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Der Platz an der Sonne

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Berlin, 1978: Die Hauptstadt der Neuen Preußischen Republik liegt in Trümmern, die Kinder klauen Kohlen und in der Politik geben sich die Halunken die Klinke in die Hand. In dieser Welt entfaltet sich die faszinierende Lebensgeschichte von Josua Brenner – ein wagemutiger Tausendsassa, der sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Doch als ihn die Ereignisse überrollen, wird der Gedanke an eine Flucht ins reiche Afrika plötzlich real.

Josua Brenner kennt sich aus im Leben der kleinen Leute. Im zerbombten Berlin fährt er Suppe aus, schachert auf dem Schwarzmarkt und holt sich Ratschläge fürs Leben bei Opa Lampbrecht. Eine Zeitlang scheint er die Nase vorn zu haben. Die Umstände sind ihm gewogen, seiner kleinen Familie geht es prächtig und auch die Geschäfte laufen gut. Die Strippenzieher in der Neuen Preußischen Republik versuchen zwar, ihm das Leben schwerzumachen, doch so leicht gibt Josua Brenner nicht auf. Ihn treibt ein unbezwingbarer Wille zum Glück, egal wie oft ihm der Teufel ins Handwerk pfuscht. Erst als es für ihn so richtig knüppeldick kommt, bricht er auf in Richtung Süden. Wie all die anderen vor ihm hat er vor allem ein Ziel: ein besseres Leben in einer besseren Welt. Wunderbar leichtfüßig erzählt Christian Torkler von einem modernen Helden, der sein Schicksal herausfordert und sich niemals geschlagen gibt.

592 pages, Hardcover

First published August 30, 2018

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Displaying 1 - 15 of 15 reviews
Profile Image for Paula.
465 reviews11 followers
September 11, 2018
Der Autor Christian Torkler hatte mit "Der Platz an der Sonne" gerade in der jetzigen Zeit eine hervorragende Plot-Idee: In unserer Welt ist Nord = Süd, Süd = Nord, arm = reich, reich = arm. Das vermeintliche gelobte Land ist nicht mehr der europäische Kontinent (die EU gibt es nicht), sondern die Afrikanische Union, die reich und fortschrittlich und das Ziel der europäischen Flüchtlinge ist.
Leider bleibt der Autor mit der Schilderung seines alternativen Universums dann recht vage; Deutschland ist so eine Mischung aus Nachkriegsdeutschland und DDR. Es bleibt aber recht unkonkret und nicht überzeugend; für einen Staat dieser Art müsste es z.B. mMn viel mehr Überwachung geben.

Im ersten Teil lernen wir Josua kennen und aufwachsen; dieser Teil endet dramatisch und ist gleichzeitig der Beginn von Josuas Flucht. Das ist dann Teil zwei.

Teil eins ist an Detailliertheit kaum zu übertreffen, gleichzeitig passiert wenig Neues. Wer schon mal einen Nachkriegsroman gelesen hat, wird hier keine überraschenden Handlungsdetails entdecken. Alles dreht sich um den Ich-Erzähler Josua, alleine sein angenehm-amüsanter Plauderton macht es flott und flüssig zu lesen.

Eine starke Frauenfigur, Möglichkeiten dazu hätte es gegeben, sucht man vergeblich. Stattdessen die typische nörgelnde Ehefrau. Schade, da wurde stark in die Klischee-Schublade gegriffen.

Der zweite Teil, die Flucht und die Ankunft in der Afrikanischen Union und die weiteren Geschehnissen machen die Einfallslosigkeit des ersten Teils dann wieder etwas wett. Aber auch hier bleibt der Autor wieder sehr vage, verliert sich auf einer Seite in endlosen Details und minutiösen Beschreibungen, um dann auf der anderen Seite m.E. wichtige Handlungsstränge durchzupeitschen.
Hier und auch in der charakterlichen Entwicklung Josuas hätte noch mehr drin sein sollen.

Ich hatte recht hohe Erwartungen, bei 20 Euro für knapp 600 Seiten und einem top-aktuellen Thema nicht ganz unberechtigt, finde ich, aber die wurden nicht erfüllt. Dank des lockeren Plaudertons las sich der Roman flott, daher drei lieb gemeinte Sterne.

Ansonsten kann ich auch die Rezension im Spiegel vollumfänglich unterschreiben:
http://www.spiegel.de/kultur/literatu...

