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Bruder und Schwester Lenobel

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Im Mai mailt Hanna an ihre Schwägerin in Dublin: Komm, dein Bruder wird verrückt! Zwei Tage später landet Jetti Lenobel in Wien – und Robert ist verschwunden. Doch Jetti glaubt nicht daran, dass der Bruder verrückt geworden ist. Sie kennt ihre sehr ungewöhnliche jüdische Familie. In der ist immer mit allem zu rechnen. Dann kommt die Nachricht des Bruders: „Ich bitte dich, dass Du mit niemandem darüber sprichst!!! Ich will es so. Ich bin in Israel, dem Land der Väter. Aber an die Väter denke ich nicht.“
In den merkwürdigen, verschlungenen Lebensläufen der Geschwister Jetti und Robert, seiner Frau, ihrer Kinder und Freunde, erzählt Köhlmeier packend von dem, was jeder sein Leben lang mit sich trägt.

544 pages, Hardcover

First published August 20, 2018

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About the author

Michael Köhlmeier

108 books119 followers
Michael Johannes Maria Köhlmeier ist ein österreichischer Schriftsteller, Musiker und Moderator.
Er lebt als freier Schriftsteller in Hohenems und Wien.

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Community Reviews

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Displaying 1 - 7 of 7 reviews
Profile Image for JoBerlin.
359 reviews40 followers
October 5, 2018
Michael Köhlmeier kann schreiben, wir wissen das und natürlich gilt das auch für seinen Roman „Bruder und Schwester Lenobel“ --- allerdings nur für die wunderbaren Märchen, die er seinen Kapiteln voranstellt.
Die sind brillant im Duktus der Kinder- und Hausmärchen formuliert, toll zu lesen, kurz, prägnant. Es geht dabei nicht um Grimmsche Belehrungen wie „du sollst nicht lügen“ oder „du sollst nicht hochmütig sein“ - Köhlmeiers Kurzprosa verweigert Deutung und Absicht und genau das macht ihren Charme aus. Märchen sind sein Faible, mehrere Bücher hat er dazu publiziert, im Fernsehen und Radio hat er sie vorgetragen.

