Mit "Weltenzerstörer" erscheint nach "Der Spiegel" zum 2. Mal eine Novelle im Heyne Verlag, offenbar auch um die enorme Popularität von Cixin Liu zu nutzen und um das Warten auf den 3. Teil seiner Trisolaris-Trilogie zu verkürzen. In dieser Novelle wird auf 71 Seiten, kurz und schnörkellos die Geschichte des Erstkontakts mit zwei verschiedenen Spezies und deren Folgen erzählt. Alles in allem ähnelt die Geschichte der seiner Trisolaris-Trilogie in einem Schnelldurchlauf, auch hier wird die Ankunft einer Spezies aus dem tiefen Weltraum angekündigt mit einer langen Wartezeit (hier sind es allerdings nur 100 Jahre) um eine Verteidigung gegen einen technologisch hoch entwickelten Gegner zu organisieren. Hier handelt es sich alledings um eine Spezies, die mit einem gigantischen Habitatring (Innendurchmesser ca. 30.000 km) ganze Welten umschlingen kann und sie danach aller Resourcen beraubt, insbesondere das Wasser und die Luft, dadurch ist ein Leben unmöglich geworden. Beim Erstkontakt erzählt ein holographisches Mädchen von Epsilon Eridiani, dass deren Heimatplanet dies kürzlich passiert ist und teilt der Menschheit mit, dass der Ring hierher unterwegs ist. (
„Alarm! Alarm! Der Weltenzerstörer kommt!“
) Gleichzeitig taucht ein weiteres Raumschiff auf, dessen Pilot von dem Weltenzerstörer stammt, der die ganze Geschichte bestätigt. Man nennt ihn Beißer, weil er einen Menschen auffrißt und betont, dass Menschen sehr schmackhaft sind !!!. In einer Diskussion, bei der es um Moral geht, zeigt er sehr eindrücklich, dass die Menschen genau so handeln würden, wie die Zerstörer-Spezies, er erzählt z.B. die Geschichte einer hochentwickelten Zivilisation von Ameisen, die von Menschen mutwillig vernichtet wurde.
Nach 100 Jahren kommt der Weltenzerstörer, die Menschen haben sich entschlossen zu kämpfen, das Ende jedoch ist überraschend...
Wie in der Trisolaris-Trilogie sind die Gegenmaßnahmen der Menschen (hier wird nie ein Name genannt, sondern nur die Funktion) grotesk fatalistisch, ist das ein Aspekt aus Cixin Lius Werk oder der chinesischen SF ? Wäre mal interessant, einen anderen chinesischen SF-Autor zu lesen. Wie gesagt, ist diese Geschichte, trotz der nur 71 Seiten, spannend, exotisch und nachdenkenswert, für mich ist es einfach schön, die Geschichte in einem Rutsch ohne Unterbrechung, quasi in einer Toiletten-Sitzung zu lesen, dadurch scheint sie viel lebendiger zu wirken als längere Romane.
Irgendwie erscheinen mir die, bisher erschienen, Werke von Cixin Liu in seiner Form wie Space Operas aus der Goldenen Zeit der SF, aber mit einem modernen Hard-Science Content mit einem Sense of Wonder und einem fremden Ton, der sich von anglo-amerikanischen SF unterscheidet; eine sehr interessante Mischung...
Abgerundet wird das Buch mit einem Nachwort der chinesischen Physikerin, Autorin und Literaturwissenschaftlerin Xia Jia (Das ist das Pseudonym der 1984 geborenen Wang Yao) mit dem Thema: Was macht chinesische Science-Fiction chinesisch? Hier wird einem die chinesische SF nähergebracht, auf einige Autoren eingegangen und auch die Unterschiede zur anglo-amerikanischen SF erklärt. Sehr interessant und aufschlußreich. Zum Ende wird noch eine Leseprobe aus Jenseits der Zeit , dem 3. Teil der Trisolaris-Trilogie präsentiert...