"Eine wunderbare Idee, ich will diesen Roman unbedingt lesen. Hoffentlich hält der Brexit niemanden ab, ihn ins Englische zu übersetzen." Nick Hornby.
Jahrelang hat Karl May behauptet, er selbst sei Old Shatterhand: unbesiegbarer Abenteurer, bärenstarker Fährtenleser und Winnetous Blutsbruder. Hunderttausende Leser glauben ihm, obwohl er Sachsen praktisch nie verlassen hat. 1899 aber bricht er zum ersten Mal wirklich in den Orient auf und entdeckt, dass die Welt ganz anders ist als erdacht – und er selbst womöglich auch … Karl May ist 57 und längst für seine Reiseerzählungen berühmt, als es ihn das erste Mal tatsächlich aus Europa hinaustreibt. Monatelang reist Karl – der angeblich 800 Sprachen spricht, alle Kontinente durchstreift hat und Gegner mit einem Fausthieb niederstreckt – mit dem Reiseführer in der Hand durch den Orient. Doch alles ist ihm eine Enttäuschung. Die Länder, die Sehenswürdigkeiten und am allermeisten der Mann, den auch er für Old Shatterhand gehalten hat: er selbst. Dann aber blasen die Zeitungen daheim zur Jagd auf ihn, und unterwegs muss Karl May plötzlich ein noch größerer Held werden als der, den er immer gegeben hat. Denn vielleicht kann er so noch seinen Ruf retten. Oder zumindest die Welt.
So meine lieben abenteuerliebenden Burschen und Mädels jetzt müsst Ihr gaaanz tapfer sein, wie beim Tod Winnetous die Zähne zusammenbeißen und dürft kein Tränchen verdrücken, denn ein Idol Eurer Kindheit und Jugend, der vielgerühmte und meistübersetzte deutsche Autor Karl May wird als historische Person in diesem Roman richtig grauslich demontiert und vom Sockel gestoßen.
Dabei ist fast das Grausamste an diesem „fiktionalen“ historischen Roman, dass er extrem gut recherchiert ist. Wenn ich mal schätzen darf, sind mehr als 85% der geschilderten Begebenheiten historisch belegt und haben sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit genauso oder ganz ähnlich abgespielt.
Philipp Schwenke verknüpft Fakten und Fiktion sehr geschickt und präsentiert dem Leser ausladend und episch breit, gleichsam im Schreibstil seines Protagonisten, einen äußerst ambivalenten nicht wirklich sympathischen Helden Karl May, der als Verbrecher und genialer Schwindler in sein Leben gestartet, nach und nach an seine eigenen Gschichtln glaubt und zu guter Letzt Wahrheit von Fiktion nicht mehr zu unterscheiden vermag. Dabei werden auch punktgenau Originalzitate von Karl May bzw. Kara ben Nemsi – wenn Karl glaubt er sei seine fiktive Figur – eingestreut.
Viele von Euch werden ja die historischen Fakten kennen, dass May die Länder, über die er schrieb, bis zu seinem 57. Lebensjahr gar nicht bereist hatte. Im Gegenteil: er war bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht aus seiner Heimat herausgekommen. Wenige wissen aber, dass er jahrzehntelang steif und fest behauptete, keine fiktionalen Romane zu schreiben, sondern Tatsachenreiseberichte abzugeben und wirklich alle Geschichten unter dem Pseudonym Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi erlebt zu haben.
Der Roman beginnt 1899 als er seine erste Reise in den Orient unternimmt und sich bereits in den Zeitungen Deutschlands die ersten Gerüchte über den mangelnden Wahrheitsgehalt seiner Aussagen verdichten. Auf der Reise nach Kairo, Jerusalem und Ceylon schwindelt sich Karl mit Aggression, Dreistigkeit und Chuzpe aus Lagen, in denen er sein Sprachtalent oder seine Kampfkünste oder andere Fähigkeiten, die er sich selbst in seinen Romanen zugeschrieben hat, beweisen soll. Diese Situationen sind total spannend, amüsant und zum fremdschämen, wie er sich windet, sein selbst erstelltes Lügengebäude aufrecht zu erhalten. Der Protagonist ist leider kein fiktionaler Autor mit wundervoller Fantasie, sondern ein ziemlich fieser Aufschneider, der vertuscht, lügt, betrügt und die Leute anpöbelt, die es wagen, seine Ausführungen der Fiktion zu bezichtigen. In Ägypten läuft Karl zudem wie der typische deutsche Tourist mit dem Reiseführer Baedeker durch die Gegend, bar jeder Sprachkenntnis, holt sich Durchfall und wird im Bazar abgezockt. Auch das ist sehr witzig.