Profile Image for Buchdoktor.
2,376 reviews192 followers
October 28, 2018
Nach einem Dritten Weltkrieg in den 50ern gehört Berlin zur Neuen Preußischen Republik, die Teil der Afrikanischen Union ist. Die Stadt ist nie wieder auf die Füße gekommen, Verkehr und Energieversorgung sind ein einziges Chaos und die Berliner hangeln sich durch einen Verhau aus Korruption und florierender Schattenwirtschaft. In den Ruinen suchen elternlose Kinder nach Verwertbarem. Mancher Leser wird bis dahin nur geringe Unterschiede zur Gegenwart feststellen. Doch „die Bongos“ aus Kinshasa scheinen wie eine neue Kolonialmacht zu regieren, das Sagen im Land haben Partei und Militär. 1978 wird Joshua Brenner geboren als Sohn einer gottgläubigen Mutter. Joshua schuftet anfangs als Handlanger auf dem Bau, bis er sich zum Taxifahrer hocharbeitet und schließlich eine Bar eröffnet. Die Bar entsteht praktisch aus dem Nichts, weil viele Leute Joshua gern einen Gefallen tun. Er verkennt allerdings, dass jeder Gefallen eine Verpflichtung ist und er allen Helfern Gegenleistungen schuldet. Joshua arbeitet praktisch Tag und Nacht, sieht Frau und Kind kaum noch, kann den Kampf gegen die herrschende, leistungsfeindliche Parteidiktatur jedoch nur verlieren. Wie jemand in Behörden von Pontius zu Pilatus geschickt wird, haben Uderzo/Goscinny bereits unvergesslich dargestellt – und genauso ergeht es Joshua. Als er feststellt, dass seine Kosten für Miete, Gehälter, Schutzgelder + alle Gefallen, die er noch schuldet, weit über 100% betragen, hat Joshua endgültig die Nase voll. Einem nackten Mann sollte auch die korrupteste Diktatur nicht noch in die Tasche greifen. Eine Ansichtskarte seines Kumpels Roller von einem Strand irgendwo in Afrika hatte Joshua schon länger den Floh von einer Flucht in den Süden ins Ohr gesetzt. Auch im postapokalyptischen Berlin gibt es Vermittler für Schlepperleistungen – für Flüchtlinge aus Europa nach Afrika. Mitten im europäischen Winter macht Joshua sich gemeinsam mit Willi auf den Weg Richtung Westen, immer abhängig davon, dass Informanten und Helfer ihn nicht übers Ohr hauen. Als Kind seiner Zeit hat Joshua keine anderen Informationsmöglichkeiten, als das, was andere Menschen behaupten. Wenn der Roman sonst kaum etwas zu meiner Horizonterweiterung beigetragen hat, fand ich diesen Zusammenhang sehr einprägsam. Wer die Glaubwürdigkeit von Nachrichten selbst nicht überprüfen kann, wird zwangsläufig zum Spielball obskurer Interessen.

Viel später wird Joshua irgendwo auf der anderen Seite des Planeten geraten, sein Leben niederzuschreiben, um seinen Frieden damit zu machen.

Joshua ist es nicht gegeben, in seinem Erlebnisbericht Ereignisse zusammenzufassen, Wichtiges hervorzuheben und seine eigenen Fehler zu erkennen. Dass die „Neue Preußische Republik“ jeden Respekt vor ihren Bürgern vermissen lässt und das Fass irgendwann überlaufen muss, wäre in kürzerer Form vermutlich wirkungsvoller dargestellt. Wer sich unter der Redensart „Von Pontius zu Pilatus laufen“ etwas vorstellen kann, muss Joshuas Marathon um eine Kneipenlizenz nicht wörtlich nacherzählt bekommen. Allein die Vorgeschichte, die zu Joshuas Flucht führte, umfasst mehr als die Hälfte der knapp 600 Seiten. Die Idee, den Istzustand der Armutsflucht umzudrehen, finde ich zwar pfiffig, Christian Torklers Kombination aus Postapokalypse und alternativer Weltgeschichte gerät durch die Ichperspektive allerdings sehr schlicht nacherzählt und entschieden zu weitschweifig.
510 reviews16 followers
September 11, 2020
„Was ist so falsch daran, wenn einer rauswill aus’m Dreck?“


S. 478 „Was ist so falsch daran, wenn einer rauswill aus’m Dreck?“

Nichts. Erst mal.

In Europa ging alles den Bach runter, in einer alternativen Entwicklung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (warum und wie, wird erklärt). Afrika ist reich (warum und wie, aus all den Überresten der Kolonialzeit, der Zersplitterung - wird nicht erklärt). Josua Brenner lebt in Berlin - er ist Ich -Erzähler und schreibt auf, wie sein Leben in Berlin verlief, bis er dort genug hatte.

