Meine seit kurzem aufgekommene Faszination für die Kunst der Malerei, wovon ich nach wie vor so gut wie nichts verstehe, deren Vielfalt gleichwohl meine Fantasie beflügelt, hat mich zu meinem ersten Buch geführt in der die Gemälde des niederländischen Malers Hieronymus Bosch detailliert gezeigt und erklärt werden. Für Interessierte gibt es hier einiges zu sehen. Durch einen meiner Lieblingsschriftsteller Baltasar Gracian, der im "Kritikon" oft Inspirationen aus den Werken Hieronymus Bosch's gezogen und so manches daraus für seine eigene Geschichte versinnbildlicht hat, bin ich also gerade auf Bosch als ersten Maler gestoßen, mit dem ich mich näher beschäftigte.
Ich werde hier nichts zu seiner Person oder seinen Ansichten sagen, zumal ohnehin wenig bekannt ist, noch werde ich detaillierter auf Einzelne seiner Gemälde eingehen die mich besonders entzückten. Viel eher will ich nur sagen dass mich die Ausdruckskraft, Buntheit und Reichhaltigkeit seiner Gemälde auf eine ganz eigentümliche Weise berührten. Mehr als die Hälfte seiner Gemälde sind durch christliche Themen inspiriert, enthalten eine Unmenge an Kritik gegen die Menschheit und strotzen nur so von skurrilen und bizarren Darstellungen, die sich verschiedentlich deuten lassen können, gleichsam aber auch klare Botschaften beinhalten.
Ein solches Kunstwerk zu betrachten ist keine Sache die man in Sekunden erledigt, vielmehr ist es wie ein Film; so ist z.B. im "Gärten der Gelüste" eine unglaubliche Mannigfaltigkeit zu betrachten, welches so viele Details und Szenen beinhaltet, die eine ganz eigene Botschaft enthalten. Leicht ist das Grundthema erkannt, aber innerhalb dieses Meisterwerk's spielen sich unglaublich viele Szenen ab, die zu betrachten und deuten nicht nur das Gemüt erfreuen, sondern auch die Vorstellungskraft fördern.
Faszinierend ist insbesondere, mal ganz abgesehen von dem schier unerschöpflichen und übermenschlichen Talent Bosch's als Ganzes, die Tatsache dass er viele heilige Szenen des Christentums zeitgenössisch, also mittelalterlich, bearbeitete, um sie so anscheinend seine Zeitgenossen unmittelbar vorzulegen.
So finden sich immer wiederkehrende Symbole in einzelnen Gemälden die dem ganzen Werk eine ganz eindeutige Botschaft geben, wie etwa die im "Ecce Homo" enthaltene Türkenflagge. Die Peiniger Christi sind hier auch in osmanischen Gewändern dargestellt, womit Bosch anscheinend auf die islamische Gefahr die dem Christentum durch die Invasionen der Türken im Balkan droht darstellen wollte. Die ersten christlichen Opfer ihrer Eroberungen waren bekanntlich die Griechen, Serben und Bulgaren, die sich den Türken zwar tapfer entgegenstellen, aber der Übermacht auf Dauer nicht stand halten konnten. Die darauffolgenden türkischen Gräueltaten und Massaker gegenüber allen die sich nicht gleich haben islamisieren haben lassen, sind gewiß auch Hieronymus Bosch zu Ohren gekommen.
Und so findet man vieles was im Mittelalter ein Thema war in Bosch's Gemälden wieder. Ich empfand bei der Betrachtung seiner reichhaltigen Werke nur allzu oft eine unerklärliche Anziehungskraft. Nur allzu gerne werde ich bei Gelegenheit die ausgestellten Gemälde, die ich finanziell zu sehen vermag, irgendwann in Natura betrachten.