Berlin, Spätsommer 1935: In der Familie Rath geht jeder seiner Wege. Pflegesohn Fritz marschiert mit der HJ zum Nürnberger Reichsparteitag, Charly schlägt sich als Anwaltsgehilfin und Privatdetektivin durch, während sich Gereon Rath, mittlerweile zum Oberkommissar befördert, mit den Todesfällen befassen muss, die sonst niemand haben will. Ein tödlicher Verkehrsunfall weckt seinen Jagdinstinkt, obwohl seine Vorgesetzten ihm den Fall entziehen und ihn in eine andere Abteilung versetzen. Es geht um Hermann Göring, der erpresst werden soll, um geheime Akten, Morphium und schmutzige Politik. Und um Charlys Lebenstrauma, den Tod ihres Vaters. Und um den Mann, mit dem Rath nie wieder etwas zu tun haben wollte: den Unterweltkönig Johann Marlow.
Volker Kutscher ist ein deutscher Schriftsteller. 1995 veröffentlichte er mit Bullenmord seinen ersten Kriminalroman im Kölner Verlag Emons. 2008 erschien unter dem Titel Der nasse Fisch der erste Band einer auf mehrere Bände angelegten Reihe von historischen Kriminalromanen um die literarische Figur des Kölner Kommissars Gereon Rath, die im Berlin der späten Weimarer Republik und des Nationalsozialismus spielen. Die bis 2019 erschienenen ersten 7 Bände spielen in den Jahren 1929 bis 1935. Volker Kutscher lebt in Köln.
gereon rath polisiyeleri hâlâ bir iyi bir orta diye devam ediyor. bu kez marlow’u arka plandaki dramatik yapısı sebebiyle epey sevdim. valla her kitapta söylüyorum bir ülkede hukukun kaybedilmesi demek hep aynı biçimde oluyormuş. inanılmaz sinir bozuyor okumak ama naparsın, zaten yaşıyoruz. şimdi geldik 1935’lere polis teşkilatı ayrı, ss ayrı, sa ayrı. artık son ikisi kraliyet polis teşkilatından daha önemli zaten. gereon da teşkilatta yer değiştiriyor. zaten bu romanların salağı gereon, onu anladık. kirli işin her türlüsünü yapan, ilk kitaptan itibaren tanıdığımız marlow’un yaşamına odaklanıyoruz bu kez. yazar bu karakterle phillip marlowe’a selam çakmış. o kim diyorsanız, yanlış sayfadasınız :)) marlow şimdi ne olmuş, ss’de tümgeneral. güler misin ağlar mısın. şimdi kaçak değil kanuni haydutluk yapıyor, zaten göçen yahudilerin mallarına çökme gırla… (aaa ne garip!) marlow’un geçmişiyle birlikte (ki burada ilk kez öğrendiğim almanya’nın çin sömürge tarihi var) bir de canımız ciğerimiz charly’nin geçmişine ve kaybettiği babasına odaklanıyoruz. ve bu ikisi bir yerde kesişiyor. her iki karakterin de dramatik kurgusu ve karakter derinliği güzel verilmişti bu kitapta. hukuk ayaklar altında, başbakan her işten para kazanma derdinde, alman halkı otoyol sevdasında (aaa ne garip!), sosyal hizmetler ari ırka bağlı çocuk yetiştirme derdinde… gereon ve charly’nin evlatlıkları yeterince nazi olmadıkları için ellerinden alınıyor. bir de yasaklı yazar erich kastner okuttukları için. bizim aile bakanlığının bi tık farklısı gibi. yani rezillik diz boyu. abv demek az kalır. söve söve bitirdim kitabı. ha eskiden yine de demokratikleştiler ya, o da bişi derdim, filistin ve israil meselesinde durdukları yer aslında hiçbir şeyin değişmediğini bir kez daha gösteriyor. bizim gereon başını daha da belaya sokacak ilerleyen kitaplarda, o belli.
Großartiger 7. Teil der Reihe! Man erfährt etwas aus dem Vorleben des Johann Marlow und über Charlotte Raths Eltern. In Nürnberg ist Reichsparteitag und Friedrich Thormann, der Pflegesohn der Raths marschiert von Berlin dorthin mit. Der Kommissar nimmt aus Ermittlungsgründen teil. Wie der Titel schon sagt, geht es hauptsächlich um Marlow und seinen Sohn. Friedrich kommt wegen des Jugendamts in eine neue Pflegefamilie, da die Raths nicht nationalsozialistisch genug gesinnt sind. Die Handlung bleibt offen.
Seit dem letzten Band um Gereon und Charly Rath und ihren Pflegesohn Fritz ist inzwischen ein Jahr vergangen. Im Berlin des Jahres 1935 kommen Fahrer und Fahrgast eines Taxis ums Leben, als das Fahrzeug ungebremst in eine Mauer rast. Im Taxi werden höchst geheime Akten gefunden, und zur Verwunderung der Ermittler hat der unbekannte Fahrgast seine SS-Uniform in einem Schließfach zurückgelassen, ehe er in Zivil einer Frau einen Heiratsantrag machen wollte. Gereon Rath von der zentralen Mordinspektion steckt an der Unfallstelle spontan die Akten ein, frankiert sie später und versendet sie an den vorgesehenen Empfänger.
