Ein hoch emotionales Buch, das unter die Haut geht.
Zur Geschichte:
Das Buch ging in eine ganz andere Richtung als ich zunächst erwartet hatte, aber der Klappentext ist auf jeden Fall passend - Ich hatte ihn bloß nicht gelesen und dementsprechend traf mich das Thema des Buches ganz unverhofft.
Ava Reed behandelt hier ein sehr bewegendes und anrührendes Thema. Ich denke jede:r, der:die schon einmal wahrhaft, aufrichtig, inbrünstig und mit ganzem Herzen geliebt hat, hat eine grobe Vorstellung davon, wie es sich anfühlen muss zu erleben, was Charlie hier durchlebt - Aber eben auch nur eine Vorstellung. Solange man es nicht selbst erlebt hat, weiß man im Grunde nichts und dennoch waren Angst, Wut, Verzweiflung und Schmerz sofort da. Normalerweise brauche ich etwas Zeit, um mich in Charaktere einfühlen und mit ihnen mitfühlen zu können, aber nicht bei dieser Thematik. Charlie's Leid ging mir sofort unter die Haut, durch Mark und Bein, mitten ins Herz. Es fühlte sich an wie das Ende.
Dieses Buch war für mich unheimlich schwer zu lesen und ich habe dabei sehr viel geweint, aber ich bereue nichts. In diesem Buch passiert das Unaussprechliche. Das, was man niemandem wünscht - Und es traf mich mit voller Wucht. Die Emotionen kamen bei mir an und zerrissen mich. In tausend todtraurige, bitterlich weinende Einzelteile.
Ich habe eine von der Autorin signierte Ausgabe mit der Frage: "Würdest du aufgeben?" - Eine interessante und tiefgreifende Frage, über die ich sehr viel nachgedacht habe. Über die ich immer noch nachdenke.
Eine Triggerwarnung ist bei diesem Buch in meinen Augen nicht nur sinnvoll, sondern sogar dringend notwendig. Diese Geschichte schließt diverse potenziell triggernde Themen mit ein, die definitiv nicht alle aus dem Klappentext abgeleitet werden können. Allerdings gibt es hierbei auch "Kleinigkeiten", die nicht hätten sein müssen, da sie ohnehin nicht weiter thematisiert werden und nur unnötig weh tun.
Die Geschichte unterteilt sich in eine Gegenwart, in der es hauptsächlich um Charlie's Trauer, ihren Verlust und ihr Leid geht, und in Erinnerungen, welche Ben's und Charlie's Kennenlernen, ihre Liebesgeschichte und ihr gemeinsames Leben beschreiben. Der Kreis beginnt sich zu schließen und rief in mir eine böse Vorahnung hervor.
"For Good" ist für mich eindeutig kein Buch, das man nach seiner Spannung und Aktion beurteilt, denn darum geht es hier einfach nicht. Es geht um Gefühle und die kommen definitiv rüber. Es ist, wie der Titel schon sagt, eine Geschichte über die Liebe und das Leben und sie hält, was sie verspricht.
Das Ende hat mich persönlich leider etwas enttäuscht, da die Autorin meiner Meinung nach den "leichteren" Weg geht. Die Wendung gegen Ende ist überraschend, weil sie nicht zu erwarten war. Ein glücklicher Zufall - Aber was ist mit dem unglücklichen Fall? Bis dahin war diese Geschichte so ehrlich und schmerzhaft unbeschönigt, dass ich mir dazu passend einfach ein anderes Ende gewünscht hätte. Eines, das nicht so weit hergeholt ist und einen abstrakten Einzelfall beschreibt.
Hinzu kommt, dass das Ganze zum Schluss hin viel zu schnell und kurz abgehandelt wird, was meines Erachtens ein falsches Bild suggeriert. Es spielt den Ernst der Lage herunter.
Zu den Charakteren:
Die Geschichte wird aus Charlie's Sicht in der ersten Person Singular erzählt.
Charlie steht ganz klar im Zentrum der Geschichte. Weitere wichtige Personen sind Ben und Mia, wobei wir diese kaum kennenlernen. Ben erleben wir beispielsweise nur in Charlie's Erinnerungen, welche natürlich einem bestimmten Filter unterliegen. Umso mehr habe ich mich auch über die Zusatzkapitel am Ende des Buches gefreut, in denen wir noch einmal direkte Einblicke in Ben's Gedanken- und Gefühlswelt erhalten.
Insgesamt bleiben die Figuren hier jedoch recht blass, selbst von Charlie lernen wir nur eine Seite kennen. Wir erleben ihre Trauer, ihr Leid und ihren Schmerz - Aber was ist mit dem Rest?
Die Beziehungen der Charaktere wirkten auf mich starr und die Liebesgeschichte habe ich leider auch nur bedingt gefühlt, vielleicht weil es nur Erinnerungen waren, aber seltsam ist es schon - Man spürt den Schmerz und Verlust, aber nicht dessen Auslöser. Wie kann das Leid ohne die Liebe überhaupt real werden?
Zum Schreibstil:
Auf mich hat der Schreibstil einerseits gefühlsbetont gewirkt, andererseits aber auch sehr beschreibend und damit eher sachlich-kalt und distanziert. Womöglich kam das Gefühl vielmehr aus der für mich sehr stark emotional aufgeladenen Thematik heraus anstatt durch die Sprache, wer weiß das schon, aber im Grunde ist das auch egal, denn bewegt hat mich diese Geschichte auf jeden Fall. Ava Reed schreibt nah am Leben, ehrlich und authentisch - Sie beschönigt nichts und das habe ich geliebt. Es ist die unschöne, schmerzhafte Wahrheit und auch wenn mir der Schreibstil manchmal etwas abgeklärt vorkam, so hat mich Ben's und Charlie's Schicksal doch zutiefst ergriffen. Ferner frage ich mich auch, ob noch mehr Emotionalität und Intensität in der Sprache überhaupt verkraftbar gewesen wären...
Weitere Anmerkungen:
Zu Beginn der Gegenwartskapitel sind lyrische Texte angeführt, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Sie unterstreichen die Wirkung der Geschichte sehr schön.
Fazit:
Dieses Buch zu bewerten ist schwierig, da beim Lesen so viel von mir auf diese Geschichte übergegangen ist. Irgendwann konnte ich gar nicht mehr sagen, wo das Buch endete und ich selbst anfing. Die Geschichte ging mir unter die Haut und hat mich zutiefst berührt. Die Emotionen kamen rüber und taten, was sie tun sollten (ohne Rücksicht auf Verluste). Das außen vorgelassen haben mich aber auch ein paar Punkte an diesem Buch gestört... Empfehlen kann ich es aber trotzdem, insbesondere wenn ihr hoch emotionale, tragische und todtraurige Bücher ebenso sehr liebt wie ich.
3,5/ 5 Sterne ⭐️