Sie sind ein glückliches Paar. Ada und Yves haben sich für ein Kind entschieden, doch fürchten sie die Unvereinbarkeit von Liebe, Karriere und Erziehung. Deshalb nehmen sie am Prestigeprojekt des Weißen Schlosses teil, wo Leihmütter Kinder fremder Eltern austragen und aufziehen, alles sozusagen Bio und Fair Trade. Elternschaft ist hier Beruf, überwacht und gelenkt von einem alles kontrollierenden Apparat. Der Nachwuchs kann jederzeit besucht werden. Über neun Monate zeigt der Roman die beiden auf dem Weg zum eigenen Kind, folgt den Veränderungen ihres Selbstbilds und ihrer Beziehung. Im Stile von Kazuo Ishiguros »Alles, was wir geben mussten« stellen sich wichtige Fragen unserer Zeit in eigener Versuchsanordnung: Ab wann ist Bindung ein Verlust von Freiheit? Was ist Familie? Sind die tradierten Rollenbilder von Mutter und Vater verhandelbar? Spielerisch erreicht »Das Weiße Schloss« eine stilistische Größe sowie eine gedankliche Tiefe voller literarischer Verweise und Fragestellungen und wird so zu einem fulminanten Gewebe von transzendenter Leuchtkraft.
Um das weiße Schloss bin ich schon seit einer Weile geschlichen und habe ab und zu mal einen Blick durchs Fenster geworfen. Diese Einblicke klangen durchweg begeistert und so als würde das Buch intensive Gedankenprozesse anstoßen. Der Autor persönlich überreichte mir schließlich in Form eines Rezensionsexemplars den Schlüssel zum Schloss und so konnte ich endlich eintreten in die karge Welt von alternativen Familienkonzepten und Leihmütterschaften.
Das weiße Schloss ist Institution und Internat in einem. Es behaust sowohl Kinder aus künstlicher Befruchtung als auch die austragenden Leihmütter. Eine von ihnen ist Marie und sie soll das Kind von Ada und Yves zur Welt bringen, mit ihm auf dem Schloss leben und die vorher vereinbarten kulturellen und ethischen Einflüsse auf es ausüben, damit Ada und Yves hin und wieder zu Besuch kommen und sich ein ganzes Wochenende lang ausschließlich ihrem Kind widmen können. In der Zeit außerhalb des Schlosses widmet Yves sich seiner Kunst und Ada sich ihrer Karriere. Gemeinsam genießen sie ein kinderloses Leben ohne Einschränkungen, das neben ihren Berufen/Berufungen vor allem aus Wein, Spontanität und Sex besteht.
Gerade von letzterem gab es für meinen Geschmack zu viele Details und Szenen. Viel lieber hätte ich gewusst, wieso Ada in diesem unabhängigem Leben überhaupt ein Kind haben möchte. Bei Yves hat sich mir das noch mehr erschlossen, er wirkte der Familiengründung nie abgeneigt, aber in Ada habe ich nirgends einen Kinderwunsch gefunden und auch von gesellschaftlichem Druck, eine Familie gründen zu müssen, schien sie befreit. Wozu also das ganze? Nur um zu zeigen, wie egoistisch das Paar im Endeffekt ist (Kinder? Ja, gern, aber bitte ohne die Anstrengung und Verantwortung)? Um eine neue Art des Elternseins vorzustellen? Steckt darin dann wiederum die Kritik daran, dass heute so viele Menschen Eltern werden, ohne sich wirklich mit den dazugehörigen Kindern beschäftigen zu wollen?
Ich muss zugeben, ich habe vergeblich nach den erdbebengleichen Denkanstößen gesucht, die Rezensionen mir zuvor versprochen hatten, aber dafür kann der Roman ja nichts. Was er kann ist auf jeden Fall verschiedene Konstellationen von Familie darzustellen und Leser.innen selbst über deren Tauglichkeit entscheiden zu lassen. Das realisiert er auf kluge, distanzierte und kühle Art. Ada und Yves sind interessant zu beobachten, allerdings selten sympathisch. Der Schreibstil ist eine kleine Herausforderung: Er fließt gut und lässt durch seine gehobenen Formulierungen kein Abschweifen zu, verliert sich aber manchmal in pseudointellektuellen Erkenntnissen.