Im Privatleben der Raths leidet Charly noch immer darunter, dass sie ihr Referendariat als Anwältin abbrechen musste, weil im Nationalsozialismus für Frauen eine andere Rolle vorgesehen ist. Raths Ehefrau arbeitet nun halbtags als Anwaltssekretärin bei Blum und Scherer und stundenweise als Privatdetektivin für Gereons Ex-Chef Böhm. Dafür hätte sie ihre Karriere bei der Berliner Polizei nicht aufgeben müssen. Pflegesohn Fritz (Fritze), ehemaliges Straßenkind und im vorhergehenden Band 13 Jahre alt, geht völlig in der Gemeinschaft der Hitlerjugend auf und bereitet sich auf die Wanderung der HJ zum Reichsparteitag in Nürnberg vor. Der Vater seines besten Freundes setzt alles daran, den Jungen den Wert der Kameradschaft und der freien Natur näherzubringen. Charly sieht Fritzes Begeisterung für den Nationalsozialismus voller Sorge, Gereon dagegen nimmt das Problem auf die leichte Schulter. Auf die Auseinandersetzung mit einem Pubertierenden scheinen beide nicht vorbereitet zu sein.
Gereon hat sich unter den neuen Herren bisher noch durchmogeln können, ohne in die Partei einzutreten – fragt sich nur, wie lange noch. Bei der Kripo sieht sich Gereon damit konfrontiert, dass erfahrene jüdische Kollegen wie der vertraute Gerichtsmediziner zur Kündigung genötigt werden und der Nachwuchs außer einem Parteibuch nur geringe Qualifikationen mitbringt. Gereon selbst zeigt sich verärgert, dass er als Nicht-PM nur unspektakuläre Fälle wie den Taxi-Unfall zugeteilt bekommt. Er wird allerdings hellhörig, als Böhm von einem alten Fall berichtet mit verblüffenden Verbindungen zu den aktuellen Ereignissen. Für Böhm scheint diese längst geschlossene Akte ein „nasser Fisch“ zu sein, ein ungelöster Altfall. Gereon kann nicht ahnen, dass Böhms alter Fall auch Charlys verstorbenen Vater betrifft, über den sie ihm kaum etwas erzählt hat.
In einem weiteren Handlungsfaden bringt ein mecklenburgischer Gutsbesitzer 1918 eine Chinesin und ihr Kind aus Tsingtau mit nach Deutschland zurück und bringt beide im Dienstboten-Quartier des Gutes unter. Die ungewöhnlichen Ereignisse sind Auslöser einer verblüffenden Verbindung, die Rath Jahre später erst durchschauen wird.
Seit „Der nasse Fisch“, der 1929 spielt, hat Volker Kutschers Serie historischer Krimis Kultstatus entwickelt. Einen Zugezogenen aus Köln in Berlin ermitteln zu lassen, erwies sich dabei als höchst geschickt; denn von ihm wird niemand erwarten, dass er sich wie ein waschechter Berliner verhält. Neben Kutschers interessanten Schauplätzen fesselt mich besonders Raths Widersprüchlichkeit und Egozentrik. Als Staatsdiener erwartet er selbstverständlich, dass die Bürger der Polizei zu Diensten stehen, als Pflegevater eines Jugendlichen dagegen fühlt das Ehepaar Rath sich von der Fürsorgerin des Jugendamts unnötig drangsaliert. Gespannt bin ich, ob Rath in einem weiteren Band noch einsehen wird, dass normale Werktätige längst wirklich Not leiden, während sein Klagen, er müsse jeden Pfennig umdrehen, in seiner Position Jammern auf hohem Niveau ist.
Kutschers Plot vor authentischer Kulisse und mit populären Figuren der Zeitgeschichte ist mit mehreren Schauplätzen und Zeitebenen gewohnt komplex, könnte an einigen Stellen jedoch gestrafft werden. Sprachlich finde ich Kutschers siebten Band nicht herausragend. Anstatt die Innenwelt seiner Figuren angesichts der Herrschaft der Nationalsozialisten überzeugend zu beschreiben, zieht er sich als Erzähler zu oft und in zu abfälligem Ton mit dem Etikettieren durch Adjektive aus der Affäre. Detailreichtum ist hier leider kein Garant für Authentizität. Charlys Fotografieren und Entwickeln wäre besser gestrichen worden, wenn weder Autor noch Lektorat etwas davon verstehen. Das Hinwerfen einiger fachkundig klingender Verben genügt mir hier nicht.
1935 Germany, Berlin. The atmosphere of the time is well reproduced, however a crime thriller (or better to say, political intrigue) I found rather dubious than plausible.
Es geht nicht weiter im Morddezernat. Deshalb hat sich Oberkommissar Gereon Rath beim LKA beworben. Seinen letzen Fall will er unbedingt noch abschließen. Obwohl es sich auf den ersten Blick um einen Unfall handelte, gibt es einige Ungereimtheiten. Ein Taxi ist frontal und wohl in voller Absicht gegen eine Wand gefahren. Beide Insassen sind tot. Es erweist sich, dass der Taxifahrer sich anders verhalten hat als man es von ihm gewöhnt war. Und den anderen Fahrgast vermag man zunächst nicht zu identifizieren, doch bei diesem findet Rath etwas, das er lieber nicht gesehen hätte.
