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Helden der Nacht

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Eine Gegenwart, in der die talentierten Verbrecher keine Banken mehr ausrauben, sondern Nutzerdaten verkaufen, ist keine gute Zeit für Oldschool-Detektive. Karl Wolfgang Flender schickt sie trotzdem raus in die Nacht – auf die Spuren einer Verschwörung, die sich gewaschen hat.
Seine ganze Jugend über waren sie Bryans Helden: die großen Privatermittler von Chandler oder Hammett, einsame Wölfe mit Hut und Trenchcoat. Einige Wochen Krankheitsvertretung in der Detektei seines Vaters reichen aus, um ihren Mythos zu zerlegen. Doch als Bryan Zeuge eines wirklichen Verbrechens wird, entdeckt er eine Ermittler-Obsession in sich, die bald außer Kontrolle gerät. Wenige Straßen weiter ist Kommissarin McCollum unterwegs. Sie hasst ihren Joballtag, ihre unfähigen Kollegen, die erbärmlichen Verbrecher. Und wird mit einer bizarren Mordserie konfrontiert, die ihren Zynismus gehörig in die Schranken weist.
›Helden der Nacht‹ lässt die Schicksale des Träumers und der Zynikerin aufeinanderprallen, dass es knallt. Ein fein konstruierter, hoch spannender Roman über den Kampf um wahren Heldenmut in einer entzauberten Welt und ein virtuoses Spiel mit literarischen Vorbildern.

400 pages, Hardcover

Published August 20, 2018

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August 20, 2018
Bryan Austers Vater hat sich als Detektiv den Rücken ruiniert beim stundenlangen Observieren und Rauchen vom Auto aus. Nun muss Auster Senior zur Kur nach Ungarn und der Junior soll ihn während dieser Zeit in der Detektei vertreten. Bryan hat messerscharf erkannt, dass zumindest in einem Szene-Kiez das Geschäftsmodell seines Vaters am Ende ist. Wer seine Probleme nicht mehr durch Observation/Denunziation löst, beauftragt heutzutage keinen Detektiv. Da Bryan sowieso keine Lust auf Kleinkram in der Detektei hat, sucht er den ganz großen Wurf, mit dem er ohne viel Aufwand reich werden kann. Er setzt auf IT-gestützte Erpressung, kauft dafür die gehackten Kundendaten einer Dating-Webseite an und will dabei die alten Kollegen seines Vaters beschäftigen, räusper, also sie über den Tisch ziehen. Kein stundenlanges Warten mehr im verräucherten Auto, mit der Gesundheit der alten Herren wird es nach seiner Idee steil bergauf gehen.

Parallel zum Vater-Sohn-Nachfolge-Konflikt ermittelt Colleen McCollum als Mitarbeiterin einer Berliner Mordkommission in einer Mordreihe, bei der dem Opfer vor seinem Tod jeweils ein Finger abgehackt wurde. Spiegelstrafe nennt man das, eine Form der Rache, bei der ein Täter etwas erleiden soll, das seine eigene Tat symbolisiert. Colleen wird in einem schmerzhaft realistischen Setting tätig, in dem die Polizei Fuhrpark und IT-Ausstattung komplett aus Beschlagnahmungen bestreiten soll. Mancher möchte ihre Arbeitsbedingungen vermutlich lieber als Utopie sehen. Colleen gelangt bei der Suche nach einem Verdächtigen in ein undurchsichtiges Firmenimperium namens Valhalla Capital, das als Inkubator für Start-Up-Projekte gehandelt wird. Um Valhalla Capital herum ranken sich recht schräge Fortschreibungen aktueller Entwicklungen, bei denen ich nicht wusste, ob ich lachen oder die Leute bemitleiden sollte. Spätestens als die Presse ins Spiel kommt, wird deutlich, dass kleine Fische nicht mit Haien schwimmen gehen sollten …

Als Colleen McCollum die Bühne betrat, dachte ich, ich wäre im falschen Film gelandet, einer umgepolten Vorabendserie, in der statt deutsche Schauspieler in Maine ermitteln zu lassen, Austauschkommissare aus aller Herren Länder in einem deutschen Setting auftreten. Doch dafür verhielten die Leute sich trotz ihrer EU-farbigen Namensgebung zu muffelig-deutsch.

Eine groteske, anspielungsreiche Hommage an den Gentleman-Detektiv und einen Abgesang auf den männlichen deutschen Kettenraucher legt K. W. Flender hier vor. Am Ende habe ich mich gefragt, ob es in Berlin nicht genau jene Gestaltwandler geben könnte, von denen ich bisher dachte, sie wären eine Erfindung der Literaturbranche.

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