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Sechs Koffer

In jeder Familie gibt es Geheimnisse und Gerüchte, die von Generation zu Generation weiterleben. Manchmal geht es dabei um Leben und Tod. In seinem neuen Roman erzählt Maxim Biller von einem solchen Gerücht, dessen böse Kraft bis in die Gegenwart reicht. »Sechs Koffer« – die Geschichte einer russisch-jüdischen Familie auf der Flucht von Ost nach West, von Moskau über Prag nach Hamburg und Zürich – ist ein virtuoses literarisches Kunststück. Aus sechs Perspektiven erzählt der Roman von einem großen Verrat, einer Denunziation. Das Opfer: der Großvater des inzwischen in Berlin lebenden Erzählers, der 1960 in der Sowjetunion hingerichtet wurde. Unter Verdacht: die eigene Verwandtschaft. Was hier auf wenig Raum gelingt, sucht seinesgleichen in der deutschen Gegenwartsliteratur: eine Erzählung über sowjetische Geheimdienstakten, über das tschechische Kino der Nachkriegszeit, vergiftete Liebesbeziehungen und die Machenschaften sexsüchtiger Kultur-Apparatschiks. Zugleich ist es aber auch eine Geschichte über das Leben hier und heute, über unsere moderne, zerrissene Welt, in der fast niemand mehr dort zu Hause ist, wo er geboren wurde und aufwuchs. »Sechs Koffer« ist ein Roman von herausragendem stilistischen Können, elegantem Witz und einer bemerkenswerten Liebe zu seinen Figuren: Literatur in Höchstform – und spannend wie ein Kriminalroman.

198 pages, Hardcover

Published August 8, 2018

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About the author

Maxim Biller

44 books35 followers

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Community Reviews

5 stars
87 (11%)
4 stars
277 (36%)
3 stars
301 (39%)
2 stars
85 (11%)
1 star
17 (2%)
Displaying 1 - 30 of 72 reviews
Profile Image for Alexandra .
936 reviews385 followers
September 4, 2018
Maxim Billers jüdischer Generationenroman steht auf der Longlist für den deutschen Buchpreis. Zentrales Thema der beschriebenen Mischpoche ist, wer aus der Familie den Großvater – also den Taten* Schmiel Grigoriewitsch – beim KGB denunziert hat, was zu dessen Hinrichtung führte. Quasi als Beiwerk zu dieser Kernfrage werden sehr viel Historisches, die Verlorenheit der Diaspora, jüdische Identität, Familiengeheimnisse, Zank, Neid, Beschuldigungen und Liebesgeschichten vermittelt und das auch noch aus vielen Perspektiven – nämlich aus der Sicht der unterschiedlichen Familienmitglieder beleuchtet.

Jetzt stellt sich natürlich die Einserfrage, ob ich finde, dass die Nominierung gerechtfertigt ist. Zuerst möchte ich aber ausholen, warum ich glaube, das Buch neutraler bewerten zu können als viele andere. Mir ist als Österreicherin ehrlich gesagt der deutsche Literaturbetrieb nicht ganz so geläufig. Ich kenne weder die Verleger noch die intellektuellen Kritiker in den deutschen Zeitungen und im Fernsehen (bis auf Dennis Scheck), insofern habe ich Maxim Biller bisher weder gesehen noch gehört noch gelesen. Ich kann also den Roman abseits der Person Biller bewerten, ohne dass die Persönlichkeit des Autors in meine Beurteilung einfließt. Weiters liebe ich jüdische Familiengeschichten, habe vor allem ein Faible für Amoz Oz, Edgar Hilsenrath und André Kaminski, als 10-jährige habe ich schon alle Satiren von Ephraim Kishon verschlungen.

Tja, und nun kommt die Antwort auf die zuvor formulierte Einserfrage, und die lautet: Ich bin am Ende – nämlich auf der letzten Seite der Geschichte – einfach nicht so begeistert, wie ich es ursprünglich gedacht und eigentlich gehofft habe. Aber beginnen wir mit den Pluspunkten des Romans.

Er ist nicht so episch breit und ausladend, wie viele andere jüdische Romane. Maxim Biller beweist, dass auch auf knapp 200 Seiten sehr viel und auch ausreichend tief eine komplexe Familienstory und jüdische Identität transportiert werden kann. Insofern ist dieser kurze Roman recht innovativ. Auch die unterschiedlichen Sichtweisen der Familienmitglieder, von denen jeder Einzelne einen Ausschnitt der Ereignisse vermittelt, haben mir ausnehmend gut gefallen.

Sprachlich und philosophisch ist die Geschichte sowieso großartig. So rüttelt einer der jugendlichen Protagonisten sehr ungestüm am Säulenheiligen der deutschen Literatur, Bert Brecht, das ist mutig und sehr witzig.

"Ich las zum vierten, fünften Mal denselben Satz – „In großen Zeiten stören Leute wie ich das harmonische Bild“ – ich dachte was für eine kokette Scheiße und dann machte ich Etties kleine rote Nachttischlampe aus … ."

… und macht sich als 15-jähriger zwischendurch auch mal sehr kluge Gedanken, wie er in der Situation der Generation seiner Eltern bei einem Verhör durch den aufgebauten Druck der kommunistischen Organe wirklich reagiert hätte.

" Onkel Dima hatte Recht. Ich war ein kleiner gemeiner Berija, ein Besserwisser, ein eingebildeter, ahnungsloser Teenager, dessen größte Sorge es war, dass er von seinem Vater nicht beim Rauchen erwischt wurde und dass seine Mutter nicht die Taschentücher unter seinem Bett fand, mit denen er sich nach dem Onanieren abwischte […]. Was hätte ich, dachte ich, damals eigentlich an Dimas Stelle oder an der Stelle meiner Eltern getan? Wäre ich geblieben, wäre ich geflohen, hätte ich selbst meine engsten Freunde und Verwandte verraten, wenn die Kommunisten mich erwischt hätten?

Bedauerlicherweise verweigert Maxim Biller mir als Leserin die zentrale Kernfrage der Familie, den Ausgangspunkt des Romans und im Prinzip das aufgelöste Rätsel am Ende der Geschichte. Immer wenn es brenzlig wird, blendet er weg. Die Stasiakte von Onkel Dima wird nicht fertiggelesen und – was noch viel schlimmer ist – der Brief von Natalia, der alles klären soll, wird weder fertiggelesen, noch in dem Interview besprochen. Und das Gemeinste ist der letzte Satz des Romans, denn alle, wirklich alle Figuren im Buch wissen letztendlich wer den Taten* verraten hat, nur der Leser tappt düpiert im Dunkeln und kann sich sein Ende selbst konzipieren.

„Nein, das verstehe ich eigentlich nicht“, sagte die Moderatorin höflich und plötzlich sehr streng, und dann erzählte ihr Jelena, wie es wirklich gewesen war.