Im Jahr 1935 ermittelt Gereon Rath wieder. Im Morddezernat kommt er sich vor wie auf einem Abstellgleis. Ihm werden nur die Fälle zugeteilt, die die anderen nicht wollen. Seine Frau Charlie durfte ihr Jurastudium nicht fortsetzen, deshalb arbeitet sie als Anwaltsgehilfin in ihrer alten Kanzlei und zusätzlich als Privatdetektivin für den ehemaligen Polizisten Wilhelm Böhm. Der Pflegesohn der beiden ist gerade auf dem großen Marsch zum Parteitag. Immer mehr ist zu merken, dass sich das Leben verändert in Deutschland. Keiner scheint mehr sicher zu sein vor Bespitzelung und Verfolgung. Nicht einmal vor Kollegen wird da halt gemacht. Da muss man mit allem rechnen, besonders wenn man wie Gereon Rath nicht von einer Sache ablassen kann, wenn man erstmal die Spur aufgenommen hat.
Hat sich Rath diesmal zu weit vorgewagt? Es ist schon beklemmend, dass auch er nicht davor gefeit ist, von der Straße gepflückt zu werden, um befragt zu werden. Immer größer wird die Bedrängnis, die Erkenntnis, dass vorbei ist mit der Freiheit, mit unabhängigem Leben und einer Art der Berufsausübung, nach der man sich selbst noch im Spiegel anschauen kann. Der Überwachungsstaat durchdringt die Gesellschaft, die Düsternis wird immer vorherrschender. Perfide Mordmethoden harren ihrer Entdeckung. Nicht einmal mehr Gereon Rath schafft es, seine Augen vor den Ereignissen zu verschließen. Mit großer Anspannung und wachsender Bestürzung liest man von den Ereignissen, froh, in friedlicheren und freiheitlicheren Zeiten zu leben, in denen die Hoffnung besteht, dass Recht und Gesetz wenigstens einigermaßen funktionieren.
İkinci Dünya Savaşı'ndan hemen önce, Nazilerin Almanya'daki yükseliş dönemlerinde, tarih vermek gerekirse 1934-1935 arasında sonuçlanan bir polisiye öykü üzerine kurgulanmış bir roman. Başkomiser Gereon Rath'ın kriminal dairesinden Nazilerin özel olarak oluşturdukları bir üst çalışma grubuna terfi olacağı son haftadan başlıyor öykü. Başlangıçta artık bir kariyer yapmak arzusuyla beklediği bu terfi, kriminaldeki son haftasında çözmesi gereken ve sıradan bir trafik kazası gibi görünen ancak aslında daha derin bağlantılar ve kolaylıkla çözümlenemeyecek bir dizi karmaşık olayın fitilini ateşleyen bir macera nedeniyle artık istemediği ve yeni görevine adapte olamadığı bir sürece dönüşüyor. Eşi Charlotte'nin herkesten bir sır gibi sakladığı geçmişiyle ilgili bağlantıları da içeren bu son olay Gereon Rath'ın kariyerinde hiç beklemediği birtakım sonuçların biçimlenmesinde büyük rol oynuyor.
Bir polisiye romandan beklenen yüksek performansa sahip, anlatımı derin, karakterlerin kurguları ve olay örgüsü çok iyi çalışılmış bir eser. Yazarın bir seri olarak yayınladığı ve başkomiser Gereon Rath'ın başrolde olduğu vakaların 7. kitabı. İkinci Dünya Savaşı öncesi Almanya'nın, Nazilerin yükselişine ön ayak olan toplum yapısı, ülkedeki ekonomik açmazlar ve yüksek enflasyonla biçimlenen siyasi ve sosyal bozulma ve kirlenme, sayıları bir elin parmaklarını geçmeyen dürüst birkaç polis ve emekli polis (yeni detektif) tarafından her şeye rağmen adaletin yerini bulması için verilen çaba bütün canlılığıyla anlatılıyor romanda. Serinin ilk romanından başlamadığım için hayıflansam da (Gereon Rath karakterinin psikolojik kurgusunun ilk kitapta daha geniş ortaya konulduğunu düşünerek), iyi-kötü karşıtlığı tuzağına düşmeden, hatta kişisel problemleriyle ve ne yaptığını her zaman çok planlamayan, bazen burun kıvırabileceğimiz sürüklenmeleriyle bu sıradan başkomiserin gerçekçiliği en doğru kitaptan başladığımı bile düşündürdü sonunda. Yine de serinin baş kahramanının vurdumduymazlığını yaratan meseleler için ilk kitaplardan başlayarak okumak iyi olacak. Yaşamın içinden, iddiasız ama işini düzgün yapmaya çalışan insanların bir araya gelmiş olağan hikayeleri, olağanüstü koşullarda, Nazi Almanyası gibi toplumsal histerinin ayyuka çıktığı bir ortamda benzersiz bir maceraya dönüşebiliyor demek ki.
Uzun zamandır okurunun edebiyat zevkini yok saymayan, alengirli cinayet, soygun kurgusuna yoğunlaşıp diğer ayrıntıları atlamayan, üstünde dikkatle çalışılmış diyaloglarla zihni besleyen bir polisiye okumadığımı fark ettirdi bu kitap bana. Bu türü sevenlere kesinlikle tavsiye ederim.
