Jump to ratings and reviews
Rate this book

Der Wein des Vergessens

Rate this book
Ein dokumentarischer Roman, wie man ihn sich brisanter und spektakulärer nicht ausdenken könnte. 1938 befindet sich die Riede Sandgrube – eines der berühmtesten Weingüter der Wachau – im Besitz des jüdischen Geschäftsmanns Paul Robitschek sein Partner ist August Rieger. Robitschek und der angebliche Baron sind Geschäftsfreunde und zugleich ein glamouröses Liebespaar. Die Denunziationen erleichtern die Arisierung jenes Besitzes, der zur Grundlage der berühmten Winzergenossenschaft Krems wird – ein Begriff für Wein & Kultur weit über die nationalen Grenzen hinaus. Diese Arisierung ist bis heute noch nie Thema der Forschung gewesen. Die Autoren konnten einen Schatz an Dokumenten sicherstellen, mit dem sie eine unglaubliche Geschichte von Verrat und Treue, Liebe und Geschäft, Vernichtung und Verdrängung erzählen.

256 pages, Kindle Edition

First published August 28, 2018

4 people want to read

About the author

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
7 (53%)
4 stars
6 (46%)
3 stars
0 (0%)
2 stars
0 (0%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 of 1 review
Profile Image for Johann Guenther.
807 reviews28 followers
January 10, 2019
HERRMAN, Bernhard; STREIBEL, Robert: „Der Wein des Vergessens“, Salzburg Wien 2018
Es ist ein großartiges Buch. Die Beschreibung eines Zeitabschnitts über die NS Zeit in Österreich mit Vor- und Nachwirkungen auf Basis von konkreten Personen. Ein Roman – so nennt sich das Buch – wie man ihn nur schwer erfinden könnte. Die Basis lieferte der Nachlass einer Verwandten des Autors Herrman. Einen schalen Beigeschmack hat das Buch aber, auf den ich am Ende dieser Rezension zurückkommen möchte.
Nun zum Inhalt: Ein wohlhabender Weinhändler mit Besitzungen in Wien Heiligenstadt, Krems und im Süden Österreichs ist homosexuell und hat einen gesellschaftlich sehr aktiven Freund, der selbst aber wenig vom Geschäft versteht und von ihm abhängig ist. Dafür hat er ausgezeichnete Beziehungen zur gehobenen Gesellschaftsschicht. Der Weinhändler ist Jude und bekommt mit der Übernahme der Nationalsozialisten Probleme. Sein Freund hilft aus. Die Güter werden an ihn verkauft umso vorm Zugriff durch die Nazis gesichert zu sein. Dem war dann nicht so. In Krems wurde von Nationalsozialisten eine Winzergenossenschaft gegründet, die das Kremser Weingut übernehmen wollte und nach langen gerichtlichen Streitigkeiten auch tat. Politisch war die Sache klar, aber rechtlich doch nicht. Obwohl letztlich die Nationalsozialisten gegen den Freund des Juden, der inzwischen ausgewandert war gewonnen hatten. Der Weinhändler selbst schlägt sich über Triest, Frankreich nach Venezuela durch, wo er wieder ein Geschäft aufbaut und erfolgreich wird. Mit Österreich und seinem Freund hat er über viele Jahre jeden Kontakt abgebrochen. Bei Kriegsende flüchtet auch der zurückgebliebene Freund in die amerikanische Zone. Der Verwalter und inzwischen enge Freund führte die Geschäfte weiter. Die Familie des Verwalters – Frau und Tochter - wurde „seine Familie“ und sie nannten ihn auch Vati. Die Enteignung der Weingüter wurde nach dem Krieg wieder gerichtlich aufgenommen. Aber an der Gesinnung hatte sich Nichts geändert. Der jüdische Besitzer hatte zwei Mal Geld für seine Besitzung bekommen. Schätzungen gerichtlicher Gutachter sahen die Zahlungen als realistisch an und der Akt wurde geschlossen. Der Weinhändler kam noch einmal nach Wien, um seinem Freund aus finanzieller Not zu helfen. Er starb reich und alleine in Venezuela. Seine Wiener Besitzungen vererbte er dem Freund, der aber verarmt starb.
Ein wirklich gut recherchiertes Buch. Obwohl die Erzählung auf der Zeitachse läuft verliert es nicht an Spannung beim Lesen. Warum man im Vorwort und im Nachsatz negativ über das derzeitige Management der Winzergenossenschaft, einem gut organisierten Betrieb, schreibt ist nicht zu verstehen. Erbsünde gibt es doch nicht mehr? Es sind inzwischen schon zwei Generationen vergangen. Was bezweckten die Autoren mit diesen negativen Statements? Soll das Buch Bestandteil eines gerichtlichen Wiederaufrollens der Übernahme durch die Winzer werden? Müssen Menschen, die achtzig Jahre später leben dafür einstehen was ihre Urgroßeltern gemacht haben?
Dieses Buch wäre auch ohne diese Schmutzkübelaktion ein gutes Buch geworden.
Displaying 1 of 1 review

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.