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Hier ist noch alles möglich

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Eine junge Frau wird als Nachtwächterin in einer Verpackungsfabrik eingestellt. Abend für Abend macht sie ihren Rundgang, kontrolliert die Zäune. Ein Wolf soll in das Gelände eingedrungen sein. Mit jeder Nachtschicht wird die Suche nach dem Wolf mehr zu einer Suche nach sich selbst und zur Frage nach den Grenzen, die wir ziehen, um das zu schützen, woran wir glauben.

192 pages, Hardcover

First published July 13, 2018

11 people are currently reading
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About the author

Gianna Molinari

4 books10 followers
Gianna Molinari wurde 1988 in Basel geboren und lebt in Zürich. Sie studierte von 2009 bis 2012 Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut Biel und danach Neuere Deutsche Literatur an der Universität Lausanne. Sie war Stipendiatin der Autorenwerkstatt Prosa 2012 am Literarischen Colloquium Berlin und erhielt im selben Jahr den Preis sowie den Publikumspreis des 17. MDR-Literaturwettbewerbs. Bei den „Tagen der deutschen Literatur“ 2017 in Klagenfurt wurde sie für einen Auszug aus ihrem Debüt „Hier ist noch alles möglich“ mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet.

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Community Reviews

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122 (32%)
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51 (13%)
1 star
13 (3%)
Displaying 1 - 30 of 50 reviews
Profile Image for Sarah Bookmarked.
84 reviews523 followers
September 16, 2018
Auf dem Gelände einer nahezu stillgelegten Verpackungsfabrik wird ein Wolf gesichtet. Der Unternehmenschef stellt daraufhin eine Frau als Nachtwächterin ein, die auf ihren Rundgängen nach dem Rechten sehen und Nachforschungen anstellen soll. Die Suche nach dem Wolf bestimmt fortan ihren gesamten Tagesablauf und wird zu einer fixen Idee, obwohl völlig unklar ist ob es diesen Wolf überhaupt gibt und was sein Eindringen für die Menschen bedeutet.

Mein Eindruck:
Dieses Buch wurde für den deutschen Buchpreis 2018 nominiert, schaffte es letztlich aber nicht in die engere Auswahl, vielleicht aufgrund seines sehr eigentümlichen Stils.
Die Sprache ist reduziert, die Sätze kurz, der Inhalt nüchtern. Da wir die Geschichte aus direkter Sicht der Protagonistin erfahren, transportiert dieser Erzählstil die spezielle Wahrnehmung der Frau. Die Art wie sie Dinge beschreibt, Gespräche führt und ihr Wörterbuch erweitert erinnert an jemanden, der fast ausschließlich analytisch denkt und so entbehrt das ganze Buch einer emotionalen Ebene.

Die namenlose Protagonistin konzentriert sich bei ihren Beobachtungen auf Grenzen und die vermeintliche Sicherheit, die sie den Bewohnern im Inneren bieten. Da wären die Grenzen rund um das Fabrikgelände, markiert durch einen löchrigen Zaun, die Wände ihrer Halle, aber auch Landesgrenzen, die mit Flugzeugen überwunden werden. Dazu passt ihre Faszination für Inseln und all jenes, das auf diesem durch Wasser begrenzten Land Seltsames geschehen kann. Dass der Wolf, die von Menschen gemachte Grenze zum Fabrikgelände überwindet führt demnach zu einem großen Aufruhr, der in keinem Verhältnis zur konkreten Gefahr steht.

Hier wird schon deutlich, dass dieses Buch viele Möglichkeiten zur Interpretation bietet. Zusammen mit der Geschichte eines Flüchtlings, der beim Versuch sein Land zu verlassen tot vom Himmel fiel, erhält die Thematik der mehr oder weniger sichtbaren Grenzen eine weitere interessante Richtung. Ich hatte dennoch immer wieder das Gefühl dem Buch nicht gerecht werden zu können und seine vielen Ebenen nicht zu verstehen.

Vermutlich ist das der Grund warum mir das Buch nicht recht aus dem Kopf geht und weswegen die Geschichte bei all ihrer Einfachheit so faszinierend und interessant auf mich wirkte. Einzig die sehr reduzierte Sprache vermochte mich nicht dauerhaft zu begeistern und dämpfte das Lesevergnügen mit der Zeit deutlich. Obwohl ich sie zu Beginn noch erfrischend und besonders fand, verlor sie im weiteren Verlauf an Reiz und ließ gute Szenen etwas flach erscheinen.

Meines Erachtens wird diese Geschichte erst durch die Interpretation und das Verständnis des Lesers vervollständigt. Das Ergebnis sieht für jeden anders aus und so verstehe ich sehr gut, dass die Meinungen zu diesem Buch weit auseinander gehen.

Fazit:
Ein erstaunliches Debüt über Grenzen und Ängste, dass aufgrund seines besonderen Stils und seiner Vielschichtigkeit zurecht auf der Longlist des deutschen Buchpreises 2018 stand.
Profile Image for Ernst.
646 reviews31 followers
February 16, 2024
Die etwas verschrobene Protagonistin mit leicht autistischen Zügen hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Ein wirklich smartes, toll geschriebenes Werk. Ganz leicht zu lesen, packend, intelligent, perfekt durchkomponiert.
Ich werde sicher noch mehr von dieser Autorin lesen.
Profile Image for Marcia.
1,114 reviews118 followers
October 2, 2019
Ik hield van de vlotte, simpele schrijfstijl in Hier is alles nog mogelijk. Ook de manier waarop het verhaal wordt aangevuld met tekeningetjes en foto’s is erg tof! Daarnaast kreeg ik een zwak voor het naamloze hoofdpersonage - haar grenzeloze nieuwsgierigheid intrigeert, net als haar naïviteit. Dan is er nog het verhaal: de zoektocht naar de wolf op het fabrieksterrein begint heel tof, maar op een gegeven moment was dit voor mij toch te weinig verhaal. Helaas eindigt het verhaal ook niet met een bevredigende conclusie. Desalniettemin was dit debuut van Gisnna Molinari een heerlijk boek voor tussendoor - met name door de originele manier waarop de schrijfster met taal en het idee van ‘de roman’ speelt.
Mijn complete recensie lees je op Boekvinder.be.
Profile Image for Buchdoktor.
2,365 reviews186 followers
June 28, 2018
Die namenlose Icherzählerin bewacht als Nachtwächterin im Schichtwechsel mit einem Kollegen eine Karton-Verpackungs-Fabrik. Ein Einschub berichtet in neutralem Ton von mehreren Wölfen, die hungrig aus den Bergen ins Tal herabkommen. Unsere Nachtwächterin wird gewarnt, dass der Zaun um die Fabrik nicht mehr intakt ist und ganz in der Nähe ein Wolf gesichtet wurde. Im Leben der jungen Frau gab es ein „Früher“, in dem sie Wohnung und Arbeit hatte. Das ist jetzt vorbei und sie haust mit Erlaubnis des Besitzers in der Fabrik. Sie selbst und auch die Leser fragen sich, warum überhaupt für eine Fabrik, die nicht mehr im Betrieb ist, Nachtwächter eingestellt werden und sogar noch ein Koch zur Arbeit kommt. Wie Steine, auf die man über eine Wasserfläche hinweg springen muss, weil ein Steg fehlt, bewegt sich die Handlung in Sprüngen zu Astronauten-Nahrung, die der Koch entwickeln will, und zu einem toten Afrikaner, der vom Himmel fiel, vermutlich erfroren aus dem Triebwerkschacht eines Flugzeugs. Die Nachtwächterin legt ein Tellereisen als Falle aus und beginnt eine Fallgrube für den Wolf zu graben, ohne ein Konzept zu haben, was sie tun wird, sollte sie ihn fangen. Der Prozess des Schaufelns wirkt völlig absurd, meine Gedanken wanderten dabei zu der Frage, ob es wirklich einen Wolf gibt und der Fabrikbesitzer mit seiner Warnung evtl. nur den Abschied von seiner Fabrik hinausschiebt.