Die Realität sieht unter anderem so aus: Wir kaufen in Europa vom Geflügel die zarten Teile, den Rest schaffen die Erzeuger gerne billig nach Afrika. Keine Chance für die heimischen Landwirte dort. Wir wollen Fisch - also wird mit riesigen Pötten vor Afrika gefischt und die heimischen Fischer müssen für immer weniger immer weiter raus. Wir schaffen da unseren Computerschrott hin, unsere Altautos (o.k., es gibt keine afrikanischen Autohersteller meines Wissens - aber wir diskutieren hier Schadstoffe und schaffen den Schrott weiter in die Welt??). Für Touristen wird in armen Ländern eine Parallelwelt geschaffen mit einheimischem Personal, aber nicht gerade betrieben von einheimischen Firmen. Dazu die Ausbeutung von Rohstoffen und seltsame "Entwicklungshilfe", die meist eher Subventionierung der jeweiligen Industrie der Länder ist, aus denen die Hilfe kommt.

Also sind "wir" nicht so ganz unbeteiligt daran, dass die Menschen z.B. in Afrika nicht gut leben können sprich: an den Flüchtlingsströmen.

Solche Hintergründe finde ich im Roman nicht - das halte ich aber für wichtig, es soll ja wohl eine Darstellung sein, die Afrika und Europa quasi vertauscht, uns den Spiegel vorhält.

„Was ist so falsch daran, wenn einer rauswill aus’m Dreck?“

Naja - im Buch haben nur die Schlepper etwas von dem Bestreben, aus dem Dreck heraus zu wollen. In der Realität immer auch die, aber sicher ebenso Organisationen, die Eingliederungs- und Sprachkurse anbieten, Privatleute, die teils Schrottwohnungen für Flüchtlinge herrichten, Obstplantagen im Süden mit Zuständen, die eher Sklaverei sind (ich rede NICHT von den freiwilligen Helfern). Keine Sprachkurse, keine Wohnungen sind auch keine Alternative. Aber so eine "Industrie" gab es schon mal, als man mit Verschrottungsprämien die Autoindustrie stützte (die haben das so in die Preise eingerechnet, dass man da ohne Verschrottung besser kein Auto kaufte) oder als man die Selbständigkeit förderte (Ich-AG, Gründungs-irgendwas - jede Menge Kurse rings um die Ämter, privat, aber quasi mit Job-Garantie). Ich finde die Ausbeutung gut dargestellt, aber längst noch nicht detailliert genug. Es gibt Leute, die haben ein Interesse daran, dass es Flüchtlinge gibt - das ist deren Geschäftsmodell!

Für mich ist das Asylrecht unanfechtbar - es wurde nach WWII so geschaffen, weil Juden, die aus Deutschland flohen, häufig nirgendwo angenommen wurden.

Im Buch geht es um Migration ohne Verfolgung - Torkel zeigt auf, wie mies die Ausnutzung unterwegs ist. Einverstanden - dagegen. Ich hatte vorher schon eine Reportage von der Behandlung von Flüchtlingen auf Obstplantagen im europäischen Süden gesehen - das ist Sklaverei, es gibt da nicht im Ansatz ausreichend Bekämpfung. Aber noch wichtiger wäre die Bekämpfung von Fluchtursachen. Was soll denn passieren, wenn primär die jungen Männer gehen? Wie sollen die am Ziel wirklich "ankommen"? Es gibt jetzt schon in Europa, im Osten, ganze Gegenden, da haben die Eltern im "Westen" Arbeit und die Kinder werden von Großeltern erzogen (in Afrika gab es das bislang "nur" bei AIDS-Waisen - wohin führt das noch "obendrauf"?). Mit wem verhandeln unsere Regierungen in Ländern mit Korruption, wegen "der Stabilität"? Wie sollte Entwicklungshilfe stattfinden? Brauche ich T-Shirts für 2,-? Deutschland vergreist, braucht Fachkräfte - also ein "Brain-Drain" in den Herkunftsländern und noch mehr Fluchtgründe? Gegen das elendige Absaufen im Mittelmeer freie Flüge - und dann ist das Geschäftsmodell der Schlepper vielleicht Erpressung, "ich beschieße eure Flüge oder ihr zahlt", ähnlich der Piraterie vor Afrikas Küsten?