Tolles Portait der Zeitgeschichte. Als Krimi allerdings wenig spannend, da der Roman nach dem Täter benannt ist und sich die Handlung eigentlich nur um die Frage dreht, welche Taten man ihm wie nachweisen kann.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Nach dem kleinen "Durchhänger" wieder zurück zur Fünf-Sterne-Bewertung.
Mein Gott, ich verschlinge diese Bücher zur Zeit ja gerade - so etwas ist mir lange nicht passiert. Hier passte für mich wieder alles, Handlung und historische Rahmenhandlung ergänzen sich perfekt und man fühlt mit Familie Rath, die wenig überraschend nicht gerade gute Zeiten durchmacht. Und Oberkommissar a.D. Böhm ist zurück!
Ich könnte ein wenig nörgeln, dass der titelgebende Bösewicht seinen "status gray" (ist er "böse" oder ist er "gut"), den er im letzten Buch verloren hat, nicht wiedergewinnt, aber eigentlich stört das nicht, lernt man doch erwartungsgemäß viel über seine Vergangenheit und die des geheimnisvollen Chinesen, der für ihn arbeitet.
Ich mag diese Reihe und dieses Buch wirklich sehr.
Sie wußte selber nicht, woher ihre schlechte Laune rührte. Aber zu sehen, wie das eigene Land, die eigene Stadt immer mehr zu Zerrbildern dessen wurden, was sie mal waren, das nahm sie mehr mit, als sie sich eingestehen wollte. Und Gereon hatte gar kein Verständnis dafür. (S. 92)
Kurz vor seinem Wechsel zum Landeskriminalamt wird Gereon Rath noch einmal zu einem Einsatz im alten Job gerufen. Ein Taxi ist gegen einen Brückenpfeiler gekracht, der Fahrer und sein Fahrgast sind ums Leben gekommen. Was zunächst nach Unfall aussieht, wirkt bei genauerem Hinsehen aber ziemlich suspekt, weil der Fahrer offenbar ungebremst gegen die Mauer gedonnert ist. Es gibt keine Hinweise auf technische Probleme am Auto, also muss es entweder Absicht oder menschliches Versagen gewesen sein. Dass es sich bei dem Fahrgast um einen SS-Offizier handelt, lässt die Alarmglocken läuten - und sie werden noch lauter, als Rath in der Aktenmappe des Toten brisante Papiere findet.
Indessen plant der Unterweltboss Johann Marlow seinen Ausstieg aus zwielichtigen Geschäften, zumindest offiziell will er sich aus allem Anrüchigen zurückziehen, um seine neuesten wichtigen Verbindungen nicht zu gefährden. Und während Rath mit Marlow nie wieder etwas zu tun haben wollte, bittet dessen Chauffeur und treuer Handlanger Liang ausgerechnet Charly, die jetzt als Teilzeitdetektivin arbeitet, weil sie als Frau keine Anwältin mehr werden darf, um Unterstützung.
Die braunen Machthaber treiben schon seit über zwei Jahren ihr ekelhaftes Unwesen in Deutschland, und ganz allmählich scheint auch Gereon Rath endlich zu begreifen, dass Charly mit ihrem Widerwillen gegen die Nazis nicht übertreibt. Alles liegt unter einer bedrückenden Wolke aus Misstrauen, immer schlimmer werdender antisemitischer Propaganda und dem Wissen, dass man gar nicht genug aufpassen kann, was man tut und sagt und wer es mitbekommt.
Rath begibt sich bei den Ermittlungen zu dem Taxiunglück auf sehr, sehr dünnes Eis und spielt mehr als einmal mit dem Feuer. Bei einem weniger versierten Autoren hätte das wahrscheinlich überzogen gewirkt, aber Kutscher ist ein echter Meister darin, die Handlung glaubwürdig in die historischen Hintergründe einzubetten und für höchste Spannung zu sorgen, ohne dass Rath zum albernen Superhelden mutieren muss. Er bleibt, wer er schon immer war, ein cleverer, mutiger, manchmal aber auch enervierend grenzwertig agierender Einzelgänger - kein Wunder, dass er Charly gelegentlich zum Wahnsinn treibt.
Ihren Part im Buch mochte ich auch sehr, auch, weil er zeigt, wie das Leben für fortschrittlich denkende Frauen schon so früh im Dritten Reich immer enger und schwerer wurde. Die Atmosphäre wird überhaupt von Band zu Band düsterer und beklemmender. Besonders eindrucksvoll im negativen Sinne war Raths Abstecher nach Nürnberg während des Reichsparteitages inklusive Verkündung der widerwärtigen "Nürnberger Gesetze".
Geschichtsunterricht zum Anfassen gepaart mit spannenden, politisch angehauchten Kriminalfällen ist eine Formel, die nicht immer aufgeht, aber Volker Kutscher hält auch im 7. Band das hohe Niveau aufrecht, selbst wenn ich Teilaspekte der Auflösung ein wenig konstruiert fand. Und ich bin unglaublich gespannt, wie es im nächsten Band mit den Raths beruflich wie privat weitergeht.