Wenn jemand „Wolf“ ruft, springe ich stets auf, egal, ob es sich um eine Reportage handelt oder einen Roman, der mit dem Wolfsmythos um Aufmerksamkeit buhlt, ohne unbedingt ein Wolfsthema zu bieten. Auch hier hat "Wolf" augenblicklich gewirkt und mich neugierig gemacht. Bei Gianna Molinari scheint alles möglich auf ihren unverknüpften Handlungs-Inselchen. Dass die grabende Nachtwächterin mich intensiv an die Grube in Donovans „Schopenhauers Telescope“ erinnert hat, dafür kann die Autorin nichts. Im Auge des Lesers liegt es, ob in Molinaris Text ein realer Wolf auftaucht oder „Wolf“ als Metapher denkbar wird für ein gescheitertes Lebenswerk, Wohnungslosigkeit oder Tod auf der Flucht.
Profile Image for MrKillick.
114 reviews8 followers
October 9, 2018
Ich muss dringend den Bullshit-Detektor ausstellen - das Gejaule raubt mir noch den letzten Nerv! Kaum eine Seite in diesem zum Glück kurzen Buch, auf der er nicht angeschlagen hat.

Wobei ich fairerweise vielleicht doch zwei oder drei Optionen in Betracht ziehen sollte:

Option 1: dieses ist eines der tiefsinnigsten und brilliantesten Bücher der letzten Jahre, nein Jahrzehnte, ich bin leider nur zu begrenzt (hah, so viel habe ich dann doch verstanden, dass es hier um Grenzen der verschiedensten Art geht), um es zu würdigen, und verneige mich deshalb demütig vor der Genialität der Autorin (Anmerkung: unwahrscheinlich).

Option 2: ach lassen wir das, wir sind ja gut erzogen ...

Option 3: die Autorin sitzt zu Hause und lacht sich sich schlapp, während Kritiker und Leser vor Ehrfurcht in die Knie gehen vor solch tiefschürfenden Sätzen wie:
„Ich habe mich an das Leben in einem Rechteck gewöhnt. Wenn einer mir sagen würde, dass die Welt ein Rechteck sei, dann würde ich das gerne glauben. Aber ich denke eher, dass die Welt die Welt und mein Rechteck mein Rechteck ist.“ oder (ähnlich mind boggling)
"Der Bodenabfertigungsdienst heiße Bodenabfertigungsdienst, weil der Boden auf Flughäfen eine zentrale Rolle spiele. Es gilt, den Boden zu verlassen oder auf den Boden zu gelangen." (Anmerkung: leider auch unwahrscheinlich)

Man gebe mir ein langes Wochenende, ausreichend Starkbier und zwei Kumpel aus Studienzeiten (dazu ein paar unscharfe Schwarz-Weiß-Fotos und einige Bleistiftzeichnungen von meinem zeichnerisch unbegabten Sohn) und wir zimmern ein Buch zusammen, das mindestens genauso tiefschürfend und enigmatisch daherkommt, wie dieses.

Howgh, ich habe gesprochen.

P.S.: eine Zeile des unsterblichen Dichers Robert Gernhardt ging mir beim Lesen dieses Buches nicht aus dem Sinn (jetzt alle zusammen im Chor): "Mein Gott ist das beziehungsreich, ich glaub', ich übergeb' mich gleich." SCNR
Profile Image for Michael Bohli.
1,107 reviews53 followers
October 16, 2018
Die Buchpreisbücher, die sind so eine Sache. Entweder schreibt sich ein Autor in Rage und verliert sich in hyperkomplexen, orthografisch verwunderlichen Sätzen, oder die Aussagen bleiben so vage, dass man ebenso ratlos zurückbleibt. Aber die Neugier siegt halt doch immer, besonders wenn ein Buch so hübsch gestaltet ist wie "Hier ist noch alles möglich" von Gianna Molinari

Die Schriftstellerin wurde bereits vor diesem Buch mehr als hochgelobt, was ich bei der Lektüre auch an gewissen Stellen nachvollziehen konnte. Molinari verpackt Magie in eine eher einfache Sprache und baut Figuren und Szenen mit wenigen Sätzen geschickt auf. Doch leider wirkt auch vieles zu bemüht wichtig, zu überspitzt. Das macht aus "Hier ist noch alles möglich" eine zu billige Parabel auf unser Hadern mit Grenzen (seien es innere oder äussere) und serviert dem Leser gar Sätze, die wie an Kleinkinder gerichtet wirken. Immerhin nervte mich das Werk nicht, was beim Buchpreis gerne mal passiert.
Profile Image for Lubomír Tichý.
380 reviews59 followers
August 1, 2021
Na pozorujících postavách (vypravěčích), které nemají potřebu dávat najevo své dojmy a niterné pocity, ale skrze sledování okolí stejně poznáváme jejich vnitřní svět, je něco fascinujícího. Noční hlídačka z této knihy mi připomněla Witolda z Kosmu – zejména v hroužení se nad drobnostmi a v schopnosti kolem zdánlivé banality postavit celý příběh. A obsesivně sleduje smysl svého konání, tedy vlka, který možná ani není, nebo vlastně je, ale uvnitř ní; čímž odkrývám jednu z mnoha symbolických rovin v knize.
Celé to na mě působí tak nějak "jinak", ale zároveň velmi přirozeně. Vypravěčka si vede de facto deníkový záznam (čemuž nasvědčují i drobné kresby, dopisování slovníkových hesel) svého skromného života, ve kterém se kouká do monitorů, navštěvuje kantýnu, kope jámu. I tak v ní pulzuje nejistota a neklid.
Každodenní zápisy jsou ale zpestřovány různými podivnými příběhy (Stínonožec, který si na sebe stíní nohou, je ostatně i na obálce; k němu přibude i ostrovní cyklus, pátrání po irbisovi či návštěva seismoložky). Vypravěčka se ráda seznamuje s jinými profesemi, prýští z ní zvídavost, přesto zůstává na první pohled emocionálně chladná, čemuž nasvědčuje i strohý styl. Její emoční pochody vysvětlují jiné skutečnosti – plot se třemi dírami, její hala, samotná továrna ("Možná továrna stojí na porézním základě. Možná je to důvod pro její uzavření." s. 155), vlk, ostrovy, země.
Ze začátku, kdy čtenář nemá pevný základ, se čtení napěchované symboly trochu drolí, ale po pár pomalých pasážích se dokáže opět naladit a odkrývat jednotlivé významové vrstvy.
Liboval jsem si v invenčním formě: přes jmenované obrázky (od samotné autorky) a evidování pojmů do lexikonu, přes dvě trojice černobílých fotografií až k fyzikálním výpočtům (kolik blech by muselo táhnout letadlo? jak rychle padá ze stolu lego panáček?).
A vlastně by mi stačilo jen to zajímavé prostředí, jen ty zvláštní postavičky, jen ty podivné minipříběhy. Ale těch vybízecích bodů k zamyšlení je tam tolik, že to nelze odmítnout.