So en passant werden dem Leser in Rückblenden auch noch die sehr schwere, historisch verbriefte Jugend von Karl May und die Traumata der Vergangenheit präsentiert, die ihn zu einem Verbrecher und Schwindler haben werden lassen. Nach der Verurteilung zum Knast wegen einer Bagatelle, waren seine Laufbahn als Betrüger und weitere schwere Straftaten somit einzementiert. Durch mangelnde Resozialisierungsmöglichkeiten zur damaligen Zeit hatten Straftäter nie wieder die Gelegenheit, einer ehrlichen Arbeit nachzugehen. Insofern hat Karl May mit seiner Fantasie als Autor sein Potenzial, mit ehrlicher Arbeit Geld zu verdienen, maximal ausgeschöpft.
Im Roman wird die Figur Karls sehr liebevoll, tief und detailgenau entwickelt, aber nicht nur unsympathisch sondern auch mit ihren positiven Eigenschaften. Zum Beispiel ist es erstaunlich, was May, der ohne mit der Wimper zu zucken andere belügt, bestiehlt und betrügt für einen unverrückbaren moralischen Kompass bezüglich Sklaverei, allgemeinen Menschenrechten und Frieden hat, den die Reichen gesetzestreuen Bürger nicht aufweisen, denn sie unterscheiden zwischen wertem und unwertem Leben. Zwar ist das Menschenbild schon seiner Zeit geschuldet, aber May schwamm immer gegen den Strom und versuchte, fremde Völker nicht zu diskriminieren. Manchmal wirkt der Protagonist fast als tragischer Held in einem für sich selbst inszenierten Drama, in seinem hehren Anspruch an sein ideales Selbstbildnis, in seinem Dozieren, in seiner kindlich naiven Friedensliebe, mit all seinen Fehlern und psychischen Störungen, wie er sich selbst im Weg steht, und sich von den falschen Leuten instrumentalisieren lässt.
Ein weiterer spannender Aspekt des Romans ist das sehr gut geschilderte Beziehungsdreieck zwischen Karl und seiner ersten beziehungsweise zweiten Ehefrau. Karl und Emma May, die erste Frau, passten charakterlich überhaupt nicht zusammen, weil sie so unterschiedlich waren. Bei einem wertschätzenden Umgang in so einer Ehekonstellation ist dies aber durchaus meist die beste Voraussetzung für ein glückliches Zusammenleben. Nicht jedoch, wenn die beste Freundin der Frau und Witwe seines ehemalig besten Freundes, Klara Plöhn, sich bei den entfremdeten Eheleuten Süßholz raspelnd, verständnisvoll, hinterfotzig, ständig einwanzt, die beiden in ihren Ressentiments gegeneinander bestärkt und den schwelenden Konflikt richtiggehend durch Lug und Trug befeuert. Es kommt wie es kommen muss. Der so eingesponnene Karl May glaubt seiner „guten“ Freundin Klara und entsorgt die erste Ehefrau sehr unschön und ohne Absicherung. Emma sah ich als eigentliche tragische Heldin dieses Romans, auch wenn sie als sehr dumme egomanische Hedonistin auch nicht wirklich sympathisch geschildert wurde. Am intrigantesten ist aber die Figur der Klara Plöhn gezeichnet, die den Sieg als Klara May in diesem spannenden Ehedrama davonträgt. Die bösartigen Eigenschaften von Klara sind insofern auch historisch verbrieft, weil sie in jahrelangen gerichtsanhängigen Verfahren in der Causa May ja auch an die Öffentlichkeit gelangten. Zudem basiert der Roman auch noch auf den Tagebuchaufzeichnungen von Klara May.
Fazit: Ein episch breiter, sehr spannender historischer Roman mit viel Faktengehalt der mich zum Recherchieren angeregt und keine Sekunde gelangweilt hat. Aber eines solltet Ihr als Fans auf jeden Fall beherzigen. Lest ihn mit der Maxime: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“.