I finally got around to this latest installment in the long tale of Gereon and Charlotte Rath and how they manage to live through troubling times. The year is now 1935, the Nazis are in full power. Leni Riefenstahl produces her grandiose movies about the large-scale gatherings that the Nazis were so fond of. Gereon gets caught up in a Reichsparteitag in Nuremburg at one point during the book and we get a glimpse of how the author imagines ordinary people showing such enthusiasm for Hitler.
The Nazi regime and all it contains is not only a backdrop for the main story, but also a big part of it. Hermann Göring appears in the book, as does Rath's old "friend" Marlow. As this book is carrying the latter's name, the reader won't be surprised to learn more about Marlow and where he is coming from.
At the end Rath is caught up once more with evil people and we can only wait until the next book to see how his life in the 3rd Reich continues.
If you've followed the Rath books, this one will not disappoint.
Die Stimmung im 3. Reich mit Bespitzelung ist gut wiedergegeben. Die verschiedenen Handlungsstränge und Rückgriffe in die Vergangenheit erscheinen aber nicht immer sinnvoll
Definitiv einer der besten der ganzen Reihe (teilt Platz 1 mit Die Akte Vaterland^^) Aber Kutscher hat mir auch echt das Herz gebrochen mit so einigen Entscheidungen. Der Mordfall ist ziemlich spannend und geschickt mit Charlies Vergangenheit verknüpft, auch wenn ich finde, das diese in den bisherigen Bänden zu stark im Hintergrund war. Da hätte man hi und da schon mehr einstreuen können. Gleichzeitig gibt es so einiges Überraschendes über Johann Marlow, was ihn als Figur noch mal interessanter macht, bisher war ich bei ihm immer etwas hin und her gerissen. Aber schon im letzten Band bekam er ja immer mehr Profil. Und das setzte sich hier nun auf sehr besondere Weise fort. Gerade auch, das er von der "Neuen Zeit" profitiert und mit wem er dafür anbandelt, das passte ziemlich gut zur Figur. Der historischer Hintergrund ist bei Kutscher ja sowieso immer stark im Fokus und die Umsetzung hat mich dahingehend noch nie enttäuscht. Das war hier selbstverständlich nicht anders. Im Gegenteil, da auch die Raths immer stärker davon betroffen sind, versteht man tatsächlich umso besser, welche Tiefgreifenden unterschiedlichen Auswirkungen diese Zeit auf die deutsche Gesellschaft hatte.
Ein Gereon Rath, der zum ersten Mal anfängt sein eigenes Verhalten in Frage zu stellen und anfängt. stärker politisch zu denken. Das war sowieso längst überfällig, aber ich bin auch froh, das er seine Ambivalenzen trotzdem behalten darf^^ Gerade er hat sowieso einer der besten Szenen... Ich sage nur Gereon als Gast bei einem Bayrischen Dorfpolizisten...
Lasst euch diese tolle Reihe nicht entgehen! Wer historische Zusammenhänge und auch Mentalitäten dieser Zeit besser verstehen möchte, kann hier auf jedenfall die ein oder andere Antwort oder Anregungen zur eigenen Recherche finden.
Berlin, Sommer 1935. Die Nationalsozialisten haben Deutschland fest im Griff. Eine Tatsache, die in der Familie Rath unterschiedliche Gefühle hervorruft. Während Pflegesohn Fritze mit der HJ begeistert zum Reichsparteitag nach Nürnberg marschiert, steht vor allem Charlotte dem politischen Geschehen ablehnend gegenüber. Gereon kann sich zwar auch nicht so wirklich mit dem braunen Gedankengut anfreunden, versucht aber, wie es so seine Art ist, das Beste aus der Situation zu machen. Dienstlich bekommt Gereon es mit einem ungewöhnlichen Fall zu tun. Was zunächst wie ein Verkehrsunfall aussieht, entpuppt sich bald als perfides Mordkomplott. Und auch Charly wird als Privatdetektivin mit einem ungewöhnlichen Auftrag betraut.
Meine Meinung: Mir hat auch der siebte Fall von Gereon Rath wieder gut gefallen. Volker Kutscher hat es geschafft, einen ungewöhnlichen und spannenden Kriminalfall gekonnt in den historischen Hintergrund einzufügen und dabei auch wieder tiefe Einblicke in das Privatleben der Familie Rad zu geben. Genau diese Mischung machen die Krimis von Volker Kutscher so lesenswert, denn kein Teil kommt zu kurz. Nicht nur die Fälle an denen Gereon und Charly arbeiten fesseln den Leser, sondern auch die Geheimnisse und Sorgen die die Beiden zunächst vor einander verheimlichen. Ein dunkler Schatten liegt bereits drohend über der Familie. Gereon, der sich endlich von Doktor Marlow und seinen Machenschaften befreit hatte, gerät schon bald in die Fänge eines noch gefährlicheren Machtgefüges.
Fazit: Wieder ein spannender Fall vor historischer Kulisse für Gereon Rath und ich hoffe doch sehr, dass ich nicht allzu lange auf den nächsten Band warten muss!