(und nein, eine Lösungsidee habe ich nicht - nur Baby-Schritte, wie ein Verbot des Verkaufs von Kleiderspenden und Altkleidern nach Afrika oder die Fischerei zu verhindern, die Kleinfischern die Lebensgrundlage entzieht und eine Aufstockung von Entwicklungshilfe, ECHTE Unterstützung statt Hilfe von oben herab)

Ich kann mich darüber hinaus insofern nicht mit Josua identifizieren, weil ich seinen Weggang nicht nachvollziehen kann (gefühlt hat der Autor so etwas geahnt und deshalb den Unfall mit Todesfolge eingebaut - interessant, dass der später unwichtig gewesen zu sein scheint). Josua wollte in Berlin mit den großen Hunden bellen - und musste dafür das Beinchen heben. Schutzgelderpressung kann einem Gaststättenbetreiber wohl leider auch heute begegnen, oder Anwohner klagen ihn zu. Der wäre ebenso im "realen" Deutschland verdammt naiv an die Sache herangegangen. Ich schaffe es nicht, mich in "seine Schuhe" zu stellen.

Also: "guter Ansatz" (netter Ansatz, so weit hinunter würde ich nicht gehen). Ich fand die Flüchtlingsthematik in "Exit West" von Mohsin Hamid besser angedacht, geschickter im Fabulieren von Möglichkeiten, Wirkungen, Gefahren, Ideen. Mir geht Torkler nicht weit genug zu den Ursachen (gut ist hier "Das Meer" von Fleischhauer, allerdings eher ökologisch, nur zum Teil zu den Menschen), er geht mir nicht weit genug zu den Begleitumständen, der Bekämpfung von Flucht zuungunsten einer gewissen Naivität, die rein auf Sympathie abzielt. Herrje, muss man wirklich begründen und aufbauen wie im Buch, dass/damit man Sympathie, Mitgefühl mit jemandem empfindet, der alles hinter sich lässt, sein Leben riskiert? Mit einer Lösungsidee hatte ich auch nicht gerechnet, aber mit irgendetwas, was mir noch neu war. Der vorgehaltene Spiegel ist mir zu stumpf.

Guter Ansatz, nicht ausreichend gut etwas daraus gemacht. 3 Sterne.
Profile Image for Andrea Karminrot.
306 reviews6 followers
October 2, 2018
Wärst du bereit, alles stehen und liegen zu lassen, deine Familie zurück zu lassen und dich zu Fuß über die Alpen zu machen? Dir einen Platz an der Sonne (also Frieden und Wohlstand) zu suchen? Was muss geschehen, damit du dich ins Ungewisse aufmachst. Vor solchen Fragen stehen wir in unserem schönen Land nicht, in dem die "Sonne" überall scheint. Aber wie ist es, wenn man nichts hat und ständig strampeln muss, um den Kopf über Wasser zu halten? Begreifen wir überhaupt, was ein Flüchtiger durchmacht?
Christian Torkler zieht seinen Roman sozusagen verkehrt herum auf. Sein Josua Brenner lebt in einem katastrophalen Berlin. Trotzdem Josua alles tut, um ein adäquates Leben führen zu können, werden ihm immer wieder massive Steine in den Weg gelegt. Es ist ein einfacher Trick des Autors, unseren Blick auf unser eigenes Land zu lenken, dafür aber sehr effektvoll. Du begreifst die Beweggründe des Flüchtenden ganz anders. Es ist näher, dichter, denn der Hauptakteur will ja aus deiner/unserer Heimat weg. Einer Heimat, die es nicht wert ist zu bleiben. Aber was treibt einen denn nun aus seiner Heimat? Wie ergeht es einem dann, wenn man auf der Flucht ist. Kann man jedem trauen? Wohin führt es, sein Leben hinter sich zu lassen, so ganz ohne Papiere.
worum geht es 
Der Krieg in Deutschland war 1945 zwar vorbei, aber die Alliierten konnten sich über die Verteilung der Länder nicht einig werden. So kam es zu den nächsten Kriegen, die Deutschland komplett in Schutt und Asche legten und das Land in verschiedene (korrupte) Einzelländer, aufteilten. In dem maroden und herunter gekommenen Berlin wird Josua 1978 geboren. Er kennt es nicht anders, bequem und einfach gibt es nicht. Der Junge bekommt eine mäßige Schulbildung und nur weil seine Mutter nicht dazu in der Lage ist, ihm das Gymnasium zu bezahlen, muss Josua mithelfen, den Rest der Familie durchzufüttern. Josua macht einfach alles. Er ist sich für nichts zu schade. Nur auf zwielichtige Dinger, lässt er sich nicht ein.
Josua ist ein Machertyp. Er hat Ideen, die ihn vorwärtsbringen sollen. Ihm ein Leben ermöglichen sollen, das annehmbar ist. Aber das Schicksal hat einen anderen Plan. Er verliert, was er sich aufgebaut und was er geliebt hat. Josua sieht in der korrupten „Neuen preußischen Republik“ keinen Sinn mehr, so dass er sich entschließt, einen Neuanfang in den reichen afrikanischen Ländern zu machen. Aber dazu müsste er erst einmal dorthin gelangen. Es ist ein gefährliches Unterfangen und oft genug weiß Josua, dass es nicht richtig ist. Natürlich hat er keine Papiere, was alles nur noch schwieriger macht.
Am Anfang des Buches sitzt Josua in einem vergitterten Raum. Er soll seine Geschichte aufzuschreiben. Und genau so liest sich die Geschichte dann auch. Josua ist ein einfacher Mann, der mit der Berliner Kodderschnauze sein Leben meistert. Im Grunde hat er nichts zu verlieren und keine Ahnung, was ihn auf dem andern Kontinent erwartet. Nur die Hoffnung, dass es ihm in dem reichen Afrika besser ergehen könnte. Er erwartet nicht einmal viel. Und Arbeiten, das kann er.
Mich hat dieses Buch begeistert. Die einfache Sprache und die Art, wie der Debütant Christian Torkler, die Geschichte aufzieht, haben mich in ihren Bann gezogen. Langsam und nur bruchstückhaft erfährt man von der Missere, die in Deutschland nach dem so und so vielten Krieg herrscht. Nur langsam begreift man, in welchen Verhältnissen die Menschen leben, die nicht zur Elite der Bevölkerung zählen. Ich hatte immer das Gefühl, ganz dicht an der Hauptfigur Josua dran zu sein. Ein Buch, das ich am liebsten jedem empfehlen würde, der gegen Flüchtige und Migration steht. Aber natürlich auch allen Anderen.
 
