Es hat mich zwar nicht ganz so sehr in seinen Bann gezogen wie der Quasivorgänger 'Große Liebe', aber nichtsdestotrotz ist 'Sozusagen Paris' ein großartiges Buch (wenngleich ich den Titel immer noch nicht mag). Der Autor verfährt ähnlich wie bei 'Große Liebe', legt seine eigene Autorschaft und das Konstruktive der Narration offen, stellt dabei zugleich aktiv die Verlässlichkeit der eigenen Erzählung sowie die Identität des Erzählers mit dem Autor (der Person Navid Kermananis) in Frage. Letzteres ist insofern interessant, als der Roman wie ein Tatsachenbericht einer erlebten Nacht daherkommt.
Eingeflochten sind auch hier wieder diverse literarische Verweise und Zitate, diesmal mit Schwerpunkt auf französischer Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts (wenngleich dieser Schwerpunkt dismal nicht ganz so exklusiv ist). Am amüsantesten fand ich die Passagen, in denen der Lektor des Romans im selben auftaucht, der Erzähler seine Einwände und Kritikpunkte antizipiert und bereits vorausahnend sich mit ihm in Auseinandersetzung begibt.
All dies gelingt mit so leichter Hand, mit so zwingend wie elegant und leichtfüßig wirkender Sprache, dass es ein wahres Vergnügen ist, den Roman zu lesen. Von den Gedanken zur Institution Ehe einmal ganz abgesehen.