Je weiter der Einfluss der Nazis voranschreitet, dass du unerträglicher werden diese Bücher und desto weniger möchte man den Protagonisten obsiegen lassen. Wenn jetzt auch noch die pseudointegere Ehefrau, die die ganze Zeit den moralapostel gespielt hat, die selbstjustiz ihres Gatten als unmöglich darstellt, wird es immer schlimmer. In diesem Fall kommt jetzt noch erschreckend hinzu, das mittlerweile auch nur noch fünf Leute in dieser Stadt leben, denn anders ist das Maß an Zufällen einfach nicht mehr möglich. Am Ende wird Gennert dann immer noch mit hineingezogen was auch ein Problem wird wenn der gar nicht mehr für Gereon Rath zuständig ist. Und dabei könnte die Marlow- Geschichte eigentlich richtig gut sein. Leider ist doch diese Figur im letzten Teil schon unerträglich gemacht worden, da kann er dann auch in dieser Folge von der Bildfläche verschwinden. Die Reihe geht weiter, mal gucken was der Nächste bringt....
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Gut, aber nicht herausragend. Als siebter Teil der Serie hier und da etwas kitschig, wenn man sich mit den Charakteren im Geiste verbrüdert hat. Immer noch deutlich besser als die Verfilmung.
Es tut mir leid, dass ich die Euphorie zur Gereon Rath-Reihe nicht teilen kann. "Marlow" ist mein drittes Buch aus der Reihe gewesen und ich habe mich eher durchgequält. Die Story zieht sich wie Kaugummi und der Spannungsbogen ist eher ein Geholpere auf relativ niedrigem Niveau. Was mich aber wirklich stört, ja fast abstößt, ist die Charakterentwicklung des Hauptprotagonisten. Gereon Rath hat sich zu einem wirklichen Unsympathen entwickelt, der eher lustlos seiner Arbeit nachgeht, aber ständig darüber lamentiert, nicht an die interessanten Fälle gelassen zu werden. Rangniedere Kollegen, besonders Schupos behandelt er grundsätzlich schlecht und man fragt sich, wieso überhaupt noch jemand mit diesem Miesepeter zusammenarbeiten will. Jahrelang lässt er sich von einem der übelsten Kriminellen Berlins schmieren, aber auch darüber wird gejammert. Dann lass es halt! möchte man andauernd rufen. Unlogisch sind viele Details: Da wird ein Gutshof (hallo? kein Gartenhäuschen!) abgefackelt und das geht ganz locker mit einem (!) Benzinkanister. Klar... auf dem Gutshof leben ja auch kaum Menschen und natürlich ersticken alle Personen im Gebäude brav ohne Mucks. Das Riesengebäude brennt bestimmt total in allen Stockwerken lichterloh mit den paar Spritzern Benzin. Da hätte man wohl mal eine/n Fachmann/frau fragen sollen. Was ebenfalls nervt, ist das ewige Gejammer um das zu knappe Geld. Da ist der Hauptverdiener (immerhin Oberkommisar), eine Frau, die zwei Teilzeitjobs hat (sicher dort kein Vermögen verdient, aber eben doch Geld nach Hause bringt) und für den Pflegesohn bekommen die Raths ja auch eine Entschädigung von der Stadt). Aber immer muss jeder Pfennig umgedreht werden, na klar. Was hat denn ein normaler Streifenbeamter gemacht, so mit zwei, drei Kindern? Da stimmt einfach der Background nicht. Das Ende kommt lieblos mit einem Rückblick, der für die Geschichte im Grunde völlig irrelevant ist. Wenn man ein Buch nicht abschließen will, sollte man so ehrlich sein und es als Band X kenntlich machen, so dass der Leser weiß, hier muss er noch ein weiteres Buch kaufen, um die losen Enden aufzulösen.
To już siódma cześć serii o Gereonie Rathie, znanej również jako Babilon Berlin. Zauważyłem że serial nakręcony na podstawie książek Volkera Kutschera staje się popularny a pierwsza jego książka, pierwszy tom serii został już przetłumaczony na język polski. Cieszy mnie to bo jest to na prawdę świetna seria. Ucieszyło mnie również to iż w Niemczech została wydana siódma cześć pt. „Marlow”. Akcja siódmej części toczy się w 1935 roku, dwa lata po całkowitym przecięciu władzy przez nazistow. Autor w świetny sposób w dość dokładnych szczegółach opisuje działanie nazistowskiego aparatu władzy oraz duch tamtych czasów. Gereon jest raczej bierny jeśli i akceptuje rzeczywistość która ma miejsce wokół niego. Zdarza się że znajdując się w tłumie wśród ludzi wiwatujących na cześć przywódcy salutuje i skanduje z resztą tłumu. Z drugiej strony salutowanie na cześć fuehrera było wymagane od funkcjonariuszy policji, nawet tej niepolitycznej dla której pracował Gereon. Charlie bardzo otwarcie wyraża swoje zdegustowanie dyktaturą nazistowską, ściąga na całą rodzine uwagę kuratorki urzędu do spraw rodzinnych i wszczęta jest procedura odebrania jej i Gereonowi praw rodzicielskich ze względu na niepaństwowe podejście do rodzicielstwa. Ich