Profile Image for Conny.
627 reviews87 followers
May 6, 2020
Nach einem dritten Weltkrieg in den 1950er Jahren liegt Europa in Trümmern. Sechs unabhängige deutsche Länder sind daraus hervorgegangen; Berlin liegt in der Neuen Preussischen Republik. Bittere Armut, Korruption und ein undurchdringbarer Verwaltungsapparat machen den Menschen das Leben schwer.

In dieser Welt entfaltet sich die Lebensgeschichte von Josua Brenner. Auch er wächst arm auf, kennt jedoch die richtigen Leute und lässt sich nicht leicht unterkriegen. Es sieht ganz danach aus, als ob er es zu etwas bringen könnte. Doch dieses Europa schenkt einem nichts – irgendwann überschlagen sich die Ereignisse, und Josua beginnt, seine Flucht ins reiche Afrika zu planen.

Eine spannende Prämisse hat «Der Platz an der Sonne» also. Der Roman ist in Form eines Erlebnisberichts erfasst, den Josua niederschreibt, als er in Afrika angekommen ist. Leider ist es ihm aber nicht gegeben, sich kurz zu fassen – über Dutzende von Seiten wird beschrieben, wie er von einer absurden Behörde zur nächsten rennt, hier und da Bestechungsgelder zahlt und doch immer wieder angeschmiert wird. Das zieht sich. Auch die Schilderung der alternativen historischen Entwicklung blieb mir zu vage; über eine simple Umkehr der Verhältnisse geht Torkler nicht hinaus. Da hätte ich auf den gut 600 Seiten mehr erwartet. Dank flotter Schreibe und Sprachwitz wurde ich aber immerhin gut unterhalten.
Profile Image for Britta.
399 reviews38 followers
August 17, 2018
Großartiger Roman, den ich eigentlich nur allen empfehlen kann. Mal roadmovie, mal Action, mal Flüchtlingsdrama, mal deutsche Vergangenheitsbewältigung in einer fiktiven, leicht abgewandelten Realität, in der es auch einen dritten Weltkrieg gab.
Profile Image for Franz Emil Berchtold Matthäus Eneas Kupferschmied.
48 reviews10 followers
October 3, 2018
Auf Anfrage wurde mir vom Verlag ein elektronisches Leseexemplar zur Verfügung gestellt.

Der Platz an der Sonne von Christian Torkler spielt in einer anderen Realität, in einer Realität in der es einen dritten Weltkrieg gab. Durch diesen dritten Weltkrieg hat sich vieles verändert: Deutschland ist in sechs oder sieben verschiedene Staaten zerfallen und ganz Europa geht es schlecht. Reichtum und Wohlstand haben sich verschoben und die grossen Geldmengen der Welt werden von der Afrikanischen Union regiert. So ist das Ziel in dieser Welt auch nicht, nach Europa zu kommen, im Gegenteil, das Ziel ist es nach Afrika zu emigrieren.