Eine Ménage-à-trois aus Lug, Betrug und Größenwahn
Obwohl ich nicht jedes einzelne Buch von Karl May gelesen habe, war Winnetou das allererste Idol in meinem Leben (neben Michael Jackson), und ich habe mir niemals den dritten Teil dieser Winnetou Saga gegeben (weder als Film noch als Buch), weil ich seinen Tod nicht ertragen hätte. Tja, lang lang ist’s her… Mit „Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste“ hat Philipp Schwenke ein rasantes und mächtiges Romanwerk über den sächsischen Hochstapler vorgelegt, das zumindest mir in seiner überbordenden Wortfülle und Fabulierlust herrlich gut gefallen hat. Dass Karl May seine Geschichten geschrieben hat, ohne jemals in den jeweiligen Ländern gewesen zu sein (zumindest zum Entstehungszeitpunkt dieser Abenteuerwerke), war mir bekannt. Neu jedoch war für mich Mays selbstinszenierter und –erbastelter Lebenslauf, wonach er sämtliche Abenteuer selbst erlebt hat, ein Sprachgenie ist und unzählige Kampf- und Verteidigunsstrategien beherrscht. Und ihm das von der Mehrheit der Leute tatsächlich abgekauft wurde. Ich habe während des Lesens den Lebenslauf von Karl May ein bisschen recherchiert, und auch wenn Schwenke sicherlich sehr vieles ausgeschmückt und für seine Zwecke passend gemacht hat, so stimmen doch die Eckdaten und Vorkommnisse, die in diesem Buch beschrieben wurden, mit dem wahren Leben Mays überein. Ob aber, wie im Buch beschrieben, seine Frau Emma wirklich so ein Biest war? Ob die Frau seines besten Freundes Klara wirklich so eine berechnende Person war, die ihre Nebenbuhlerin erfolgreich aus der Ehe und in den Verfall getrieben hat, um deren Stelle an Karl Mays Seite einzunehmen? War Karl May tatsächlich so ein vehementer Verfechter von Recht und Moral, die er bei anderen Menschen, vor allem Frauen, vorausgesetzt hat, aber selbst als – zugegebenermaßen verklemmter – Lügenbold sein Leben lebte? Das Hin- und Herspringen in der Zeit lockert das Buch auf, erst zum Schluss vermischen sich dann Gegenwart und Vergangenheit in einem Konglomerat aus Wahn und Wirklichkeit. Sehr gut gefallen hat mir auch die Art und Weise, wie der Autor mit Mays „Einbildungskraft“ umgeht, und wie er dies letztendlich auflöst. Auch die doch sehr unangenehme Lebenssituation aller Beteiligter, die mit Beginn der Orientreise Karl Mays beginnt, fängt der Autor sehr gut ein. Ob es nun die Séancen sind, die man zum eigenen Vorteil nutzt, der vorgetäuschte Selbstmord, oder eine temporäre Vorlesemanie – nicht zu vergessen, die wohl verklemmteste Sexszene, die ich je in einem Buch gelesen habe – man möchte das Buch beenden, um sich aus dieser vergifteten Dreiecksbeziehung zu lösen. Gleichzeitig aber schafft es der Autor, mit seinem Schreibstil die Leser nach wie vor an die Geschichte zu fesseln. Eine sehr gelungene Mischung aus Biographie, Schmöker und Sittengemälde – ich zumindest werde die Bücher Karl Mays in Zukunft mit anderen Augen lesen.
Über Karl May: Zwischen Tragik und Lebenskunst. Was es über den Jugend- und Abenteuerromanschriftsteller Karl Friedrich May (1842 bis 1912) zu sagen gibt, findet man in einem einzigen, etwas längeren Wikipediaeintrag beschrieben, danach ist man ziemlich umfassend informiert. Philipp Schwenke holt wesentlich weiter aus und braucht über 500 Seiten, um das Leben Karl Mays darzustellen.
Die Länge seines Romans ist denn auch der Hauptkritikpunkt des Buches, das eine Mischung aus Theaterdarstellung, Persiflage, Biographie und einem Wahrheitsflimmern über der Wüste ist. Selbst das Interesse ausdauernder früherer Karl-May-Leser dürfte angesichts der Länge des Romans auf der Stecke bleiben.