syn już otwarcie angażuje się w HJ, czuje nawet dużą więź z kamratami z HJ i nawet przez pewien czas czuje się lepiej w HJ niż w domu rodzinnym. Jak potoczą się losy rodziny Gereona i Charlie oraz ich syna? Czy kuratorka da rady odebrać im prawa rodzicielskie i zabrać syna na rzecz rodziny bardziej odpowiedniej która wychowa go w odpowiednim duchu politycznym? To jestem z wątków tej książki i na pewno trzyma w napięciu. Lubię właśnie społeczny, obyczajowy wymiar tej książki. Autor jeszcze lepiej niż w poprzednich częściach serii rozbudował właśnie wątek rodzinny głównych bohaterów. Jak dla mnie to spory plus. Ale przecież ta książka to w zasadzie kryminał. No właśnie. Na samym początku dochodzi do dość dziwnego samobójstwa a może właśnie morderstwa? Trudno powiedzieć, długo sprawa jest wyjaśniana przez Gereona. Śmiertelnie chory taksówkarz postanawia wjechać taksówka w której jest jeszcze pasażer z wielką prędkością w ścianę. Na miejscu ginie i taksówkarz i pasażer. Pasażer ma przy sobie tajne dokumenty prosto z ministerstwa bezpieczeństwa. Gereon zostaje uwikłany w polityczną intrygę i ociera się o policję polityczną, czyli SD, gestapo. Autor porusza w wątku kryminalnym dość ciekawe prawdziwe zjawisko które miało miejsce tuż po przejęciu władzy przez nazistow. Mianowicie prawdziwi bandyci, kryminaliści szybko przeorientowali się i włożyli na siebie czarne mundury nazistowskie aby robić karierę i oraz kontynuować ciemne interesy. Alians świata kryminalnego z nazistami miał miejsce, nawet chociażby dlatego aby zaopatrywać niektórych czołowych nazistow w narkotyki. Dodam jeszcze iż książkę przesłuchałem w formie audiobooka w świetnym wykonaniu Dawida Nathana. Bardzo dobra książka. Cieszę się już na następną część. Podobno ma ich w sumie być dziesięć.
Marlow ist eine kleine Stadt in Vorpommern. Von dort stammt ein Mann, der in der großen flirrenden Stadt Berlin sich einen Namen gemacht hat. Allerdings bleibt er möglichst im Hintergrund. Denn er hat viel in der Unterwelt zu sagen. Johann Marlow ist ein stiller Mensch. Aber das er Dreck am stecken hat, steht vollkommen außer Frage. Nur, kann es ihm niemand nachweisen. Er ist die Unterweltgröße, der man möglichst nur freundlich begegnet. Dieser Marlow eben, hat Gereon Rath in den letzten sechs Fällen immer wieder entweder geholfen oder ihm Stolpersteine in den Weg gelegt. In seinem siebten Fall ist es erst nicht klar, dass Marlow die Finger im Spiel hat: Es ist 1935. Die Gestapo macht sich immer mehr in Deutschland breit und einen unangenehmen Namen. Auch Gereon bleibt nicht davon verschont mit den Anhängern der neuen Regierung zusammen zu treffen. Er selber ist kein Freund der neuen Richtung und zuckt nur immer sehr verhalten mit dem Arm in die Luft, nuschelt den neuen deutschen Gruß. Gereon ist inzwischen zu einem Oberkommissar aufgestiegen und Charly seine Frau arbeitet als Anwaltsgehilfin und nebenbei als Detektivin. Als Frau bleibt ihr in dem neuen Deutschland die Arbeit als Anwältin verwehrt. Der Einzige, der seine wahre Freude hat, ist Fritz der Ziehsohn der Rath’s. Fritze zieht mit dem Jungvolk zu Fuß nach Nürnberg zum Parteitag. Gereon bekommt kurzfristig einen Verkehrsunfall aufs Auge gedrückt. Da ist ein Taxifahrer in der Yorkstraße in die Brücken gefahren. Dabei ist der Fahrer und sein Fahrgast ums Leben gekommen. Eigentlich gar nicht Rath’s Aufgabe einen Verkehrsunfall zu bearbeiten. Doch es stellt sich heraus, dass da noch mehr dran hängt. Der Insasse hatte einen Briefumschlag dabei in dem sich prekäre Papiere befanden. Außerdem schien der Fahrgast ein Doppelleben zu führen. Gereon gerät mal wieder in eine Ermittlung die spannend ist, er auf alte Bekannte trifft und natürlich wieder einmal Marlow. Die Bücher über den Kommissar machen mir immer wieder Spaß zu lesen. Inzwischen wurden schon die ersten Bände als Babylon Berlin verfilmt. Doch finde ich, dass die Filme nichts mit den eigentlichen Krimis zu tun haben. Sie sind angelehnt und ich war eher enttäuscht als begeistert. Dieser siebte Fall entschädigt mich. Schnell und unterhaltsam, habe ich das Buch inhaliert. Was mir auch gefallen hat, ist dass man einen Einblick in diese verquere Zeit bekommen hat. Die Familiengeschichte der Raths macht es nebenbei auch noch zu einer Geschichtsstunde, einer Milieustudie. Am Ende wird natürlich nicht alles gut. Denn es muss ja weiter gehen. Der Verkehrsunfall ist dann doch ein Mord und Marlow, … Ja was wird aus dem? Das nächste Buch Olympia, liegt hier jedenfalls auch schon auf meinem Reader.
