen, gestalten die Handlung abwechslungsreich und unterhaltsam.
Keine der Figuren bleibt blass, alle sind gut charakterisiert. Professor Dieffenbach ist für die Charité und auch für die medizinische Forschung von großer Bedeutung. Anfangs noch unglücklich verheiratet, entwickelt auch er verbotene Gefühle für die Gräfin. Ich muss sagen die Sache zwischen den beiden hat mich irgendwann wirklich genervt. Gemeinsames Projekt, dann distanziert er sich, dann gibt er nach, dann bereut er es. Und so weiter. Sein Beitrag zur Entwicklung im Krankenhaus und in der Medizin insgesamt, hat mich wirklich beeindruckt aber seine Schwäche in dieser Sache hinterlässt einen unguten Beigeschmack.
Es wird auch beeindruckend dargestellt wie hart die Pfleger und Pflegerinnen, Wärter und Wärterinnen arbeiten, wie der Beruf der Krankenschwester geschaffen wurde. Vor allem Elisabeth, die aufopferungsvoll und mit viel Herz bei der Sache ist, sich dadurch aber bei Kollegen nicht besonders beliebt macht. Und ihre Geschichte mit Dr. Alexander, der einer meiner Lieblinge ist, macht, vor allem das Ende, kitschig. Aber es ist der gute Kitsch, nicht schleimig, sondern einfach sehr perfekt.
Mit Buch Zwei habe ich etwas den Faden verloren, die Geschichte wird etwas verworren weil das doch ein großer Sprung war, aber mit Buch Drei gibt es einen guten Abschluss. In letzter Zeit finde ich immer mehr Gefallen an Büchern, die historische Fakten mit Fiktion verweben.
Erschreckend ist es, zu lesen, an welchen heutzutage harmlosen Krankheiten, die Menschen damals schnell gestorben sind und welche Bereiche der Medizin fast 200 Jahre später noch problematisch sind. Gerade in der aktuellen Situation.
INHALT: Berlin, 1831. Seit Wochen geht die Angst um, die Cholera könne Deutschland erreichen – und als auf einem Spreekahn ein Schiffer unter grauenvollen Schmerzen stirbt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. In der Charité versuchen Professor Dieffenbach und seine Kollegen fieberhaft, Überträger und Heilmittel auszumachen: ein Wettlauf gegen die Zeit. Während die Ärzte um das Überleben von Tausenden kämpfen, führen drei Frauen ihren ganz persönlichen Kampf: Gräfin Ludovica, gefangen in der Ehe mit einem Hypochonder, findet Trost und Kraft in den Gesprächen mit Arzt Dieffenbach. Hebamme Martha versucht, ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu bieten, und verdingt sich im Totenhaus der Charité. Die junge Pflegerin Elisabeth entdeckt die Liebe zur Medizin und - verbotenerweise - zu einem jungen Arzt ... MEINUNG: Die Charité – Hoffnung und Glaube ist der Band einer mehrbändigen Reihe. Obwohl Ulrike Schweikert schon so viele Bücher veröffentlicht hat, ist dies mein erster der Autorin gewesen. Ich war sehr gespannt auf die Geschichte um die Charité, eine der berühmtesten Kliniken in Deutschland, weil ich selbst auch aus Berlin, wenn auch in einer anderen Klinik geboren. 😊 Das Buch beginnt mit einer ersten Choleraepedemie, die man aber eingedämmt bekommt. Großer Stern am Himmel ist Professor Dieffenbach, den es auch wirklich gab. Auch wenn es noch drei Frauencharaktere gab, empfand ich vor allem Dieffenbach eigentlich als einer der tragenden Charaktere. Er ist auch für die Charité und die medizinische Forschung von großer Bedeutung. Natürlich spielt auch sein Privatleben eine Rolle. Anfangs ist er unglücklich verheiratet, empfindet aber auch gegenüber der Gräfin Ludovica Zuneigung. Allerdings ist diese ebenfalls verheiratet und kann aus ihren gesellschaftlichen Grenzen nicht wirklich ausbrechen. Es ist sehr traurig, dass es zu dieser Zeit Frauen noch nicht vergönnt ist Medizin zu studieren, sondern höchstens als Wärterin zu arbeiten oder später auch als Diakonisse, so wie im Fall der jungen Elisabeth. Die Arbeit als Wärterin ist sehr hart. Gefühlt arbeitet Elisabeth Tag und Nacht ohne großen Pausen und Freizeit. Für Elisabeth ist die Pflege von Menschen quasi ihre Berufung. Sie tut das aufopferungsvoll und mit ganz viel Herz, womit sie auch bei den anderen Wärtern und Wärterinnen sehr aneckt, denn diese behandelt die Kranken eher als wäre sie Gefangene. Als Elisabeth sich später als Diakonisse verpflichten lässt, kommt ihr dann die Liebe dazwischen und sie muss sich entscheiden. Auf Martha hatte ich mich eigentlich am meisten gefreut, weil ich den Beruf von Hebammen immer so interessant finde, aber leider schlägt Martha schon relativ schnell eine andere Richtung ein. Martha verbindet eine Freundschaft zu Elisabeth und beide sind auch durch eine Tat von Marthas unwissentlich miteinander verbunden, dennoch empfand ich sie als recht blass. Generell empfand ich die Erzählstil und die Charaktere als sehr nüchtern mit relativ wenig Emotionen. Dazu passen dann die vereinzelten Tagebucheinträge der Gräfin Ludovica, die sich dann in ihrer unglücklichen Liebe zu Dieffenbach ergießt, wiederum so gar nicht.
FAZIT: Alles in allem fand ich die (medizin-)historischen Aspekte sehr interessant, aber mir fehlte in der Handlung leider der roten Faden und das Ziel des Buches. Daraus fehlte mir auch die Sogwirkung, die einen dazu treibt wissen zu wollen wie es weiter geht. Obwohl Herr Dieffenbach ein sympathischer Charakter war, kamen wir die weiblichen Charaktere dafür deutlich zu kurz. Ob ich die Reihe weiter verfolgen werde, muss ich mir daher noch überlegen. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.