Inhaltlich wird mir manchmal zu viel zusammengefasst. Es gibt aktiv geschilderte Szenen, aber gerade über das Leben und den Alltag auf dem Weißen Schloss oder Adas Arbeit im Amt für Gesellschaftserweiterung wollte ich mehr Details und Informationen. Zurückhaltung über das Weiße Schloss ergibt Sinn, denn es geht ja genau darum, dass Ada und Yves ihr Leben außerhalb des Schlosses erhalten wollen. Das Amt für Gesellschaftserweiterung halte ich jedoch sogar für einen interessanteren Gedankenpool als das Thema der alternativen Familienkonzepte.
Es war spannend im und um das weiße Schloss, auch wenn ich die Gesellschaft dort nicht mit in mein Privatleben nehmen möchte. Es präsentiert definitiv unkonventionelle Herangehensweisen, von denen mir aber keiner so neu war, dass ich die Welt nach dem Lesen mit anderen Augen gesehen hätte.
"Die Großmütter hatten für das Jenseits gelebt. Die Mutter für ein Leben nach der Rente. Und Ada wollte in der Gegenwart leben." (Aus "Das weiße Schloss", S. 29)
–ein Buch über Elternschaft, über Beziehungen, über Hedonismus und darüber, was einem im Leben wichtig ist.
Meine Meinung: In diesem Buch stecken viele interessante Gedanken. Durch das dystopische Setting wird das große Thema des Romans – Kinder und Familie – von einer ganz anderen Seite beleuchtet. Was macht eigentlich eine Familie aus? Wozu Kinder haben, wenn man sie nicht bei einem wohnen, man sie nur selten sieht, sie nicht erzieht? Muss man sich immer entscheiden, zwischen dem eigenen Leben, der Karriere und einer Familie? Muss man sich für Kinder immer ein Stück weit selbst aufgeben? Was bedeutet es eigentlich, Vater/ Mutter zu sein? Das wird an dem Beispiel von Ada und Yves sehr schön veranschaulicht. Sie führen eine sehr intensive Beziehung, lieben sich, haben ein erfülltes Sexleben. Sie gehen voll auf in ihren jeweiligen Berufen. Ada arbeitet in einem Amt, das potentielle Kandidaten auswählt, die in ihr Land immigrieren dürfen, weil sie eine Bereicherung für die Gesellschaft wären. Yves ist Künstler und über eben jenes Programm in das Land gekommen. Das Land ist übrigens nicht genauer bezeichnet. Auch die Zeit in der die Geschichte spielt, ist nicht genau bekannt. Aber an einigen Fakten, die am Rande genannt werden, kann man schließen, dass es sich um eine Zeit in der Zukunft handelt. Da gibt es nämlich zum Beispiel die Organisation "Das weiße Schloss". In diesem Schloss leben Mütter, die man sich –wenn man das harte Auswahlverfahren übersteht– als Leihmutter für das eigene Kind buchen kann. Die Leihmutter trägt das Kind auf dem Schloss aus, während für sie und das Kind gut gesorgt wird. Alles ist auf Optimierung der Schwangerschaft ausgelegt. Es gibt einen auf Monat und Zustand der Mutter angepassten Ernährungsplan, Sport, Entspannung, zertifiziertes Material zur Stimulation der geistigen Fähigkeiten. Alles ist genau durchorganisiert. Das die Mütter glücklich sind, ist unglaublich wichtig. Nicht etwa um der Mütter selbst willen, sondern weil negativer Affekt Auswirkungen auf das ungeborene Kind hat. Aber mit der Geburt des Kindes ist die Aufgabe der Leihmutter noch nicht erfüllt. Denn auf Wunsch der zahlenden Eltern, kann das Kind auch weiterhin bei der Leihmutter auf dem Schloss leben und wird dort von der Leihmutter erzogen und versorgt. Die Eltern können so oft sie wollen zu Besuch auf das Schloss kommen und dort Zeit mit dem Kind verbringen. Das Thema Kinderwunscherfüllung wird hier als vollkommene Dienstleistung dargestellt. Von der Auswahl der geeigneten Leihmutter, über Befruchtung und Empfängnis bis hin zu Ernährung, Erziehung und Bildung. Ein weiterer Aspekt der betont wird, ist ein Finanzieller. Die Investition in die Bildung des Kindes ist gleichzeitig eine Altersabsicherung, da die Eltern per Vertrag zu "Teilhabern der späteren Verdienste des Kindes" erklärt werden. (S. 42) Für mich war das alles ein sehr abenteuerliches Konzept, wie ich finde. Da schossen mir beim Lesen sofort sehr viele Gedanken und Fragen durch den Kopf.