Ich finde so ein Stilmittel als Abschluss weder innovativ noch philosophisch, sondern nur schlechte Arbeit. Das ist so hundsgemein, das habe ich mir als Leserin einfach nicht verdient, dass mir, nachdem ich mich mit den Figuren angefreundet und mit ihnen gelitten habe, die Auflösung des Falls – das Geheimnis der Familie – so schändlich vorenthalten wird. Da fühle ich mich wirklich verarscht, vor allem, weil ich persönlich manisch Plot orientiert bin.

Fazit: Gute Geschichte mit einem wirklich scheußlich konstruierten Ende. Eigentlich 3,4-3,5 Sterne aber diesmal abgerundet


*Tate = Vater jiddisch
Profile Image for Semjon.
793 reviews528 followers
January 31, 2019
Maxim Biller ist mir schon immer etwas unheimlich. Positiv könnte man ihn als streitlustig und engagiert charakterisieren, aber ich empfand ihn stets als aggressiv, polemisch und anklagend. Daher hatte ich bislang um ihn einen Bogen gemacht, doch die Tatsache, dass sein neuestes Buch vom Feuilleton gefeiert und auf die Shortlist gehoben wurde, weckte meine Neugier.

Ich war gespannt, wie ein Roman eines so scharfen Kritikers aussehen würde, der nicht zimperlich mit seinen Autorenkollegen umgeht. Also las ich meinen ersten Biller-Roman und kam auf den ersten Seiten überhaupt nicht in die Erzählung. Wie in einer Kurzgeschichte wird man in die Familienchronik an einem sehr warmen Maitag im Jahr 1965 in Prag hineingeworfen. Ich hatte bewusst nichts über den Roman im Vorfeld gelesen und daher dauerte es eine Zeitlang, bis mir klar wurde, dass das wohl eine Autobiografie ist. Da sind Vater, Mutter, Schwester und der Ich-Erzähler zu erkennen, aber es tauchen gleich eine Unmenge an weiteren Namen auf, die man als nicht zu den Billers gehörender Leser nicht zuordnen kann. Der Autor ist nun auch kein Romancier, der seine Geschichte langsam aufbaut und den Leser an die Hand nimmt. Nach dem ersten Drittel hatte ich dann den mir hingeworfenen Scherbenhaufen aus Szenen, Namen und nebensächlichen Handlungen und Dialogen aber langsam sortiert und das Gefallen am Buch stieg. Vermeintlich geht es um die Leiche im Keller, die wohl jede Familie zu verbergen hat. Bei den Billers ist es ein Verrat, der den Großvater 1960 das Leben in Moskau kostete. Der Ich-Erzähler versucht sein Leben lang die Wahrheit hinter diesem Verrät aufzuspüren.

Folglich dachte, es wäre eine Art Kriminalroman, doch welche Überraschung am Ende: es gibt keine Auflösung. Folglich war ich auch überrascht, als ich Maxim Biller in einem Interview nach der Lektüre sagen hörte, dass es absoluter Quatsch sei, dieses Buch als autobiografisch zu bezeichnen. Die Hälfte davon wäre Fiktion und er "wolle die Leser mit dem Buch verrückt machen, in dem er alles durcheinander bringe. Dagegen ist ein Eintopf nix". Das strahlt ja schon eine gewisse Arroganz aus und letztlich fühlte ich mich ein wenig, na ja verarscht wäre zu viel gesagt, aber zumindest durchgequirlt. Das hat den Lesespaß zunächst getrübt.

Ich hatte mich wie gesagt über das Buch nicht informiert im Vorfeld und auch keine Rezensionen gelesen. Daher war ich über das Ende erst überrascht, aber dann doch nach einigem Reflektieren ziemlich fasziniert. Es geht eigentlich gar nicht um die Frage, wer der Täter war. Wenn ich an Biller im Literarischen Quartett zurück denke, wie er sich über die gängigen Romanstrukturen im Mainstream echauffierte, dann wäre ein übliches Ende auch nicht wirklich authentisch für ihn gewesen. Nur wenn es nicht um den Verrat ging, um was ging es dann? Warum hat Biller mir seine Familiengeschichte (egal ob jetzt real oder fiktiv) erzählt? Mich hat dieser Mischmasch während des Lesens erst sehr geärgert, bis ich mich fragte, warum eigentlich? Ungewöhnliche Erzählformen sind normalerweise genau mein Geschmack. Warum rege ich mich darüber auf, dass die Figuren sich nur sehr langsam entwickeln, dass die Dialoge oft kurz und belanglos sind, dass ich nicht weiß, was real und was Fiktion ist? Ich interpretiere es so (gerade mit dem Brecht-Zitat zu Beginn, nachdem der Pass der edelste Teil des Menschen ist), dass eine entwurzelte Familie wie die Billers, die sich über Russland, Tschechien und später nach Deutschland, Schweiz, Großbritannien und Brasilien verstreute, kein Heimatgefühl entwickeln kann. Es ist das Los der Vertriebenen, kein Vertrauen und keine Geborgenheit zu spüren und eine enorme physische und seelische Belastung auf sich zu nehmen. Und daher ist es auch völlig gleichgültig, wer den Großvater verraten hat. Die Tat als Solches hat die Familie in ihrer Zerrissenheit geprägt. Und dieses Misstrauen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern ist hervorragend sprachlich umgesetzt.

Mal abgesehen davon, dass ich es nicht leiden kann, wenn ich erst Interviews mit einem Autor anschauen muss, um wesentliche Zusatzinformationen über sein Buch zu erhalten, muss ich sagen, dass ich seinen Erzählstil gerade in der zweiten Hälfte des Buchs sehr genossen habe. Das Buch ist dramaturgisch hervorragend aufgebaut und mit den sechs Koffern, die die sechs Blickwinkel von verschiedenen Familienmitgliedern symbolisieren, auch gut strukturiert. Ungewöhnlich ist auf jeden Fall die nicht chronologische Erzählweise, die aber für mich auch ein Beweis ist, dass es bei diesem Buch weniger um die fortlaufende Handlung geht. Absolut nervig war für mich nur die gezwungene Witzigkeit beim Vergessen des Namens des Freunds Miroslav oder Jaroslavs und die Sexbessenheit des Teenagers Maxim Biller, bei dem die Suche nach Indizien für die Verräterrolle des Onkels genauso einen großen Raum einnahm, wie die Suche nach den Pornoheften in dessen Wohnung in Zürich. Aufgrund der vielen Pros und Contras, schwankte ich zwischen 3-5 Sternen und entschied mich letztlich für den Mittelwert. Je länger ich über das Buch nachdenke umso besser hat es mir gefallen.
Profile Image for nettebuecherkiste.
751 reviews195 followers
October 22, 2018
Maxim Biller erzählt in seinen knapp gehaltenen, für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman die Geschichte seiner eigenen Familie. Schon vor seiner Geburt ist die Familie von Moskau nach Prag übergesiedelt und mit ihm schließlich noch einmal von Prag nach Hamburg. Billers Vater hat mehrere Brüder, von denen es einen nach Brasilien und einen anderen nach Zürich verschlägt. Ein weiterer Onkel, Dima, steht zu Beginn des Romans kurz vor der Entlassung aus der Haft, zu der er wegen dubioser Geschäfte verurteilt wurde. Pikanterweise ist er mit Natalia verheiratet, der Frau, die ursprünglich Billers Vater heiraten wollte. Über der Familie schwebt ein großes Fragezeichen: Wer hat den Großvater, den Taten, damals verraten, sodass seine Schmuggelgeschäfte aufflogen und er zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Es muss jemand aus der Familie gewesen sein.