3,5 estrellas. Me animé a leer esta novela, primero porque me llamó la atención su sinopsis y la portada me dio la sensación de que podría contener una gran historia. Cuando vi que lo tenían en #edicionanticipada, no me lo pensé y acepté leerlo. El argumento tiene todos los ingredientes para que sea una gran historia, pero no ha sido así, al menos en mi caso. Encontré una historia que me atrapó a ratos y en otros me resultó algo más desagradable. Partes buenas de esta novela... su ambientación, ya que transcurre en el Berlín del año 1831 al 1840. La época me atrae y más por el tema que trata, las epidemias de cólera que acabaron con la vida de muchísimas personas. La autora nos muestra un Berlín oscuro y pobre, donde las epidemias atacan sin piedad, también nos muestra el lado opuesto, lleno de lujos. Mezcla realidad y ficción sobre los avances de la medicina en la Alemania del Siglo XIX, en una época donde la mujer no tenía acceso a la formación médica. Toda la historia gira en torno sobre el hospital más antiguo de Berlín y en como llegan a crear la primera escuela de enfermería. Datos, que me ha gustado mucho conocer. Esta novela, es la historia de tres mujeres luchadoras, mujeres que no se conforman con las normas impuestas y que tienen sed de aprendizaje. Me ha gustado mucho, la lucha personal de las tres protagonistas, pero en especial, mi favorita es la Condesa de Ludovica. Por su posición, está condenada a una sociedad bastante machista, donde la mujer, más bien es un florero. Su carácter rebelde hace que no acepte las normas y se implique de lleno en todos los temas referentes al hospital Me ha resultado muy interesante el tema de la escuela de enfermería. Martha y Elizabeth pertenecen a ese otro Berlín más humilde, sus vidas no son fáciles y les tocará luchar contra sus miedos personales, además de tener que luchar en una sociedad machista, que ve a las mujeres como unas simples cuidadoras de enfermos, sin opción de poder ejercer en la medicina como algo más superior. Hasta aquí, podemos encontrar una historia muy interesante. Lo malo de esta historia, son las descripciones tan detalladas que da la autora sobre los enfermos y enfermedades tan terribles, como el cólera, la sífilis o la gangrena. En muchos momentos, me costaba seguir con la lectura, ya que me resultaban tremendamente duras algunas escenas. Con esto, no quiero decir que el libro sea malo, ni mucho menos, solo que considero que tiene partes muy duras y no es un libro que recomiende a todo el mundo. Aun así, considero que puede ser una lectura muy interesante para todo aquel que le guste el tema de la medicina y de como trabajaban en los hospitales, en aquella época. Tiene datos muy curiosos que está bien conocer. Recomendable!!
Eher 2,5 Sterne. Ich empfand den Anfang grandios. Jedoch war das Buch spätestens ab der Hälfte für mich unheimlich zäh.. Mehr medizinisches und weniger Liebesgeschichte hätte dem Buch gut getan. Für mich waren die Liebesgeschichten zwar ansich okay, aber sie haben dem Buch das Tempo und dadurch die Spannung genommen. Ich war tatsächlich froh, durch zu sein.
Hörbuch. Sehr lesenswert bzw in meinem Fall hörenswert, wenn man sich für das Thema Medizin und Pflege und so weiter und deren Geschichte interessiert. Ich finde es echt faszinierend wie sich die Medizin im Laufe der Zeit gewandelt hat und auch wie die Pflege sich verändert hat. Ich bin gespannt auf die kommenden Teile, auch wenn ich noch nicht genau weiß wann ich sie hören werde.
Diesen Titel habe ich mir, wie so viele in diesem Jahr (upsi), als Mängelexemplar gekauft, obwohl es nicht auf meiner Wunschliste stand und der SuB auch eigentlich noch genug hergibt. Umso glücklicher bin ich, dass ich es nach zwei missglückten Anfängen (ich hatte zwei Arzttermine und dachte, ich nehme zur Überbrückung der Wartezeit, ein Buch mit, aber dann bin ich glücklicherweise immer direkt rangekommen), konnte ich dann auf meiner vierstündigen Bahnfahrt die ersten 300 Seiten wegsuchten.
Ich hatte keine Ahnung, worum es geht, habe mir nicht einmal den Klappentext durchgelesen und dachte tatsächlich, dass es ein Roman ist, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt, was nicht stimmt, aber mich gar nicht enttäuscht hat, da ich meine "Leseepochen" noch gerne erweitere und zumindest der namensgebende Krankenhausaspekt ist ja sehr vertreten.
Wir befinden uns in der Berliner Charité, zu Beginn des Ausbruchs der Cholera, im Jahre 1831 und begleiteten verschiedene Charaktere: Die Hebamme Martha, die Krankenwärterin Elisabeth, den Arzt Johann Dieffenbach und Gräfin Ludovica, die alle sehr unterschiedlich sind und deren Wege sich doch durch die Eigenschaft, ihren Mitmenschen helfen zu wollen, kreuzen. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass ich eine Perspektive langeweiliger oder weniger gut fand, denn das waren sie alle, aber meine liebste Protagonistin war definitiv Elisabeth. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie fast immer an der Charité ist, was ich einfach am spannendsten fand, da die damaligen Operationen und Behandlungsmethoden ja doch noch sehr anders waren ...
Der Schreibstil der Autorin hat mir unglaublich gut gefallen. Er war flüssig, ansprechend, weshalb die Geschichte auch niemals langweilig wirkte, weil es ja schon "alt" ist, es hat einfach nur Spaß gemacht.
Der medizinsiche Aspekt war in meinen Augen gut recherchiert. Da ich mich auf dem Gebiet überhaupt nicht auskenne, hat das auf meine Bewertung aber keinen Einfluss genommen, obwohl es natürlich immer schöner ist, wenn die Dinge für die damalige Zeit realistisch dargestellt werden und mich das auch von sich überzeugen konnte.
Fazit: Ich fand es ganz großartig, es hat mir super viel Freude bereitet, die Charaktere zu begleiten, die Seiten sind geflogen und es war einfach ein unglaublich tolles Leseerlebnis!
Ich freu mich jetzt schon total auf den zweiten Band! (Den ich tatsächlich auch schon besitze, mir aber fälschlicherweise als Taschenbuch bestellt habe. Jetzt weiß ich nicht, was ich machen soll, weil ich den ersten Band als Broschur habe und ich will, dass sie zusammenpassen... Zurückschicken? Zurückschicken und dann die Broschur bestelllen? Oder einfach behalten?)
5/5
Kleine Anmerkung: Weiß jemand, ob das hier die Buchvorlage zu der Serie "Die Charité" ist oder ob die nichts mit dieser Dilogie zu tun hat?
Ulrike Schweikert nimmt uns mit ins Berlin der 1830er Jahre in die Charité, dem wohl ältesten und berühmtesten Krankenhaus Berlins.
Wir begleiten Elisabeth, die dort als Wärterin zu arbeiten beginnt und Dr. Dieffenbach einen, der Ärzte, dort bei ihrer Arbeit. Schon bei den ersten Sätzen wird einem schnell klar, warum es gut ist, nicht mehr in dieser Zeit leben zu müssen. Hygiene, wie wir sie heute in den Krankenhäusern kennen, gab es damals dort in keinster Art und Weise und auch die Behandlungsmethoden waren damals noch eher abenteuerlich zu nennen.
Allerdings merkt man auch hier den Pioniergeist und Wissensdurst der vor allem jungen Ärzte, die auch bereit sind, neue Wege zu gehen. So werden wir Zeugen der ersten plastischen Operationen, die sich mit dem Wiederaufbau von zerstörten Gesichtern beschäftigt, oder von der Heilung von schiefen Hälsen, schielenden Augen und Klumpfüßen. Was für uns heute selbstverständlich ist, war damals noch revolutionär.
