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»Integriert doch erst mal uns!« – Eine Streitschrift für den Osten

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Warum sind das Misstrauen und die Distanz zu Demokratie und Politik in Ostdeutschland so groß? Woher kommt all die Wut? Das fragt die sächsische Integrations- und Gleichstellungsministerin Petra Köpping. »Integriert doch erst mal uns!« - diesen Satz hat sie in Gesprächen mit Bürgern und Anhängern von Pegida immer wieder vernommen. Köpping fordert mit Nachdruck eine gesamtdeutsche Aufarbeitung der Nachwendezeit. In den unbewältigten Demütigungen, Kränkungen und Ungerechtigkeiten, in den Lebensbrüchen und Entwurzelungen der 1990er Jahre sieht sie eine wesentliche Ursache des heutigen Dilemmas. Ausführlich geht sie auf viele Probleme ein, die in der damaligen Zeit ausgeblendet oder bewusst verdrängt wurden - von der verfehlten Treuhand-Politik über den Elitenaustausch, die Abwertung von Berufsabschlüssen und den Verlust von Betriebsrenten bis hin zum Generalverdacht politischer Rückständigkeit, weil man in der DDR und damit in einer Diktatur gelebt habe. Entstanden ist eine Streitschrift, in der sie für einen neuen Blick auf die Situation in Ostdeutschland wirbt und konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Verhältnisses von Ost und West unterbreitet.

208 pages, Paperback

First published September 5, 2018

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Oh, Darling.
111 reviews40 followers
May 4, 2020
“Und ich sage allen aus Ostdeutschland stammenden jungen Leuten, die im Westen oder den ostdeutschen Großstädten oder Berlin wohnen: Fahrt heim und redet mit euren Eltern und Großeltern! Sprecht über die Nachwendezeit und über die selbst erlebten oder gesehenen Demütigungen, Kränkungen und Ungerechtigkeiten!”

Petra Köpping fasst kurz und direkt zusammen, was ich aus Erzählungen von meinem Vater schon lange kenne. Redet mit den Menschen, ist ihr größtes Anliegen. Die Ostdeutschen möchten Gerechtigkeit, keine (finanzielle) Entschädigung. Es geht nicht um Geld, es geht darum über das Geschehene zu sprechen, zu reflektieren was damals in nur wenigen Jahren passierte. Niemand zweifelt daran, dass die Wende notwendig und im Gesamten gesehen gut war. Aber es war eben keine reine Erfolgsgeschichte.

“Ich habe den Eindruck, die Nachwendezeit sollte allein als Erfolgsgeschichte für den Osten erzählt werden - vielleicht mit kleineren Schönheitsfehlern. Und wir Ostdeutschen sollen froh sein, dass der Westen uns alimentiert hat - und ansonsten sollen wir bitte nun für immer schweigen”

Hört zu. Versteht! Dieses Buch richtet sich an uns alle. An die Westdeutschen genauso wie an uns, die Wendekinder, die ‘Exil’Ostdeutschen und dort lebenden Menschen. Mit wenigen Worten zeichnet sie ein sehr gefühlvolles Bild der emotionalen Schieflage im Osten. Gestandene Männer, die über die Jahre nach der Wende nicht reden können, Tränen in den Augen. Keine Einzelschicksale werden hier erzählt, sondern Beobachten kurz und eindringlich geschildert. Vor allem aber: Hier geht es nicht ein plattes ‘Wessibashing’, es geht um das Aufzeigen von Kränkungen und Verletzungen. Schaut hin: wacht auf! Wir sind mehr als sanierte Altstädte und Pegida! Es geht ihr nicht darum Dinge zu verschönen oder der “Ostalgie” nach zu hängen, es geht darum genau zu betrachten, was damals geschah. Es betrifft uns alle, Ost wie West.

