Ein Roman wie ein heißer Tag am Meer ... bis das Gewitter beginnt
In Claras Leben passiert alles Wichtige an einem Mittwoch. An einem Mittwoch im Jahr 1963 wird sie als mittleres von bald fünf Kindern in eine Landarztfamilie hineingeboren. Die Mutter schön, elegant und klug, der Vater von seinen Patienten geschätzt, weltmännisch und witzig. Die Partys, zu denen die Königs einladen, sind legendär. Clara bewundert ihren Vater, doch zunehmend spricht er dem Alkohol zu und zunehmend erschüttern seine Eskapaden das Leben der Familie. Lange versucht Clara das zu überspielen, bis sich an einem Mittwoch alles zuspitzt …
Mit feinem Humor erzählt Anne Müller vom Aufwachsen in einer scheinbar perfekten Familie – und lässt die 70er-Jahre mit Tritop, Apfelshampoo und Super-8-Filmen wieder auferstehen.
Ich habe das Buch gern gelesen, es hat einen guten lesefluss. Doch leider - Achtung Spoiler - habe ich einiges vermisst. Sicher sind die ersten gut 270 Seiten dazu da, uns klarzumachen, warum Roman König ein toller Vater war und wie es mit ihm bergab ging... aber irgendwie wird immer wieder etwas angedeutet, dass nie aufgelöst wird. Und am Ende hätte ich mir gewünscht, mehr darüber zu erfahren, wie es mit dem Königs weitergeht. Es handelt sich um viele Fragmente - die toll zu lesen sind - aber nicht um eine Runde Geschichte ... vermutlich ist das Buch eine Parabel über das oft verschwiegene Innere einer zum Glück verdammten aber doch nie glücklich werdenden 70er Jahre Familie.
Ich nehme mal die Pointe vorweg: ich bin ein bisschen verliebt in das literarische Debüt von Anne Müller, die Theater- und Literaturwissenschaften studiert, anschließend als freie Radiojournalistin gearbeitet und sich später dem Drehbuchschreiben gewidmet hat. Heute lebt sie in Berlin, aber aufgewachsen ist Anne Müller in Schleswig-Holstein und man könnte fast meinen in Schallerup, einem kleinen (mehr oder weniger fiktiven?) Örtchen an der Ostsee, in das uns die Autorin mit „Sommer in Super 8“ entführt.
Clara König, die Ich-Erzählerin, nimmt uns mit in eine Kindheit der 70er Jahre. Tritop, „Dr. Sommer“, Apfelshampoo und eine Familie, die auf den ersten Blick wie eine Vorzeige-Familie auf Super-8-Filmen projiziert wirkt. Clara wächst als mittleres Kind unter fünf Geschwistern auf. Der Vater ist Landarzt, die Mutter intelligent, hübsch und immer ein bisschen schicker als die anderen Dorffrauen in Schallerup. Neben den guten Zeiten mit schillernden Partys, Ausflügen an die Ostsee, Tanzstunden und Klavierunterricht gibt es auch die dunklen Stunden, die nicht auf Super-8-Filmen zu sehen sind, weil sie vertuscht und unbelichtet jenseits des Bildrandes liegen. Nämlich die, wenn die Eskapaden des Vaters das Familienleben erschüttern und die schöne Fassade zu bröckeln beginnt.
Anne Müller schreibt feinfühlig, humorvoll und lebensnah von einer Kindheit, wie wir sie alle so oder so ähnlich erlebt haben könnten. In drei Teilen lässt sie die Ich-Erzählerin Clara König von den sorgenfreien Kindheitstagen berichten, über die Zeit, in der das Leben anfängt komplizierter zu werden bis hin zur Schwelle des Erwachsenwerdens, in der die Sorgen der Erwachsenen auch die der Heranwachsenden werden und in der die Weichen entscheidend für die Zukunft gestellt werden. In knappen Kapiteln, die fast wie an einem roten Faden zusammenhängende Kurzgeschichten wirken, skizziert sie Freundschaften und Feindschaften, den Alltag sowie zugehörig den Klatsch auf dem Dorf, die Sorgen und Probleme als Heranwachsende/r, die lustigen wie die traurigen Momente und beschreibt eine Familie, die – obwohl sie sich liebt - nach und nach immer weiter auseinanderfällt. Die Autorin charakterisiert die einzelnen Figuren so herrlich anschaulich und greifbar, dass man sofort das Gefühl bekommt „die oder den kenne ich doch!“, auch wenn das natürlich gar nicht sein kann, aber durch die Art der Erzählung fühlt man sich als Leser/in stark an die eigene Kindheit erinnert, sucht und findet vielleicht Parallelen im eigenen (Dorf)leben – und sei es bloß der Konfirmandenunterricht, der irgendwie lästig und streng doch einen wichtigen Punkt auf dem Weg hin zum Erwachsenwerden markiert. Besonders nahe ging mir die Erzählung über den Vater König, der mit all seinen Fehlern, Sorgen und Nöten nicht unbedingt immer gut weg kommt, aber doch so nachvollziehbar ehrlich und echt wirkt, dass ich am Ende schon ein wenig mein eigenes beklommenes Gefühl vertreiben musste.