Durch die unterschiedlichen Perspektiven von Elisabeth und Dieffenbach erfährt man vieles sowohl aus der Unterschicht, sowie von den betuchteren Gesellschaft, die es sich leisten können einen Privatarzt zu bezahlen. Elisabeths Geschichte ist auch die einer wissbegierigen Frau, die mit Leidenschaft und menschlicher Wärme ihren Beruf als Wärterin, bzw. Diakonisse ausführt und heutigen Zeiten wohl Medizin studiert hätte. Damals war es Frauen nicht möglich zu studieren, geschweige denn als Ärztin zu arbeiten. Auch war der Beruf des Wärters bei weitem nicht das, was wir heute Pfleger nennen würden. Er entsprach wirklich mehr dem Wärter, der die Patienten bewacht.
Ulrike Schweikert ist hier ein facettenreiches Bild dieser Zeit gelungen, sie hat ein Stück Medizingeschichte zum Leben erweckt. Am Ende war ich sehr traurig das Buch zuklappen zu müssen, hätte ich doch gerne noch weiter Zeit mit Dieffenbach, Elisabeth und ihren Familien verbracht.
Von daher eine volle Leseempfehlung von mir für dieses tolle Stück Zeitgeschichte!
Berlin im August 1831: Die Cholera greift in Deutschland um sich. Als auf einem Kahn auf der Spree der Schiffer Hans Mater qualvoll stirbt, kommt die heimtückische Krankheit auch in der Charité an. In dem Krankenhaus versuchen Professor Johann Friedrich Dieffenbach, ein Chirurg, und seine Kollegen mit Hochdruck, Überträger und Heilmittel auszumachen. Neben dem Kampf um das Überleben Tausender Menschen kommt er Gräfin Ludovica näher, die mit einem Hypochonder verheiratet ist. Auch Hebamme Martha Vogelsang leidet unter ihrer Ehe. Um ihrem Sohn August eine bessere Zukunft zu bieten, verdingt sie sich im Totenhaus der Charité. Und dann ist da noch die 19-jährige Krankenwärterin Elisabeth Bergmann, die nicht nur ihre Liebe für die Medizin, sondern auch die zu einem jungen Arzt entdeckt…
„Die Charité: Hoffnung und Schicksal“ ist der erste Band der Reihe um das bekannte Krankenhaus von Ulrike Schweikert.
Meine Meinung: Nach dem Prolog ist der Roman in mehrere Bücher unterteilt, die wiederum aus mehreren Kapiteln bestehen. Zudem gibt es einen Epilog. Erzählt wird aus der Perspektive verschiedener Personen. Dieser Aufbau funktioniert gut.
Der Schreibstil ist nicht nur flüssig und angenehm, sondern auch eindringlich und anschaulich. Durch detaillierte Beschreibungen wird eine lebendige Atmosphäre geschaffen, die mich schnell in die Geschichte eintauchen ließ.
Aufgrund der Vielzahl an Personen, die im Roman auftauchen, fiel mir vor allem anfangs eine Orientierung nicht besonders leicht. Dadurch lernt man allerdings auch etliche interessante Charaktere kennen. Vor allem Hebamme Martha und Pflegerin Elisabeth waren mir schon nach kurzer Zeit sympathisch. Sie werden liebevoll und warmherzig charakterisiert. Auch die übrigen Personen bleiben nicht blass, sondern werden detailliert und realitätsnah geschildert.
Trotz der recht hohen Seitenzahl wirkt die Geschichte nur an wenigen Stellen etwas langatmig. Überwiegend ist die Handlung abwechslungsreich und unterhaltsam. Vor allem die unterschiedlichen Leiden der Patienten und deren dramatische Geschichten, aber auch die Schicksale der Protagonisten sorgen für vielerlei bewegende Momente.
Ein Pluspunkt ist für mich, dass im Roman historische Fakten mit Fiktion verwoben werden. Neben erfundenen Charakteren greift die Autorin auf belegbare Persönlichkeiten wie Dr. Dieffenbach zurück. Darüber hinaus wird ihre fundierte Recherche an vielen Stellen deutlich, denn die Umstände in der damaligen Zeit, die Anfänge der moderneren Medizin und andere historische Tatsachen werden auf kurzweilige Weise erklärt. Somit ist die Lektüre auch lehrreich.
Das Cover wirkt ein wenig kitschig, passt inhaltlich aber sehr gut. Auch der Titel ist treffend gewählt.
Ich habe die Geschichte als ungekürzte Lesung gehört. Dabei hat Sprecherin Beate Rysopp einen guten Job gemacht.
Mein Fazit: „Die Charité: Hoffnung und Schicksal“ von Ulrike Schweikert ist ein gelungener Roman, der nicht nur Geschichtsfans schöne Lese- oder Hörstunden beschert. Auf die Fortsetzung der Reihe bin ich gespannt.
Sternstunden der Medizin Berlin, 1831. Seit Wochen geht die Angst um, die Cholera könne Deutschland erreichen – und als auf einem Spreekahn ein Schiffer unter grauenvollen Schmerzen stirbt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. In der Charité versuchen Professor Dieffenbach und seine Kollegen fieberhaft, Überträger und Heilmittel auszumachen: ein Wettlauf gegen die Zeit. Während die Ärzte um das Überleben von Tausenden kämpfen, führen drei Frauen ihren ganz persönlichen Kampf: Gräfin Ludovica, gefangen in der Ehe mit einem Hypochonder, findet Trost und Kraft in den Gesprächen mit Arzt Dieffenbach. Hebamme Martha versucht, ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu bieten, und verdingt sich im Totenhaus der Charité. Die junge Pflegerin Elisabeth entdeckt die Liebe zur Medizin und - verbotenerweise - zu einem jungen Arzt ... Die Charité - Geschichten von Leben und Tod, von Hoffnung und Schicksal im wohl berühmtesten Krankenhaus Deutschlands.
Zur Autorin: Ulrike Schweikert arbeitete nach einer Banklehre als Wertpapierhändlerin, studierte Geologie und Journalismus. Seit ihrem fulminanten Romandebüt «Die Tochter des Salzsieders» ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen historischer Romane. Ulrike Schweikert lebt und schreibt in der Nähe von Stuttgart.
Meine Meinung: Nachdem ich ja mit sehr großer Begeisterung Die Ärztin von Helene Sommerfeld gelesen hatte, war ich auf der Suche nach weiteren historischen Romanen, die sich ein wenig mit Medizin befassen und bin dann natürlich sehr schnell auf dieses Buch gestoßen.
Freundlicherweise wurde mir das Buch zu Rezensionszwecken vom Verlag zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusst allerdings in keinster Weise meine Meinung.
Das Cover gefällt mir sehr gut, da es sehr passend für die Geschichte ist.