Eigentlich ist die Nachstellung Karls Leben gut gemacht und gut gedacht: In ähnlich ausschweifender und manchmal schwülstiger Schreibweise wie Karl lässt der Autor den Schriftsteller May wirklichkeitsgetreu endlich doch auf Reisen gehen, er ist nun schon 57 Jahre alt und kann es sich jetzt finanziell leisten, seinen Träumen nachzuspüren. Doch Karls Wahrnehmung der Wirklichkeit ist inzwischen empfindlich gestört. Es wird nicht ganz klar, ob er wirklich selber glaubt, der Held Kara Ben Nemsi Effendi zu sein oder ob er vielleicht psychisch kränker war, als man ahnte, möglicherweise an einer bipolaren Störung litt oder einfach nur ein Aufschneider und Narzißt war. Wohl ein bisschen von allem.
Denn Karl May war eine tragische Figur. Er wurde in seiner Jugend für ein lächerlich geringes Vergehen in den Knast gesteckt, wo er einen psychischen Knacks bekam. Heute bekäme er einige Sozialstunden aufgebrummt und die Sache hätte sich. Doch nach dem Gefängnisaufenthalt war Karl vorbestraft. Eine Karriere im Schuldienst, wie angestrebt, konnte Karl knicken. Nach einigen Irrungen und Wirrungen, häufig illegaler Art, landete er als Redakteur bei einer Zeitung und begann das Schreiben. Er hat sich angelesen, was er brauchte, um seine Helden einigermassen wahrheitsgetreu in fernen Ländern Abenteuer bestehen zu lassen. Seine schreiberisches Potential war hoch. Er sonnte sich in seinem Ruhm, der bald kam.
Doch mit der Wahrheit nahm er es nie so genau. Das Flunkern lag ihm einfach. Privat war er schwierig. Er hörte sich gerne reden! Mit Argumenten konnte er nichts anfangen. Praktisch war er unbegabt.
Schwenke unterbricht seinen Reisebericht mit Karl immer wieder, um Zeitungsartikel einzulesen, die in der Heimat erscheinen und Karls Behauptungen, es handle sich bei seinen Romanen um authentische Reiseberichte, in Zweifel ziehen. Damit kann Karl so gar nicht umgehen. Er ist beleidigt und schlägt um sich.
Es fällt schwer, sich einen Menschen vorzustellen, der derart in einer Traumwelt lebte und sich weigert, zu erwachen. Aber … Karl war wohl so. Er kam zu Geld, ruinierte seine Ehefrau, lebte mit deren Freundin als zweiter Ehefrau recht gemütlich weiter und prozessierte jahrelang mit seinen Verlegern. Ein normales Autorenleben also.
Karl May war eine Zeitlang der angesagteste Schriftsteller Deutschlands. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt. Natürlich sind Karl Mays Bücher Trivialliteratur. Die Helden sind stark, klug und gut und die Antihelden das Gegenteil. Einzig Winnetou ist anders, nachdem Kara Ben Nemsi ihn bekehrt hat. Heute gibt es Besseres zu lesen für die Jugend, Ausgewogeneres und Realistischeres (Harry Potter ist doch realistisch oder?) und Karl gerät allmählich in Vergessenheit. Aber Winnetou lebt dennoch ewig!
Von Kindern Karls war nie die Rede. Schade eigentlich. Ein wunderbares Erbe wäre ihnen in den Schoß gefallen. Samt Tantiemen.
Fazit: Eine Biographie ganz anderer Art. Mehr ein langes, taumeliges Theaterstück. Der Leser erhält eine Ahnung von Karls Traumwelt, denn Philipp Schwenk stellt sie nach.
Let's quote Max Liebermann: "I cannot eat as much as I would like to vomit."
I cannot emphasise strongly enough how much I've had it with people destroying other people's joy in reading.