Maxim Biller erzählt die Geschichte in sechs Kapiteln, für die die sechs Koffer stehen, für sechs Familienmitglieder und das, was sie mit sich herumschleppen. Jedes Kapitel gibt die Sicht eines Familienmitglieds wieder. Alle haben eine Theorie, wer der Verräter sein könnte, der fünfzehnjährige Biller versucht seinerseits, bei einem Besuch seines Onkels Dima in Zürich, mehr herauszufinden. Ich ahnte relativ früh, wohin das führen sollte. Es ist jedoch schwierig, sich darüber zu äußern, ohne Teile des Schlusses zu verraten. Ich hatte auch eine Theorie, warum er dieses Ende gewählt hat, ganz bestätigt wurde dies vom Ausgang des Buches nicht. Biller schließt seinen Roman aber mit einem Wink mit dem Zaunpfahl ab, der die Leserin wohl veranlassen soll, das Buch seiner Schwester Elena Lappin zu lesen. Das ist frech, was mich bei Biller nicht wundert, und auch wenn ich es nicht für verwerflich halte, ärgert es mich doch ein wenig. Ich komme weiter unten noch mal zu meiner Theorie über das Ende.

Sprachlich ist an Billers Werk einwandfrei, schnörkellos, ohne jede Längen und auch als Hörbuch gut nachvollziehbar. Hörbuch-Altmeister Christian Brückner trägt seinen Teil zum gelungenen Hörbuch bei. Lediglich die Einteilung in sechs Kapitel oder Koffer wird nicht so deutlich.

Mir hat das Buch beinahe gänzlich gut gefallen, überwältigend ist es freilich nicht und das Ende ärgert mich etwas. Daher gibt es 3,5 von 5 Sternen.

SPOILER

Profile Image for Meike.
Author 1 book5,726 followers
December 4, 2018
Shortlisted for the German Book Prize 2018
In his short semi-autobiographical novel "Six Suitcases", Biller tells the story of a (his?) Russian-Jewish family, thus reflecting on his upbringing and on European history: Biller was born in communist Prague in 1960 and fled to West Germany with his parents when he was only 10 years old. The history of the holocaust, internment, displacement, occupation and emigration is also the history of the Biller family, and I often wish that more people would read books like that to realize what it can mean to be a European and what happened right here, not that long ago, and continues to have effects on families.

In the story, a child and later a teenage and a grown-up version of Maxim Biller wonders who ratted out his grandfather to the KGB, thus causing him to be killed - and he suspects different members of his own family. The general paranoia that pressure and surveillance cause in authoritarian states has reached the family level and the individual person - or wait, was the grandfather really sold out by his own kin? Who can you trust, and is there a truth that can be traced down, that one of the family members buried in their suitcases when they finally left for Brazil, Canada, Switzerland, Russia, Czechoslovakia, Germany?

Biller's family is now spread out all over the world, and it's no coincidence that the book shows a young Maxim reading Brecht's "Flüchtlingsgespräche" ("Refugee Conversations"). Again and again, the book refers to the alienation and feelings of loss the Billers experience, so the question arises (and it's a question Biller's sister asks herself in the book) whether this text is really about finding the person who denunciated the grandfather, or rather about understanding what this family history means for the individual.

I have to admit that while I was really interested in picking up this book, I didn't have high expectations: I knew Biller as a TV critic (a role in which his passion/arrogance - choose your own interpretation for his behavior - was sometimes pretty daunting) and as a journalist (and some of his texts are, well, rather boring, IMHO), but I haven't read any Biller novels before. I have to say now that I really enjoyed his style and his ability to set scenes and describe inner movements, but I felt like the whole book didn't quite come together, the change of focus wasn't always convincing, and the jumps from one family member under suspicion to the next sometimes felt a little random (or I didn't get it - in dubio pro Biller).

Still, I think the spot on the shortlist is well-deserved, and now I also want to pick up Biller's controversial novel "Biographie", because I am certain that his language and wit will carry me through.
Profile Image for İpek Dadakçı.
347 reviews482 followers
February 28, 2024
Maxim Biller, Rusya’dan Çekoslavakya’ya göç eden Yahudi bir ailenin çocuğu olarak Prag’da dünyaya gelmiş. Küçük bir çocukken buradan Doğu Almanya’ya göç etmiş annesi ve babasıyla. Ailesinin diğer fertleri de Batı Almanya, Latin Amerika, Kanada gibi dünyanın farklı yerlerine göç etmişler.

Altı Bavul, yazarın hayatının özellikle ilk yıllarında belirleyici olmuş göç, azınlık olmak ve Doğu Bloku döneminin baskıcı rejiminde yaşamak temalarını işlediği, kısmen otobiyografik ve çok güzel bir novella. Sovyet Bloku döneminde, Prag’da yaşayan bir çocuğun gözünden ailesinin ve buradaki yaşantılarının anlatılmasıyla açılıyor kitap. İlerledikçe ailede büyük bir sır olduğu anlaşılıyor. Altı farklı aile ferdinin bakış açısından ailenin farklı dönemlerinin anlatımını okurken, yavaş yavaş da bu sır perdesinin aralanması için sabırsızlanıyorsunuz. Ailenin başka başka fertlerinin gözünden olayları okurken, perspektif ve objektif olmakla ilgili etkileyici durumları fark etmek çok keyif veriyor. Bunların daha da ön plana çıktığı çünkü herkesin kendince çok haklı olduğu ve yaşananları kendi gözünden anlattığı aile meselelerinde işlenmesi daha da anlamlı bence. Altı farklı anlatım denilince farklı ağızlardan hikayeyi dinlemeyi hatta bilinç akışı tekniği bekliyordum, ama tanrısal anlatıcıyla farklı bakış açılarını bu kadar iyi sunması da ayrı bir başarı bana göre. Herkesin bagajını açıyor okura tek tek Biller, siz de ailenin kirli çamaşırlarını didikleyip kim haklı kim suçlu çözmeye çalışırken, arka planda da tarihi bir dönem akıp gidiyor. Kitabın sonu her okura hitap etmeyebilir ama kitabın ruhuna ve işlediklerine bence oldukça uygun. Belki arada okura bırakılan boşluklar daha çok doldurulabilirdi ama bu haliyle de gayet güzel.