Der Einstieg ist mir sehr leicht gefallen. Es ging direkt interessant los, als ein Seemann plötzlich sterbenskrank ist und man bei ihm Cholera diagnostiziert. Ab diesem Zeitpunkt war ich einfach total gefesselt von der Geschichte rund um die Medizin zur damaligen Zeit.
Man lernt dann verschiedene Charaktere kennen, die mir allesamt wirklich sehr gut gefallen haben, allen voran die Hebamme Martha, die Krankenwärterin Elisabeth und auch Dr. Dieffenbach.
Es kommt zu einer folgenschweren Entscheidung, die das Leben einiger Charaktere dort betrifft.
Auch war es sehr interessant, einige alte Begriffe zu hören, z.B. Wechsel, das ist ja ein Zahlungsmittel, was jetzt nicht mehr so in Gebrauch ist, soweit ich weiß.
Ich habe es auch selten in einem Buch gehabt, dass mir weiter gehende Gedanken gemacht habe. Zum Beispiel habe ich mich beim Lesen gefragt, seit wann es eigentlich Antibiotikum gibt. Es war wirklich erschreckend, an welchen heutzutage wirklich harmlosen Krankheiten die Menschen damals sehr schnell gestorben sind. Zum Glück ist die Medizin heute schon um Einiges weiter, auch wenn es leider immer noch Krankheiten gibt, die selten heilbar sind.
Alles in allem kann ich nur sagen, dass dies ein absolutes Lesehighlight in diesem Jahr war. Es war mein erstes Buch der Autorin, aber mit Sicherheit nicht das letzte Buch von ihr. Ich kann hier eine ganz klare Kauf- und Leseempfehlung aussprechen, aber auch eine Hörempfehlung, da es von einer ganz tollen Sprecherin vertont wurde, die auch Die Ärztin eingesprochen hat.
Von mir kann es hier gar nichts anderes als 5 Sterne geben.
"Die Charité" ist ein interessanter Auftakt um das wohl bekannteste Krankenhaus Deutschlands und mit diesem reisen wir zurück in die 1830er Jahre.
Besonders spannend und faszinierend fand ich die hier beschriebenen Handlungsmethoden in dieser Zeit. Einerseits war es bemerkenswert was die Medizin in der Zeit schon alles erreichen und behandelt konnte und andererseits war es erschreckend wie mit den Menschen umgegangen wird und wie unwichtig Hygiene war.
Auch die Geschichten um die drei Frauen aus sehr verschiedenen gesellschaftlichen Schichten fand ich sehr interessant und konnte mich gut unterhalten. Jedoch waren mir diese manchmal ein wenig zu oberflächlich und sind teilweise in den vielen medizinischen Beschreibungen untergegangen. Ich konnte nicht immer mit den Frauen und ihren Schicksalen mitfiebern.
Insgesamt gibt das Buch jedoch einen interessanten Einblick in die Medizingeschichte und verbindet diese auf interessante Weise mit dem gesellschaftlichen Leben. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf die Fortsetzung.
EINE BEEINDRUCKENDE REISE DURCH DIE ANFÄNGE DER MEDIZIN. In diesem Buch werden eindrucksvoll die Anfänge der Medizin im berühmten Berliner Krankenhaus geschildert.
Kaum ein Jahr vergeht, in dem die moderne Technik der Medizin keine bahnbrechenden Erfolge erzielt. Irgendwann wird es dem Mensch vielleicht gelingen, Heilmittel für bisher unheilbare Krankheiten zu erschaffen.
Wir sind mittlerweile so „verwöhnt“ von all den Möglichkeiten der Medizin, dass man gar nicht glauben kann, wie es einmal war.
Das Buch „Die Charité“ handelt von dem bekannten Krankenhaus in Berlin und spielt um 1830. Der Einstieg ins Buch beschreibt die schreckliche Situation, als die Cholera ausbricht und ein Massensterben nicht zu verhindern ist.
Schockierende Zustände, zu wenig - und vor allem ungelerntes Personal - und grausame Behandlungsmethoden waren hier an der Tagesordnung. Teilweise musste ich wirklich sehr schlucken, als gewisse Krankheiten beschrieben wurden, Leichen seziert wurden oder OPs ohne Narkose stattgefunden haben.
Das Grundgerüst bilden drei Frauen, die zu dieser Zeit leben. Eine wohlhabende Gräfin, die aber von all ihrem Reichtum gelangweilt ist und mehr für die Forschung bewirken möchte. Eine Wärterin in der Charité, die Mitgefühl und Güte selbst bei den schwierigsten Patienten walten lässt. Sie hinterfragt kritisch barbarische Behandlungsmethoden und lässt sich nicht täuschen. Die dritte Frau ist eine angesehene Hebamme, die nach einem schlimmen Erlebnis zur Charité wechselt.
Der männliche Hauptprotagonist ist ein Arzt, der sowohl eine Privatklinik betreibt als auch die Kranken im Charité versorgt. Zusätzlich forscht er an Krankheiten und setzt sich zusammen mit der Gräfin für Verbesserungen in der Medizin ein. Das Verhältnis zwischen Ereignissen aus der Medizin und dem Leben der Protagonisten ist für mich perfekt abgestimmt.
Als Leser ist es sehr beeindruckend, wie sich immer mehr in der Medizin tut und für diese Zeit bahnbrechende Durchbrüche erzielt werden. Das Buch ist interessant und schockierend zugleich. Bei einigen Beschreibungen hat es mir wirklich den Atem genommen.
Der Schreibstil von Ulrike Schweikert gefällt mir sehr gut. Er ist zwar sachlich, aber trotzdem zu jedem Zeitpunkt verständlich, detailliert und eindringlich. An einigen Stellen finde ich es zu ausschweifend und Sachverhalte, die für den Lauf der Story nicht dienlich sind, zu arg ausgeführt werden.
FAZIT. Ein wahnsinnig interessantes Buch, das Einblick in die Anfänge der Medizin gibt. Ohne diese Fehlschläge, die Misserfolge oder einfach durch das Ausprobieren früher, wären wir heute nicht da, wo wir nun sind. Die Autorin hat mich wirklich begeistert. Das Werk ist nichts für zarte oder schwache Nerven, aber auf jeden Fall lesenswert. Ich kann es wirklich empfehlen, wenn man sich für Medizin oder die Zeit an sich interessiert. Ein halbes Lesezeichen ziehe ich aufgrund der Langatmigkeit an einigen Passagen ab.
La autora nos lleva a conocer el que es actualmente uno de los mas grandes hospitales de Alemania, la Charité, aunque su nacimiento fue en el siglo XVIII, la historia se ambienta en el siglo XIX, en torno a tres mujeres mujer que tratan de ser independientes cada una desde su lugar en la vida, y poder crearse su propio destino. Martha, una comadrona que quiere salir adelante junto con su hijo, Elizabeth, una enfermera que se apasiona por la medicina y que tiene unas ganas de aprender siempre y la condesa Ludovica, que esta atrapada por su matrimonio y la sociedad que la rodea. Me ha gustado, a pesar de algunas descripciones que quizás, para algunas personas sea un poco fuerte, pero a mi me pareció bastante instructivo, además que se nota que la escritora investigó mucho sobre el tema, siempre es bueno saber cuanto se ha avanzado en ciertas cosas, como es el caso de la medicina.
