Die Berichterstattung zu Björn Höcke besteht überwiegend aus Meinungen ü b e r ihn. Äußerungen v o n ihm sind den Medien eher selten zu entnehmen. Wenn es dann doch geschieht, werden seine Worte nur ausschnittsweise mit skandalisierender Absicht wiedergegeben. Derart wie ein bedrohliches Phänomen analysiert, kommt er als eigenständiger Autor seiner Äußerungen nicht in Betracht. Er dient nur als die harte Kante, an der die gegen ihn ausgesandten Signale zur Resonanz kommen. Keinesfalls soll er als Sender eines eigenen Programms wahrgenommen werden. Vorliegendes Buch korrigiert das Mißverhältnis, indem es Björn Höcke selbst ausführlich zu Wort kommen läßt. Seine Auffassung von den gegenwärtigen Verhältnissen ist dargelegt im Gedankenaustausch mit dem Künstler und Publizisten Sebastian Hennig. Beide Gesprächsteilnehmer gehören dem gleichen Jahrgang an, verlebten jedoch ihre Kindheit und Jugend in getrennten deutschen Teilstaaten. Die während eines Jahres geführten Gespräche spiegeln damit zugleich die Empfindungen einer Generation wider, die unmittelbar nach der deutschen Wiedervereinigung ihr Berufsleben angetreten hat. Wir erfahren zugleich, welche politischen Ziele Björn Höcke verfolgt und welche Vorstellungen von der Welt er hegt. Darüber hinaus vermittelt das Gespräch einen Eindruck von der Person hinter dem diffamierten Politiker, zeigt auf welchen Erfahrungen und Erlebnissen seine Einsichten gegründet sind.
Björn Uwe Höcke is a German politician of the far-right Alternative for Germany (AfD) party. After Andreas Kalbitz was banned from the AfD, Höcke has been the sole leader of the party's far-right Der Flügel faction, which the German government's Federal Office for the Protection of the Constitution declared a suspected right-wing extremist organization. He is chair of AfD Thuringia, also classified as a right-wing extremist organization.
In September 2019, a German court ruled that describing Höcke as fascist was not libelous.
Höcke led the AfD to its first-ever first place finish in a state election at the 2024 Thuringian state election. It was the first time a far-right party placed first in an election since the Nazi era.
The quotes from this book that are available online (e.g. here and here (in German)) are enough for me to give this trash the rating it deserves in my eyes.
Also, I already read the prequel and I'm not that eager to slosh through this kind of crap twice. _____
[Update 26 Oct, 2019]
Here's a full review (in German) by someone who actually read the whole book and basically confirms my gut (puking) feeling :
To everyone who's eligible to vote tomorrow in the state elections in Thuringia: Read the above and then think about who you want to vote for. _____
[Update 20 Feb, 2020]
No way to prove it, but I'm quite certain the gunman from today's act of racist terror in Hanau is indirectly linked, somehow, to Höcke and his fascist party AfD. As a working hypothesis and until the opposite is proven, at least one can (and should) assume this.
In Höckes Welt sind das Problem nicht die eigenen Sprüche über den "Verwesungsgeruch einer absterbenden Demokratie" oder die "Zeit des Wolfes", die gekommen sei. Seine Holocaustrelativierungen seien Missverständnisse, wobei man natürlich fragen müsse, "ob das Weltjudentum nicht auch eine Kriegsschuld trägt".
In diesen 300 Seiten waberndem ManWirdJawohlNochSagenDürfen gerät der industrielle Massenmord jedoch zur Nebensache. Opfer sieht Höcke eher auf Seiten der vermeintlichen Herrenrasse: es geht um die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten oder die alliierten Bombenangriffe auf deutsche Städte.
So kann dann mit Novalis-Geschwurbel, Waldromantik und Wagner-Wawa die Macht des zweiten Versuchs beschworen werden. Nicht nur die Popkultur der 40er-Jahre soll dabei Wiederverwertung finden, sondern auch Leitmotif (Volk), Methode (starker Mann), und Maskottchen (Schäferhund).