Köpping scheut sich jedoch auch nicht die Ostdeutschen aufzurufen, ihre ‘Opfer’rolle abzulegen und anzupacken. Die Zukunft ist ungewiss und unsicher, aber sie liegt in unseren Händen. Es ist an der Zeit zu handeln. Traut euch, ruft sie mit jeder Seite des Buches entgegen. Flüchtet euch nicht in populistische Lügen und Spinnereien.

Was mich überrascht und mir durchaus gefallen hat, waren ihre Verbesserungsansätze. Im Gegensatz zu viele anderen Autoren solcher Bücher,die ich zu dem Thema gelesen habe, unterbreitet Petra Köpping sogar in der Tat konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation. Auch wenn ich vielleicht nicht alles so unterschreiben würde, so ist es doch ein Anfang. Dort macht sich jemand wirklich Gedanken über die Menschen im Osten des Landes.

Ich habe oft geweint während des Lesens. Die ganze Thematik ist für mich äußerst emotional beladen. Aber wichtig. Und zwar nicht nur für mich, ein Wendekind. Es ist wichtig für uns Deutsche, denn wir haben noch viel Arbeit vor uns.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, diese Streitschrift liest sich wunderbar in Kombination mit dem Buch von Jana Hensel ein: “Wie alles anders bleibt”. Beide Bücher haben mir auch einen besseren Einblick in die Jugend meiner Eltern gegeben. Ich betrachte viele Dinge in meiner Kindheit verständnisvoller. Für die meisten Familie, war auf einmal alles anders. Und so blieb es auch.
Profile Image for Franziska.
183 reviews19 followers
February 14, 2019
Ich bin durch Zufall in der Büchersammlung einer Freundin auf dieses Buch gestoßen. Sie hat es mir mitgegeben, da sie es eh nicht lesen würde. Ich habe es gelesen und die Lektüre nicht bereut.
Die Autorin ist SPD-Politikerin in Sachsen u schildert möglichst emotionsfrei, was ihrer Ansicht nach die Ursachen von Demokratieskepsis und Fremdenfeindlichkeit, gerade in Sachsen, sind. Sie bezieht sich dabei vor allem auf die Wendezeit und viele innerdeutsche Ungerechtigkeiten, die bis in die heutige Zeit wirken.
Gleichzeitig versucht sie den Dialog zwischen Ost und West anzuregen um gemeinsam die Vergangenheit aufarbeiten zu können und eine Basis für die Zukunft zu schaffen.

Petra Köpping wirkt auf mich sehr engagiert, volksnah und kompetent. Ihre Streitschrift ist mit vielen Quellenangaben gespickt und frei von Polemik. Einzig den Titel finde ich nicht sehr gelungen. Er wäre ein Grund für mich das Buch im Laden keines Blickes zu würdigen - zu Unrecht, wie ich nach der Lektüre feststellen kann.

Empfohlen für alle, ob sie die Wendezeit selbst aktiv erlebt haben oder noch viel zu jung waren, es geht uns alle an, da die Folgen noch lange spürbar sein werden. Ich empfehle es auch für alle, die sich innerlich von der Demokratie und dem Rechtsstaat verabschiedet haben. Köpping bemüht sich sehr die Wichtigkeit von Demokratie und Partizipation zu betonen und gibt dabei auch „dem kleinen Mann“ eine Stimme.
Profile Image for Justo.
13 reviews
August 30, 2025
Eigentlich ein ganz gutes Buch. Vor allem ist zu berücksichtigen, dass Köpping das Buch vor Kowalczuk, Mau und Oschmann geschrieben hat. Allerdings stört zum Ende hin doch mehr und mehr die SPD-Färbung des Buches, da dies teilweise absurde Maße annimmt: Kohls Wiedervereinigung trage Mitschuld an Hartz IV - die Meinung kann man meinetwegen haben, aber dann sollte auch die Rolle der SPD nicht verschwiegen werden.
Profile Image for Marcus.
7 reviews3 followers
September 19, 2018
Ein notwendiges, ein wichtiges Buch. Ein Beitrag, um einen längst überfälligen innerdeutschen Dialog zu beginnen. Unbedingt lesenswert!
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