Una novel·la històrica que explica els durs temps de la medicina allà per finals de segle XIX a una Berlin en alerta per l'epidèmia de còlera. L'història de les dones protagonistes és interessant, amb un bon punt de reivindicació feminista. Llàstima que estigui escrit de manera tan "pomposa", amb milions de paraules rocambolesques que fan molt pesada la lectura...
Die Charité von Ulrike Schweikert, spricht über das älteste Krankenhaus in Berlin. Mir gefiel die medizinische Beschreibung und ihre Komplexität. Erstaunlich, dass es noch nicht solange her ist, dass operative Eingriffe ohne jägliche Betäubung gemacht wurden. Dies wird extrem gut und einfach erklärt, was für mich als nicht Medizinerin wirklich interessant war.
Die Geschichte von Elisabeth, Martha, Gräfin Ludovica, Alexander und Dr. Dieffenbach war gut und unterhaltsam integriert in der ganzen medizinischen Entwicklung.
Ich werde mir auch die Serien dazu anschauen und verzichte bewusst auf das zweite Buch und schaue mir nun direkt nur noch die Verfilmung an.
Die Charité ist eine der bekanntesten Universitätskliniken Europas. Als ich letztes Jahr eine Serie im TV sah, die um die Jahrhundertwende spielte und die vorallem von Robert Kochs Forschungen erzählte, war ich begeistert. Ulrike Schweikert ist für mich keine unbekannte Autorin und nach der Leseprobe wusste ich, dass ich diesen Roman unbedingt lesen möchte.
In "Die Charité - Hoffnung und Schicksal" sind wir noch früher angesiedelt und zwar zu Anfang des 19. Jahrhunderts rund um die Jahre 1830-40. Die Cholera wütet in Teilen Osteuropas und auch in Berlin gibt es bereits die ersten Totesfälle. Die Menschen sind verängstigt und schreiben die Krankheit den giftigen Dämpfen, die aus dem Kanal aufsteigen zu. Zu dieser Zeit beginnt Elisabeth als Wärterin in der Charité zu arbeiten. Sie ist eine der wenigen Frauen und Männer, die diese schwere und kaum bezahlte Arbeit mit Herzblut verrichtet. Sie ist einfühlsam und kümmert sich liebevoll um die Patienten, aber auch wissbegierig und intelligent. Gemeinsam mit Elisabeth beginnt auch Dr. Alexander Heydecker als angehender Arzt in der Charité zu arbeiten. Er ist noch in der Ausbildung, die ihm vom Militär gewährt wird und wird Doktor Diffenbach zugeteilt. Oft liegen sich Elisabeth und Alexander in den Haaren, aber die gegenseitige Anziehung ist groß....der Standesunterschied aber größer.
Gräfin Ludovia ist eine sehr interessante Frau, die ebenfalls ihrer Zeit weit voraus ist. Sie interessiert sich für Medizin und wäre es ihr zu der damaligen Zeit möglich gewesen, hätte sie studiert. So aber ist sie das Anhängsel eines schwachen Mannes, eines Hypochonders, der sich mit seinen eingebildeten Krankheiten das Leben schwer macht. Mit dem behandelnden Arzt des Grafen, Doktor Diffenbach, kann sie einige Stunden mit interessanten Unterhaltungen füllen und verliebt sich in ihn. Ludovica unterstützt daraufhin die Klinik mit finanziellen Mitteln für eine bessere Ausbildung der Wärterinnen. Hebamme Martha ist die Dritte im Bunde der drei starken Frauen in dieser Geschichte. Durch einen Vorfall möchte sie nicht mehr als Hebamme praktizieren und verschreibt sich der Pathologie. Doktor Diffenbach ist das Bindeglied dieser drei Frauen, die alle großes Interesse an der Medizin haben und von Diffenbach erkannt und unterstützt wird. Nur mit Ludovica verbindet ihn auch eine geheime Liebe.
Während wir die vier Figuren begleiten, erleben wir den täglichen Ablauf im Krankenhaus, aber vorallem bekommt man die damalige medizinische Realität vorgesetzt. Durch den sehr bildhaften Schreibstil befand ich mich selbst im Krankensaal, konnte den ekelhaften Geruch von Eiter und Bllut riechen und nur schwer atmen. Es ist kaum zu glauben, dass zu dieser Zeit bei einer Operation noch keine Betäubungsmittel eingesezt werden konnten und der Patient einfach nur festgehalten oder angebunden wurde, während er operiert wurde. Die Behandlungsmethoden der damaligen Zeit lassen den Leser dankbar sein, dass er im 21. Jahrhundert leben darf. Auch Hygiene war ein Fremdwort! Nicht umsonst starben die meisten Patienten nach einer Operation an Wundbrand. Mit Professor Diffenbach, der sich auch der Forschung verschrieb, erleben wir einen sehr engagierten Arzt, der eigene Wege geht und nicht an althergebrachten medizinischen Irrtümern glaubte. Auch die Therapiemethoden von Patienten der psychiatrischen Klinik oder der Behandlung von Syphillis lassen einem beim Lesen die Haare zu Berge stehen...
Die Charaktere sind authentisch und wunderbar real dargestellt. Man erlebt ihre Angst, Wut oder Hoffnung hautnah mit. Die Eigenheiten der realen Personen hat die Autorin miteingeflochten. Alle haben Ecken und Kanten und wurden mit Liebe zum Detail gezeichnet. Man begegnet nicht nur bekannten Ärzten, sondern auch dem Dichter Heinrich Heine oder dem Brüderpaar Alexander und Wilhelm von Humboldt, Naturforscher und Gelehrter.
Ulrike Schweikert ist es wunderbar gelungen interessante Hintergrundinformationen zu vermitteln und dem Roman Leben einzuhauchen. Die fiktiven Figuren wie Elisabeth oder Martha stehen den realen Vertretern der Ärzteschaft, wie Dr. Diffenbach, gegenüber. Viele der angeführten Ärzte gab es wirklich und einige haben mit ihren Forschungen Geschichte geschrieben. Fiktion und Wahrheit sind von der Autorin wunderbar verknüpft und mit einer dementsprechenden spannenden Rahmenhandlung perfekt umgesetzt worden. Bezüglich Dichtung und Wahrheit gibt es am Ende des Romans noch einige Erläuterungen der Autorin.
Schreibstil: Der Schreibstil ist sehr bildhaft und zeitgemäß, wobei er ruhig auch historischer hätte sein können. Die sachlichen medizinischen Informationen wurden mit einer spannenden Rahmenhandlung lebendig erzählt und wunderbar verknüpft.So fiebert man die 500 Seiten mit allen Figuren mit und erfährt nebenei wissenswertes über Medizin. Ulrike Schweikert hat wirklich hervorragend recherchiert.