Als bei Yves und Ada das Thema Familienplanung aufkommt, ist schnell Das weiße Schloss im Gespräch. Denn eins weiß Ada ganz genau: sie will nicht sein wie ihre Schwester, die nur noch für ihre Familie lebt. Das Umsorgen der Familie und die Rolle als Mutter wird aus Adas Sicht als furchtbar eintönig, undankbar und kräftezehrend dargestellt. Das Konzept des Schlosses scheint Ada und Yves ideal: ein Kind haben, ohne den jugendlichen, hedonistischen Lifestyle aufgeben zu müssen. Weiterhin Sex und Alkohol, wann sie wollen. Ausschlafen, spontane Reisen und Ausflüge im Cabrio, in dem eh kein Platz für ein Kindersitz ist. Eine Familie, aber keine Verpflichtungen.
"Solange sie immer taten, wonach ihnen war, waren sie nicht langweilig, sondern selbstbestimmt." (Aus "Das weiße Schloss", S. 193)
Die Geschichte wird abwechselnd aus Adas und Yves Perspektive erzählt. Unterbrochen werden sie durch Einschübe, die sich alle in irgendeiner Art und Weise um das Thema Schwangerschaft und Familie drehen. Da geht es um Forscher, die den Prozess der Verschmelzung von Eizelle und Spermium entdeckt haben. Um die Entwicklung des Fötus im Mutterleib. Um philosophische Betrachtungen der Konzepte Mutterschaft und Familie. Diese Einschübe haben mir besonders gut gefallen, da ich einiges Neues gelernt habe und die Ergänzung zu der unterhaltenden Romanform sehr gelungen fand.
Generell hat mir das Thema des Romans und die Art und Weise, wie damit umgegangen wurde, sehr gut gefallen. Es wurde ein völlig neues Konzept von Elternschaft vorgestellt, ohne dem Leser/ der Leserin gleich eine Bewertung aufzudrängen. Vielmehr werden Fragen aufgeworfen. Gut fand ich auch, dass in dem Roman auch Platz war für "unbeliebte" Meinung, was das Thema Mutterschaft und Familie angeht. Dass es eben Frauen gibt, die sich das Leben mit einem Kind, ein Leben in der klassischen Mutterrolle nicht vorstellen können. Dass es auch Mütter gibt, die mit ihrer Rolle als Mutter unglücklich sind, die überfordert sind. Die ihrem alten Leben mit den vielen Freiheiten manchmal nachtrauern. Das ein Kind das Leben nicht nur bereichert, sondern eben auch Einschränkungen und viele Umstellungen mit sich bringt. Für all diese oft eher verschwiegenen oder beschämt hervorgebrachten Themen ist Platz in dem Roman. Das hat mir sehr gefallen.
