Was blieb von der Rebellion und den Idealen der Jugend? Dies ist die Geschichte von Alexander und Paul. Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Jungen aus begüterten Verhältnissen und einem Kind aus dem Waisenhaus. Es ist die Geschichte eines Verrats. Und die Geschichte einer großen Liebe. Nicht zuletzt erzählt sie von den gesellschaftlichen Umwälzungen der Sechziger- und Siebzigerjahre, von den damit verbundenen Träumen und Hoffnungen und von dem, was davon schließlich übrig bleibt.Alexander wohnt in dem wohlhabenden Freiburger Stadtteil Herdern. Er freundet sich mit Paul an, der im Eisenbahn-Waisenhort gleich nebenan aufwächst – wenige Meter entfernt, und doch in einer ganz anderen Welt. Jeder entdeckt im anderen das, was ihm zu fehlen scheint. Der eine ist der Spiegel des anderen. Aus unterschiedlichen Motiven engagieren sich die beiden jungen Männer schließlich in linken Bewegungen. Alexander sucht Freiheit, Paul will soziale Gerechtigkeit. Da taucht Toni auf, die Frau ihres Lebens. Das Schicksal führt sie zusammen und wieder auseinander. Sie landen im Heute. Und alle drei Figuren müssen entscheiden, wie sie mit den Idealen der Jugend umgehen wollen. Soll man retten, was davon übrig geblieben ist? Oder sind sie ein Panzer, den es zu sprengen gilt?Am Beispiel von Alexander, Paul und Toni untersucht Wolfgang Schorlau die Anatomie der Rebellion, überzeugt davon, dass ihre Kenntnis in unruhigen Zeiten nützlich sein kann. "Ich erzähle etwas Spezifisches", schreibt Schorlau im Nachwort, "um etwas Allgemeines auszudrücken."
Wolfgang Schorlau (b. March 1951) is a German writer and author of political crime novels in which he combines criticism of social and political conditions and background research with exciting narrative elements. Several novels have been made into films. Schorlau lives as a freelance writer in Stuttgart.
Bei der Beurteilung dieses Buches erkläre ich mich von vornherein für befangen: der Autor beschreibt meine Heimatstadt in der ich meine Jugend verbracht habe und das auch noch genau zu der Zeit. Jede Straße und jedes Café, das er erwähnt kenne ich persönlich und bin zum Teil mehrfach dort gewesen. Schorlau fängt die Atmosphäre der Freiburger Jugend in den mittleren sechziger Jahren in einer unaufgeregten Sprache ein. Die Herausbildung unterschiedlicher Charaktere, die später zu ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten werden, wird glaubhaft und überzeugend geschildert. Ein freundliches Buch, das den Geist der Rebellion der Jugend der späten sechziger Jahre hervorragend einfängt.
Mal ein anderes Thema fuer ein Schorlau Buch. Zwei Freunde, die in den 60ern aufwachsen aber unterschiedlicher nicht sein können. Alexander aus gutem Fabrikantenhaus und Paul, der in's Weisenhaus abgeschoben wurde.
Der Reiz des ganzen ist das Erdbeben der 68'er Jahre, die die Herkunft total egalisieren und in der Aufruhr der Zeitenwende alle gleich werden lassen.
Enorm, wie viele der damals elementar wichtigen politischen Überlegungen dieser Jahr nun wirklich gerade schrullig wirken. Der ganze Zinnober der linken Ideologie, der so bestimmend und wichtig war, ist einfach lächerlich geworden in der Rückschau. Und Wolfgang Schorlau spielt gut mit den Zeitwechseln und den damit verbundenen Perspektivwechseln, um den grossen Spannungsbogen zu zeigen, der die enorme Zeitenwende klar macht.
Die Geschichte selber wirkt ein bisschen stark konstruiert für den Roman. Auch das Schorlau entdeckt, dass Sexszenen beschrieben werden können, ist nicht wirklich ein Fortschritt, der dem Roman hilft.
Aber insgesamt bleibt die geschichtliche Perspektive und der grosse Bogen ueber repräsentative Schicksale dieser Zeitenwende interessant und fesselnd. Auch bleibt es Schorlaus Stärke, das Ganze im Plauderton rüber zu bringen, sodass sich der Leser-Fan gleich ganz zu Hause fühlt.
Nicht wirklich ein grosser Roman. Aber schön zum Abtauchen fuer 2-3 Tage.
Ein unterhaltsames und mitreißendes Buch, das jedoch nicht allzu tief geht. Der Roman an sich liest sich angenehm, aber er taucht für meinen Geschmack zu oft in die Gedankenwelt der einzelnen Charaktere ab. Zudem werden einzelne Charaktere leicht in gut und böse eingeteilt und manches wird ein bisschen einfach abgetan (Mutter liebt Sohn, der wendet sich aber ob ihres Zigarettengeruchs immer von ihr ab, wenn sie ihn umarmen möchte, was für sie ein ungelöstes Rätsel ist). Da die Geschichte an sich aber spannend ist und mich bei der Stange gehalten hat, ordne ich das Buch bei drei Sternen ein.