Fazit: Ein wunderbarer Roman, der den Leser aufzeigt, wie viel in den letzten zweihundert Jahren im medizinischen Bereich geforscht und erreicht wurde. Mit einer spannenden Rahmenhandlung und facettenreichen Figuren hat Ulrike Schweikert interessante medizinische Hintergrundinformationen zu einer fesselnden Geschichte verschmelzen lassen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!
“Die Charité” ist mein erstes Buch der Autorin und ich bin hin und weg, denn es war war wahnsinnig interessant. Im Buch begleitet man mehrere Personen über einen längeren Zeitraum, allerdings bekommt man zusätzlich noch einen sehr guten Einblick in den damaligen Stand der Medizin. Selbstverständlich erfährt man auch vieles über die Zustände in der Charité und wie die Menschen damals behandelt wurden.
Die Handlung wird aus der Perspektive von mehreren Personen erzählt, was ich sehr spannend fand, denn als Leser bekommt man so, sehr viele Eindrücke und das auch noch aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten. Das war echt eindrucksvoll.
Wir haben da beispielsweise Elisabeth, diese muss eine Arbeit als Wärterin annehmen, weil sie keine andere Möglichkeit hat. Diese hatten damals kein schönes Leben. Die Arbeit wurde schlecht bezahlt und man musste im Prinzip alles mit den Patienten machen, wurde dann aber trotz der widrigen Umstände nicht wertgeschätzt. Elisabeth ist aber anders, denn sie machte auf ich den Eindruck, als wäre sie liebevoll und ein netter Mensch. Bei ihr kommen ja dann auch noch die Gefühle für einen Arzt hervor, was ich auch noch einen recht interessanten Aspekt fand, denn ich wollte unbedingt wissen, ob es zwischen den beiden klappen wird.
Oder auch die Abschnitte von Dr. Dieffenbach fand ich ganz interessant. Bei ihm bekommt einige Einblicke in seine Beziehung zur Gräfin, aber auch in Operation, die damals bereits durchgeführt wurden. Ich fand es sehr gelungen, welche Details von der Autorin eingebaut wurden. Auf mich wirkte alles sehr gut recherchiert, denn alles machte einen wirklich realistischen Eindruck auf mich. Toll.
Durch diese unterschiedlichen Erzählungen bekommt man ein schönes rundes Bild über das damalige Leben und die Medizin. Ich fand die Geschichte auch wirklich spannend, denn ich mag medizinische Bücher, obwohl es jetzt aus meiner Sicht nicht unbedingt einen Höhepunkt gab. Man bekommt auch, wie es bei manchen Personen Hoffnung gab und diese das nicht hergeben wollten, hingegen war bei anderen wiederum nicht wirklich was spürbar.
Der Schreibstil der Autorin war sehr flüssig zu lesen, obwohl ich diesen jetzt nicht unbedingt als leicht bezeichnen würde, denn es ist ja auch die Thematik nicht leicht. Die Autorin wechselt ja recht oft die Erzählperspektiven was ich recht interessant fand, mich aber nicht gestört hat, denn es hat den Lesefluss überhaupt nicht gestört. Der Handlung konnte man sehr gut folgen, denn ich fand alles wunderbar verständlich. Es gab sehr viele Details während der Geschichte, was mir aber gefallen hat, denn ich konnte mir so viele Dinge wirklich gut bildlich vorstellen.
Das Cover finde ich toll und es passt gut zur Geschichte.
Zur Autorin: Ulrike Schweikert arbeitete nach einer Banklehre als Wertpapierhändlerin, studierte Geologie und Journalismus. Seit ihrem fulminanten Romandebüt «Die Tochter des Salzsieders» ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen historischer Romane. Ulrike Schweikert lebt und schreibt in der Nähe von Stuttgart.
Quelle: Verlag
Fazit: 5 von 5 Sterne. Klare Kauf – und Leseempfehlung. Ein toller historischer Roman, der wunderbar unterhält. Interessant, aber auch emotional. Kann ich definitiv empfehlen.
Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar. Hierbei hat mich der Klappentext total angesprochen. Ich wollte unbedingt mal wissen, wie es 1831 mit der medizinischen Entwicklung war und dieses wissen, konnte ich mir durch das Buch aneignen. Es ist eine Geschichte über Medizin und den Alltag eines Krankhauses. Schon damals versuchte man, mit dem Wissen und den zur verfügung stehenden Mittel, die Menschen zu heilen, was nicht immer gelingt. Man lernt auch hierbei soviele Charakter kennen, die in dem Krankhaus Alltag eine wichtige Rolle spielen und jeder hat seine eigene Beweggründe, weshalb sie in diesem Krankenhaus arbeiten. Dabei kümmert sich die Protagonistin und gleichzeitig Pflegerin Elisabeth aufopfernd um die Patienten. Was allerdings für den Unterchirurg Alexander ein Dorn im Auge ist, weshalb sie immer in einen Streit geraten. Man lernt auch die Hebamme Martha kennen, die auch in dem Krankenhaus arbeitet, jedoch im Totenhaus der Charité.
Alle Charakter waren wunderbar authentisch geschrieben und wirkten auch so greifbar. Mit ihnen durfte man den Alltag im Charité erleben und auch den Alltag außerhalb der Charité. Es wurde alles sehr anschaulich beschrieben und man konnte sich auch sehr gut hineinversetzen, wie es dort wohl abläuft, geplagt von Krankheit und Tod. Schnell merkt man, das die Zustände von damals nicht gerade einfach waren und manchmal sogar für einen selbst beängstigend. Die Pflegerinnen dort arbeiten für einen sehr niedrigen Lohn und die Stunden die sie in der Charité verbringen, sind lang. Die Ärzte versuchen alles, um das Leben jedes einzelnen Patienten zu retten, was manchmal schier unmöglich erscheint.
Interessant fand ich an dieser Geschichte, das die Perspektiven sich zwischen den verschiedenen Charakter wechselt und somit auch der Handlungsort wechselt. Dabei werden auch Operationen und Sektionen ziemlich bildlich beschrieben und bieten dem Leser noch einen besseren Eindruck, wie es damals so ablief. Die Operationen wurden damals ohne Narkose durchgeführt, den das kannte sie damals noch nicht und so konnte man auch das Leiden eines Patienten mitkriegen und auch sehr gut nachvollziehen. Auch hatten Frauen damals eine bestimmte Position in der Klinik. Damals durfte keine Frau Medizin studieren.