S jámou už jsme tak daleko, že při kopání nevidíme přes její okraj. Často si představuji, že vlk spadne do jámy v okamžiku, kdy uvnitř budu kopat. Vlka by pád a stísněný tady dole tak rozzuřily, že by na mě zaútočil. Snažím se představit si, jak bych mohla z jámy utéct, a uvažuji, jestli by vlk dokázal vylézt po žebříku.
(s. 139)
Profile Image for Pieter Decuyper.
137 reviews2 followers
April 16, 2020
'Hier is alles nog mogelijk' was een vreemde leeservaring. Eigenlijk gebeurt er (tè?) weinig in deze roman en zijn de aangehaalde thema's niet genoeg uitgediept. Een nachtwaakster in een bijna failliete fabriek jaagt op een wolf die gesignaleerd is binnen het fabrieksterrein. Een man die zomaar uit de lucht gevallen is, probeerde de grenzen van de rijke westerse wereld binnen te dringen. Een bank werd overvallen door een vrouw wiens composiettekening sterk lijkt op het naamloze hoofdpersonage, enzovoort. Je weet als lezer niet goed wat echt is en wat fantasie is van het hoofdpersonage om haar leven en job interessanter te maken.

Te veel losse gedachten (soms wel mooi) en iets te weinig diepgang in deze roman. Niet mijn ding.

"Ik loop op de begraafplaats over de paden tussen de graven en zie overlijdensdata en levensjaren. De levensjaren zijn samengevat als een streepje tussen de geboortedatum en de sterfdatum. Een streepje voor een heel leven. Om het even of het opwindend, slopend, treurig, wanhopig, saai of gevaarlijk was geweest, om het even of het achttien of eenentachtig jaar had geduurd: het streepje is steeds hetzelfde.
Aan het eind van een van de rijen vind ik zijn graf. Op de groene plaat staat geen geboortedatum. Ook geen streepje..."


"Ik twijfel of de zekerheid waarin ik leef wel iets met de realiteit te maken heeft. Ik verlang naar onzekerheid, misschien naar meer echtheid. Ik wil kunnen onderscheiden wat belangrijk is en wat niet."
Profile Image for Christina Dongowski.
255 reviews72 followers
December 12, 2024
Kindle Unlimited hat mir das Buch vorgeschlagen, als ich gerade wieder mal versucht habe, Bücher zu lesen, die auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stehen (Version 2024). Hier ist noch alles möglich war 2018 auf der Longlist des Deutschen Buchpreis und auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises. Es ist Molinaris Debüt. Die Synopsis, dass es hier um eine Nachtwächterin auf einem Fabrikgelände und die Suche nach einem, wahrscheinlich imaginierten, Wolf geht, hat mich dazu veranlasst, mir das auszuleihen (gekauft hätte ich es wahrscheinlich nicht).
Ich bin einerseits recht positiv überrascht, denn es ist wirklich ein Roman aus dem Arbeitsleben in einer gesichtslosen Provinzstadt (mit Flughafen) mit fantastischen Zügen (bzw. arbeitet Molinari die surrealen Züge so einer, unserer Existenz gut heraus). Mir gefällt der lapidare, fast schon ein bissle parabelhafte Ton, die Selbstverständlichkeit, mit der ziemlich bizarre Ereignisse einfach erzählt werden. Nicht so ganz überzeugend finde ich, wie das Ganze dann doch immer wieder ins betont literarisch Allegorische dreht, vor allem zum Schluss hin, bzw. als eine Allegorie auf Identitätsverlust und / oder -suche gelesen werden kann. Das kam mir ein bissle gegenwartsliterarisch vor. Positiv hervorheben will ich noch die Bilder im Text: Die tragen wirklich zur Atmosphäre bei.
Profile Image for Electric.
627 reviews1 follower
January 9, 2019
Ein lakonisch und einfach erzählter und dennoch sehr vielschichtiger Roman einer jungen schweizer Autorin der um das Motiv von Grenze, Fremdheit und Zuschreibungen kreist, ohne sich festzulegen, der einige Plot-Ansätze eröffnet ohne einen davon wirklich zu Ende zu führen - und dabei spannend bleibt. Die Typen, die allesamt dem ArbeiterInnen-Millieu entspringen, sind dabei mit wenigen Strichen sehr eindrücklich gezeichnet. Klassenbewußte, kritische Literatur auf hohem Niveau.
Profile Image for Luis.
178 reviews9 followers
August 8, 2021
Editado en español por Letra Sudaca.

Entrega de Club Tifón Julio 2021 y acompañado con un Tempranillo de Casa Araujo.
Profile Image for Bre.
213 reviews11 followers
October 15, 2021
La verdad es que este libro me desorientó un poco, pero así y todo se lee rápido y tiene un "algo" que llama la atención.

No recuerdo bien la película pero tampoco sentí que la historia continuara ese final... Igualmente siento que no sé que leí 🤣. Todo súper extraño, abstracto, analítico y filosófico al mismo tiempo. Creo que esa misma particularidad me atrapó. Algo que hasta el momento no había leído.

El lenguaje me resultó bastante plano pero la traducción rioplatense no me hizo ruido en este caso. Generalmente no me gusta mucho, pero acá sentí que le quedaba como anillo al dedo.

En cuanto a la protagonista: es muy curiosa pero tiene una forma hiper analítica de ver las cosas, no hay emocionalidad, y pareciera hasta robótica.