Der Rest des Romans (also rund 500 Seiten!) ist misslungen. Wesentlich zu lang, zerfasert die Geschichte der Geschwister Lenobel und dem angrenzenden Buchpersonal. Sie sind hauptsächlich mit Luxusproblemen des gehobenen Bürgertums beschäftigt - soll ich nach Wien ziehen, welchen Mann / Frau liebe ich nun eigentlich, soll ich eine Agentur aufmachen, das abgebrochenes Studium, die depressive Mutter. Dazu noch zeitgemäß-bekannte Diskussionsthemen wie Stalking, Missbrauch, queere Wohngemeinschaft - you name it – das alles im Höchstmaß ausgebreitet führt in kürzester Zeit zu einem fürchterlichen Überdruss. Jedesmal wenn es im Buch heißt „ich erzähle nun die ganze Geschichte“ (und das kommt häufig vor), zucke ich zusammen und möchte laut rufen „ach bitte nicht, verschone uns mit noch mehr Langweilereien". Denn Michael Köhlmeier gelingt es zu keiner Zeit, Empathie oder weitergehendes Interesse für seine Protagonisten zu entfachen. Dumpf und gequält blättern wir uns durch den zähfließenden Brei. Töpflein steh - Büchlein geh.
Profile Image for Johann Guenther.
808 reviews28 followers
August 22, 2021
KÖHLMEIER, Michael: „Bruder und Schwester Lenobel“, München 2020
Ein sehr langatmiges Werk. Über 500 Seiten braucht der Autor, um das Seelenleben von Bruder und Schwester und der Ehefrau des Bruders zu beschreiben. Weit entfernt er sich oft vom Leitthema und lässt den „Bruder“, der von Beruf Psychiater ist, eine Wand am Naschmarkt streichen. Er zahlt den dort engagierten Anstreicher, dass er ihm diese Arbeit machen lässt. Sie tauschen die Kleidung und den Stundenlohn bekommt der pausierende Maler. Sehr detailliert wird diese Szene beschrieben. Es ist dies nur ein Beispiel des Abdriftens vom Thema.
Zum Thema selbst: Die Schwester des Psychiaters, des Bruders wohnt in Irland. Sie ist eine weit gereiste Frau, die schon oft in ihrem Leben übersiedelt ist. Ganz anders der Bruder. Außer einer Hochzeitsreise nach den USA kam er noch nicht herum. Plötzlich ist er verschwunden. Die Schwägerin ruft die Schwester zu Hilfe. Sie kommt aus Dublin angereist nach Wien.
Vom Bruder erfährt man als Leser - aus einem Dialog mit seinem Freund - von seiner großen Liebe, einem Seitensprung, den er erst mit über 50 Jahren erlebte.
Zwar sind die beiden Geschwister – der Bruder und die Schwester Lenobel – die Hauptpersonen des Romans, aber es kommt auch deren Umgebung zu Wort: ein Freund der Familie, die Kinder und deren Freunde. So zieht sich die Geschichte über viele Menschenschicksale hin. Der Vater wird wieder „gesichtet“. Er ist als Halbjude nach Israel ausgewandert, wo er aber nicht Fuß fassen konnte. „Das war er: ein weitgereister Jude, der keine Sprache verstand außer der seinen und keine andere sprach, nicht einmal die Allerweltsprache. Und warum nicht? Weil er nicht aus unser aller Welt kam? Eine Prüfung, Hebräisch von Arabisch zu unterscheiden, hätte er nicht bestanden.“ (Seite 539)
Um die Qualität des Schriftstellerischen darzustellen, möchte ich hier einen kleinen Diskurs über die Zeit wiedergeben (und selbst das ist nur ein kurzer Auszug aus einem wesentlich Größeren): „Man bildet sich ein, man merkt auch wie die Zeit vergeht, aber das ist eine Illusion. Die Zeit versteckt sich hinter den Dingen, mit denen sie angefüllt wird, und wenn wir sagen, die Zeit vergeht mehr oder weniger schnell, sprechen wir in Wahrheit nicht von der Zeit, sondern von den Dingen, mit denen wir sie ausfüllen, die uns mehr oder weniger interessieren. Die Zeit für sich ist Langeweile. Sie ist ein unendlicher Schwindel, im doppelten Sinn des Wortes….“ (Seite 345)
Die Geschichte verzweigt sich auf ihren über 500 Seiten in einen breiten Stammbaum. Alles ist großartig beschrieben. Beim Lesen kamen mir Zweifel. Ist es möglich, dass ein Mann, ein Schriftsteller, soviel schreiben kann? Fast jedes Jahr kommt ein Buch in diesem Umfang. Oder hat er eine Schreibwerkstatt, wie früher Maler, die das Thema eines Bildes vorgaben und dann bestimmte Details ihren Gesellen malen ließen. Ein Kollege von mir hatte Wildwestromane – sogenannte „Schundheftl“ – geschrieben. Sein Auftraggeber setzte immer kurze Fristen. Um den Abgabetermin einzuhalten, schrieb er Tag und Nacht und seine Frau half ihm dabei. Er begann so einen Roman und bat seine Frau mit Seite 20 einen Reiter zu beschreiben, der durch eine Steppe reitet. Er endete auf der Seite 19 mit dem Erreichen dieser Steppe. So schrieb er, in Zeiten ohne Computer, in einem versetzten Modus. Hat auch Köhlmeier solche „Mitschreiber“? Zumindest deren Niveau ist hoch, so wie das des Meisters Köhlmeier.
Profile Image for Patricia.
8 reviews
December 21, 2018
Im Gegensatz zu den meisten bisherigen Bewertungen hat mir dieses Buch ausgezeichnet gefallen, um nicht sogar zu sagen besser als frühere Werke des Autors.