Der Schreibstil war dabei spannend, flüssig und der Zeit entsprechend. Es ist wirklich ein informativer historischer Roman, der mich voll und ganz in den Bann ziehen konnte. An manchen Stellen musste ich erstmal Schlucken und bin froh, das die heutige Medizin so weit fortschrittlicher ist, als die Medizin von damals. Hierzu ein großes Kompliment an die Autorin, die hierbei bestimmt so viel Mut aufbringen musste, solche Szenen niederzuschreiben und vorallem auch ein Kompliment, für ihre informativen Recherchen. Nach diesem Buch, musste ich auch erstmal eine Zeit lang nachdenken und alles gelesene Verdauen.
Wir starten im Jahre 1831 in Berlin mit der Hebamme Martha, die einen Seemann auf der Straße aufgabelt, dem es gar nicht gut geht. Ihr böser Verdacht wird von einem Arzt bestätigt – Die Cholera hält Einzug in Berlin. Nachdem Martha eine schicksalhafte Entscheidung fällt, die nicht nur ihr eigenes Leben beeinflusst beschließt sie Ihren Job als Hebamme an den Nagel zu hängen und meldet sich im Totenhaus der Charité, um beim Sezieren der Leichen zu helfen. Elisabeth möchte nicht wie ihre Schwester enden – eine schwangere Witwe ohne viel Einkommen an der Hungergrenze und meldet sich daher als Wärterin in der Charité, um für einen sehr niedrigen Lohn die kranken zu pflegen. Was im 18. Jahrhundert ein wirklicher Knochenjob ist. Sie macht sich schnell als einfühlsame Pflegekraft einen Namen und darf bei einigen Professoren sogar bei den Operationen, den Patienten zur Seite zu stehen – man bedenke – 18. Jahrhundert, es wird ohne Narkose operiert!! Einer dieser Ärzte ist der sympathische Professor Dr. Diefenbach, der als Chirurg in der Charité arbeitet. Er wird nicht nur unter seinen Kollegen und Lehrlingen sehr geschätzt und geachtet, sondern auch unter dem Pflegepersonal, da er einer der wenigen Ärzte ist, der diese Arbeit wertschätzt, die die Wärter in dieser Zeit leisten. Er ist ein innovativer Arzt, der auch gerne neue Praktiken ausprobiert und immer einen Schritt weiter denkt. Neben den Operationen in der Charité hat er auch Privatpatienten, darunter der hypochonder Graf von Bendow. Somit ist er fast täglich Gast in der Villa des Grafen und kennt auch seine Gemahlin Gräfin Ludovica nach jedem Besuch ein wenig besser und tauscht sich sehr gerne über medizinische Anliegen mit ihr aus. Die Gräfin hat eine Schwäche für Medizin und liest sehr gerne Fachliteratur zu diesem Thema und stiftet einiges ihres Vermögens in wohltätige medizinische Zwecke. Diese Stränge hängen alle zusammen und werden während des Buches zusammengewoben. Der Roman liest sich unheimlich gut und schnell! Die Autorin schreibt sehr bildlich und man kann den Geruch, der unter diesen miesen hygienezuständen vorherschen muss, fast schon riechen. Auch die medizinischen Eingriffe werden sehr ausführlich und bildlich beschrieben – so dass dieser Roman nicht für schwache Nerven geeignet ist. Auch werden Mütter sollten lieber erst nach der Entbindung dieses Buch in die Hand nehmen, da viele grausame Dinge während und nach Geburten beschrieben werden. Alles in allem hat Ulrkike Schweikert unheimlich gut recherchiert. Die Geschichte und die Personen fühlen sich dadurch sehr real an und man ist sofort mittendrin! Ein ausgesprochen gelungener Roman und absolut empfehlenswert!
Schaut auch gerne in meine Video Rezi unter Jenny's Lesestoff auf Youtube vorbei. Ich würde mich freuen!
1831. Die Chirugie steckt noch in den Kinderschuhen, dennoch gibt es ein paar unbeirrte Ärzte in der Berliner Charité, die ihrem Leben dem Erforschen von neuen Heilmethoden verschrieben haben. Die Charité bietet dafür einen Ort. Doch nicht nur Ärzte wirken dort, auch Wärterinnen und Feldscher, die neben ihrem Glück in der Heilmedizin auch ihr privates Glück suchen.
Mir hat das Buch gut gefallen. Es wartet mit starken Persönlichkeiten auf, die ich nicht immer in all ihrem Handeln sympathisch fand, aber die durchweg plausibel gehandelt haben. Die Figuren gingen ihre eigenen Wege, suchten nach ihrem Glück und standen sich dabei hin und wieder selbst im Weg. Ich habe mit jeder Person gelitten und gehofft, auch wenn ich mich oftmals gefragt habe, wo die Reise hingehen soll. So schaffte die Autorin auf jeden Fall einen Spannungsbogen, weil das Schicksal der Personen mir am Herzen lag. Auch wenn der Fokus in diesem Buch für mich nicht auf den Personen lag, wie es bspw. in der "Nightingale"-Reihe der Fall ist. Viel mehr konzentriert sich die Autorin auf die Medizin Anfang des 19. Jahrhunderts.
Leider empfand ich die Handlung teilweise als ein wenig verworren. Manchmal hat mir der rote Faden gefehlt. So bspw. direkt mit der Einstiegskrankheit der Cholera. Wie ich später recherchiert habe, fand man erst 60 Jahre später ein Heilmittel gegen die Cholera, so dass dieses in dem Buch nicht gefunden werden konnte. Aber irgendwie endete die Epidemie dann so abrupt, dass mich das ein wenig verwirrt zurück gelassen hat. Auch gibt es einige unschöne Wiederholungen, so dass das Schicksal oder die Vorgeschichte einzelner Personen öfter erwähnt wurde, als es eigentlich notwendig gewesen wäre. Dennoch war es faszinierend in die medizinische Welt der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einzutauchen. Die Probleme, die damals noch herrschten und von denen heute gar keine Rede mehr ist, weil bspw. Hygienevorschriften eine Selbstverständlichkeit sind, werden eindrücklich geschildert. Doch muss ich auch sagen, dass die ein oder andere Behandlungsmethode - gerade in der Psychatrie - nichts für schwache Nerven sind.
Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Bis auf die bereits erwähnten Wiederholungen und die für mich nicht ganz passenden Tagebucheinträge einer Person war das Buch ein wahrer Lesegenuss! Ich habe vorher noch nichts von Ulrike Schweikert gelesen, aber thematisch interessieren mich einige Bücher von ihr. Nun, da ich eine Kostprobe ihres Stils bekommen habe, weiß ich, ich werde sicherlich auch einige andere Bücher von ihr lesen.
Alles in allem also ein toller Roman mit gut recherchiertem Inhalt über das spannende Feld der frühen Chirugie!
