Die Publikation «Bruce Nauman: A Contemporary» stellt die Frage nach Naumans Zeitgenossenschaft und verortet dessen Werk im Kontext künstlerischer Positionen und kunsttheoretischer Diskurse der letzten Jahrzehnte. Sechs fundierte Beiträge von namhaften Autorinnen und Autoren beleuchten Naumans Werk etwa in Hinblick auf den ihm inhärenten Humor oder mit Bezug auf die Praxis der endlosen Wiederholung. Untersucht werden in diesem Textband zum Beispiel das Spiegelbild und die Rückenfigur wie auch Fragen nach zeitgenössischer Subjektkonstitution, digitaler Bildproduktion und Kybernetik. Theorien der Arbeit und der Globalisierung werden in Bezug auf Naumans Werk diskutiert und Verbindungen von Naumans Werken zu Modellen des Behaviorismus, der Software- und Computertheorie oder der Topologie erörtert. Naumans Œuvre wird dabei mit so unterschiedlichen künstlerischen Positionen wie denjenigen von Ed Atkins, Erwin Wurm, Francis Alÿs, Fischli / Weiss, Dara Birnbaum, Yvonne Rainer oder René Magritte in Bezug gesetzt. Der Textband tritt so der Tendenz entgegen, den Künstler als eine herausragende Einzelfigur der Postmoderne zu inszenieren, und eröffnet mannigfache Bezüge zu Werken und Theorien aus Naumans Zeithorizont.
Bruce Nauman, was für eine Legende im Bereich der zeitgenössischen Kunst - und von mir erst dieses Jahr dank der Ausstellung "Disappearing Acts" im Schaulager in Basel entdeckt. Um das Versäumnis auszugleichen, habe ich nebst dem Katalog auch das begleitende Buch "Bruce Nauman: A Contemporary" erstanden und mich nun den Essays und Fachtexten gewidmet. Das war nicht immer ganz einfach, wird in der elitären Kunstszene doch gerne überanalysiert und kryptisch ausformuliert.
In sechs Beiträgen wird einem versucht, der Inhalt, die Intention und einzelne Werke von Naumans Schaffen näherzubringen. Das geschieht meist auf mehreren Ebenen und mit passenden Vergleichen zur Gesellschaft und weiteren Künstlerinnen und Künstler. Nicht immer wirklich schlüssig, aber voller interessanter Hinweise und Perspektiven darf man mit diesem Buch also eine Verortung versuchen, welche die Position von Nauman in der Kunstgeschichte und aktuellen Situation zu erklären und ergründen versucht.
Und ja, nun habe ich noch grössere Lust, mich erneut ins Schaulager zu begeben und mit den gewonnenen Erkenntnissen die Kunstwerke neu zu betrachten und wirken zu lassen.