Von dieser kontrastierten Welt erzählt uns Josua Brenner, der Ich-Erzähler und Protagonist des Buches. Aufgewachsen ist Brenner in der Neuen Preussischen Republik, eines der Deutschlands das von einer diktatorischen Regierung gebeutelt wird. Der erste Teil des Buches erzählt von Brenners Leben im neuen Preussen, der zweite von seiner Flucht nach Afrika. So viel erstmal zum Plot.

Die Idee dieses Buches finde ich grossartig, die aktuelle Welt zu nehmen und sie 180 Grad auf den Kopf zu stellen. Das Mittelmeer bleibt immer noch der Übergangsort für sehnsüchtige, die ein besseres Leben suchen, nur ist halt Italien nicht mehr das Endziel einer Mittelmeer-Überfahrt, sondern der Ausganspunkt der Reise. An dieser Analogie würde sich so vieles spiegeln lassen und hier sah ich grosses, grosses Potential für dieses Buch. Leider wird diese Chance vertan.

Der ganze Erzählstil des Buches ist dermassen redefreudig, dass immer passiert und passiert, aber reflektiert wird hier nichts. Es wird immer nur erzählt und erzählt und man vermisst die Leerstellen. Man vermisst als Leser, das mal etwas nicht gesagt wird und, und dies fand ich viel schlimmer, das entweder auch einmal etwas reflektiert wird. Durch den Plauderton und den Erzählstil, der immer so locker-flockig ist, verliert der Roman vieles an seiner möglichen Brisanz. Das Mitfühlen mit den Figuren hat mir völlig gefehlt. Hier hätten weniger Seiten sicherlich auch geholfen, wenn das Buch schon nur 350 statt fast 600 Seiten hätte, wäre vieles unter Umständen nicht dermassen ausführlich und genau erläutert. Ich fands einfach schade zu lesen und zu lesen und des Öfteren zu denken, diese Stellen hätte es jetzt nicht gebraucht.

Nebst diesem grossen Kritikpunkt, macht Der Platz an der Sonne vieles richtig. Die alternative Realität die hier aufgesponnen wird macht wirklich Spass und lebt von ihrer starken Ausgangsidee. Es hat dann zwar auch viele Elemente klassicher Trümmerliteratur die vorkommen und für die es die alternative Realität nicht gebraucht hätte, aber trotzdem die Idee und die daraus entstandene Welt gefällt mir ganz gut. Der Roman liest sich auf sehr flüssig, gerade auch weil Brenner eine Plaudertasche vor dem Herrn ist.

Was man dem Buch leider auch anmerkt: Es wurde von einem Mann geschrieben. Die Frauenfiguren die vorkommen, haben eigentlich nur die Aufgabe den Männer zuzuarbeiten und komplett alle Frauenfiguren werden ausschliesslich über die jeweils relevanten Männer definiert zu denen sie in der Geschichte in Verbindung stehen. Frauenfiguren als eigenständige Wesen sind Fehlanzeige.

Demnach bleibt mir folgendes Gesamtfazit: Ein Buch mit sehr viel Potential und einer tollen Ausgangsidee aber leider zu viel verschenktem Potential. Lesenswert ist es trotzdem, gerade wer Kriegs- und Nachkriegsliteratur mag, dem wird dieses Buch sicherlich gut gefallen. Den nächsten Torkler werde ich sicher wieder in die Hände nehmen, hoffentlich dann mit deutlich weniger als 600 Seiten.
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
October 16, 2018
Josua Brenner wird Ende der 1970er Jahre in eine schwierige Lage Berlins hineingeboren. Seine alleinerziehende Mutter weiß kaum die Kinder zu ernähren und so muss der aufgeweckte Junge schon früh mithelfen, Geld zu verdienen. An eine langjährige Schulbildung ist in der Neuen Preußischen Republik auch nicht zu denken, es geht um das Überleben. Aber mit Cleverness und Mut schafft er es als junger Vater für sich und seine kleine Familie ein verhältnismäßig ordentliches Leben aufzubauen, trotz aller Widrigkeiten. Immer wieder hört er von Bekannten, die dem Land den Rücken kehren und ihr Glück im Süden versuchen, in Afrika, wo stabile politische Verhältnisse herrschen, die Staaten nicht von korrupten Politikern geführt werden, die sich und ihren Familien die Taschen vollstopfen und zugleich das Volk ausbluten lassen. Doch der Weg dorthin ist weit und gefährlich. Nach zwei harten Schicksalsschlagen beschließt auch Josua, dass er nicht mehr zu verlieren hat und es das aktuelle Leben auch nicht wert ist, gelebt zu werden. Also bricht er auf.