Berlin 1831: Die Cholera bricht aus und weder Ursache noch Heilmittel sind bekannt. Die Menschen, vor allem die Armen, sterben in den Elendsvierteln und der Charité reihenweise und die Ärzte scheinen zu zusehen verdammt. Zu diesem Zeitpunkt lernt der Leser drei ganz unterschiedliche Frauen kennen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben können. Einmal die junge Wärterin Elisabeth, die aus einer armen Familie stammt, dann die sehr angesehene Stadthebamme Martha und die Gräfin Ludovica. Dieses Buch war mal wieder eins der Sorte, von dem man hofft, dass es nicht aufhört. Die Charaktere und deren Entwicklung haben mich genauso gefesselt wie die gut recherchierte Medizingeschichte. Quasi von der ersten Seite an übte das Buch auf mich eine unheimliche Sogwirkung aus. Das Los der Menschen war hart, die medizinische Versorgung teilweise noch sehr fragwürdig, wenn auch immer wieder neue Methoden und Fortschritte erwähnt werden. Ich fand die Operationen – die ohne Narkose durchgeführt wurden! – sehr gut dargestellt, die hygienischen Zustände so gut beschrieben, dass einem beim Lesen ganz anders werden konnte. Die Anfänge der Krankenpflegerausbildung fand ich gelungen dargestellt. Was das Buch aber auch deutlich machte: Manche Probleme von damals sind heute noch nicht behoben, denn auch heute haben Pfleger zu viele Patienten zu betreuen und werden zu schlecht bezahlt. Die drei Frauen im Fokus der Geschichte sind jede für sich beeindruckend und ihre Geschichte in sich stimmig. Der Schreibstil ist flüssig, gut zu lesen und selbst schwierige Aspekte werden gut verständlich geschildert – manchmal so gut, dass beim aufmerksamen Lesen Bilder im Kopf entstehen, die man da so eigentlich gar nicht haben möchte… Was mir auch sehr gut gefiel war die Mischung aus Fiktion und Realität, sowie die eingestreuten Persönlichkeiten, die jeder kennt (Alexander von Humboldt, Heinrich Heine…), das wohldosierte Privat- und Gefühlsleben der Protagonisten und das Schicksal der kranken Menschen mit denen man einfach mit bangt. Ich kann das gleichermaßen interessante, lehrreiche, unterhaltsame wie auch spannende Buch nur weiterempfehlen!
Elisabeth wohnt in einem der ärmsten Viertel Berlins und an den Frauen des Viertels sieht sie, welches Schicksal ihr mit einer Ehe bevorstünde. Sie sieht einen Ausweg darin, ihren Lebensunterhalt als Krankenwärterin an der Charité zu verdienen und entdeckt dabei ihre Leidenschaft für den Beruf und eine verbotene Liebe zu einem jungen Arzt. Martha arbeitet als Hebamme für Frauen aller Schichten. Ihr eigenes Leben ist jedoch ziemlich beschwerlich. Nach einer folgenschweren Entscheidung und weil sie ihrem Sohn ein besseres Leben ermöglichen will, tritt sie eine Arbeit als Totenfrau an der Charité an. Währenddessen könnte die Gräfin Ludovica ihr sorgenfreies Leben genießen. Doch ihr hypochondrischer Mann macht ihr das Leben schwer und sie sucht zunehmend Zuflucht in den Gesprächen mit dem Arzt ihres Mannes und ihrem Engagement für die Charité.
Ulrike Schweikert zeichnet in dieser Geschichte drei ganz unterschiedliche Frauenschicksale, die letztlich doch gar nicht so verschieden sind, da alle drei Frauen in ihrer jeweiligen Rolle gefangen sind und alle nicht das werden oder tun können, was sie gern wollen. Denn alle drei interessieren sich sehr für die Medizin. Doch das Medizinstudium bleibt ihnen als Frauen verwehrt. Dennoch sind alle drei nie verlegen, ihre Stärke zu zeigen und sich notfalls durchzusetzen, doch das kostet sie auch viel Kraft. "Die Charité" ist dennoch kein schwermütiges Sittengemälde, sondern ein über weite Strecken unterhaltsamer historischer Roman vor wohl recherchierter und historisch überzeugender Kulisse, der nicht die ein oder andere Gesellschaftskritik scheut wie beispielsweise der Umgang mit psychischen oder emotionalen Problemen, diese jedoch vielleicht etwas zu deutlich moralisierend präsentiert. Mit all seinen Verwicklungen und zwischenmenschlichen Beziehungen könnte man das Buch auch als Krankenhaus-Soap im 19. Jahrhundert betrachten, die jedoch keinesfalls oberflächlich, dafür aber mitunter emotional und dramatisch ist. Mich hat dieses Buch jedenfalls mitgerissen und gut unterhalten, wenn ich auch die ein oder andere Szene etwas eklig, weil sehr plastisch, fand.
Dieser Roman spielt im 19. Jahrhundert in Berlin und beschreibt die Behandlungsmethoden in der Berliner Charité zur damaligen Zeit. Krankheiten wie die Cholera sind in dieser Zeit weit verbreitet und kaum zu behandeln. Die Forschung und die Medizin basieren noch oft auf Vermutungen. Operationen werden ohne Narkose und vor Publikum durchgeführt und Hygiene ist größtenteils noch ein Fremdwort.
Es war sehr beeindruckend, sich in diese Zeit und an diesen Ort hineinversetzen zu lassen. Oft habe ich mich geschüttelt vor Entsetzen, was damals an Behandlungsmethoden normal war. Ich bin wirklich froh, dass ich nicht in dieser Zeit aufgewachsen und krank geworden bin. Trotzdem war diese Entwicklung natürlich wichtig, um dahin zu kommen, wo wir medizinisch jetzt sind. Obwohl manche Schilderungen im Buch rechteklig waren, hielt es sich doch in Grenzen, so dass ich es gut lesen konnte. Es war nicht zu übertrieben detailliert ausgeschmückt, was mich wirklich gefreut hat. Auch so wurde deutlich genug, wie es damals zuging.
Neben den historischen und medizinischen Aspekten geht es im Buch außerdem um das Leben der Schwestern, Hebammen und Ärzte. Sie mussten oft schwierige Entscheidungen treffen, sowohl beruflich als auch in der Liebe. Ulrike Schweikert hat hier sehr sympathische und lebendige Charaktere entwickelt, denen ich gern gefolgt bin. Obwohl ich kein Fan von Liebesgeschichten bin, haben mich die Verwicklungen in "Die Charité" mitgenommen und mitfühlen lassen. Die Figuren handeln der Zeit angemessen, und bei den Frauen regt sich der erste Anspruch auf Selbstverwirklichung.
Für mich ist "Die Charité" ein rundum gelungener Roman, der mir einen Teil deutscher Geschichte auf unterhaltsame Art nahegebracht hat. Die Geschichte konnte mich durchweg begeistern, es war spannend und emotional, mit Charakteren, die einem im Gedächtnis bleiben. Das Buch hat es geschafft, die Zeit von 1831 mit ihren Nöten und Sehnsüchten für mich greifbar zu machen. Ich kann es jedem empfehlen, der sich für historische Romane interessiert oder für die Geschichte der Medizin in Deutschland.