Ich finde es grade wirklich schwer zu bewerten.
Es war sehr viel spannender als gedacht, Theodor Storm hat eine unglaubliche Atmosphäre erzeugt, man spürt richtig die karge, harte Landschaft der Nordsee, den rauen Wind, das vollständige Ausgeliefertsein gegenüber der Natur und ihren Launen, und vor allem dem Meer. Es ist das Meer, dass sie ernährt, aber sie auch tötet und Dinge vernichtet. Und genauso rau und karg wirken auch alle Charaktere in diesem Buch. Trotzdem - oder vielleicht sogar grade deswegen - fand ich die Beziehung zwischen Hauke und Elke unglaublich schön und berührend. Sie steht gar nicht so sehr im Vordergrund, aber durch sein ganzes Leben hindurch ist Elke eine stille, sanfte Präsenz an Haukes Seite, vom Stallburschen bis zum Deichgrafen hin.
Es hat mich ein wenig an "Die Judenbuche" erinnert, was die Schilderung eines kargen, rauen, von Entbehrungen geprägten Lebens angeht, aber Theodor Storm hat es sehr viel gefühlvoller geschildert als Annette von Droste-Hülshoff. Bei ihr gibt es ja so gar keine Wärme, keine menschliche Connection irgendeiner Form, alle leben und sterben allein, ohne jemals bei jemand anderem anzudocken - aber hier ist wirklich etwas sehr Zärtliches zwischen den Zeilen, und Hauke, Elke und Wienke haben sehr liebevolle Gefühle in mir ausgelöst.
Die Ritte, die Hauke auf dem Schimmel über "seinen" Deich zurücklegt, sind so eindringlich geschildert, dass man das Gefühl hat die Gischt spritzt einem ins Gesicht, man hört das Klopfen der Hufen auf dem sandigen Boden und man hört das Brausen der Wellen.
Ein sehr eindringliches Buch, über das ich mit Sicherheit noch eine Weile nachdenken werde.