Poetisch und sinnlich beschwört María Cecilia Barbetta die elektrisierte Atmosphäre am Vorabend eines politischen Umsturzes. Sie sind aus der ganzen Welt gekommen und haben in Buenos Aires, in dem Viertel Ballester, ihr Leben gefunden. Die zwölfjährige Teresa trägt eine schutzspendende Plastikmadonna von Tür zu Tür, die Männer der Autowerkstatt hoffen auf die richtigen Lottozahlen und verehren Evita. Sie träumen von Aufbruch, Revolution und Befreiung – doch politische Spannungen zerreißen das Land, und paramilitärische Gruppen lassen Menschen verschwinden. Mit virtuoser Sprachkraft und Magie erzählt die argentinische Autorin María Cecilia Barbetta davon, dass es die hochfliegenden Träume sind, die jeden Einzelnen am Leben halten.
María Cecilia Barbetta, studied German as a foreign language and came to Germany in the 1990s on scholarships from the Goethe-Institut and the DAAD. She now resides in Berlin. She received the aspekte literature award for her first novel Änderungsschneiderei Los Milagros in 2008. She writes in German and was awarded the 2009 Adelbert von Chamisso career grant.
Ich habe lange überlegt, was ich hier zu diesem Buch schreiben soll, und zwischen "besser nichts" und einer Zitatsammlung unfreiwillig komischer Passagen geschwankt. Die Autorin schreibt, als hätte sie Deutsch aus den Episoden der Lindenstraße gelernt. Und zwar uniform, ohne zwischen ihren Charakteren, die immerhin mehrere Generationen überbrücken, zu differenzieren. Ich hatte die Hoffnung, daß es sich dabei nur um einen Kunstgriff handelt und auf der nächsten Seite mir der Magen umgedreht wird. Nichts da. Was für eine Zeitverschwendung.
Habe bei der Hälfte aufgegeben, die Formulierungen und Stilmittel waren einfach überhaupt nichts für mich, wirkten gekünstelt und aufgesetzt. Habe nur so lange durchgehalten, weil mich der Hintergrund interessiert hat, sonst hätte ich viel früher aufgegeben, aber irgendwann war mir meine Zeit dann doch zu schade.
Argentinien, Perón ist an der Macht, und ein Umbruch liegt in der Luft, während die Bürger von Buenos Aires ihren eigenen Bedürfnissen und Träumen nachhängen. Der Roman spielt im Viertel Ballester, zwischen katholischer Mädchenschule, Friseursalon und Autowerkstatt, und hat dessen Einwohner als Protagonisten. Während die Szenen um die 12-jährige Teresa und ihr Schulalltag unter Nonnen einen amüsanten Ausgangspunkt darstellten, habe ich jedoch schon bald den Anschluss verloren und konnte für mich nicht mehr viel aus diesem Roman mitnehmen. Daran konnten auch wunderbare Sätze nichts ändern, wie „Teresa befreite das Vergrößerungsglas vom letzten Tesastreifen wie zuvor ihre Augen vom Schlaf, als sie nicht hätte sagen können, ob der Schatten, der in Zeitlupe den Schlüsselbund von der Wand abhängt und die Eingangstür hinter sich geschlossen hatte, Bestandteil ihrer Träume gewesen war oder nicht.“ Mir gefiel das Spiel mit Formen (anders gedruckt) und Wörtern (Aufzählungen und Wortspiele). Um das Buch zu mögen, hätte es für mich aber mehr zusammenhängende Handlung gebraucht.
Ein seltsames Buch ist "Nachtleuchten", das mich ehrlich gesagt, nicht überzeugen konnte und dessen Geschichte ich nach dem Lesen größtenteils schon wieder vergessen habe: "Angesiedelt ist der Roman in Barbettas Geburtsstadt und erzählt von den vielen Menschen, die dort Mitte der 70er Jahre leben. Sie alle sind geprägt von den politischen Umbrüchen im Land, aber doch auch nicht so sehr, dass die Politik vordergründig eine Rolle spielen würde. Sie wabert irgendwie über den Geschichten und tatsächlich setzt Barbetta dabei viel an Wissen voraus. Vielmehr als um die große Revolution, geht es um die kleine. Etwa die von Teresa Gianelli, die nicht gerade begeistert darüber ist, ein Geschwisterchen zu bekommen, dafür aber eine Madonna von Haus zu Haus trägt. Oder die Nonne Maria, welche mit dem Moped durch die Stadt braust. Dann ist da noch der Friseur Celio, die geheimnisvolle Ofelia mit ihren Katzen und einige Personen mehr. Sie alle werden in den ersten drei Teilen des Buches relativ eigenständig eingeführt, der kurze vierte und letzte Teil bringt sie dann irgendwie noch einmal zusammen. Eine wirklich stringente Geschichte darf hier nicht erwartet werden, Barbetta kreiert vielmehr Erzählwellen, auf denen sich der Leser treiben lassen muss. Das durchzuhalten, ist nicht immer einfach, was auch an Barbettas ausufernder Sprache liegt. Ihre zahlreichen Ausschmückungen lassen zwar beim Lesen eine wundervoll detailreiche Bilderwelt aufleben, nerven aber auf Dauer auch etwas. Während ihre manchmal schier endlosen Sätze – etwa „Osiris, dreifarbiger Knäuel und darin eingeflochten ein vernarbter Kampf, Osiris’ Pfoten im Hier und Jetzt, seine anderen Existenzen weiß der Geier wohin zerstreut, zerstreuter Osiris, geistesabwesender Kater, an den sich Seth lautlos heranschleicht [...]“ – auf Grund ihrer Kunstfertigkeit Freude bereiten, verlieren die vielen Vergleiche schnell ihren Charme. Ständig ist etwas „wie der neugierige Konzilpapst“, „wie eine Mademoiselle“, „stramm wie ein Soldat“ oder „wie ein Kavalier“, um nur einige Beispiele zu nennen. Dann wiederum stößt man auf poetische Sätze, wie „Der Umschlag eines Buches ist eine Grenze, die sich klopfenden Herzens ausloten, verwischen, einreißen, sprengen oder transzendieren lässt [...]“. Beim Lesen entsteht somit eine gewisse Hassliebe zu diesem Buch, aus dem man am Ende völlig erschöpft wieder auftaucht, nach Atem ringt und sich entscheiden muss, ob diese Erschöpfung gut oder schlecht ist." (Meine vollständige Kritik: https://www.pnn.de/kultur/mara-cecili...)
A frustrating book - there's real heart hidden behind the opaque prose and unintuitive narrative style. The characters are supremely charming, which is why it's such a shame the author keeps them at arm's length. For the first two sections of the book, I felt like I was being rewarded for struggling through the book. The third part mostly shed what I found attractive about the book and left me with a bad taste in my mouth. A challenging book, at times a slog of a book, but a book I was glad to have had a chance to have read.
Its very own vibe; this book catches the calm before the storm in a mundane yet quite compelling narration. I had some different expectations, so I was a bit disappointed on my first read, as tensions did not seem to rise all that much. But I am willing to give it another shot in the future.
Nachtleuchten ist eine faszinierende Familiengeschichte die zur Zeit der Revolution und des Aufstandes in Buenos Aires erzählt wird. Die Neuzugezogenen Imigranten kämpfen in Buenos Aires in der Revolution um eine bessere Zukunft. Schwerpunkt der Geschichte ist die von Theresa die über das Verhältnis zu Ihrer Familie und zu ihren Freunden erzählt und über die politischen Spannungen im Land.