Es ist 1935 in Volker Kutschers siebten Roman Marlow um Gereon Rath und die politischen Entwicklungen haben weiterhin Einfluss auf seine kleine Familie. Weil sie unter den Nazis nicht mehr Anwältin werden darf, arbeitet Charly als Anwaltsgehilfin und Privatdetektivin, Fritze marschiert mit der HJ zum Nürnberger Reichsparteitag und Rath ist zwar inzwischen Oberkommissar, aber mehr oder weniger kalt gestellt in seiner Abteilung. Als er mit der Aufklärung eines tödlichen Verkehrsunfalls betraut wird, entwickelt sich daraus mehr, als seine Vorgesetzten hatten ahnen können. Rath findet bei einem der Toten geheime Akten über Hermann Göring... Die Spuren führen wiederum zu Johann Marlow, mit dem Rath nie wieder etwas zu tun haben wollte, und zu dessen Handlanger Liang. Unerwartet tut sich auch noch eine sehr persönliche Verbindung zu Charly Vergangenheit auf. In Rückblenden erfährt der Leser etwas über Marlows und Liangs Geschichte, was den Titel dieses Bandes erklärt. Während Gereon in den vorangegangenen Bänden der Nazifizierung Deutschlands eher abwartend-beobachtend gegenüber stand und deswegen mit Charly in Auseinandersetzungen geriet, stößt ihn die Mentalität, der Rassenwahn und das militärische Gehabe immer stärker ab. Kuscher schildert, wie Rath beim Aufmarsch der HJ in Nürnberg von der Massenhysterie um den Führer mitgerissen wird, aber ihm dann körperlich übel wird aufgrund seiner eigenen Reaktionen. Er distanziert sich innerlich und wird äußerlich vom System immer mehr bedroht. Er wird verdächtigt, die Akten an sich genommen zu haben, er wird verhört und verfolgt, seine Wohnung wird durchsucht und abgehört. Seine Taktik, sich herauszuhalten, scheitert - sowohl an seinem Gewissen als auch an dem immer restriktiver werdenden System. Während Marlows Geschichte zu einem Endpunkt kommt, steht Gereon Rath vor einer ungewissen und stark veränderten Zukunft.
Weiterhin gelingt es Kutscher, die Veränderungen im Deutschland der 30er Jahre sehr atmosphärisch darzustellen. Seine Charaktere bleiben authentisch, sie sind verwirrt, zerrissen und zunehmend alternativlos. Der NS-Apparat ergreift Besitz von Deutschland, die Mechanismen des Systems mit Abschreckung und Bedrohung und das Versprechen von Wohlstand, gesellschaftlichem Aufstieg und Gemeinschaft funktionieren auf erschreckende Weise. Der Fall als solcher hat mich hingegen nicht so sehr fasziniert, er blieb durch die historische Figur Görings eher abstrakt als plausibel. Insgesamt bleibt Volker Kutschers Reihe auf hohem Niveau.
Kriminalromane, die guten jedenfalls, spiegeln uns die Gesellschaft und die Zeit, in der sie spielen. Für Volker Kutschers Gereon-Rath-Reihe trifft das unbedingt zu. Er nimmt uns in diesem siebten Band bei der Hand und zeigt uns das Berlin des Spätsommers 1935, unaufdringlich, ohne Exkurse und Belehrungen; da und dort sagt man „Ach, ja, richtig!“ oder „Schau an!“ und alles an Zeitumständen und Kolorit fügt sich ganz wunderbar in die Kriminalgeschichte. Am Ende haben wir uns spannend unterhalten und zudem ein besseres Verständnis für die Umstände der Zeit gewonnen.
Von den ganz normalen Leuten, die teils begeistert der Faszination Hitlers erliegen, teils sich in ihren Nischen der inneren Emigration einrichten, bis zu denen ganz oben, die intrigieren und sich bereichern und ihre Machtspielchen exerzieren. Ein sehr schön gezeichnetes Panorama jener Jahre, glaubwürdig und kundig. Volker Kutscher ist in den 30-ern inzwischen so zu Hause, dass er entspannt und locker erzählen kann, ohne sich in Zeitgeschichtlichem zu verkrampfen, und er hat es auch überhaupt nicht nötig mit seinem Detailwissen zu protzen. Das schaffen nicht viele.
Der Kriminalfall, den Gereon Rath aufzuklären hat, sieht anfangs nach einem ganz normalen Verkehrsunfall aus. Wobei es schon seltsam ist, dass ein Taxi ungebremst in eine Mauer rast. Zumal, wenn der Fahrgast beim Sicherheitsdienst der SS arbeitet und unter falschem Namen unterwegs ist zu einem Stelldichein.
Es gibt wenig auszusetzen an Plot und Umsetzung, vielleicht wird die Vorgeschichte vom Tod des Gefängniswärters Ritter und den Konsequenzen für Frau und Tochter (die kennen wir gut - es ist Charly, die Frau von Rath) etwas zu oft und zu ausgiebig breitgetreten, aber das ist jetzt Motzen auf hohem Niveau, ebenso wie mein Grummeln, dass die Auflösung der Marlow-Hintergrund-Geschichte schon bei der ersten Einblendung glasklar zu sehen war. Schön und gelungen fand ich dagegen die Einstreuung von Dialekt und regionaler Färbung - egal ob aus Berlin, Mittelfranken oder Westpreußen. Das kann er, der Kutscher, und es macht Spaß, es zu lesen.