De la trama no puedo decir nada porque no palpé ninguna. Sí noté que en un momento se menciona el tema de los refugiados en Europa, pero queda ahí 🤷🏽‍♀️.

Me quedé con cara de póker cuando lo terminé. Pero lo disfruté y me divertí tratando de descubrir el hilo de la historia. No sé si sentirme ignorante, inculta o idiota, pero yo no entendí qué pasaba realmente 😅.

(Plus para argentinos 👉🏽 Darío Barassi diría "raro" 🤭).
Profile Image for Sven Buchien.
Author 3 books1 follower
September 14, 2018
Ein wenig sprachlos lässt mich dieses Buch zurück. 169 Seiten, die mir irgendetwas sagen wollen, es aber nicht schaffen. Das ständige Gefühl, dass da doch Teile vom Roman fehlen, oder das sie falsch zusammengesetzt sind, dass da Textstücke verrutscht sind und es den Verlegern nicht aufgefallen ist. Was will die Autorin, was versteckt sie in diesem Roman? Ist es die Sehnsucht nach etwas? Nach Liebe? Nach Leben? Oder ist es einfach nur eine Momentaufnahme aus dem Leben einer immer noch neugierigen und phantasiereichen Frau, die möglichst viel erleben möchte und die von dieser Neugier getrieben wird?

„Hier ist noch alles möglich“ ist die Geschichte einer Frau, die ihr altes Leben einfach hinter sich lässt und ein neues Leben als Nachtwächterin in einer Fabrik beginnt, bei der auch schon feststeht, dass sie bald geschlossen wird. Warum sie ihr altes Leben verlässt, wird nicht näher erklärt, was sie in ihrem neuen Leben sucht aber auch nicht. Eines Tages wird angeblich ein Wolf auf dem Fabrikgelände gesichtet, und so bekommt die Nachtwächterin eine wirkliche Aufgabe: die Jagt nach dem Wolf. Eigentlich ist es aber die Jagt nach den eigenen Gedanken, die Neugier auf die Welt und gleichzeitig das Verstecken vor dieser Welt.

Eine Bewertung des Romans fällt schwer, denn viel zu viele Aspekte könnte ich beim Lesen übersehen haben. Da hilft auch nicht, dass die Geschichte in einen Schleier gehüllt ist, das nicht klar wird, ob die Protagonistin all das wirklich erlebt, oder ob sie Dinge, die nur in ihrer Phantasie stattfinden, mit der Realität verknüpft. Was aber klar wird, ist, dass die Protagonistin sich immer weiter zurückzieht, sich der Gesellschaft entzieht, um etwas zu finden, vielleicht um sich selbst zu finden. Nach dem Lesen ist auf jeden Fall noch alles möglich. Mehrere Dinge bleiben unklar, mehrere Lebenswege der Protagonistin bleiben offen, vieles ist ungesagt. Der Leser wird mit einem offenen Ende zurückgelassen. Ein Ende, das den Leser mit all seinen Fragen zurück lässt. Ein Prolog, dem die eigentliche, die spannendere Erzählung, noch fehlt.

Eventuell will die Autorin genau das, will uns mit Fragen und zweifeln zurück lassen, will dem Leser einen Prolog an die Hand geben, nachdem noch alles möglich ist, der dem Leser die Möglichkeit gibt, die eigentliche Geschichte selbst zu erzählen oder zu erdenken.

Und so ist auch bei der Bewertung alles möglich! Ich könnte Ich könnte nur Oberflächlich die erzählte Geschichte bewerten, die dann wohl 2, vielleicht auch 3 von 5 Punkten von mir bekommen würde, weil vieles fehlt, weil vieles offen bleibt, weil ein Spannungsbogen durchaus vorhanden ist, er aber am Ende nicht aufgelöst wird. Aber genau das wäre auch der Grund, warum ich dem Roman auch 5 von 5 Punkten geben könnte. 5 Punkte, weil es zum Nachdenken anregt, weil es die Möglichkeit bietet, die eigentliche Geschichte selbst zu erfinden, der Protagonistin ein eigenes Gesicht zu geben. Und so bleibe ich dabei, dass eine Bewertung unmöglich ist.
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
August 15, 2018
Nachdem sie ihren Job als Bibliothekarin zu langweilig findet, übernimmt eine junge Frau die Aufgabe das Gelände einer Verpackungsfabrik als Nachtwächterin zu schützen. Da es dort auch einen leerstehenden, ungenutzten Raum gibt, zieht sie direkt an ihren Arbeitsplatz. Nacht um Nacht zieht sie ihre Runden, überwacht via Monitor das Firmengrundstück. Löcher im Zaun lassen sie stutzen: Einbrüche? Abnutzung? Ein Tier? Als der Kantinenkoch einen Wolf gesehen haben will, muss die Überwachung intensiviert und Fallen aufgestellt werden. Auch eine Fallgrube muss die Erzählerin mit ihrem Kollegen ausheben. Dabei ist alles nur temporär, denn das Ende der Fabrik ist bereits besiegelt und alle warten nur noch auf den Tag, an dem sich die Tore für immer schließen.

Gianna Molinari wurde in Basel geboren und lebt heute in Zürich. Der Roman „Hier ist noch alles möglich“ ist ihr Debüt, das bei den „Tagen der deutschen Literatur“ in Klagenfurt bereits geehrt wurde und die Autorin ist auch die diesjährige Preisträgerin des Robert-Walser-Preises. Die Nominierung auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2018 kommt daher wenig überraschend.

Vieles an der Geschichte ist auf den ersten Blick ungewöhnlich und auffällig: zunächst beschränkt die Autorin den Radius ihrer Erzählerin enorm. Nicht nur, dass der Arbeitsplatz fernab größerer Menschenmengen ist, die junge Frau wohnt auch noch auf dem Firmengelände und verlässt dies und die kleine Welt quasi nie. Später besucht sie zwar noch den nahegelegenen Flughafen, der aber auch nur sehr eingeschränkt menschliche Kontakte mit sich bringt. Dieser Fokus auf den engsten Raum bringt aber einen ganz anderen Blick auf die unmittelbare Umwelt, viel stärker nimmt sie Alltagsgegenstände wahr und hinterfragt diese. Das Besondere im Banalen ist es, das sie fasziniert.

Auch der Schreibstil fällt aus dem Rahmen. Es sind keine langen, vor Metaphern nur so strotzende Sätze, die vielfältige Deutungen erlauben. Keine gekünstelte Sprache oder elaborierte Wendungen erwartet den Leser, sondern eine oftmals geradezu radikal sachliche und extrem verkürzte Ausdrucksweise kennzeichnet den vorherrschenden Ton. Doch gerade diese scheinbare Eindeutigkeit eröffnet wieder Interpretationsspielräume, wie der Erzählerin auch bewusst wird, denn „Wolf“ oder „Elefant“ sind zwar eindeutige Benennungen, welches konkrete Tier man sich jedoch darunter vorstellt, kann sehr vielfältig sein.