Yes. Yes, there are authors who have done "bad things". This ranges from authors who show the typical lack of knowledge and behaviour of their era (Mark Twain, Enid Blyton, etc.), there are authors who fiddled about their identity, some more, some less (Dick Francis, Josh Lanyon, JK Rowling, Karl May). There are authors too old to be on top of science or plainly intolerant of certain things (Anne McCaffrey, Orson Scott Card) and authors accused of things they can't react to anymore, yet are so condemning, one almost has to hide the covers if reading (Dickens, Hemingway, MZB, Joyce, Rand, Colleen McCullough).
No, I do not want to know about this! I. REALLY. DO. NOT. WANT. TO. KNOW. I'm selfish. I want to keep reading the books I cherished in the past until I die. Some I will discard anyway, because I've grown out of them. But quite many used to be and are on my constant rereading lists. I couldn't care less whether Dick Francis' wife wrote much of the prose in his books, or whether Karl May lived in a fantasy where he experienced all the stories he told. It's the stories.
The stories.
And guys like you and many others, some more, some less spiteful, take them away from us by "writing the truth about these authors." But books are about the fantasy!
Pablo Picasso was an often violent arsehole to his wives and lovers, yes, he engaged in physical and psychological abuse. Paul Gaugain was into young, though definitely post-pubertal, girls as sexual partners and infected them with his own syphilis. However, no one in the art world would even dream of rejecting the oeuvres of these painters and not every exhibition of them starts with the admonishment that one of them was a wifebeater (at a time where this was more or less the norm) or into teenagers (ages ago on an island where most girls are married off earlier).
No. I am not excusing what they did. I just see this and much of what authors lately got accused of within the perspective of era and culture. The problem is, however, that with authors you have to consciously drop into their minds when you read their books. A Picasso I can evaluate and enjoy without doing that. whereas certain accusations - quite a few of them unproven - have made it impossible to me to read these authors.
And I am angry. Not at the authors. They all were human and fallible. No, I'm angry at the spoilsports whose main joy is to destroy my fun in reading.
So, go and take your damned destruction of Karl May's image elsewhere. Thankfully I can return this book. God bless Amazon.
Der Roman ist für mich schwer zu bewerten. Als Karl-May-Fan bin ich vorbelastet, die Biographie ist mir bekannt und die Lebensgeschichte fasziniert mich seit Langem. Somit ist das offensichtliche Thema der Orientreise und der Ehe der Mays für mich nicht überraschend und nimmt daher auch etwas das Vergnügen, das ein unwissender Leser noch größer hat. Doch dann kommt Schwenkes Interpretation hinzu und darüber hinaus seine intelligente Schreibe. Es ist toll, dass 2018 noch solche Bücher über Karl May geschrieben werden. Psychologisch und fast pathologisch, es schmerzt mich als May-Sympathisant auch in der realen Chronik, was er ausgehalten hat, wie aus heutiger Zeit gesehen unnötig gekämpft wurde, aber auch was für krankhafte Anwandlungen May ohne Frage hatte. Schwenke zeigt dies alles deutlich, aber immer mit Sympathie. Der Clou im letzten Drittel dringt noch mehr in die Psyche ein und macht sie bildhaft. Und es wird sehr deutlich, wie perfide Klara vorgegangen ist. Schön konstruierter Roman, der viele Karl May-ferne Leser verdient hat. Vielleicht am Ende 100 Seiten zu lang, aber es macht Spaß, den Roman zu genießen. Nur die Korrektur hätte besser noch einmal vor dem Druck den Text durchgeguckt.
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Jahrelang hat Karl May der Welt vorgespielt, er selbst sei Old Shatterhand – unbesiegbarer Abenteurer, bärenstarker Fährtenleser und Winnetous Blutsbruder. Millionen Leser glauben den Fotos von ihm im Heldenkostüm und verschlingen seine Erlebnisse aus Amerika und dem Orient. Dabei hat er Sachsen praktisch nie verlassen. Er ist fast 60, als es ihn das erste Mal tatsächlich aus Europa hinaustreibt.
Endlich ist er da - Der Roman mit der Wahrheit und der uns einfach einmal die Realität in unterhaltsamer Weise darstellt - Empfehlung für jeden Karl May Fan. Man kann es nicht bestreiten - Karl-May muss über unglaubliches Können verfügen, so viele Leser weltweit in den Bann zu ziehen.
Das Buch hat einen sehr großen Umfang - zeitweise ist es etwas "langweilig" zu lesen, aber durchwegs gibt es interessante/unterhaltsame Passagen, die sich absolut zu lesen lohnen.