„Sommer in Super 8“ ist ein Roman voll leichtfüßiger Momentaufnahmen, der aber auch darüber hinaus in die weniger hellen Ecken abseits des Bildrandes leuchtet und Fragmente eines Familienlebens zu einem Ganzen zusammenfügt, das den oder die Leser/in an die eigene Kindheit und die der Eltern denken lässt. Ein lustiger und zugleich zeitweilig tieftrauriger Roman, der zeigt, dass nicht alles im Leben schön im Super-8-Format schillert.
Schon am Titelbild sieht man, daß Anne Müller ihre Leser in die späten 60er bis 70er Jahre führt, und dies tut sie ganz hervorragend und lebendig. Wir begleiten Clara durch ihre Kindheit und Jugend in einem norddeutschen Dorf; lernen nach und nach die dunklen Seiten hinter der auf den ersten Blick so perfekten Landarztfamilie kennen.
Der Schreibstil ist angenehm, man ist sofort mitten in der Geschichte, nimmt gleich teil am Leben der Familie König, welches aus Claras Sicht erzählt wird. Man merkt schon im ersten Kapitel, daß Clara ein tiefgründiges Kind mit teils traurigen Gedanken ist. Ebenso schnell wird deutlich, daß hinter der respektablen Front der Familie - mit attraktiven, eleganten Eltern, der alten Villa, den Ausflügen - nicht alles so perfekt ist, wie es scheint. Sowohl das Wesen Claras und ihrer Familie wie auch die Risse in der Fassade werden uns auf sehr gekonnte Weise vermittelt, durch kleine Bemerkungen, Beobachtungen, Nebensätze. Hier werden keine Fakten plump serviert, das Gesamtbild entfaltet sich nach und nach, die Hinweise sind gut eingesetzt und man möchte gleich weiter lesen und alles erfahren.
Vordergründig berichtet Clara harmlose kleine Episoden, in denen man die 70er Jahre richtig vor sich sieht, die leuchtenden Farben, Riesensonnenbrillen, die Super 8-Filme. Auch das Zeitgeschehen wird immer wieder eingeflochten, so die Angst vor den Russen, die Mondlandung, der Terroranschlag bei den olympischen Spielen. Es werden viele solche interessanten Details erwähnt und dadurch ersteht dieses Jahrzehnt auf den Seiten des Buches auf.
Während sich in Claras Grundschulzeit die Abgründe der Familie noch gut vertuschen lassen und von einem solch kleinen Kind auch eher nur in Nuancen wahrgenommen werden (können), ändert sich sowohl für Clara wie auch für den Leser einiges, als Clara zum Teenager geworden ist. Die Familienprobleme werden deutlicher, zugleich aber rückt die Familie leider in der Erzählung in den Hintergrund. Wir lesen detailreich über die typischen Teenagererfahrungen - Schminken, Tanzstunde, erster Kuß, Discobesuch, Konfirmation. Dies ist immer noch gut (manchmal etwas zu ausführlich) erzählt (abgesehen von einigen kleinen Wiederholungen), aber für meinen Geschmack verlor sich die Geschichte zu sehr in diesen Dingen und ließ die für mich viel interessantere Familiendynamik zurückstehen.
Während man im ganzen Buch Claras Vater vielseitig erlebt und kennenlernt, bleibt ihre Mutter fast die ganze Zeit über blaß. Im ersten Teil hat sie noch Persönlichkeit und man möchte mehr über sie erfahren, dieser Wunsch wird nicht erfüllt, im Gegenteil. Die Beziehung zwischen Claras Eltern ist sehr interessant, ist auch das, was zur Besonderheit dieses Buches beiträgt, sie hätte neben den Teenageralltagserfahrungen meiner Meinung nach viel mehr Raum verdient.
Der letzte Teil des Buches ist sowohl berührend, wie auch ein wenig verstörend, letzteres auch wegen der für mich nicht ganz nachvollziehenden Reaktionen (oder teils fehlenden Reaktionen) der Familie.
"Sommer in Super 8" ist ein Buch, das von Anfang an berührt, Emotionen weckt, in einem angenehmen Stil geschrieben ist und auch nach dem Lesen noch nachwirkt.
Charmante Coming-of-Age-Geschichte mit Ostsee-Setting. Meiner Meinung nach hätten die ernsteren Themen ruhig tiefer behandelt werden können, doch insgesamt war dies ein Roman, den ich sehr gerne gelesen habe. Definitiv ein Buch, das man in den Urlaub oder ins Freibad mitnehmen kann (aber selbst im Winter ist "Sommer in Super 8" eine schöne Lektüre).
ich bin bis weit über die hälfte nicht so ganz reingekommen und hab wieder peinlich lange gebraucht. die handlung ist halt sehr langsam, muss man mögen und eigentlich mag ich's auch, aber hab davor halt ein buch gelesen, das vom style und plot her ähnlich war und glaube es war bisschen unsmart so. nichtsdestotrotz ein tolles buch mit vibes, die man sehr gut checkt irgendwie