Insgesamt hatte ich aber dennoch so meine Schwierigkeiten mit dem Roman. Der Schreibstil hat mir nicht so gut gefallen. Ich fand ihn oft unnötig kompliziert und teilweise kam es mir irgendwie etwas prätentiös vor. Auch mit den Charakteren wurde ich nicht so richtig warm und es blieb die ganze Zeit über eine gewisse Distanz bestehen. Das kann vom Autor durchaus so gewollt gewesen sein, hat es mir aber beim Lesen dennoch schwieriger gemacht, mich von der Geschichte packen zu lassen und sie wirklich begierig zu lesen.
Fazit: Ein sehr interessantes Buch mit vielen Gedanken zum Thema Elternschaft und wie diese das eigene Leben, die Beziehung verändert. Mich hat es leider nicht ganz begeistern können, weil mir der Schreibstil nicht so gut gefallen hat und ich mit den Charakteren nicht warm wurde. Ich habe das Buch dennoch gern gelesen, weil es mir so viele Gedankenanstöße geliefert hat und mich einen ganz neuen Blick auf das Konzept von Elternschaft hat werfen lassen.
Ada und Yves leben in einer Modellsiedlung. Eine autofreie Grasdachsiedlung mit Komposttoiletten hätte ich mir gern vorgestellt, würde Ada nicht im Cabrio unterwegs sein. Das Paar ist in einem besonderen Auswahlverfahren erwählt worden, ihr Kind von einer Leihmutter zur Welt bringen zu lassen und es von ihr anschließend im Weißen Schloss aufziehen zu lassen. Die Tragemütter versorgen die Kinder normalerweise vier Jahre lang, Ada und Yves haben jedoch 6 Jahre gebucht. Kinder, die hier implantiert und geboren werden, werden einmal drei Elternteile haben.
Ada ist gelernte Marketing-Fachfrau und arbeitet als „Nadelöhrlady“ im Amt für Gesellschaftserweiterung. Vermutlich entscheidet sie über Einwanderungsanträge, und sie sucht selbst aktiv Menschen, die in die schöne utopische Welt des Christian Dittloff passen würden. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Suche nach neuen Zeugungsmethoden und Konzepten von Elternschaft. Maria, die Tragemutter, wurde sorgfältig ausgewählt, passend zu einem Bildhauer und Restaurator als Vater des geplanten Kindes.
Eingeschoben sind kurze Kapitel u. a. über Oscar Hertwig, der vor 100 Jahren wichtige Erkenntnisse zum Befruchtungsvorgang gewonnen hat, über eine Kinderwunschklinik in der Ukraine (wo Leihmutterschaft und Eizellspende anders als in Deutschland erlaubt sind) und über die englische Mathematikerin Ada Lovelace. Die Figur der Ada Lovelace wirft die Frage auf, ob unsere Welt heute eine andere wäre, wenn Lovelace keine Kinder gehabt und nicht bereits mit 36 Jahren verstorben wäre.
Christian Dittloff entwickelt mit Focus auf das Elternpaar ein Szenario, in dem einige wohlhabende Eltern Schwangerschaft und erste Lebensjahre ihres Kindes so perfekt wie möglich optimieren, komplett an Hilfskräfte auslagern und dafür hohe Kosten zu tragen bereit sind. Ein Reproduktionstourismus scheint unausweichlich, ebenso die Ausbeutung von Frauen, die als Tragemutter ihren Lebensunterhalt verdienen. Yves ist es, der darüber nachdenkt, ob die Tragemutter, die sie gebucht haben, sich ihr Leben wirklich so vorgestellt hat. Wer Adas und Yves Weg zur Elternschaft folgt, könnte sich fragen, warum sie überhaupt ein Kind wollen. Weil sie es sich finanziell leisten können – oder ist es ein weiteres Lifestyleprojekt? Ihre Motive und die mit Kinderwunsch verbundenen Emotionen fand ich etwas zu karg dargestellt, so dass ich im Roman lange keine Spannungskurve ausmachen konnte. Der Auftritt von Nebenfiguren ließ die Spannung leicht anziehen; denn an Adas Arbeitsplatz muss auch darüber entschieden werden, ob Frauen im reproduktionsfähigen Alter eingestellt werden sollen. Lebensentwürfe, wie wir sie kennen, wirken in Adas Biotop altmodisch, sie werden bei Adas Schwester und dem Paar im Nachbarhaus angedeutet.