Kısacası, merak duygusunun sürekli canlı tutulduğu, algı ve hafızanın subjektifliğinin çok güzel işlendiği bir aile hikayesi okurken arka planda Komünist Dönem Doğu Avrupa’sında yaşananlara ve Batı Almanya’dan İsviçre’ye farklı noktalara göç hikayelerine tanıklık ettiğimiz güzel bir kısa roman Altı Bavul. Okuyun, seversiniz.
Profile Image for Buchdoktor.
2,524 reviews195 followers
October 25, 2018
Der Vater des damals 6-jährigen Icherzählers arbeitet in den 60ern in Prag als Übersetzer vom Tschechischen ins Russische. Als Onkel Dima, ein Bruder des Vaters, aus der Haft entlassen wird, beginnt der junge Erzähler der Frage nachzuforschen, wer aus der Familie die Schwarzmarktgeschäfte des Großvaters in Moskau verraten hat und damit Schuld an der Hinrichtung des „Tate“ ist. Die beiden älteren Brüder des Vaters leben bereits in Berlin und Brasilien. Die Familienbeziehungen sind sichtlich kompliziert; denn der übersetzende Vater wollte ursprünglich mit Natalia in den Westen fliehen, die nun mit Dima verheiratet ist. Seine Frau Rada wird über die Rolle der Zweitliebsten alles andere als entzückt sein. Mit 15 Jahren besucht der Erzähler seinen Onkel in der Schweiz und stößt beim Herumschnüffeln auf dessen Polizei-Akte. Zwischen dem, was er als Kind in der Familie mit anhörte, was man ihm erzählte und den Geschehnissen klafft offenbar ein gewaltiger Graben.

Der Versuch der Auflösung eines Familiengeheimnisses könnte sich wie ein Krimi lesen, wenn ich mich als Leser auf die Präzision des Autors (nicht der Erzählerstimme) verlassen könnte. Die Interpretation eines Kindes oder Jugendlichen darf im Roman gerne Irrwege gehen; denn auch Irrtümer geben Einblick in die Persönlichkeit. Neben der mangelnden Präzision Billers (zwischen „die Brüder“ und „seine Brüder“ besteht z. B. ein Unterschied) fehlt mir hier der Einblick in die Innenwelt der Figuren. „Sechs Koffer“ hat bei mir die leicht wehmütige Erinnerung an Akos Domas „Der Weg der Wünsche“ ausgelöst, den ich für erheblich besser halte. In Domas Roman flüchtet eine Familie aus der Tschechoslowakei in den Westen und der Autor vermittelt tiefe Einblicke in mehrere seiner Figuren, bis zurück zu deren Herkunftsfamilien. Biller stellt seine Figuren als kaltschnäuzig, berechnend, gehässig, durch und durch negativ bloß. Romane sollten keine neuen Juden-Klischees verbreiten, es gibt bereits genug. Ich bin definitiv nicht Billers Zielgruppe und halte diesen Roman sprachlich und inhaltlich für überschätzt.
Profile Image for Vaso.
1,959 reviews250 followers
July 8, 2021
Ο παππούς του αφηγητή μας συνελήφθει στο αεροδρόμιο της Μόσχας για παράνομη διακίνηση προϊόντων κι εκτελείται. Λίγα χρόνια αργότερα, συλλαμβάνεται
ο ένας από τους γιους του όταν προσπαθεί να φύγει από την Πράγα για το Βερολίνο. Αυτομάτως, κατηγορείται από τα υπόλοιπα μελη της οικογένειας ότι εκείνος ευθύνεται για την εκτέλεση του παππού. Άραγε αυτό συνέβη?

Αυτή όμως δεν είναι μια οικογένεια σαν όλες τις άλλες, αλλά μια Ρωσοεβραϊκή οικογένεια που μετανάστευσε από την Μόσχα στην Πράγα κι αργότερα κάποια από τα μέλη της στο Αμβούργο, τη Ζυρίχη, τη Βραζιλία.

Μέσα από τα μάτια του αφηγητή μας, που θα μπορούσε να είναι κι ο ίδιος ο συγγραφέας, βλέπουμε τι σκέφτεται και ποιον κατηγορεί ο πατέρας και η μητέρα του, ο θείος που έκανε φυλακή, η γυναίκα του θείου του, η αδερφή του και τέλος ο έτερος θείος.

Δεν είναι ένα βιβλίο για να δούμε ποιος τελικά ευθύνεται αλλά για το μέχρι που είναι ικανός κανείς να φτάσει για να σώσει τον εαυτό του.

Δεν είναι μόνο ένα οικογενειακό δράμα μιας και έχει και αρκετά στοιχεία περιπέτειας και ενδεχομένως κατασκοπείας. Ο συγγραφέας, μέσω των ηρώων του μας δείχνει πόσο πολύ κακό μπορούν να κάνουν τα μυστικά όταν υπάρχουν. Αδέρφια αποξενώνονται, αλληλοκατηγορούνται παύουν να νιώθουν οικογένεια πια.
Με την απλή γραφή του ο Μίλλερ, εξυφαίνει ένα οικογενειακό δράμα στο οποίο όλοι έχουν το ρόλο τους αλλά τον πιο σημαντικό ρόλο έχει η προδοσία.

3,5 αστέρια
Profile Image for Cindy.
341 reviews49 followers
September 10, 2018
Das ist jetzt das 2. Buch der diesjährigen Longlist des Deutschen Buchpreises, das ich gelesen habe, das ein offenes Ende hat bzw. etwas ungeklärt stehen lässt. Wenn das ein Qualitätsmerkmal sein soll, dann bleibe ich lieber Banausin. ;-)
Von der erzählerischen Seite her, hat es mir sehr gut gefallen und Christian Brückner ist ein großer "Vorlesekünstler".
Profile Image for Katja.
257 reviews79 followers
September 16, 2018
Die Mitglieder der Familie Biller sitzen alle auf gepackten Koffern. Ein Verrat führt zur Hinrichtung des Großvaters unseres Erzählers und zur Flucht der Söhne aus Prag. Es kommt zur Zerstreuung, nach Deutschland, Schweiz, England, Kanada. Doch die Familie wird von einem großen Geheimnis zusammengehalten, welches der Erzähler zu enthüllen versucht: Wer trägt die Verantwortung am Tod des Großvaters.