Ich habe bereits vor diesem Buch einige Werke von Karl May gelesen. Natürlich auch die Winnetou Bände und seitdem hat es mich gepackt. Dass das Leben von May äußerst interessant war und er ein doch ungewöhnliches Leben geführt hat, habe ich bereits gewusst. Die blühende Fantasie dieses Mannes schenkte uns nicht nur so viele tolle Romane, sondern auch eine unglaubliche Lebensgeschichte.
Das Buch von Philipp Schwenke begleitet May auf seiner ersten Orientreise. Gekonnt und sehr unterhaltsam vermischt Schwenke hier Historie und Fiktion und zeichnet ein faszinierendes Bild von May nach. Die Erzählweise hat hierbei besonders herausgestochen. Keinen Moment habe ich mich gelangweilt.
Mein Fazit daher: Für Fans von Karl May eine Pflichtlektüre und für alle anderen ein kleiner Einblick in die Welt Mays.
Wie viele Kinder hatte auch mich einst das Karl May Fieber gepackt. Während meine Mitschüler im Skilager Party machten habe ich in den wenigen Tagen dort alle Winnetou-Bände verschlungen und hatte auch das Glück, das Karl May Fest in Radebeul besuchen zu dürfen - ein unvergessliches Erlebnis. Nun also ein Buch über den Karl May hinter den Bücher, bei dem mir sofort klar war: Das muss ich lesen!
Der Roman begleitet den gealterten Karl May auf seiner ersten Orientreise und beschreibt dabei seine, mehr oder weniger, aufregenden Abenteuer, seine Gedankenwelt und nicht zuletzt seinen Alltag - die ständige Korrespondenz um seine Aufenthalte zu belegen, die Geisterbeschwörung zusammen mit seinen Freunden und auch das Verhältnis zu seiner Frau Emma. Die Geschichte springt dabei zwischen der Reise und der Zeit danach, zurück in Radebeul, hin und her, weil die beiden Stränge (natürlich) miteinander verwoben sind und so wird immer mehr ein abstruses Bild enthüllt, eine Fata Mayana.
Karl May, wie er hier erscheint, hat viele Facetten. Auf der einen Seite ist es ein liebenswerter Alter, mit dem man Mitleid hat und dessen Gedanken zu Gott, der Welt und dem Frieden vielleicht gar nicht so verkehrt sind. Und dann ist da der andere Karl May, der sich nicht von der Vorstellung von Kara Ben Nemsi und Old Shatterhand lösen kann. Der sich selbst für diese Männer hält und fest davon überzeugt ist, die Reisen der Romanhelden tatsächlich selbst durchlebt zu haben. Der sich so einfach von anderen beeinflussen lässt und jede gut eingeredete Meinung übernimmt. Der vollkommen von sich selbst eingenommen ist. Zwei vollkommen unterschiedliche Charaktere in einer Person - ein Wahnsinniger?
Dieses Jekyll und Hyde Prinzip ist vermutlich einer der Gründe, warum mich das Buch hin und her gerissen zurückgelassen hat. Den einen Karl hat man gern, der andere ist mir so vollkommen unsympathisch das ich die Sticheleien seiner Frau nur allzu gut verstehen kann. Im Verlauf des Buchs verfährt sich die Geschichte immer mehr, es wird fast unangenehm, mitzulesen, weil man nicht weiß, was echt ist und was nicht und weil man auch einiges nicht echt haben möchte. Selbst nach dem Klimax zieht sich diese Spannung fort und lässt mich mit einem gewissen Unwohlsein zurück, so als ob sich selbst die Sachen um mich herum nicht mehr greifen lassen würden.
Eindeutig also: Es handelt sich um ein schriftstellerisches Meisterwerk, denn der Leser ist am Ende bewegt! Über den Inhalt jedoch lässt sich streiten. Wähernd Karl May selbst sich damit rühmte, seine Bücher auch ohne "unsittliche Inhalte" gut verkaufen zu können scheint Phillip Schwenke an seinen eigenen Fähigkeiten auf diesem Gebiet zu zweifeln - jedoch wird immer Distanz gewahrt, so dass das Lesen nicht zu einer gänzlich unangenehmen Erfahrung ausartet.