Unter dem „Vorwand“ des Verschwindens des Robert Lenobel gibt der Autor allen Charakteren einer Familie die Bühne, um sich und ihre Lebensmotive und -fragen darzustellen und vor sich zu entwickeln. Als Leser erlebt man dabei den Lebensweg und Wendepunkt, an dem die Figuren auf unterschiedliche Weise ein gewisses Maß an Selbsterkenntnis Erlangen und sich in einer Situation befinden, in der Sie sich in Ihrem Leben neu orientieren müssen. Der Prozess ist unterhaltsam und mit Leichtigkeit zu verfolgen & stellt kleinere und größere Fragen, vor denen jeder Mensch zuweilen steht (und die Augen verschließt). In dem Sinne entwickeln sich nicht bloß die Figuren sondern auch der Lesers. Verwoben in die Geschichte bleibt das märchenhafte.

Für all jene, die nicht bloß ein unterhaltsames Buch lesen wollen, sondern durch die Reflexion der Figuren neue Betrachtungsweisen über das Leben und das allzu menschliche (Fehl-)Verhalten Erlangen wollen ein absolutes Muss.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Kathrin (la_chienne).
64 reviews22 followers
November 30, 2020
Der Psychiater Robert Lenobel ist überraschend verschwunden. Seine Gattin erstattet deshalb eine Vermisstenanzeige und bittet Roberts Schwester Jetti von Dublin nach Wien zu kommen, um ihr beizustehen.

Fortlaufend taucht man ab da in die Familiengeschichte der Lenobels ein. Jetti, eine unabhängige Frau, die ihre Wohnorte, ihre Berufe und ihre Liebhaber ständig wechselt, charakterisiert ihren Bruder als einen "berechenbar unberechenbarer Mensch". Auch alle anderen auftretenden Figuren sind jeder auf seine Art sehr speziell und dadurch auch sehr interessant. Die Geschichte selbst wirft letztendlich mehr Fragen auf, als sie beantwortet und lässt dem Leser viel Platz für eigene Interpretationen.

Jedes Kapitel wird, was mir sehr gut gefällt, durch ein Märchen eingeleitet. Allerdings sind es brutale, verstörende Geschichten, aber doch durchaus passend.

Einige Wörter musste ich beim Lesen nachschlagen wie z. B. nachtmahlen (Was für ein schönes Wort! ♡), perlustrieren, ausfürben, Glumpert und Punzierung. 🙈
Profile Image for Hanna.
647 reviews85 followers
March 5, 2019
Das Michael Köhlmeier hervorragend schreiben kann, das beweist er auch mit diesem Roman erneut. Sprachlich und erzählerisch ist Bruder und Schwester Lenobel sehr gelungen. Die Figuren mögen einem nicht hunderprozentig sympathisch sein (Hanna und Robert fand ich unerträglich), aber sie sind unfassbar lebendig.
Leider verfängt sich der Roman für mich zu oft in philosophischen Gedankenspielen und das Ende war mir gar zu abrupt. In dieser Hinsicht ist das Buch dann fast schon wieder aus dem Leben gegriffen, denn auch dort gibt es ja bekanntlich nicht für jedes Erlebnis eine sinnhafte Erklärung. Als Leserin lässt einen das nach 540 Seiten aber dann doch ein wenig enttäuscht zurück.
Profile Image for Otto.
750 reviews50 followers
November 17, 2018
Ein Psychoanalytiker jüdischer Herkunft, seine Frau, Teilhaberin an einer jüdischen Buchhandlung, selbst nicht jüdisch, die Schwester des Analytikers, sein bester Freund, ein Schriftsteller, das sind die Hauptpersonen des Romans. Jüdischsein, Sein allgemein, Beziehungsproblematiken, Bindungsstörungen, all das bearbeitet Köhlmeier in seinem Roman. Am besten haben mir die, die einzelnen Kapitel einleitenden, Märchen (vom Autor erfunden?) gefallen, enigmatisch, grausam, beunruhigend.
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