Die Suche nach dem schwarzen Schaf räumt jedem Verdächtigen ein eigenes Kapitel im Roman ein. Mal steht der eine unter Verdacht, mal der andere. Ein jeder wird kritisch ins Visier genommen, selbst der kleinste Fehltritt wird ins Rampenlicht gerückt. Ablenkungsmanöver? Durchaus, denn selbst ungeliebte Charaktere werden in ihren eigenen Geschichten zu liebenswerten Figuren.

Mit einer einfachen, zärtlichen Erzählweise, aber auch mit einer gewissen Distanz und Strenge schafft Biller ein Netz aus Verstrickungen, nur um bereits gefestigte Meinungen, Ansichten und Theorien wieder über Bord zu werfen. Die Inszenierung dieses Sachverhalts, das ständige Auf und Ab im Kreis der Verdächtigen, ist wirklich mehr als gelungen.

Dabei ist der Erzähler selbst – wie auch der Leser – zwiegespalten und kann den wahren Verräter nicht einfach aufspüren. Es herrscht Misstrauen an jeder Ecke und fast schon wirken die Figuren wie Marionetten in einem Spiel, das von einer unsichtbaren Hand gelenkt wird. Vielleicht sogar ein gewollter Effekt, denn es findet sich im Roman eine Anspielung auf die berühmten tschechischen Marionetten Speibl und Hurvinek – Vater und Sohn, welche oft melancholische aber vor allem seltsam absurde Dialoge führen.

Der Wahrheitsgehalt hinter den einzelnen Geschichten der Verdächtigen bleibt im Verborgenen, und auch ob dieses oder jenes Detail über einen anderen potentiellen Verräter der Realität entspricht, wird nicht geklärt. Stattdessen bleibt der fahle Beigeschmack kleiner Ungereimtheiten zurück – Details, die nicht zusammenpassen wollen, wie die Farbe eines Kühlschranks, der ja nach Erzählperspektive mal die eine, mal die andere Farbe hat.

Billers Roman ist Unterhaltungsliteratur, die mit den Erwartungen des Lesers spielt, viel will und doch nicht alles erreicht, denn trotz der geschickten Konstruktionen bleiben einige Charaktere im eindimensionalen Hafen der Klischees vor Anker. Viel wird der ganz eigenen Interpretation überlassen. Welcher der einzelnen Figuren nun Glauben geschenkt wird, liegt im Auge des Betrachters. Doch wer weiß schon, wem man tatsächlich trauen kann?
Profile Image for Wandaviolett.
510 reviews74 followers
October 2, 2018
Verdichtet: doch literarisch trotzdem belanglos.
Ein Roman, an dem sich die Geister mal wieder scheiden. Einige finden ihn brillant, andere nicht.

Wie in vielen Nachkriegsfamilien ist auch bei den Billers die Atmosphäre durch Unausgesprochenes oder Halbgeäussertes vergiftet. Ausgangspunkt der Erzählung ist Prag, wohin die Eltern des Icherzählers (Maxim Biller), Rada (Mutter) und Sjoma (Vater) schon emigriert sind. Im Hause Biller spricht man Russisch, das Tschechische ist ebenfalls geläufig. Der Rest der Familie verstreut sich im Laufe der Zeit, Dima (Onkel, Bruder des Vaters) lebt in Zürich wie Lev (Onkel, Bruder des Vaters. Waldimir (Onkel, Bruder des Vaters) lebt in Südamerika, man hat keinen Kontakt und Natalia (Frau von Dima, Bruder des Vaters) ist in London mit Etti ihrer Tochter. Jede Menge Familie. Alles Kosmopoliten wider Willen. Juden. Natalia, Überlebende, ist direkte Betroffene des Holocaust. Sie landete im KZ.

Und einer von der Familie hat den Kommunisten gesteckt, dass der Grossvater Devisen schmuggelt(e), woraufhin er in Moskau verhaftet und hingerichtet wurde. Anno dunnemal. Es gibt jede Menge Verdachtsmomente. Jeder verdächtigt jeden und Lev spricht mit niemandem mehr. Ausserdem will jeder von jedem Geld.

Man liebt sich. Aber man traut sich nicht über den Weg. Die Wasser sind zu tief für die Königskinder Biller. Selbst die Enkel können sich nicht von den Schatten der Vergangenheit befreien.

Ein tolles Thema. Doch. Aber. Der Roman Billers verdichtet die Handlung so ausserordentlich, dass von einem Lesevergnügen nicht die Rede sein kann. Empathie kommt so nicht auf. Der Roman bleibt zu sehr Kopf. Weder Bauch noch Herz werden erreicht. Schreibt ein Autor, um dem Leser Vergnügen zu bereiten? Das kann man nicht erwarten.

Der Leser muss raten, wer den Grossvater verriet, jeder Leser wird eine andere These haben. Wie auch jedes Familienmitglied eine eigene Meinung dazu hatte. Allein, es hat mich nicht interessiert.

Im Roman werden viele Themen angerissen. Die Personen selber sind verkürzt. Nähe verboten, habe ich gefühlt!

„Sechs Koffer“ von Maxim Biller ist ein Roman voller unwichtiger Details und einiger pubertierender Gedanken über Sex, die überhaupt nicht zum Thema gehören, Hauptsache, „Sex ham mr abgehakt" und vieler Andeutungen. Ein unepischer Roman, in den man sich nicht fallen lassen kann. Kein Roman zum Mitleiden. Auch kein verstörender Roman. Wollen wir ehrlich sein, ein langweiliger Roman über eine Familienzwistigkeit, über ein Familiengift, der am meisten die interessiert, die es angeht.

Legitim ist es allemal, sich ein Familiendrama vom Herzen zu schreiben. Zumal ein Subtiles. Doch werden weder Migration noch Regimedruck, noch die Zwangslage einzelner ausgelotet. Mich interessierte diese Erzählung deshalb nicht. Mich interessierte die ganze Familie nicht. Sollte es? Müsste es? Weil es sich um eine jüdische Familiengeschichte handelt? Mitnichten. Ich lese und leide mit Aharon Appelfeld. Jedoch nicht mit Biller.

Die Sprache ist nicht bemerkenswert. Unwichtige Details lenken den Blick ab. Es fällt schwer, sich zu fokusieren. Die Geschichte geht nicht unter die Haut. Allenfalls, weil man nachdenken muss, woher denn der Titel kommt.

Sind Romane schon allein deshalb von literarischem Belang, wenn sie sich mit den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs auseinandersetzen, mit den Nachwirkungen des Holocaust, weil sie jüdisches Schicksal behandeln? Manche denken es. Darf ich diesen Roman trotzdem für literarisch belanglos halten, dafür aber noch einmal eine Lanze für Aharon Appelfeld brechen? Ich weiß es nicht: ich tue es einfach. Meinungsfreiheit!

