In starken Bildern erzählt Tamar Tandaschwili über Frauen und Männer, die sich dem rücksichtslosen Bündnis zwischen Patriarchat, Kirche und Polizei verweigern und um ein selbstbestimmtes Leben kämpfen. In einem Text von großer Intensität setzt sie ihren Figuren ein Denkmal: der lesbischen Elene, die von ihrem frustrierten Verehrer Mzeroza öffentlich vergewaltigt wird, den halbwüchsigen Mädchen Nita und Teo, deren verbotenes Liebesglück grausam endet und nicht zuletzt dem Nilpferdbaby Baggy, das aus dem Zoo entkommt und für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt. Tamar Tandaschwili setzt eine verrückte, unwirkliche Schönheit gegen die Korruptheit des politischen Systems und sorgt damit in Georgien für Skandale und Diskussionen.
Wenn sich plötzlich ein neues Gebiet erschliesst, oder man sich zum ersten Mal in die Literatur eines neues Landes wagt, dann ist es immer schwierig, die Wahrheit unter den schönen Fakten zu finden. So auch, als Georgien zum Gastland der Literaturtage gewählt wurde. Sicherlich zeigten sich viele Texte, Autorinnen und Autoren kritisch – schmerzvoll und brutal direkt wurde es für mich aber erst mit "Löwenzahnwirbelsturm in Orange" von Tamar Tandaschwili.
Die Schriftstellerin spinnt in ihrem Buch ein Netz an Misshandlungen, schrecklichen Geschehnissen und Fälle der Unterdrückung. Die Rolle der Frau und der Sexualität in Georgien werden schonungslos aufgedeckt, in kurzen Kapiteln und mit vielen Figuren. Wenn sich die Erzählweise von Tamar Tandaschwili zu Beginn noch wunderbar sarkastisch zeigt, so wird das Buch immer brutaler. Bis man am Ende durchgerüttelt und ausgelaugt die Erzählung aus der Hand legt.
Die Wahrheit schmerzt immer, man muss sich aber damit konfrontieren.
Ok! Hand aufs Herz: ich liebe den Titel des Romans abgöttisch! Tamar Tandaschwili soll eine der aufregendsten Stimmen Georgiens sein. Das Buch soll Brutalität, Patriarchat des Landes mit schöner Poesie in Verbindung setzen.
Tandaschwilis Roman ist mit rund 130 Seiten und großer Schrift zügig lesbar. Die einzelnen Kapitel fallen recht knapp aus, sind lose und verfügen über Zeitsprünge. Gut gefallen hat mir, dass der Löwenzahn als kleine zarte und dennoch starke Pflanze immer wieder auftaucht. Das Pflänzchen steht stellvertretend für das Überleben und Erblühen in Tandaschwilis Herkunftsland Georgien. Die bekennende Feministin thematisiert Frauen unter patriarchalen Bedingungen und die Schwierigkeit als selbstbestimmte Frau zu leben. Im Mittelpunkt ihrer Erzählung steht eine Psychologin, die mit einer Frau eine Beziehung führt. Dabei begegnet sie Frauen und Männer mit traumatischen Erlebnissen, die ihr von diesen berichten (u.a. Sexueller Missbrauch, Gewalt und Folter). Ziel ist es zu polarisieren, aufzurütteln und auf die Problematiken aufmerksam zu machen. Einzelne Passagen haben mich dabei wirklich schockiert. Frauen gelten teilweise noch als Person zweiter Klasse in Georgien. Der für mich teils holprige Schreibstil und die knappen Kapitel haben für mich den wichtigen Roman schwer lesbar gemacht.
📖 Mit „Löwenzahnwirbelsturm in Orange“ zeigt Tandaschwilis auf zahlreiche Tabuthemen Georgiens, die auf mich teils schockierend wirkten. Dennoch konnte ich nicht recht in den schmalen Roman hineinfinden, was an den losen, kurzen Kapiteln und den Zeitsprüngen liegt. Hier ist gewiss Konzentration gefragt.