Insgesamt bin ich mir mit einer Empfehlung bezüglich dieses Buches nicht sicher. Ich habe bei weitem nicht alle seine Werke gelesen und dabei eher die Wildwest-Geschichten als die Orienterzählungen weshalb das Buch für mich vermutlich nur halb so amüsant war wie es hätte sein können. Einiges habe ich über den Mann Karl May dazugelernt, vor allem seine Beziehung zum Spirituellen, die im Buch immer wieder thematisiert wird, hat mich überrascht und auch beeindruckt.
Man kann festhalten: Das Buch ist etwas Besonderes. Dem Leser sei eine Reisewarnung ausgesprochen, da sich unterwegs die Fata Mayanen häufen und am Ende besteht die Gefahr, dass man selbst Schwierigkeiten bekommt, Wirklichkeit und Gedachtes auseinander zu halten. Auf jeden Fall wird jedoch jeder Leser, wie auch May, verändert von dessen Reise zurück kommen.
Ich weiß nicht wieso ich dieses Buch gekauft habe. Karl May und seine Bücher könnten mich nicht weniger interessieren. Von daher konnte ich den tragischen, lächerlichen, skurrilen und z.T. wütend machenden Helden Karl gut verkraften. Ein absoluter Überraschungs-Hit. Die Kapitel über die Dreier Beziehung zwischen Karl, Emma und Klara waren zwar schwächer für mich als die (innere) Reise von Karl aber trotzdem super unterhaltend, gut geschrieben, witzig und schlau. Gibt doch nichts besseres einfach so komplett überrascht zu werden von einem unbekannten Genre, Thema und Autoren!
Beste Mischung aus lustigen und spannenden Elementen in dieser Romanbiografie über Karl May. Eine erlebnisreiche Reise in exotische Welten von der Wüste bis in den Dschungel aber auch in die Gedankenwelt von Karl May im Zeitgeist der Jahrhundertwende. Alle Charaktere waren so lebensecht mit ihren Ecken und Kanten, Lastern und Leidenschaften. Und das Beste war natürlich der unerwartete Plotttwist!
Der Autor Karl May muss seinen Publikationen zufolge ein ziemlicher Abenteurer gewesen sein, dafür wird er zumindest von der breiten Öffentlichkeit gehalten. Sein erstes tatsächliches Abenteuer beginnt jedoch erst, als er im Alter von 57 Jahren tatsächlich eine Orientreise antritt. „Emma schlief kaum. Bis zum Morgen warf sie sich im Bett herum und hoffte Karl damit zur Strafe aufzuwecken, aber der lag da wie ohnmächtig.“ Als Leser erhalten wir Einblick in Mays Leben, wie es sich abgespielt haben könnte, in seine Ehe und seine Gedanken, in denen er immer mal Old Shatterhand oder Kara Ben Nemsi verkörpert, je nachdem, wo er sich gerade befindet. Doch wir sehen auch, wie diese Fassade zu bröckeln beginnt, als die Leute in Frage stellen, ob er diese dramatischen Situationen wirklich selbst erlebt haben kann. Philipp Schwenke steht in seiner Fabulierkunst dem Protagonisten seines Romans in nichts nach, lässt er diesen doch von einem Schlamassel ins nächste schlittern. Und so kommen wir dem Autor unserer Kindheit auf höchst amüsante Art ganz nahe und können uns vorstellen, dass alles Hinzugedichtete genau so stattgefunden hat.
Vergesst den Fall Relotius, Deutschland hatte seinen ersten großen Presseskandal schon 1899.
Gegenstand der Diskussion war damals kein geringerer als der Geschichtenerzähler Karl May. Der Vater der Winetou Romane hat jahrelang behauptet er sei tatsächlich der Protagonist seiner Abenteuerromane, also Old Shatterhand perönlich. Millionen Leser glauben den Fotos von ihm im Heldenkostüm und verschlingen seine Erlebnisse aus Amerika und dem Orient. Nun mit fast 60 hat er aber das erst mal genug Geld um wirklich aus Europa rauszukommen und muss feststellen das er alles andere als der geborene Reisende ist. Großartig geschrieben und das Hörbuch toll von Devid Striesow eingesprochen.