Fazit: Zugute halten muss man dem Roman, dass er nicht larmoyant ist. Doch unepisch. Knapp. Detailverliebt. Was er sich in seiner Kürze gar nicht leisten könnte. Ein Familienbericht, der nur die interessiert, die es angeht. Ich bin das nicht!

In der Kategorie „Anspruchsvolle Literatur“: 2 Punkte.
In der Kategorie „Gute Unterhaltung“ lasse ich 3 Punkte springen.

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Gelistet: Shortlist 2018
Profile Image for Sternenstaubsucherin.
853 reviews1 follower
January 26, 2019
Anfangs fand ich die Geschichte noch einigermaßen spannend, aber ab der Hälfte des Buches hab ich mich einfach nur noch gelangweilt.
Mein erster Biller, wird auch mein letzter bleiben.
Völliger Fehlgriff, wie so einige Bücher, welche beim Buchpreis auf Long- oder Shortlist standen.
Eine völlig langweilige Familiengeschichte.
Und das sein „Freund“ Miroslav oder Jaroslav heißt, hat mich nach der 20igsten Wiederholung genauso genervt, wie der sich ändernde Name seines Vaters: Semjon oder Sjoma....na, was denn nun Herr Biller?!
Für mich mal wieder ein völlig überschätzter Roman.
Profile Image for Ernst.
722 reviews44 followers
June 9, 2024
1,5-2🌟 leider hat mich die Geschichte überhaupt nicht erreicht, ebenso wenig kann ich mit dem Stil des Autors anfangen, so sehr ich seinen Witz als Feuilletonist schätze oder seine Schärfe und Klarheit als Literaturkritiker. Als Hörbuch gehört, was aber so langweilig war dass ich fürchte als Buch hätte ich es vorzeitig abgebrochen.
Profile Image for Alex.
508 reviews123 followers
September 23, 2018
...Und dieses Buch steht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018 !!! Die zwei Sterne gebe ich für die ersten 3 Kapiteln. Das Buch fängt interessant an, ziemlich fesselnd. Die Sprache ist schön und der Bau der Kapiteln auch. Aber danach wird es langweilig, verwirrend, nervig. Und wie Alexandra auch erwähnt hat, am Ende bekommt man keine Antwort. Vllt gibt es Hinweise im Text, aber es geht um viel über 200 Seiten, und das sorgt für Verwirrung. Biller hat wahrscheinlich etwas hyperintelligentes für Hyperintelektuelle schreiben wollen. Er ist aber kein Murakami, der oft keine Lösung anbietet. Er hat ein sehr down-to-earth Buch geschrieben, und wenn er als Detektive Story anfängt, muss am Ende auch eine Lösung parat haben. Es ist das A und O der Detektive-Stories.
Vielleicht war alles zu viel und zu ambitioniert für 200 Seiten (und wir sprechen hier nicht über sehr kleine Buchstaben wie bei Steinbecks "Jenseits von Eden" Buch). Man kann nicht so viel Geschichte in nur 200 Seiten einpacken. Dazu noch die ganze Familiendramas.
Noch was - die verschiedene Protagonisten haben keine Zeit sich zu entwickeln, alle werden unzureichend präsentiert.

Ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch den Preis bekommen könnte. Ich meine "Hauptstadt"(Menasse, Gewinner 2017) war genau so verwirrend, politisch und langweilig wie dieses. Und ich meine Juden, Russen, Deutschland mon amour, quasi Familiengeschichte - hat alle richtige Karten (natürlich sarkastisch gemeint). Von mir bekommt 2 Sterne.
5 reviews
November 29, 2024
Sehr interessanter Einblick in das Leben in der Sowjetunion. Man findet am Ende nicht heraus, wer den Großvater verraten hat, aber wahrscheinlich geht es darum auch nicht. Ich glaube es geht eher um das gegenseitige Misstrauen. Die Geschichte wird aus den verschiedenen Perspektiven der einzelnen Familienmitglieder erzählt, und es ist interessant zu sehen wie alle ihre eigenen Geheimnisse haben. Kann das Buch auf jeden Fall empfehlen.
Profile Image for Meg.
42 reviews
June 3, 2021
Dieses Buch stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018.

Sechs Kapitel - Jedes Kapitel steht für einen Koffer das am Ende dazu beitragen soll, das Familiengeheimniss zu lüften.
Ich fand das Buch halt so lala, wie ich in meinem zwischen update schon geschrieben habe :(
Der Schreibstil war okay, die ersten drei Kapitel waren noch fesselned, man wollte wirklich wissen wie es weiter geht doch dann war es wirklich sehr verwirrend weil man auch nach dem vierten Kapitel nicht mehr wusste, wer jetzt genau weitererzählt.

Das Buch hat ein offenes Ende, und es lässt einen einfach nur mit vielen Fragezeichen zurück.
Prinzipiell mag ich Bücher, die Historisch angehaucht sind, aber hier, war es wirklich verwirrend.
Einmal spielt es in Prag, Hamburg, Moskau, Osterberlin, Zürich, München und London. Nebenbei werden auch Kanada und New York erwähnt.
Was die Protagonisten angeht, war alles sehr verstrickt und iwann hab ich nicht mehr durchschaut, wer mit wem oder wer mit wem und warum.
Da sich das Buch damit hauptsächlich beschäftigt, wer den Taten – also den Großvater umgebracht und/oder verraten hat, kommt im Buch nie ein Hinweis wer es nun jetzt wirklich war. Es verstrickt sich alles in ein riesiges Familienproblem.
Ich bin ein bisschen enttäuscht von dem Buch, weil ich die Atmosphäre von dem „nach Krieg Tschechien – Prag, Immigration nach Deutschland“ gerne mochte und es auch interessant finde.
Leider gibt’s von mir nur zwei Sterne. Eigentlich war ich der festen überzuegung das es eine Solide drei Sternen Rezension wird, doch mit dem offenen Ende, noch mehr Fragezeichen und ein bisschen mehr enttäuschung als ich schon in der mitte vom Buch hatte, werden es zwei. Schade :(
Profile Image for Ina.
77 reviews
July 20, 2024
glaub ich hab zu viel biller hintereinander geballert.. wurde mies langweilig, ich dachte irgendwie er provoziert noch bisschen mehr aber irgendwie hat er nur nach und nach die „Geheimnisse“ der Familienmitglieder aufgedeckt. Das war narratologisch ganz spannend, weil ja der Erzähler der Sohn ist, aber dann trotzdem als der Sohn aus Sicht der anderen Familienmitglieder erzählt. Das Spiel damit war ganz nett, auch die Metapoetik mit dem Buch dass seine Schwester geschrieben haben soll und mit seinem eigenen Denken als Kind sein Leben war nur eine Geschichte waren ganz nette Aspekte. Die allein catchen mich aber lowkey nicht.. Und die verschiedenen „Geheimnisse“ der Familienmitglieder werden teilweise auch einfach nur hingestellt und nie wieder aufgegriffen oder mit dem Rest verwickelt. Besonders ist mir das bei der Mutter aufgefallen, er dropt einfach und lässt sie dann nie wieder zu Wort kommen, like was ist damit geschehen??? Der Rest war so haaaaalbwegs vereinbar weil es alles irgendwie mit dieser kriminellen Geschichte des Großvaters zusammenhing aber najaa…