Das Tier ist es auch, das weite Teile des Arbeitsalltags der Nachtwächterin bestimmt. Auffällig viele Wölfe und Füchse sind mir in den vergangenen Monaten in der Literatur begegnet. Woher das Faible für die wilden Vorfahren unserer heutigen tierischen Mitbewohner stammt, kann ich nur mutmaßen. Ist es das Rohe, das Wilde, das in unserer vollorganisierten und kontrollierten Welt fasziniert? Das letzte bisschen Natur, das der Mensch nicht erobert hat und das ihn nun in seinem Lebensraum bedrohen kann? Er lässt vielerlei Deutung zu, vom biblischen Wolf, der die Lämmer reißt, bis hin zu Wölfin, die Romulus und Remus säugt und so den Grundstein für ein Imperium legte.

„Hier ist noch alles möglich“ ist ein durchaus gewagter Roman, der jedoch in seiner Einzigartigkeit aus der Masse heraussticht. Sicher kein Titel, der eine breite Masse begeistern wird, aber das Potenzial hat, in einer kleinen Nische seinen Platz zu finden.
Profile Image for Cindy.
341 reviews48 followers
September 15, 2018
Der Titel ist von Anfang bis Ende Programm. Ein ungewöhnliches Buch, Handlung gibt es wenig, es geht hauptsächlich um die Reflexion der Protagonistin über Räume, Grenzen, ihr direktes Umfeld, aber auch Vorkommnisse, die sie nicht direkt betreffen. Dabei ist nicht immer klar, ob und was real ist. So unstrukturiert ihre Gedanken sind, so ist auch dieses Buch.
Profile Image for Lise Delabie.
183 reviews35 followers
June 6, 2020
Boeiend hoofdpersonage, frisse stijl, hier en daar een fijne vondst om in te kaderen zoals De Universele Encyclopedie, maar verder: te weinig.
Profile Image for Lyra.
370 reviews46 followers
September 18, 2018
- Fesselnd, faszinierend, famos - ein Hoch auf die Merkwürdigkeit! -

* Spoilerfreie Rezension! *

Inhalt

Der Chef einer Fabrik, die kurz vor der Schließung steht, stellt eine neue Nachtwächterin ein, die Protagonistin dieses Romans. Ein Wolf wurde auf dem Fabrikgelände gesichtet, hat es gewagt, Grenzen zu überschreiten. Panik bricht aus. Gruben werden ausgehoben, Fallen aufgestellt, der Wolf wird zum zentralen Thema in der Fabrik.

Übersicht

Einzelband oder Reihe: Einzelband
Genre: Roman
Verlag: Aufbau Verlag
Seitenzahl: 192
Erzählweise: Ich-Erzähler, meist Präteritum, selten Präsens
Perspektive: aus weiblicher Perspektive
Kapitellänge: Das Buch ist in drei große Kapitel eingeteilt, die in weitere kurze Geschichten und Episoden unterteilt sind.
Tiere im Buch: +/- In einer Geschichte wird ein Hahn getötet, der Chef der Firma stellt Tellereisen auf, um den Wolf zu fangen, was nichts anderes als schlimmste, verachtenswerteste Tierquälerei und zu verurteilen ist. Was geschehen würde, wenn der Wolf in die Falle ginge, wird nie konkretisiert, vermutlich würde er aber erschossen werden. Tauben werden an einem Flughafen erschossen, um die Flugzeuge vor Vogelschlag zu schützen, ein Vogel wird in einem Film versehentlich getötet. Die Protagonistin hingegen versucht den Wolf immer wieder zu schützen, zum Beispiel indem sie die Fallen schließt, dafür gibt es Pluspunkte.

Warum dieses Buch?

Dieses Buch hat es dieses Jahr auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft, daher musste es in irgendeiner Weise etwas Besonderes sein. Klappentext, Titel und Cover haben mich sofort neugierig gemacht – so stand schnell fest, dass es mein erstes Longlist-Buch werden würde. Weitere werden folgen.

Meine Meinung

Einstieg & Struktur (+)

Der Einstieg fiel mir sehr leicht, obwohl die Struktur durchaus als ungewöhnlich zu bezeichnen ist. Hier wechseln sich kurze Episoden aus dem Leben der Nachwächterin mit Reflexionen, selbst verfassten Wörterbucheinträgen, einzelnen Fotos (deren Bedeutung einem beim Lesen nicht immer sofort klar ist), Zeichnungen und sehr kurzen Geschichten ab, die meist merkwürdig sind und von fremden Inseln handeln. Schon die erste Seite hat mich derart fasziniert, dass ich unbedingt weiterlesen wollte.

„Der Wolf und die Wölfe haben keine Namen. Man nennt sie Wolf und Wölfe. Sie haben Verstecke. Sie bewegen sich nachts.
Auch ich bewege mich nachts, auch ich schaue viel in die Dunkelheit.
Auch ich drang in Gebiete vor.“ E-Book, Position 41

Schreibstil (♥)

Auch der Schreibstil war einer der Gründe, warum ich so schnell in die Geschichte gefunden habe. Er ist einfach und sehr angenehm und flüssig lesbar, und obwohl er einige Wiederholungen enthält (etwas, was mich normalerweise schnell nervt), so waren diese ganz gezielt und bewusst gesetzt und haben dem Text einen bestimmten Nachdruck und einen leicht kindlichen, unvoreingenommenen Unterton verliehen, was mir sehr gut gefallen hat. Die meist kurzen, manchmal mit Beistrichen oder Konjunktionen verbundenen Hauptsätze sind sehr nüchtern und schmucklos gehalten, ohne blumige Verzierungen oder Spielereien, dennoch ist die Sprache eindringlich und faszinierend. Selten blitzen Spuren von Humor auf. Trotz des einfachen Schreibstils will das Buch mit voller Konzentration gelesen werden, das zeigt sich auch daran, dass es keine Anführungszeichen gibt. Alleine durch den Schreibstil hat es einen Sog auf mich ausgeübt, dem ich mich nicht entziehen konnte. Manches Mal schien mir die Sprache aber auch etwas prätentiös – nämlich immer dann, wenn jedes Wort so voller Nachdruck gesetzt wurde, als hätte es eine große und tiefgehende Bedeutung. Häufig steckt bei diesem Buch viel zwischen den Zeilen, aber in manchen Momenten gibt es das auch meiner Meinung nach nur vor. Aber: Ich verzeihe es, und ich verzeihe es gerne, weil mir das Gesamtbild so gut gefallen hat.