Christian Torkler verkehrt die Welt in seinem Roman „Der Platz an der Sonne“: Europa hat sich vom Zweiten Weltkrieg nicht erholt, ist politisch und wirtschaftlich instabil und in unzählige Kleinstaaten zersplittert. Afrika ist der reiche Kontinent, der zum Sehnsuchtsort wird, wo sich die Träume vom guten Leben realisieren lassen. Doch die Grenzen sind dicht, scharfe Kontrollen überall verhindern den unkontrollierten Exodus gen Süden, was jedoch viele Lebensmüde und Mutige nicht davon abhält, die weite und riskante Reise zu wagen.

Im ersten Teil des Buchs erleben wir die schwierige Lage in Berlin. Dass es auch so hätte kommen können, ist durchaus vorstellbar. Das Leid der Leute, die korrupten Beamten, die Verschwendung und Veruntreuung von Aufbaugeldern reicher Staaten, die wiederholten Rückschläge, die Josua auf dem Weg zu seiner eigenen Kneipe erlebt – Torkler zeichnet ein glaubwürdiges Bild, das durchaus angelehnt an das ist, was für viele Menschen heute Alltag ist, wenn auch nicht in Mitteleuropa. Es braucht diese lange Vorgeschichte, um nachvollziehen zu können, weshalb Josua nichts mehr zu verlieren hat und die Flucht ergreift.

Der Weg ist geprägt von allerlei Beschwerlichkeiten durch Witterung, Grenzzäune oder auch Polizisten, schnell schon lassen die ersten Weggefährten ihr Leben. Die Brutalität und Sinnlosigkeit, mit der auf die Geflüchteten eingeschlagen wird, lässt einem manchmal an der Menschheit zweifeln. Umgekehrt schildert Torkler aber auch Episoden von Hilfsbereitschaft und Unterstützung, subversivem Unterwandern der Gesetze und dem gemeinsamen Bewältigen der unmöglichen Situation. Es gab und gibt eben immer beides auf der Welt. Die finale Überquerung des Mittelmeers wird zum Höhepunkt, ein unberechenbares Glücksspiel, das man überlebt oder nicht und das selbst im ersten Fall kein Garant für eine glückliche Zukunft ist.

Eine ungewöhnliche Geschichte von Flucht und Hoffnung auf ein besseres Leben. Das Buch ist ohne Frage politisch, stärker wiegt jedoch der menschliche Appel an das Verständnis für die Lage derjenigen, die ihre Heimat verlassen, weil es dort nichts mehr gibt, das sie hält. Niemand wird Zweifel daran hegen, weshalb Josua Brenner Berlin den Rücken kehrt. Warum kann man dieses Verständnis nicht auch in der Wirklichkeit aufbringen? Der ungehinderte Zugang zu wirtschaftlich und politisch stabilen Ländern kann nicht die Lösung sein, das geht auch aus „Der Platz an der Sonne“ hervor, denn eigentlich will niemand seine Heimat verlassen, sondern nur ein bescheidenes, aber sicheres Leben führen.
Profile Image for Heidi.
Author 66 books13 followers
October 27, 2018
Es hat jetzt ein Weilchen gedauert, bis ich das Buch zu Ende gelesen habe – und das, obwohl ich mich normalerweise wirklich zu den schnellen Leserinnen zähle. Aber hier wollte ich jede Zeile, jede Seite der beinahe 600 Seiten genießen – wobei genießen vielleicht das falsche Wort ist. Christian Tokler hat sich ein brennend aktuelles Thema gewählt, das weh tut. Weh deshalb, weil es so leicht ist, bei den Berichten über all die Menschenschicksale, die im Mittelmeer vergehen, Augen, Ohren und Herz zu verschließen. Die Menschen sind so fremd und wenn sie es dann doch zu uns heraufschaffen, bleiben sie es - irgendwie. Tokler dreht die Situation um, macht aus Europa die Dritte Welt, in der Korruption und Willkür herrschen, in der der Einzelne keine Chance gegen das System hat und einen Rückschlag nach dem anderen einstecken muss, bis er endlich die Entscheidung trifft, dass er dem Ganzen den Rücken dreht. Und plötzlich wird das Ganze greifbar, näher und unheimlich. Es macht Angst, wenn ich mir vorstelle, dass ich in meiner Heimat keine Chance zum Überleben habe, dass meine Kinder an grippalen Infekten sterben könnten, keine Chance haben, Bildung zu erlangen und auch ihre Zukunft in den Sternen steht. Der Protagonist Josua Brenner unternimmt im eigenen Land wirklich alles, bevor er den Entschluss fasst, in den Süden zu fliehen – dahin wo sagenhafter Reichtum herrscht. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er nur geht, weil der Reichtum Begehrlichkeiten in ihm weckt und was er alles für seinen Traum in Kauf nimmt, tut weh. So weckt der Text Mitgefühl für die Flüchtlinge – ja auch für die Armutsflüchtlinge – ohne, dass Tokler groß mit der moralischen Keule schwingen muss. Auch das Ende tut weh ... muss weh tun.
Tokler schreibt wirklich toll. Er spielt mit Dialekten, mit Redensarten. Das Buch liest sich stellenweise wirklich witzig – obwohl die Geschichte nicht wirklich spaßig ist. Das Erlebte wird über alle Sinne erzählt. Wir staunen, hoffen und leiden mit Brenner und dann schöpfen wir wieder von Neuem Hoffnung.

