Extrem kitschig. Das beschreibt das Buch eigentlich am besten.
Ich hatte mal wieder Lust auf ein bisschen griechische Mythologie und da bin ich auf dieses Buch gestoßen. Doch was ich nicht geahnt habe, dass hier unser Hades, (zur Erinnerung Herrscher der Unterwelt) von einer weichgespülten Prinz Charming - Friedensbotschafter Version verkörpert wird. Tut mir leid, aber das war echt zu viel des Guten.. (im wahrsten Sinne). Ja auch ein Hades darf Schwächen haben, sich verlieben, meinetwegen auch heulen aber hier wird er echt dargestellt als wäre er der absolute Unschuldsengel, der keiner Menschenseele je ein Haar krümmen würde und einfach nur will, dass sich alle lieb haben. Nichts gegen einen friedliebenden Charakter, aber dann doch bitte nicht in der Rolle eines Unterweltgottes. Es wirkt einfach im Bezug auf die Mythischen Geschichten um Hades (die im Buch natürlich alles nur Lügengeschichten sind...) einfach unglaubhaft.
Hades oder "Ajax", wie er sich auch nennt, fällt mir anfangs aber auf andere Weise negativ auf. Und zwar lässt er erstmal den typisch klischeehaft flirtenden Macho raus hängen und nennt unsere Protagonisten ständig "Prinzessin", obwohl sie klar macht, dass sie beim Namen genannt werden möchte. Meiner Meinung nach nicht gerade respektvoll oder gar romantisch.
Unsere Protagonistin schneidet dagegen auch nicht wirklich besser ab und fällt leider sehr in das Raster der Damsel in distress. Und das bessert sich auch nicht mit der Zeit. Ihr wird bei allem und damit meine ich wirklich bei ausschließlich allen Hindernissen entweder von ihrem Göttergatten oder den anderen Göttern geholfen. Alleine schafft sie eigentlich so gar nichts, selbst bei IHRER Prüfung weist ihr Hades sie stets an, hinter ihnen zu gehen, sich der Gefahr fern zu halten und überhaupt die Arbeit den anderen zu überlassen. Zwischendurch wird sie natürlich noch ganz romantisch von ihrem Liebsten getragen, damit bloß ihre Füße nicht noch schmutzig werden. Also dafür, dass sie mal eine Halbgöttin war, habe ich mir da echt mehr von ihr erhofft. Und ich fand es einfach mega unbefriedigend, dass sie nur lebend aus der Prüfung rausgegangen sind durch den guten Willen der anderen Götter. Kann man zwar machen, ist aber auch echt nicht spektakulär.
Ich habe ehrlich gesagt ohnehin nicht verstanden, warum er ihr die Wahrheit über ihre Vergangenheit oder zumindest über die bevorstehende Prüfung, in der es um nicht weniger als ihr Überleben geht, nicht schon vorher gesagt hat. Wenn ihm doch nichts wichtiger ist als das Leben seiner Geliebten, warum zum Teufel hat er nicht all seine Macht eingesetzt, sie frühst möglichst zu finden um so viel Zeit wie möglich für die Vorbereitung für diese fuckin' Prüfung zu haben. Na ja zwei Wochen werden wohl auch reichen, hat er sich gedacht. Einfach ein wahrer Optimist. . :)
Die Entwicklung der Liebesgeschichte ist auch echt mau. Mau weil eine Entwicklung im Prinzip gar nicht stattfindet. Die beiden sehen sich, verlieben sich und wollen nicht mehr ohne einander. Das Vertrauen zwischen beiden war auch viel zu schnell vorhanden. Tut mir leid, aber wenn bei mir Nachts jemand auf einmal vor dem Ferienhaus stehen würde, den ich nur einmal flüchtig gesehen habe, würde ich die Polizei rufen und nicht auch noch zu ihm raus gehen...
Getoppt wurde das dann aber noch von der Hintergrund Geschichte, wie sie sich in der Vergangenheit kennengelernt haben. Sie sehen sich das erste mal und gefühlt 10 Minuten später küssen sie sich und versprechen einander das Leben zusammen verbringen zu wollen. Okay? Wie wär's erstmal mit 'nem Kaffee?
Was gibt es noch zu sagen?
Unser Antagonist, der hier von Niemand geringeren als Zeus dargestellt wird, wirkt nicht mehr als ein bockiger Teenager, der wütend ist, weil er seinen Willen nicht bekommt. Ich konnte ihn leider kaum ernst nehmen, gerade in der Rolle eines Göttervaters wirkt er extrem unreif und seine Motive waren für mich kaum nachvollziehbar.
Zum Schreibstil: Ziemlich simpel gehalten, ein paar Wortwiederholungen sind mir auch aufgefallen, was ich aber nicht dramatisch fand. Beschreibungsmäßig etwas dürftig, worunter letztlich das Setting ein wenig gelitten hat.
Fazit: Alles in allem war das Buch für mich leider nicht mehr als seichte Unterhaltung. Daher lässt meine Motivation auch eher zu wünschen übrig, mir den zweiten Band zu holen. Aber für alle diejenigen, die auf absolute kitschige Liebesgeschichten stehen in Verbindung mit griechischer Mythologie: Nur zu.