Vielleicht bin ich Schuld drei Biller Werke hintereinander zu lesen aber sorry das reicht jetzt echt. Für seine große Klappe ist das alles erstaunlich friedlich was er hier schreibt… (Wobei friedlich natürlich auch nicht gleich schlecht heißen muss, aber das sollte ihm mal jemand sagen ich werde es nicht tun)

ein kleines Zitat am Ende:
„glaubst du sie wären froh wenn es keinen juden mehr gäbe? oder würden wir ihnen fehlen?“
Profile Image for Naddi.
36 reviews14 followers
September 11, 2018
Sehr interessante Geschichte. Den Schreibstil fand ich am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Das ganze Buch dreht sich um die Frage, wer den Großvater verraten hat. Dabei bekommt man viele Einblicke in die Mitglieder der Familie. Jeder könnte es gewesen sein, aber eigentlich auch keiner. Obwohl das Buch nur knapp 200 Seiten hat, hatte ich das Gefühl deutlich mehr gelesen zu haben.
Profile Image for Jenny.
77 reviews
June 19, 2024
Müsste ich das Buch nicht für ein Seminar lesen, hätte ich es nach dem ersten Drittel abgebrochen.
Profile Image for Esther.
Author 3 books51 followers
October 17, 2018
Die „Sechs Koffer“ des Titels stehen wohl für die sechs Geschichten, die Maxim Biller um seine Familiengeschichte, vor allem aber um die Hinrichtung seines Großvaters, erzählt.
Jede Geschichte hat eine andere Perspektive und wirft ein neues Licht auf das was geschehen ist oder vielmehr was geschehen sein könnte. Denn obwohl der Vater Sjoma, die Mutter Rada, der Ich-Erzähler selbst, sogar die Geliebte des Vaters und später Tante des Erzählers Natalia, der Onkel Lev und schlussendlich auch die Schwester Jelena ihre Sicht der Ereignisse präsentieren, geschieht dies immer in der Ich-Perspektive des Erzählers, der die Erinnerungen und Vermutung zwar der jeweiligen Person in den Mund legt, aber doch nicht behaupten kann, dass diese es wirklich so erlebt und empfunden hat oder bezeugen kann und möchte.
So bleibt bis zum Ende ungeklärt, wer aus der Familie den Großvater, den Taten verraten hat und somit an dessen Hinrichtung Schuld ist. Diese Hinrichtung scheint einen langen Schatten über und einen tiefen Graben zwischen die Familie geworfen zu haben, an dem zumindest die Generation Maxim Biller und seine Schwester Jelena Lappin noch immer schwer zu tragen haben. Auch wenn ich meine, die Schuld sei in diesem Buch eindeutig zugewiesen worden (was natürlich ohne Spoiler hier nicht weiter ausgeführt werden kann), verweist Maxim Biller abschließend auf das aktuelle Buch seiner Schwester für weitere Details über den Fall.

Was sich wie die versuchte Aufklärung eines Kriminalfalls andeuten mag, ist doch vielmehr.
Es geht um Entwurzelung, um Flucht aus kommunistischen Regimen und was das Zerreißen der Familienbande den einzelnen Familienmitgliedern bedeutet, um Überleben um jeden Preis, auch wenn dazu illegale Methoden angewendet werden müssen. Es geht auch um Jude sein in diesem und letzten Jahrhundert; Tante Natalia als Zeitzeuge und Überlebende eines KZs ist eine wichtige Figur zum Verständnis der Zusammensetzung der nachfolgenden Familien mit jüdischen Wurzeln.
Man darf sich mit dem Ich-Erzähler fragen, wie viel Recht man sich zugestehen darf in der Urteilung der Handlungen der anderen und wie man wohl selbst gehandelt hätte. Wer hat den Taten verraten? Aber viel wichtiger: wer hätte es in entsprechender Situation und unter Druck nicht getan?

Und doch bin ich nicht wirklich warm geworden mit diesem Buch.
Mir fehlten die Hintergründe, mir fehlten die Zusammenhänge, die Fäden kommen für mich nicht zusammen, und mir fehlten die Gefühle.
Ich bin jetzt nur gespannt, wie die Geschichte aus der Sicht seiner Schwester aussieht…
Profile Image for SusanneH.
549 reviews42 followers
April 27, 2019
Nun habe ich dich tatsächlich von diesem mir so unsympathischen Herrn Biller ein Buch gelesen.
Mir war es in Buchhandlung und Werbung aufgefallen und dann hatte ich hier gute Rezensionen gelesen.
Und nun soll ich es bewerten
Hmhh drei Sterne, da ich so offene Enden nicht mag und irgendwie das Buch hinter meiner Erwartung zurück bleibt.
Und trotzdem auch vier, da ich es gerne gelesen habe und es mich immer noch beschäftigt und es gut erzählt ist.
Profile Image for micha.
249 reviews20 followers
January 9, 2019
Was ich im Kommentar zum ersten Drittel des Buches bereits geschrieben habe, stimmt auch noch an seinem Ende: es ist und bleibt schwierig, ins Buch reinzukommen.

Zum einen sind einem die Figuren einfach egal - oder unsympathisch. Zum anderen hat keine eine eigene Stimme. Maxim Billers literarischer Stil ist für alle Personen derselbe, und deswegen ist es auch wenig erbaulich, die Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Dann käme es also auf den Plot an. Der wird aber zerhackstückt, sabotiert von Nebenerzählungen, persönlichen Einschüben und allerlei Diaspora-Kram, der zwar einen weiteren Horizont aufmacht und immer wieder interessant ist, aber eigentlich wenig mit dem eigentlichen Fall zu tun hat. Denn darum geht es ja eigentlich in diesem Buch: wer ist Schuld am Tod des Großvaters.

