Niemand mag es, doch wir alle tun scheitern. An uns selbst, aneinander, an der Welt und natürlich an unseren Ansprüchen. Dabei ist es doch ganz Wenn man mal wieder das Mittelmaß trifft, einfach freundlich grüßen! In diesem Buch lotet Sarah Bosetti auf einer Silvesterparty – der Nacht der gescheiterten Existenzen – die vielen Möglichkeiten aus, sich zwischen Erfolg und Misserfolg genussvoll einzunisten. Sie erzählt von Menschen, die Schauspieler werden, weil sie es als Kellner einfach nicht geschafft haben, vom Versuch, mit Schwimmflügeln an den Füßen über Wasser zu gehen, und von der Einsicht, dass wir alle Gollum sind, wenn man uns neben Scarlett Johansson stellt. Ehrlich, selbstironisch und sehr witzig!
Ich mag Sarah Bosetti. Knapp 200 Seiten reine Gedankenwelt von ihr sind mir dann aber doch etwas zu viel. Das Buch hat keine wirkliche Handlung, stattdessen erfährt man ausführlich, wie die Ich-Erzählerin zu aktuellen politischen Themen steht. Im 10 min Bosetti will reden gepackt, wären vielen Kapitel großartig. In Form des Buches eher anstrengend. Überrascht hat mich, dass sie trotz der fehlenden Handlung eine wirklich tolle Schlussszene gefunden hat: den Dialog zwischen Vater und Tochter werde ich gleich meinen Kindern vorlesen, auf dass sie sich hoffentlich merken, dass Mittelmaß echt spitze ist.
Eine namenlose Ich-Erzählerin hat ihren gesamten Freundeskreis vergrault und ist deshalb an Silvester allein. Also geht sie einkaufen und quatscht da einfach eine Handvoll Fremde an, mit ihr eine Party zu feiern. Kann das gut gehen?
Schaut euch dieses Cover an, da weiß man doch gleich, dass es bekloppt wird, oder?
Was man von diesem Buch erwartet: Eine witzige Geschichte über eine Silvesternacht.
Was man von diesem Buch bekommt: Abstruse Partyideen, verständliche Gedankenexperimente, philosophische Abhandlungen, politische Ausschweifungen - oh ja, und ein totes Kaninchen.
Dass Sarah Bosetti witzig ist, wissen wir ja inzwischen. Aber dass bei einer Silvestergeschichte von gerade mal 180 Seiten einige der geilsten Sätze so ganz nebenbei im Gedankenstrom versteckt sind, hat mich dann doch überrascht. Ganz zu schweigen von den äußerst nachvollziehbaren Abschweifungen (von denen sie oftmals zurückgeholt werden muss) und den Traktaten über Wälder, Stille und Dummheit. Herrlich.
Allein das hier, direkt auf S. 14:
"Manchmal schweigt mein Gehirn, und mein Mund redet trotzdem." - relatable, much?!
"Wir messen die Dinge am Gefühl, das nachher übrigbleibt." - Hier bleiben hysterisches Kichern und Schnitte beim Rasieren.
Schon das Cover dieses Buches ist sehr bezeichnend. Der Kopf steckt in der Torte. Das ist fast Programm, denn Sarah Bosetti beschreibt in ihrer Erzählung den Weg der weiblichen Hauptperson in ein unendliches Scheitern. Sie macht sich aber auch bewusst auf den Weg, damit auch ja nichts klappt. Ja, sowas ist bekannt. Es werden alltägliche Aktionen rund um den Jahreswechsel beschrieben und es ist schon sehr auffällig, was so alles shcief laufen kann.
Doch die Story ist sehr heiter erzählt, denn Sarah Bosetti hat dafür ihren eigenen Schreibstil, der auch bekannt ist durch die Präsenz in den Medien.
Ich mag diese Art des Humors, der unser Leben mit Leichtigkeit auf die, immer wieder beschriebene, Schippe nimmt. Doch nur wer sich selbst in Frage stell erreicht auch sein Ziel und wenn es über Umwege ist.
Weitaus weniger lustig, als ich erwartet hätte und relativ langsam zu lesen, dafür aber voll von sehr klugen Gedanken - die dabei teilweise aber auch echt deprimierend sind. Denn so ist die Welt nun einmal.
Ok, die Prämisse dieses Buches hat mich angesprochen: über das Scheitern zu schreiben sollte einen frischen Blick eröffnen. Den finde ich nur in Teilen im Buch wieder. Die Rahmengeschichte ist skurril, aber dabei meist nicht wirklich originell oder lustig. Die eingeschobenen inneren oder auch gesprochenen Monologe der Protagonistin sind z.T. durchaus bedenkenswert und einige schlaue Sätze finden sich, über die ich schmunzeln konnte oder bei denen ich dachte: ja, genau! Insgesamt hat mich jedoch das Buch nur mäßig überzeugt. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die wesentlichen Gedanken, in einer anderen Form präsentiert, eine viel ansprechendere Wirkung hätten. Als Poetry-Slam-Text, als live oder im Hörbuch vorgetragener Text, als Serie von Kommentaren in einer Zeitung... nur nicht so sehr in der gewählten Form. Hier wirkt einiges einfach nur banal oder blöd, anderes wiederum schlau und durchdacht. Schade. Kein komplettes Desaster, aber ein mittelmäßiges Buch.