Dittloffs Utopie lenkt den Blick auf die verschleiernde Wirkung von Euphemismen; z. B. mit den Begriffen Leihmutter/Tragemutter. Seine Sprache wirkt streckenweise sehr sperrig, wenn sich Figuren sogar in der wörtlichen Rede höchst gewählt ausdrücken. Diese Sprache verbirgt Emotionen, die wir in der Gegenwart von werdenden Eltern gewohnt sind, und rundet damit das Bild einer Generation im Optimierungswahn ab. Wer einige Titel aus Dittloffs Literaturverzeichnis kennt, wird nicht nur deren Einfluss auf den Roman erkennen, sondern auch die Grenze zwischen Utopie und Realität. Trotz des fehlenden Spannungsbogens fand ich in seiner Utopie eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit Mutterschaft, Elternschaft und den Grenzen des Möglichen.
Ada und Yves haben sich ein Leben aufgebaut, das sie erfüllt. Er ist Künstler, sie hat eine anspruchsvolle Position bei der Einwanderungsbehörde. Sie sind glücklich miteinander, haben ein schönes Haus, reisen gern, führen gute Gesprächen und haben großartigen Sex. Dennoch ist da der Wunsch nach einem Kind. Ada sieht allerdings, wie sehr ihre Schwester, eine zweifache Mutter, gezwungen ist, ihr Leben an ihre Kinder anzupassen. Ada hingegen möchte ihre Unabhängigkeit nicht einbüßen. Eine Lösung scheint das Weiße Schloss zu bieten, eine Institution, die es Paaren und Singles erlaubt, ihre Kinder von Leihmüttern austragen und auch die ersten Jahre aufziehen zu lassen. Diese Leihmütter werden gut für ihre Care Arbeit entlohnt und auf dem Weißen Schloss wird alles für sie und die Kinder getan. Ada hat das Gefühl, dass sie nicht in der Lage wäre, ihrem Kind allein so viel zu bieten. Auch ihre Chefin ist von der Möglichkeit begeistert, bleibt ihr Ada doch so als Mitarbeiterin erhalten. Dittloff entwirft in seinem Roman ein Gedankenexperiment, dem er mit großem Einfühlungsvermögen nachspürt, immer ganz nah an den Figuren, durch deren Sicht wir die Situation erleben. Ada ist eine einfühlsame und reflektierte Frau, der bewusst ist, welche Doppelrollen Müttern abverlangt werden und die sehr genau überlegt, wie sie ihr eigenes Leben gestalten möchte. " Das weiße Schloss" ist keine Dystopie, regt aber sehr zum Nachdenken an über eine Gesellschaft in der Familien oft an die Grenzen der Überforderung und auch darüber hinaus getrieben werden. erade zur Zeit von Covid und den damit verbundenen lockdowns wieder ein aktuelles Thema. Ich würde mir wünschen, dass mehr über diesen Roman gesprochen werden würde. Nicht über Adas Entscheidung und deren Berechtigung, sondern eher über die Frage welche Grenzen und Möglichkeiten es für Familien heutzutage gibt, welche Modelle Entlastungbringen könnten. Ein Roman, der wie "Niemehrzeit" zum Reflektieren über die eigene Situation einlädt. Mitreißend und beeindruckend klug erzählt, lotet Dittloffs erster Roman ganz verschiedene Aspekte des Mutterseins aus. Extrem spannend auch die Einschübe, die sich unter anderem mit Fruchtbarkeitskliniken in der Ukraine oder der Forschung zur Entstehung von Leben beschäftigen. Sprachlich virtuos und erfrischend lebensnah. Ein Roman, der mich schon sehr lange beschäftigt und den ich mehrmals gelesen habe. Für mich ist der Roman eine große Bereicherung.