"Das Individuum wird verschwinden hinter den Interessen des Volkes" proklamiert Höcke da. Führerstark erklärt er sich bereit, gerne auch einer größeren Zahl der einfachen Menschen den heldenhaften Opfertot zu ermöglichen: "wenn wir leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind, sich der fortschreitenden Afrikanisierung, Orientalisierung und Islamisierung zu widersetzen" (Seite 80).
Die Bereitschaft der Alternative für Deutschland im Interesse der Wirtschaft den einen und besonders auch den Anderen im Corona-Erstickungsanfall verrecken zu lassen war dabei nur der Anfang: Diabetes, Fehlsichtigkeit, Kleinwuchs, Asthma und fehlender Gymnasialabschluss werden als weitere "Fehler des Volkskörpers" (S. 132) angeführt, deren "Ausschleichung durch sozialbekömmliche Ablebenskontrolle" (S. 138) zu erwägen sei, etwa "Kürzungen in Schmarotzersystemen wie Bürgergeld und Rentenegoismus" (ff) oder einer "Politik der nicht ganz so schnellen Hand beim Auftreten zielführender Naturphänomene (Viren, Geriatrie, Narungsmittelverknappung" (ff).
Das in Form eines langen Interviews verfasste Buch setzt sich mit den Erfahrungen und Überzeugungen Björn Höckes auseinander, einem der führenden Köpfe der Alternative für Deutschland. Selbstredend lohnt die Lektüre schon deshalb für jeden, der sich ernsthaft mit der Person Höcke auseinandersetzen will und sich nicht über die diffamierenden Charakterisierungen der Medienlandschaft ein falsches Bild machen will. Höcke verwendet eine klare Sprache, bedient sich zahlreicher historischer Referenzen und stellt seine Belesenheit unter Beweis. Im Verlauf der Lektüre bekommt man griffige Anhaltspunkte über den Menschen, das Denken und Empfinden Höckes und erhält Einblicke die für ihn prägenden Momente. Messerscharf ist - größtenteils - auch die Bestandsaufnahme der aktuellen bundesrepublikanischen politischen Praxis. Im Gegensatz zu dem immer wieder von seinen Kritikern geäußerten Vorwurf, er hätte keine Alternativen vorzuweisen, ist zu konstatieren, dass er dergleichen einige anführt. Zum Negativen: Erstens hätte dem Buch ein Lektorat mehr als gut getan. Es wimmelt nur so vor Tippfehlern und falschen Endungen (Deklination), dass sich einem die Haare sträuben. Dies wäre für eine Neuauflage auf jeden Fall zu überarbeiten. Zweitens merkt man dem ganzen an, dass Höcke ein Politiker ist, der trotz seiner Versuche, sich vom Establishment abzugrenzen, zumindest in einem Punkt eine augenfällige Gemeinsamkeit aufweist: Auf die dialektischen Nachfragen seines Interviewpartners scheint er den Einwänden immer wieder beizupflichten, was auf mich den Eindruck gemacht hat, er wolle sich nicht zu apodiktisch festlegen, zeigt keine klare Kante, wo dies sicher vonnöten wäre. Er vermittelt damit den Eindruck, keine potenziellen Wähler verschrecken zu wollen. Natürlich muss man differenzieren und Termini klar definieren, um die eigene Position umreißen zu können. Trotzdem konnte ich mich dem Eindruck nicht erwehren, als würde Höcke A sagen, um kurze Zeit später - nach einem Einwand seines Co-Autors Hennig - auch dem Gegenstück B zuzustimmen. Für mich riecht das Ganze etwas zu stark nach politischem Kalkül, ein Vorwurf, der Höcke mit Sicherheit nicht schmecken wird. Meinem Empfinden nach handelt es sich bei dem Buch um etwas durchaus Lesenswertes. Dennoch sind die Weitschweifigkeit und das teilweise Fehlen einer klaren Richtung (vielleicht, weil Höcke sich selbst noch nicht sicher ist, wohin die Reise gehen soll?) Minuspunkte, die anzumerken sich für eine Rezension sich doch geziemt.
