»Wer nicht mit am Tisch sitzt«, so heißt eine Lobbyistenregel aus den USA, »befindet sich auf der Speisekarte.« Lobbyismus benachteiligt diejenigen, die über geringere finanzielle Ressourcen verfügen. Und er schafft denen Vorteile, die viel einsetzen können. Die wachsende Lobbymacht starker Wirtschaftsakteure droht die Schwachen an den Rand zu drängen. Die ein Land, das den Starken gibt und den Armen nimmt. Die vielfach preisgekrönten Wirtschaftsjournalisten der Süddeutschen Zeitung, Markus Balser und Uwe Ritzer, zeigen Strukturen und Methoden eines alltäglichen Lobbyismus auf. Sie legen dar, wie Lobbyisten die Gesellschaft zu unterwandern und die Menschen in ihrem Sinne zu steuern suchen. »Anders als in anderen Lobbyismus-Büchern geht es uns nicht in erster Linie um einen engen Zirkel von Ex-Politikern, der für die Wirtschaft aktiv wird. Wir wollen das System dahinter aus dem Dunkel holen. Es geht darum, die Strategien professioneller Lobbyisten aufzudecken und so Sensibilität zu schaffen für eine Gefahr, die uns alle angeht.«
Die SZ-Journalisten haben sich Anerkennung verdient mit investigativem Journalismus im Fall Gustl Mollath. Der Deutschlandfunk hat dieses Buch gelobt. Aber, na ja, geht so, ganz okay. Wie eigentlich Bücher von deutschen, täglich noch in der Redaktionsarbeit steckenden Zeitungsmenschen fast immer, ist es bruchstückhaft und erscheint wahllos in dem, was man thematisiert und was nicht. Vom Stil her achten derlei Profis natürlich gut darauf, umfassend informiert, couragiös und ziemlich exklusiv zu erscheinen. Aber was begreifen Journalisten hinter ihrem News-Gehabe eigentlich wirklich vom Wesen der Mechanismen?
Ein Beispiel, das sie für das Lobbying weltumspannender Unternehmen geben, kannte ich vorher zwar nicht und fand es unterhaltsam zu lesen, aber dann doch wieder ziemlich läppisch. Im Erdölförderland Niedersachsen versehen die Mineralölfirmen die Schulen mit Unterrichtsmodellen und kostenloser Schulmilch, um die zukünftigen Erwachsenen weiterhin bei der Stange zu halten, was das Verbrennen fossiler Energieträger angeht. Also, wenn diese ganzen Scheichs, Ayatollahs, Putins, Exxons und BPs nichts Brutaleres und Manipulativeres auf der Pfanne haben, ist ja gut.