"Das Weisse Schloss" von Christian Dittloff dreht sich um ein Paar mit Kinderwunsch. Ada arbeitet bei der Einwanderungsbehörde und selektiert Personen, die die Gesellschaft aufwerten; Yves ist ein Künstler, der auf diesem Weg ins Land kam. Ihren Kinderwunsch möchten sie sich nicht auf dem "normalen" Weg erfüllen: Auf dem Weissen Schloss kaufen sie sich eine Leihmutter, die das Kind nicht nur austrägt, sondern es auch während der ersten Jahre erzieht. Die "Eltern" können es ab und zu besuchen und ansonsten ihrem übrigen Lebensentwurf in Ruhe weiter nachgehen.
Ich hatte mir von dem Roman einige kritische beziehungsweise anregende Gedanken zum Konzept Elternschaft erhofft. Die Figuren, insbesondere Ada, sind aber so dermassen unsympathisch und selbstbezogen, dass es vermutlich in denselben Vorwürfen endet, mit denen Eltern, insbesondere Mütter, sich heute sowieso schon konfrontiert sehen. Unliebsame Gedanken werden nur oberflächlich angesprochen und nicht ausgeführt. Das hilft im Endeffekt keinem.
Ganz nett fand ich dafür die eingeschobenen Abschnitte über historische Personen, die in irgendeiner Form zur heutigen Reproduktionsmedizin beigetragen haben. Immerhin noch ein paar Fakten gelernt.
For some reason i didn't think I'd like this. I got it due to a rather sad story - one of the oldest bookshops in town had to shut down and sold off everything half price, this was the only thing left that intrigued me enough - so I thought I might just well give it a shot (German hardbacks are so expensive otherwise).
Of course due to the topic I should have been a little cautious about explicit content and it was in fact more than I'd like to know about, thank you very much; also the writing was a bit laboured at times. Regardless, and especially for a debut, I was surprised how easily the story flowed and incorporated all sorts of interesting substories and many many many ethic questions that I will still gnaw on tonight in my head. Pretty well written and a positive surprise.
Vviele interessante Gedanken zu den Themen Kinder, Familie & Fortpflanzung. Durch das dystopische Setting werden verschiedene Aspekte beleuchtet. Zusätzlich werden geschichtliche Anekdoten zu Fortpflanzung und Elternschaft angesprochen und eher essayistisch verarbeitet.
Die Protagonisten sind austauschbar, Handlung eher wenig vorhanden.
Ada und Yves sind ein glückliches Paar, sie lieben sich und wünschen sich ein Kind zusammen, wollen dafür jedoch nicht ihr Leben aufgeben. Wie praktisch, dass es das Weiße Schloss gibt. Dort tragen Leihmütter die Kinder anderer Leute aus. Doch damit nicht genug, die Leihmütter ziehen die Kinder auch dort groß, die eigentlichen Eltern sieht es nur beim monatlichen Besuch.
Ada und Yves aber auch das ganze Konzept erschließt sich mir nicht. Was haben die vermeintlichen Eltern davon, absichtlich ein Kind in die Welt zu setzen, das sie dann doch abgeben? Ab wann gehört das Kind nicht mehr zur Leihmutter sondern zu seinen biologischen Eltern? Oder sieht das Kind alle drei als Eltern an? Die Regeln des Weißen Schlosses blieben mir zu undurchsichtig. Das Kind scheint für mich eher nebensächlich zu sein bei der Idee des Weißen Schlosses, es geht mehr um den Gedanken ein Lebewesen in die Welt zu setzen, etwas aus den eigenen Genen entstehen zu lassen, Selbstverwirklichung der Eltern ohne an das Kind selbst oder seine Bedürfnisse zu denken. "Eltern? Das sind die anderen!" aber nicht Ada und Yves, die ihr zügelloses Leben ausleben und sich darin sonnen, was sie alles tun können, da sich jemand anders um ihr Kind und die Schwangerschaft kümmert.