Fazit:
Ein Meisterwerk! Lesenswert – besonders in der heutigen Zeit, das Verständnis weckt für Menschen auf der Flucht, ohne groß die moralische Keule schwingen zu müssen.
Profile Image for Christian.
5 reviews
June 30, 2019
Wie bringt man einem wohlstandsverwöhnten Deutschen das Schicksal der Menschen näher, die alles hinter sich lassen und alles riskieren, um in einem fernen Eldorado ihr Glück zu suchen; die ein von Korruption zerfressenes Land verlassen, das doch ihre Heimat ist, die sich in die Hände krimineller Schlepper begeben, nur um nach unsäglichen Strapazen am Ziel ihrer Träume als "Armutsflüchtlinge" beschimpft zu werden? Durch einen scheinbar so simplen Trick, die Weltgeschichte auf den Kopf zu stellen: In Christian Torklers Roman ist es kein Schwarzafrikaner, der sich auf den Weg nach Mitteleuropa macht, sondern ein Deutscher, der es von Berlin nach Matema in Tansania schaffen will. Illegal natürlich! Denn in Torklers Welt ist Deutschland eine in mehrere Staaten zerfallene Bananenrepublik und Afrika der reiche Kontinent, in dessen Ländern rechtsstaatliche Prinzipien geachtet werden. Dieser zunächst etwas absurd anmutende Kunstgriff zusammen mit der lakonischen, aber doch ungeheuer einfühlsamen Erzählweise Torklers lassen einen mitteleuropäischen Leser das Schicksal des Armutsflüchtlings Josua Brenner mitempfinden, wie es die Geschichte eines Nicht-Europäers auf dem Weg in die "Festung Europa" nicht hätte vermitteln können. So fremd uns das Deutschland in Torklers Roman auch vorkommen mag, so vertraut ist es uns dennoch. Und so "reisen" wir mit quer durch Europa, um irgendwie das Mittelmeer zu überqueren und ein neues Leben anzufangen. Großartig und bewegend!
Profile Image for Gerald Hensel.
17 reviews1 follower
March 24, 2021
Das ist wirklich ein interessanter Roman.
Geschrieben um die Zeit der Flüchtlingskrise dreht er die Vorzeichen um: Alternativrealität. Europa hat in den 80ern und 90ern Krieg und Not hinter sich. Unser Protagonist kämpft sich in verschiedenen Jobs durch das kaputte Berlin. Eines Tages trifft er dir Entscheidung, seinen Platz an der Sonne im reichen, demokratischen Afrika zu finden. Er muss nur übers Mittelmeer...
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Susu.
1,795 reviews21 followers
January 13, 2019
Einfach die Welt einmal auf den Kopf gestellt - Brenner schlägt sich im verarmten, chaotischen Berlin durch. Und sucht dann sein Glück an den Fleischtöpfen des afrikanischen Kontinents. Fluchtdrama unter anderen Vorzeichen - ein wilder Ritt, den man schwer aus der Hand legen kann.
Profile Image for Katja.
80 reviews
June 22, 2019
Ein sehr wichtiges Buch. Eine grossartige Idee von Christian Torkler. Die Geschichte lehrt uns den Spott zu begreifen, dem das Wort „Wirtschaftsflüchtling“ anhaftet. Es schafft Nähe zu einer Problematik, die nur gern im Strudel der modernen Welt vergessen geht.
133 reviews
January 4, 2022
Etwas schablonenhaft, aber als Gedankenexperiment doch immer wieder fesselnd. Was wäre wenn - wir als Europäer bzw. Deutsche die A-Karte der Geschichte gezogen hätten, und Flucht aus den ärmlichen Verhältnissen und dem kalten Klima für viele die bessere Alternative darstellen würde?
Profile Image for André.
82 reviews14 followers
August 11, 2019
Die große Finesse wohnt in des Autors Feder nicht. Trotzdem liegt dem Buch eine interessante Idee zugrunde: Der Norden ist arm, der Süden reich, der Protagonist ist auf der Flucht.
Displaying 1 - 15 of 15 reviews

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