Im langen Interview zwischen dem Autor Sebastian Henning und Björn Höcke in Buchform zeigt sich Höcke von vielen Seiten als Mensch und Politiker. Dabei treten drei zentrale Erkenntnisse über Höcke auf.
1. Höcke ist deutlich reflektierter und gemäßigter, als ihn die Hauptstrommedien und Politikkonkurenten zeichnen. Der im unterstellte Rassismus, Faschismus, etc. (traurigerweise auch hier bei Goodreads) sagt deutlich mehr über die beschränkte Weltsicht derjenigen aus, die Höcke diese Phrasen an den Kopfwerfen, als über Höcke selbst. Im Wesentlichen ist Höckes Ansicht empirisch und philosophisch fundiert, im starken Gegensatz zu den Vorwürfen.
2. Höcke ist deutlich belesener und eloquenter als seine Politikkonkurenten. Politiker wie Scholz, Habeck oder Merz erscheinen im Vergleich zu Größen wie Helmuth Schmidt oder Konrad Adenauer sehr blass und dünnhäutig. Im Gegensatz zu Höcke. Er hat sich weitläufig gebildet und kennt Konzepte, die man einem heutigen Poltiker eher weniger zutrauen würde. Seien dies Theorien von Ernst Jünger, Niccolo Machiavelli oder Rahim Taghizadegan. Höcke beschreibt sie korrekt und fügt sie produktiv in sein Weltbild ein. Und dieses Weltbild ist im Allgemeinen sehr positiv und modern für Deutschland formuliert. Man fühlt sich ermutigt, an eine Trendwende hin zu einem positiven Deutschland zu glauben, sollte Höcke oder die AfD jemals an die Macht kommen.
3. Am Ende des Tages ist auch Höcke nur Politiker. Ein Teil des Buches besteht aus dem bekannten Politikersprech, den Höcke genauso drauf hat wie seine Konkurrenz. Man weiß teilweise gar nicht genau, wofür Höcke steht. Seine Aussagen könnte man so oder so auslegen, wie es gerade für die Situation oder dem eigenen Weltbild opportun ist. Man wünscht sich beim Lesen einige markige Worte und Positionen, die für Höcke verbindlich sind. Dass die positive und zukunftsfähige Version von Deutschland, die Höcke zeichnet, auch wirklich umgesetzt wird und nicht nach seiner Wahl genauso Schall und Rauch waren wie die Wahlprogramme der Altparteien.
Alles in allem aber ein gut lesbares und lesenswertes Buch, das mein Bild über Höcke positiv korrigiert hat.
Sehr interessanter Einblick, der deutlich macht wie viel weniger extremistisch Höckes tatsächliche Ansichten im Vergleich zu den ihm zugeschriebenen sind. Er formuliert sehr schön, und man merkt, dass beide Dialogpartner sehr gebildet sind. An manchen Stellen sehr wenig konkret, aber definitiv empfehlenswert für jede Person, die Höcke bis jetzt nur aus der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung kennt.
I began reading it out of interest in getting a data point on a culture I don’t really follow any more. Höcke seems well-read, always dropping quotes by German philosophers, and the book was interesting, so I kept reading, but not all the way to the end—I feel I did get the point by then. He comes across as measured in his arguments, and his position feels like a form of social democracy. I ultimately disagree with Höcke’s perspective: I don’t think this centrist-socialist approach can really succeed at this point. [CENSORED DUE TO SPEECH PERSECUTION]
Anmerkung: Der Text dieses Buches ist in der alten deutschen Rechtschreibung verfasst. Zum Beispiel wird "daß" statt "dass" geschrieben. Leider gibt es keinen Kommentar der Autoren, warum sie das so gemacht haben.