Nicht nur Mütter waren schwanger vereint persönlich geschilderte Erfahrungen mit Schwangerschaft, die im gesamtgesellschaftlichen Diskurs oft überhört werden: Es geht um unerfüllte und lesbische Kinderwünsche, um trans-männliche oder alters-untypische Schwangerschaften, genauso wie um Abtreibung und Fehlgeburt, Repro-Medizin, Pränataldiagnostik und vieles mehr. Der Sammelband will den einengenden und Druck ausübenden Blick, Schwangerschaft sei für die cis-Heteronorm die „natürlichste Sache der Welt“, für alle anderen hingegen unmöglich, aufweichen, und dabei alternative Visionen entwickeln: für mehr Offenheit und Selbstbestimmung im Umgang mit Kinderwünschen, Schwangerschaft und Eltern-Sein.
Das Buch enthält überwiegend Erfahrungsberichte über den Themenbereich Schwangerschaft (im weiten Sinn, einschließlich unerfülltem Kinderwunsch). Es verspricht Perpektiven jenseits des Mainstreams und liefert sie auch. Gegliedert ist es dabei in drei Bereiche: 1. Wünsche, 2. Katastrophen und 3. Umgänge. Besonders Teil 1 ist für die niedrige Bewertung verantwortlich. Hier sind die Erfahrungsberichte so knapp und oberflächlich (oft nur ein Handvoll Seiten darüber, dass jemand gerne schwanger wäre, aber es nicht ist), dass ich zeitweise überlegt habe, das Buch wieder umzutauschen. Mit dem zweiten und dritten Teil werden die Texte dann länger und damit -für mein Empfinden- auch sehr viel aussagekräftiger. Auch wenn der Fokus auf den subjektiven Erlebnissen von Einzelpersonen ein wichtiger Teil des Konzepts ist, hätte ich mir etwas mehr Abweichungen davon gewünscht. Auf die Gedichtbeiträge hätte ich gut und gerne verzichten können, und an ihrer Stelle hätte mir die ein oder andere sachliche Information zu medizinischen Diagnosen, körperlichen Abläufen oder rechtlichen Rahmenbedingungen sehr weitergeholfen. Zum Thema Medizin sei auch angemerkt, dass mich die ständige Verwendung des Wortes "Schulmedizin" (für... evidenzbasierte Medizin?) und einige esoterisch anmutende Passagen sehr irritiert haben. Alles in allem - obwohl ich einige einzelne Texte in diesem Sammelband sehr schätze - leider nur 2 Sterne.
Leseempfehlung für alle, egal wie man persönlich zum „Thema Kinder“ steht, es erweitert den Horizont und ermutigt, eigene Wege zu erkunden. Für mich liegt die große Stärke des Buchs darin, dass es ganz unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen versammelt und dem stark normierten Thema Schwanger- und Elternschaft eine Pluralität von kollektivem Erfahrungsschatz entgegenstellt.
In einigen Texten wird das transfeindliche Konzept „Frauen*“ verwendet. (Selbst in der zweiten Auflage von 2020 noch - ignorant und passt nicht zur Haltung, die das Buch sonst vermittelt.) Das fehlende Korrektorat stört den Lesefluss (so viele Tipp- und Formatierungsfehler! Beim Verlag edition assemblage leider häufig so.) Mit den Illustrationen konnte ich nichts anfangen, aber das ist Geschmackssache.
Nicht nur Mütter waren schwanger - wer denn noch? Auf diese Frage bietet das Buch eine Vielzahl an Antworten. Es handelt von cis Frauen in heterosexuellen Beziehungen, die daran verzweifeln, nicht schwanger zu werden. Von trans Männern, die Kinder zur Welt bringen (wollen). Von Menschen, die Fehlgeburten erlebt haben. Die Eltern geworden sind, ihre Kinder aber zu früh verloren haben und nun nicht wissen, ob sie noch Eltern sind, ob ihre Kinder noch zählen. Es handelt auch von queeren Freund*innenkreisen, die gemeinsam ein Kind in die Welt setzen wollen, von Lebensmodellen, die nicht der Norm entsprechen oder, wie es in einer Erzählung heißt, so "im Gesetz nicht vorgesehen" sind.
Aufgeteilt in drei Abschnitte (Wünsche, Katastrophen, Umgänge) finden sich hauptsächlich Essays, aber auch ein paar Gedichte oder Interviews von unterschiedlichen Autor*innen. Bei all der Diversität an Perspektiven schafft es 'Nicht nur Mütter waren schwanger', nicht wie ein chaotisches 'Zuviel' zu wirken, sondern authentischen Stimmen Gehör zu verleihen und dabei keine dieser Stimmen zu verurteilen, so konträr die Meinungen und Vorstellungen teilweise auch sind. Es zeigt, wie vielfältig das Thema der Reproduktion ist und wie wichtig es ist, immer den Betroffenen selbst zuzuhören anstatt sich eine Meinung zu bilden, die auf Halbwissen und Vorurteilen beruht. So habe ich für mich persönlich gemerkt, dass ich Vorurteile gegenüber Langzeitstillen habe und war froh darüber, durch das Buch damit konfrontiert zu werden. Eine ganz große Empfehlung!
Ich habe dieses Buch gerne gelesen und werde voraussichtlich in Zukunft zu einigen Beiträgen noch mal zurück kommen. Einige Beiträge fand ich bestärkend und ermutigend. Einige Beiträge würde ich gerne allen Menschen zum lesen geben, damit sich verbreitet, dass auch nicht-weibliche, nicht-heterosexuelle und nicht-weiße Menschen Schwanger werden, Kinder gebären und sie stillen. Andere Beiträge haben mich daran erinnert, dass mit dem Thema Schwangerschaft auch Schmerz und Verlust einhergehen kann, und mensch das nicht ausblenden sollte. Insgesamt eine gute Mischung!
Ein Buch mit vielen wertvollen Perspektiven, das die Individualität und persönliche Geschichte jedes Beitrags ankündigt. Auch wenn deutlich mehr gezeigt wird als die bekannten und ausgelutschten Bilder von Familie und Schwangerschaft, hätte ich mir doch noch mehr Vielfalt mit der Auseinandersetzung zu Familie und der eigenen Elternrolle gewünscht. Das soll nicht die vorhandenen Beiträge kritisieren, das Buch könnte einfach deutlich länger sein.
Was mich beim Lesen leider etwas gestört hat waren die recht häufigen Format- und Satzfehler bzw. das Layout insgesamt.
Verschiedene Kurzgeschichten und Essays die sich mit ungewollten Kinderwunsch, Fehlgeburten und Abtreibungen und dem Eltern werden aus der Perspektive von verschiedenen, queeren Menschen auseinandersetzen. Einige sehr sehr berührende Geschichten, die auch mehrmals gelesen werden können.