„Ich sehne mich nach Unsicherheit, nach mehr Echtheit vielleicht, nach Wirklichkeit. Ich möchte unterscheiden können, was wichtig ist und was nicht. Ich möchte Teil einer Geschichte sein oder vieler Geschichten zugleich.“ E-Book, Position 307

„Ich stelle mir eine Welt vor, auf der Wölfe bereits mit Tellereisen an den Füßen geboren werden und in keine weiteren treten können.“ E-Book, Position 309

Inhalt, Themen, Botschaften & Ende (+)

Eigentlich hat dieses Büchlein ja nur wenig Handlung. Eine junge Frau wird als Nachtwächterin eingestellt, weil ein Wolf auf dem Gelände gesichtet wurde. Die eigentlich dünne Geschichte enthält durch die treffenden Beobachtungen, die interessanten und mitunter merkwürdigen Gedankengänge der Hauptfigur, ihre (nächtlichen) Erkundungen, die Analysen ihrer Mitmenschen und manches seltsame Ereignis aber erstaunlich viel Tiefe. Es geht in diesem Buch um Grenzen, die verzweifelt geschützt werden (obwohl es eigentlich viel wichtigere Dinge gäbe, um die man sich kümmern sollte), um Wölfe, Flüchtlinge, Dinge, die diese überschreiten und die Folgen davon. Hier lassen sich viele Parallelen und Analogien zur gegenwärtigen Realität finden. Es geht auch ums Ankommen und um die Angst vor dem Fremden, Unberechenbaren. Die Geschichte spielt in diesem magischen Übergangzustand zwischen Bekanntgabe der Schließung und dem tatsächlichen Abschalten der Maschinen.

Wie ich schon weiter oben geschrieben habe, ist dies ein Buch, das zwar in einem einfachen Schreibstil verfasst wurde, das aber zwischen den Zeilen in die Tiefe geht. Die genaue Analyse der wiederkehrenden Motive, Symbole und Metaphern wäre vermutlich ein Heidenspaß für viele LiteraturwissenschaftlerInnen (auch ich würde eine solche Analyse nur allzu gerne lesen), aber auch ohne detaillierte Untersuchung erahnt man, dass es dort vieles zu entdecken gibt. Das hat bei mir eine niemals versiegende Faszination ausgelöst. Das Ende ist ebenfalls stark, ich mochte den letzten Satz sehr.

Protagonistin & Figuren (♥)

Eigentlich erfährt man über die Protagonistin beinahe gar nichts, nicht einmal an einem Namen kann man sich beim Lesen anhalten. Nur hin und wieder gibt es Andeutungen, ihre Erinnerungen an frühere Wohnorte und Tätigkeiten blitzen immer nur kurz auf. Aber wer sie eigentlich ist, welche Ausbildung sie gemacht hat, wie ihre Kindheit und nähere Vergangenheit war, warum sie nicht mit Freunden oder Familienangehörigen Kontakt halten muss – das alles bleibt im Dunkeln. Eigentlich würde man erwarten, dass es unter solchen Vorzeichen gar nicht gelingen kann, sich mit der Hauptfigur zu identifizieren, zu ihr eine Bindung aufzubauen. Doch – weit gefehlt! - man bekommt sehr schnell ein Gefühl für die Protagonistin. Gianna Molinari gelingt es trotzdem sehr gut, ihr eine Persönlichkeit zu verleihen, sie komplex und liebevoll zu zeichnen. Ich mochte die Heldin jedenfalls von Anfang an und bin ihr sehr gerne auf ihre nächtlichen Kontrollgänge, in ihre Geschichten und bei ihren mitunter unkonventionellen, merkwürdigen Gedankengängen gefolgt. Ich liebe ja merkwürdige Dinge, denn häufig machen sie ein Buch sehr interessant. Auch diese Geschichte bildet hier keine Ausnahme.

Auch die Nebenfiguren erhalten (für die Größe ihrer Rollen) erstaunlich viel Farbe, auch wenn die Hauptfigur nur wenige näher kennenlernt. Egal ob Clemens, der Koch oder Lose – sie alle sind authentische Menschen, die ich nicht immer sympathisch, schon gar nicht perfekt, aber immer interessant fand.

„Warum bist du eigentlich in die Fabrik gekommen, fragt Clemens. Du könntest anderes tun. Studieren, reisen. Warum bist du hier, fragt er.
Es gefällt mir hier. Das ist ein guter Ort. Hier ist noch alles möglich.
Sogar Wölfe, sagt Clemens.
Sogar die.“ E-Book, Position 190

Spannung & Atmosphäre (+)

„Hier ist noch alles möglich“ erzeugt eine ganz eigene, feine, fesselnde Art von durchgehender Spannung. Wie bei der Hauptperson wächst auch bei den LeserInnen das Gefühl, dass tatsächlich ALLES geschehen könnte. Man harrt ebenso gespannt auf Spuren des Wolfes wie die Arbeiter der Fabrik, fast hält man die Luft an. Eine unverwechselbare, dichte Atmosphäre am Schauplatz - die bröckelnden Wände, der abblätternde Putz, der rostige Zaun mit seinen Löchern, das Unkraut, das das alte Fabrikgelände langsam wieder zurückerobert – wird sehr gelungen kreiert. Einen Teil der Spannung macht sicher auch aus, dass man nicht immer weiß, ob alles, was die Protagonistin schildert, tatsächlich passiert oder ob es nur ein Trugbild ist und sich nur in ihren Gedanken abspielt. Die dunklen bis dämmrigen, manchmal etwas unheimlichen Stunden ihrer nächtlichen Wache sind wie die Momente zwischen Schlaf und Wachsein: Dort existieren Dinge, Schatten, bei denen man sich nicht sicher ist, ob sie real sind.

„Die Lampen erleuchten nur gewisse Teile des Geländes, in den dunklen Ecken ahne ich den Wolf oder viele Wölfe zugleich.“ E-Book, Position 312

„Ich frage mich, ob die Nacht etwas mit mir macht, ob sie mich verändert, ob ich blassere Haut bekomme, meine Haare weniger schnell wachsen. Vielleicht sehe ich im Dunkeln mehr, als ich noch vor einigen Wochen gesehen habe. Vielleicht werden meine Augen fähiger auf die eine oder andere Weise.“ E-Book, Position 717

Feministischer Blickwinkel (+)

Mir ist beim Lesen keine Form von Sexismus aufgefallen, auch die Protagonistin erscheint mir sehr mutig, selbstbewusst und stark. Außer dass es noch mehr weibliche Figuren hätte geben können, gibt es hier keine Kritikpunkte – das gefällt!