Dass sich der Autor ganz am Ende einfach mit der Auflösung davonmacht, darf man ruhig als Verprellung des Lesers deuten. Billers Sprachgestus, der etwas grundlegend aufschneiderisch Konfrontatives hat, lies dieses Ende bereits erwarten. Schade. Maxims Stinkefinger-Literatur. Wirklich ein ziemlich schrecklicher "Roman".
Profile Image for Monerl.
482 reviews11 followers
September 6, 2018
Ein Buch, in das ich sehr schwer hereingekommen bin. Die Erzählperspektive ist ein wenig wirr. Vieles wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet und bringt den Leser doch nicht so richtig weiter. Die Figuren blieben mir alle irgendwie fern und die Aufklärung des Familiengeheimnisses bleibt leider aus. Dir geringe Seitenzahl lässt keine tiefere Auseinandersetzung mit der Geschichte zu und bleibt dabei ziemlich oberflächlich. Selbst die Sprache ist recht durchschnittlich, sodass ich mich frage, wie es das Buch auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat.
Ein interessantes Buch mit außergewöhnlicher Herangehensweise, von dem ich mir aber viel mehr versprochen habe.
Auch nachdem ich das Hörbuch ein zweites Mal gehört habe, blieb meine Verwirrung und Enttäuschung.

Ausführliche Rezi folgt.
Profile Image for Vera Sopa.
843 reviews86 followers
May 18, 2025
Pequeno para um segredo de família que, atravessa vários países com seis elementos. O enigma é a morte do avô que, o neto quer desvendar e que, como leitora também me intrigou. Quem o traiu? Afinal, ele fazia tráfico de divisas. Judeus russos perseguidos em que o antisemitismo comunista também se fazia sentir.
Não sendo o que esperava é um romance com uma intriga familiar que, se lê rapidamente, marcado por uma certa melancolia e onde a História com toda a carga de sofrimento e tristeza sobressai. Gostei.
Profile Image for Liedzeit Liedzeit.
Author 1 book126 followers
December 1, 2025
Menasse nennt den Roman einen kunstvoll geschliffenen Edelstein, Grünbein immerhin noch ein wahres Kunstwerk.

Und ich kann gar nicht genau sagen, warum mir das Buch so missfiel. Interessante Geschichte, mindestens kompetent geschrieben. Vielleicht hatte ich zu sehr den Mann aus seinen Fernsehauftritten im Kopf, um das unvoreingenommen lesen zu können.

3/10
Profile Image for Netti.
135 reviews24 followers
June 26, 2021
Hmm... Die Familiengeschichte zu erfahren war interessant, allerdings wurde für mich die eigentliche Frage nicht geklärt und ich bin nicht schlauer als vorher
Profile Image for John Hatley.
1,384 reviews234 followers
October 4, 2018
One of the more surprising things about this book is that Maxim Biller succeeds in telling it in just under 200 pages (it might have taken Tolstoy 2,000 pages)! The author was born in Prague to Jewish Russian parents who later emigrated to Germany. Not least because this is the first book by Maxim Biller that I've ever read, it would be presumptuous of me to claim that this novel is autobiographical. Nevertheless, the descriptions of Prague, Berlin, Hamburg and Zürich clearly demonstrate that he knows what he is writing about.

Everyone who, like me, sometimes feel sorry for themselves and the lives fate has dealt them, should read this gem of a book. We have nothing to complain about. Nothing. The novel tells the story of a Jewish Russian family over three generations. Members of this family experienced first-hand the First World War, the Russian revolution, the Second World War, the holocaust and the Cold War. There are of course many families with similar histories. Their fates should be remembered by everyone living in the 21st century.
Profile Image for Nicolai Levin.
272 reviews3 followers
September 4, 2026
Wie eigentlich immer bei Maxim Biller geht es auch in diesem Buch um die Familie Biller, die russisch-ukrainisch-jüdische Wurzeln hat, sich nach dem Krieg in Prag niederließ, von dort Ende der 1960-er nach Hamburg floh, wo Maxim aufwuchs, ehe er in München als Journalist und Schriftsteller erblühte.

Während sich in „Mama Odessa“ alles um die Mutter, das Schreiben und die Sprache als Heimat und Bezugspunkt dreht, geht es in „Sechs Koffer“ um Bruderzwist, um Anerkennung und um Geld. Maxims Großvater, der Tate, wurde Anfang der 1960-er in Moskau wegen Schwarzmarkt- und Devisenvergehen hingerichtet, und die Familie rätselt seitdem, wer den Patriarchen verraten hat.

Da ist Semjon, Maxims Vater, der als Übersetzer (russisch-tschechisch) arbeitet, da sind dessen Brüder Wladimir (in Brasilien), Lev (als halbseidener Geschäftsmann in West-Berlin) und Dima, der Chemiker, der von 1960 bis 1965 wegen einer stümperhaft geplanten Flucht Richtung Westen in der CSSR im Gefängnis saß und der es danach irgendwie in die Schweiz geschafft hat, wo er in einem Rüstungsunternehmen arbeitet. Natalia, seine Frau, Filmdozentin und Femme Fatale, wollte erst Semjon heiraten, bevor sie Dima nahm, was ihm Rada, Semjons Frau und Maxims Mutter, nie verziehen hat.

Die Familienaufstellung bietet schon so einiges an Dramatik, verschärft durch teils illegale Geschäfte und wilde Spionageeinsprengsel. Der Tate hat vierzigtausend Dollar in den Westen geschmuggelt - das reichte in den 1960-ern, um eine Villa im Grunewald zu kaufen! Und die Frage, ob jeder der Brüder seinen gerechten Anteil bekommen hat, wird höchst unterschiedlich beantwortet aus den verschiedenen Perspektiven, die uns der Autor Biller schildert.

Das Buch bietet eine merkwürdige Mischung aus Zeitgeschichte mit Ost-West-Komponente, Familiensaga, Spionage- und Mafiastory, der Entwicklungsgeschichte des Icherzählers, der Suche nach jüdischer Identität und jüdischem Auskommen und natürlich der Frage, wer denn nun den Taten verraten hat.

Leider finden diese sehr unterschiedlichen Zutaten zu keinem runden Ganzen und auch erzählerisch holpert und stolpert es für meine Begriffe mit eingeschobenen langen Briefen und der Lektüre von Stasiakten.

Am besten ist das Buch da, wo es persönlich wird. Wie die Kinder Maxim und Jelena bange auf die Ankunft des Onkels Dima warten, als der aus dem Gefängnis entlassen wird - und sie beide überzeugt sind, dass er den Großvater auf dem Gewissen hat. Das hat Pep und Feuer! Und auch die Fahrt des Fünfzehnjährigen in die Schweiz zu eben diesem Dima schildert Biller feinfühlig und exakt - und witzig dazu: das unendlich verklemmte Großmaul Miloslav, den er trifft und dem er sich anvertraut, weil er Tschechisch spricht, die Knutschereien mit der Cousine Nettie, das hat mir schon sehr gut gefallen.

Der Rest leider nicht, auch wenn ich positiv anmerken will, dass es endlich mal ein Billertext ist, in dem Biller nicht in angesagten Szenebars von allen möglichen Literatenfreunden antisemitisch angekackt wird und ihnen deswegen beleidigt die Freundschaft kündigt.
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