Jonas Rosen steht vor der Aufgabe seines Studentenlebens: Er soll als Vorreiter für seine Studentenkollegen nach New York fliegen, dort innerhalb weniger Tage eine kostenlose Unterkunft für sie besorgen und bereits damit beginnen, einen Film über Sex zu drehen.
Leider stehen Jonas unzählige Hindernisse im Weg, angefangen von dem Adjektiv kostenlos, hinweg über seinen Herbergsleiter Jeremiah, bis hin zu seiner eifersüchtigen Freundin Mah, die, in Deutschland zurück geblieben, regelmäßig versucht, Jonas vom Fremdgehen abzuhalten, was er jedoch überhaupt nicht vorgehabt hätte und seiner Tante Paula, die mit ihm über seinen Großvater und ihrer gemeinsamen Zeit während des zweiten Weltkriegs sprechen will.
Hinter all diesen Tücken bleibt dann eines zurück: Der eigentliche Film, denn Jonas‘ Leben kommt dem immer wieder dazwischen.
Als ich anfing, dieses Buch zu lesen, hatte ich keine Ahnung, was mich erwarten würde. Immer wieder musste ich an Bukowski denken, was vor allem durch den Klappentext geschürt wurde (rau, Sex, radikal), letztendlich musste ich dieses Gefühl jedoch revidieren, denn Chris Kraus‘ Protagonist Jonas erreicht niemals den so extremen Tiefpunkt, den Bukowskis Protagonisten kaum entfliehen können. Denn Jonas ist, obwohl teilweise eher eine Schachfigur, trotzdem voller Hoffnung, während er versucht, das Beste aus seiner Zeit in New York zu machen.
Zudem hat Chris Kraus einen so humorvollen Schreibstil, der niemals ins unangenehme abgleitet, sodass man nur so durch die Seiten fliegt. Dabei vergisst man sogar, dass in dem Roman selbst, relativ wenig Handlung existiert. Wir folgen Jonas im Tagebuchstil durch seine paar Wochen in New York, lernen schillernde Charaktere, Nixen und alternde Künstler kennen, werden Zeuge seltsamer Begegnungen, lernen, was hinter der seltsamen Bezeichnung von Sommer- und Winterfrauen steckt, und dadurch unheimlich gut unterhalten.
Zum Schluss lässt sich nur sagen: Sommerfrauen, Winterfrauen ist ein hervorragendes Buch, stilistisch herausragend und lässt damit kaum Kritik zu. Eine Empfehlung für alle, die gern Bukowski oder Murakami lesen.
Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Lovelybooks und den Diogenes-Verlag für das Rezensionsexemplar.