Mein Fazit

„Hier ist noch alles möglich“ ist ein faszinierender Roman, der mich absolut überzeugen konnte. Obwohl der Schreibstil nüchtern, schmucklos und einfach ist, zeigt er dennoch eine große Eindringlichkeit. Schnell wird klar: Dieses Buch hat Tiefe, hier steckt unheimlich viel zwischen den Zeilen. Es geht um Grenzen, um die Panik, wenn sie übertreten werden, um das Suchen nach ganz vielen Dingen (Heimat, Wolf, Antworten), um die Angst vor dem Fremden, Unbekannten. Viele Verbindungen zwischen dem fiktionalen Roman und der gegenwärtigen Realität lassen sich ziehen. Obwohl man über die starke Protagonistin beinahe nichts erfährt, gelingt es Gianna Molinari dennoch, sie so liebevoll zu charakterisieren und ihr so eine einnehmende Persönlichkeit zu verleihen, dass ich eine enge Bindung zu ihr aufbauen konnte und ihr sehr gerne auf ihren nächtlichen Rundgängen und in ihre meist sehr interessanten, manchmal auch merkwürdigen (auf die beste Art!) Gedanken zu folgen. Der Autorin gelingt es, eine ganz feine, fesselnde Spannung zu erzeugen, die niemals einbricht, sie lässt seltsame Ereignisse geschehen in diesem Buch. Die dunklen bis dämmrigen, manchmal etwas unheimlichen Stunden der nächtlichen Wache sind wie diese Momente zwischen Schlaf und Wachsein: Dort existieren Dinge, Schatten, bei denen man sich niemals sicher sein kann, ob sie real sind.

Bewertung

Idee, Themen, Botschaft: 4 Sterne
Worldbuilding: 5 Sterne
Ausführung: 4,5 Sterne
Einstieg: 5 Sterne ♥
Schreibstil: 5 Sterne ♥
Protagonistin: 5 Sterne ♥
Nebenfiguren: 5 Sterne
Atmosphäre: 5 Sterne ♥
Spannung: 4,5 Sterne
Ende: 5 Sterne
Emotionale Involviertheit: 5 Sterne
Feministischer Blickwinkel: +

Insgesamt:

❀❀❀❀❀♥ Lilien

Dieses Buch bekommt von mir fünf faszinierte Lilien und ein Herz – und somit den Lieblingsbuchstatus!
Profile Image for Fifi.
535 reviews20 followers
July 24, 2020
'Ik probeer het onbelangrijke en het belangrijke uit elkaar te houden.'
#dezinvanhetboek
5 reviews
December 27, 2021
Bastante entretenido pero no entendí nada
Profile Image for Franziska Nyffenegger.
214 reviews50 followers
December 1, 2019
Es ist ja gut, wenn junge Menschen Bücher schreiben und sich dabei vorstellen, alles sei noch möglich. Gut ist auch, wenn sie dafür Anerkennung erhalten, gute Kritiken und Buchpreise, vor allem solche, von denen sie leben und weitere Projekte finanzieren können. Nicht so gut ist, wenn die Leserin wegen der guten Kritiken und grosszügigen Preisvergaben zu hohe Erwartungen hat an ein Buch von knapp 200 Seiten, in dem dann doch nicht so viel passiert, weder formal noch inhaltlich. - Zwei Sterne? Oder doch drei, einfach weil das Buch so schlecht dann auch wieder nicht ist? - Immerhin habe ich es zu Ende gelesen, was doch ein gutes Zeichen ist, irgendwie.
Profile Image for Matthias.
405 reviews8 followers
September 13, 2018
Ein elegantes Büchlein für Freunde des Absurden. Wenn die Autorin noch etwas schwarzen Humor dazugetan hätte, wäre es richtig nett geworden.
Profile Image for Jessie (Zombie_likes_cake).
1,477 reviews84 followers
May 2, 2020
What an odd little book. I don't know if I felt so distant and weirded out by the clipped writing style because it has been a hot minute since I read in my mother tongue German, or because it is just weird. Completely barren of emotion we follow the narration of a night watchwoman to a soon to be closed factory who is searching for a wolf that may or may not enter the factory property at night. We see her interactions with a few of the other workers at this factory (mainly her co-night guard, the cafeteria cook, one of the workers and her boss) and we listen to a lot of her musings. And while there are different things going on there is really not much that I would call action or even plot. The big standout theme is borders but there are a few things one could touch on. It is more about the main character's analytical thoughts than about the few things that happen. This book does not simply invite to interpret: it demands interpretations, without that there is hardly anything left here.

Did I like this? I don't know. In parts it seemed too clever for me, in other parts it seemed just very pretentious and over hyped in what Molinari is trying to do here. Not sure what I do with that impression. I can see people writing whole dissertations on this and others throwing it into a corner with a loud WTF, it is that kind of novel. And honestly, I think I fall a bit more into the WTF camp but not enough to fully dismiss the book. The writing, as mentioned, is definitely a choice, it has a certain hypnotic quality though, it pulled me in after all but I wouldn't go as far and say that I enjoyed it.

I do know that I wanted this to be a different kind of book, something with more of a plot. I am not a big fan when something (movie or book) is too message heavy in that sense that the plot is more of an afterthought. For me, these 2 elements should flow together. But for someone who appreciates slightly philosophical and thought heavy stories and in this case coming along with a stripped down prose I honestly think this could be a gem. And I keep on thinking of what it all means, I want to say I don't like it but I can also not let go off. I am still pondering which means it wasn't a complete waste.

2.5*

From what I can tell there is no English translation at this point but there seem to be Dutch and French versions.
Profile Image for Samandar Malikov.
16 reviews1 follower
October 25, 2022
Bismillah.
📖"Bu yerda hamma narsa boʻlishi mumkin" Jianna Molinari.
(Spoyler boʻlishi mumkin)
Kitob majozlardan tashkil topganini anglash qiyin emas. Asarda syujetga bogʻliq boʻlmagan voqealar aralashgan. Tushunarsiz joylari koʻp. Umuman olganda, juda qiziqarli kitob emas, lekin oʻqigan vaqtimga achinmadim.
Asar yaqinda yopiladigan, ishchilari-yu boshligʻi hech qanday umid bogʻlamaydigan korxona va unda umid bilan yashaydigan yangi qorovul haqida.
Hayolot va reallik aralashib turadi, ayrim hollarda bu haqiqatdan roʻy berdimi yoki qahramonning hayolidami, ajratib boʻlmaydi.
Bosh qahramon yopilayotgan korxonada nimadandir umid qilib yashaydi, baxtiga korxona hovlisida boʻrini koʻrib qolishgan va u uchun shu boʻrini topish hayot mazmuniga aylanadi.
Boʻri - bor-yoʻqligi nomaʼlum. Boʻri haqida ajoyib gap bor: boʻrilar avvalari togʻu oʻrmonlarda ov qilishgan, hozir ochlikdan shaharga kelib axlat titishga majbur (nimanidir eslatmayaptimi).
Asarga siyosiy jihatdan qarasak koʻp narsalar ochiladi. Boʻri - muhojir, korxona - muhojirlar borishni istaydigan joy(Yevropa). Yana samolyotga osilib oʻlgan bir qora tanli inson haqida soʻz boradi, hozirgi Afgʻonistonda boʻlayotgan voqealardagidek.
Hali men anglolmagan ramzlar juda koʻp boʻlsa kerak, oʻqiganlar boʻlsa ayrim joylarini tushuntirib bersa yaxshi boʻlardi.
Profile Image for Franz Emil Berchtold Matthäus Eneas Kupferschmied.
48 reviews10 followers
September 6, 2018
Wer handlungsarme Bücher nicht mag, der ist hier sicherlich an der falschen Adresse. Denn passieren tut wirklich nich viel in diesem wunderbaren Buch.