Dittloff spricht nicht nur das Thema Geburt und Schwangerschaft an, sondern auch andere Themen, die durchaus diskussionswürdig sind. Doch leider gingen sie für mich in dem ewigen Schwelgen in sich selbst von Ada und Yves unter. Die Hauptstory wird immer wieder unterbrochen von Zwischensequenzen deren Sinn ich leider nicht ganz ergründen konnte. Ich konnte nicht wirklich einen Zusammenhang zur eigentlichen Handlung herstellen, außer dass alle irgendetwas mit dem Thema Fortpflanzung zu tun haben zu scheinen. Doch dabei wirkten sie eher wie zusammengewürfelte Fundstücke als wie eine Bereicherung für das Buch.
Sprache und Schreibstil sind prinzipiell gut, alles lässt sich flüssig lesen. Doch Dittloff schafft es leider nicht, mir verständlich zu machen, was er sagen möchte. Das ganze Konzept der Gesellschaft in der Ada und Yves leben (waren hier dystopische Züge angedacht? Ich konnte es nicht ganz einordnen.) und ihres Lebens hat sich mir nicht erschlossen. Insbesondere Ada und Yves selbst konnten mich gegen Ende des Buches zunehmend nicht mehr überzeugen, da mir ihr Handeln dem vorherigen zu sehr widersprach. Durch die Erzählperspektive blieb mir das Weiße Schloss und alles drumherum etwas zu oberflächlich, hier hätten tiefere Einblicke der Geschichte vielleicht gut getan.
Abschließend bleibt "Das Weiße Schloss" für mich ein Buch mit guten Ideen und solidem Schreibstil das leider viel Potential verschenkt.
Uff! Was Christian Dittloff alles in seinen Debutroman gepackt hat, hinterlässt mich etwas sprachlos. Er schreibt in "Das weiße Schloss" über Ada und Yves, die sich entscheiden, ihr Kind von einer Tragemutter austragen und erziehen zu lassen. Der Roman begleitet sie neun Monate lang, beobachtet sie als Paar und als Individuen. Außerdem webt Christian Dittloff dazwischen historische und philosophische Kapitel über Elternsein, die biologische Kindsentwicklung und ähnliches ein. Das alles ergibt ein intellektuelles, hoch spannendes Gesamtkonstrukt mit vielen aktuellen Fragen. Große Leseempfehlung!
Ich bin sehr unschlüssig gewesen wie ich diesen Roman bewerten soll. Der Klappentext und die Thematik generell haben mich sehr neugierig gemacht, außerdem gefällt mir der Sprachstil und der Wechsel der Perspektiven in der Erzählstruktur sehr. Bis zu den letzten Seiten bin ich den Geschehnissen interessiert gefolgt, wurde überrascht und wollte weiterlesen. Leider endet der Roman für mich abrupt und an einer mir unverständlichen Stelle.
Der Roman wirft viele moralische Fragen auf, die zum Nachdenken anregen. Jedoch werden für die Geschichte notwendige Fragen nicht final geklärt.
Viel intellektuelle Politur, reichlich wenig Emotion - rund um ein Paar, dass sich den Elternwunsch über ein Leihmutter-Angebot erfüllen will. Wirkt schrecklich konstruiert, referenziert in Einschüben Klassiker wie Aristoteles, Rousseau oder Zola - verknüpft deren Gedanken mit der Situation seiner Figuren. Als intellektuelle Übung kann man das gut finden - als Roman empfinde ich das etwas verstiegen und sehr künstlich.
3,5. Liest sich sehr flüssig und schnell. Relevante, interessante Reflexionen und geschichtliche Anekdoten zu Fortpflanzung und Elternschaft. Eher essayistisch interessant. Angenehm dystopisch. Protagonisten wohl bewusst austauschbar und glatt, unsympathisch.