Der Plot lässt sich ziemlich kurz zusammenfassen:
Die Ich-Erzählerin ist Nachtwächterin bei einer Papierfabrik, die bald geschlossen werden wird. Der Koch hat auf dem Gelände einen Wolf gesichtet und ein Mann ist vor einiger Zeit vom Himmel gefallen.

Die Ich-Erzählerin erinnerte mich stark an Frank Lehmann aus Herr Lehmann von Sven Regener. Sie ist auch eine unzuverlässige Erzählerin, die auf wunderbar schelmische Art ihre Gedanken und Erlebnisse erzählt. Hier ist noch alles möglich ist für mich eines dieser Bücher, die extrem vieles offenlassen und dem Leser die Freiheit geben, sich selbst Seiniges zu denken (Der Titel spricht da naürlich Bände.). Die Metaphern des Wolfes oder des Mannes der vom Himmel fiel (MDVHF) können vieles ausdrücken, so fern der Leser will. Was Gianna Molinari aber extrem gut gelingt, ist trotz dieser Freiheit die sie dem Leser zuhält, nicht in Schwammigkeit zu verfallen. Die meisten Bücher die viel Interpretationsraum offenlassen, verkommen zu nichtssagendem Brei. Aber dieser Spagat zwischen Interpretationsfreiheit und Explizitem gelingt in diesem Buch aussergewöhnlich gut.

Ich kann das Buch wirklich nur wärmstens empfehlen. Es ist ein starkes Debüt mit feinen Tönen (Wenn man den will.).
Profile Image for Uralte  Morla.
368 reviews120 followers
August 22, 2018
Gianna Molinaris Buch erzählt keine wirkliche Geschichte, es zeigt vielmehr eine Momentaufnahme aus dem Leben einer Frau, die sich aus der großen Welt zurückgezogen hat. Wir erfahren nicht viel über sie. Nur über ihr Tun in den wenigen Tagen, die wir sie begleiten, erschließt sich ein wenig von ihrem Charakter. Sie beobachtet viel, möchte Dingen auf den Grund gehen und stellt sich immer wieder die Frage, was wohin gehört.
Molinari hat mit ihren sehr einfachen, verknappten, fast stakkatoartig aneinander gereihten Sätzen bei mir einen regelrechten Leserausch ausgelöst. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und bin der Protagonistin sehr gerne durch ihre Welt gefolgt.
Das Buch schafft es, zwei der großen aktuellen Themen -Flüchtlinge und Wolfsangst - auf den Alltag hinunterzubrechen und sich anzuschauen, wie Menschen darauf reagieren, die in ihrer kleinen Welt einfach nur versuchen, ein Leben zu führen und irgendwo dazuzugehören.
Ein grandioses, leises, wichtiges kleines Buch, das in seiner Länge von knapp 200 Seiten gut so funktioniert, wie es ist.
Profile Image for Georgi .
21 reviews5 followers
April 24, 2019
The first thing that comes to mind is " authentic and close to the real life experience " , compliments to the author for that . The characters as well as the whole story are experienced solely trough the eyes and thoughts of the main character , the twist here being that the story and the characters are not compelling at all ,everything is more than ordinary ,everything seems so down to earth its practically underground , why would i want to experience this in my free time, why would i want to go ghosthunting left and right with this woman ,why is she so obsessed with these obviously trivial things .
Well maybe because she is just like you , like me , she is not the main character in her eyes ,and she is not in control of her every thought . She probably doesn't even know that we have been invited to her headspace . And thats where the authenticity settles !
The artistic tone stays throughout and leaves the whole story open for interpretations , which makes this valuable on many levels !
202 reviews1 follower
April 18, 2019
Ich habe die Autorin an einem Buchfestival persönlich kennengelernt und sie hat dort sehr gut vorgelesen, so dass ich mir den Roman als Lektüre vornahm. Zu Beginn hatte ich etwas Mühe in die Geschichte hineinzukommen. In einer Verpackungsfabrik soll ein Wolf "sein Unwesen" treiben und die Hauptperson ist als Nachtwächterin angestellt, um ihn einzufangen. Dieser Teil ist etwas langfädig, wenn auch leicht zu lesen. Der Teil mit dem Mann, der vom Himmel fiel, ist zwar aus der Zeitung als Geschichte bekannt; Molinari erzählt sie aber so beklemmend und geschickt, dass ich gebannt weiter lesen musste. Der Schluss lässt vieles offen und den Leser im Ungewissen. Gab es wirklich einen Wolf? Alles in allem eine knappe 4.
Profile Image for Carly.
430 reviews75 followers
September 7, 2020
Ich weiß, dass das buch im Feuilleton gefeiert wird und verstehe auch warum. Allerdings trifft es nicht meinen Geschmack. Das hat viele Gründe.

Zum einen ist es nicht unterhaltsam genug für mich, dafür zieht sich die Handlung zu sehr. Sicherlich ist es von der Autorin intendiert, dass sich der Plot langsam entfaltet, aber für mich war es einfach zu langsam.

Anstrengend empfand ich auch den sehr klaren Schreibstil, durch den das Buch wieder an Tempo gewinnt. Der Grund hierfür ist der, dass sich ganze Passagen im Buch wie ein Stream of Consciousness lesen lassen. Viele Autor*innen wie James Joyce oder Virginia Woolf pflegen diese Erzähltechnik und vielen Leser*innen gefällt sie auch, aber ich empfinde sie als zu viel des Guten, wenn sie so ausgiebig praktiziert wird.
Profile Image for Kathleen Kelly.
63 reviews14 followers
March 15, 2021
Ganz sicher bin ich mir noch nicht. Zwar wusste das Buch an Stellen zu packen und hatte eine originelle Prämisse, aber wie einprägsam war es? Ich hatte die Fabrik vor mir, die Charaktere, aber reicht das? Einerseits verstehe ich was das Buch sagen will, andererseits weiß ich keinen Grund für seine Existenz. Anfangs hat es mich ziemlich deprimiert, diese Figur ohne Ambitionen, in einem dem Ende nahen Umfeld. Die zweite Hälfte, die ich nach längerer Pause nun endlich gelesen habe, war mir dann lieber. Ach. Schwer zu sagen.
Ein eigenwilliges kleines Buch.

"Ich hole meine Kamera und mache Cheffotos."
Displaying 1 - 30 of 50 reviews

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