Autonomer Individualverkehr und Pflege-Roboter, softwaregesteuerte Kundenkorrespondenz und Social Media, Big-Data-Ökonomie und Clever-Bots, Industrie 4.0: Die Digitalisierung hat gewaltige ökonomische, aber auch kulturelle und ethische Wirkungen. In Form eines Brückenschlags zwischen Philosophie und Science-Fiction entwickelt dieses Buch die philosophischen Grundlagen eines Digitalen Humanismus, für den die Unterscheidung zwischen menschlichem Denken, Empfinden und Handeln einerseits und softwaregesteuerten, algorithmischen Prozessen andererseits zentral ist. Eine Alternative zur Silicon-Valley-Ideologie, für die künstliche Intelligenz zum Religionsersatz zu werden droht.
Mir wurde vom Verlag ein elektronisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.
Julian Nida-Rümelin und Nathalie Weidenfeld versuchen, wie es der Untertitel des Buches bereits andeutet, eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz zu erschaffen. Sie beschäftigen sich also im weitesten Rahmen mit Robotern, Automatisierung und Algorithmen und wie moralisches Verhalten in diesem Spannungsfeld aussehen könnte. Da ich mich in der Forschung mit Ethik und Algorithmen auseinandersetzte, trifft das Buch natürlich einen Nerv und ich habe mich gespannt der Lektüre zugewandt.
Anhand von Beispielen aus Filmen (Nathalie Weidenfeld ist Filmwissenschaftlerin) und philosophischen Gedankenexperimenten (Julian Nida-Rümelin ist Professor für Philosophie) wird hier in jedem Kapitel ein bestimmter Themenkomplex im weiten Rahmen einer digitalen Ethik analysiert und erläutert. Als Warnung sei hier auch gleich vermerkt, wer Filme wie Ex Machina, Matrix, Minority Report, Blade Runner (beide) oder I, Robot noch nicht gesehen hat, sie aber noch sehen möchte: Die Handlung der Meisten dieser Filme wird gänzlich oder in wesentlichen Teilen nacherzählt. Wer die Filme also noch nicht erzählt bekommen möchte, wendet sich dem Buch besser erst nach der Sichtung dieser zu. Wie gesagt wird in jedem Kapitel ein spezifisches Thema behandelt, sei dies nun Autonomie, Digitale Optimierung, KI, Bots oder Digitale Bildung. Dies ist den Autoren auch wirklich gut gelungen, auf wenigen Seiten ein Thema zu skizzieren und erläutern.
Die Autoren schaffen es immer wieder, Denkfehler in vielen der zeitgenössischen Argumente und Diskussionen aufzuzeigen (beispielsweise die Fehlschlüsse starker und schwacher KI). Und der im Titel bereits propagierte Digitale Humanismus vertritt als philosophische These eine durchaus sympathische und vernünftige Grundeinstellung, die weder von übermässiger Angst vor Technologie, noch vor übermässigem Glauben an die Technologie geprägt ist. Es ist von daher eine wichtige These, die hier vertreten wird und die mit vielen Vorurteilen und schlichtweg falschen Glaubensansätzen Schluss machen kann. So führen die Autoren beispielsweise schlagkräftige Argumente vor, weshalb es ein Fehler ist, Roboter vermenschlichen zu wollen und es gerade auch ein Fehler ist in filmischer Darstellung immer wieder Roboter als emotionale Wesen darzustellen.
Leider verliert das Buch manchmal das Wesentliche aus den Augen, so werden dann auf mehreren Seiten Filmhandlungen nacherzählt, ohne wirkliche Stellung dazuzunehmen. Hier wäre es meiner Ansicht nach angemessener gewesen, die verschiedenen Filme entweder ganz kurz zu umreissen um dann die Punkte zu machen, die gemacht werden sollen, anhand des Filmes als Beispiel oder aber die Kenntnis der Filme vorauszusetzen. Es wurde beispielsweise kein einziger Film besprochen, den ich nicht schon gesehen hatte und ich vermute, dass es den meisten Menschen so gehen wird, die sich für ein solches Buch interessieren, dementsprechend müsste man die verschiedenen Filme dann auch nicht so detailliert nacherzählen. Ausserdem fand ich es schade, wurden jeweils nur die Filme besprochen, nicht aber die literarischen Vorlagen die für viele der Filme existieren (Ex Machina, I, Robot, Minority Report, Blade Runner). Im zweiten Teil des Buches verlieren sich die Autoren für mich etwas zu sehr in politischen Themen, gerade für eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.
Der digitale Humanismus als philosophische These, lässt sich auf zwei Seiten zusammenfassen (was im Schlusswort des Buches auch getan wird), hat also nicht wahnsinnig viel Fleisch am Knochen. Dies ist aber für die Länge und Platzierung des Buches zwischen Wissenschaft und Populärkultur aber auch nicht weiter verwunderlich oder unangemessen. Vielmehr störend, fand ich die Platzierung des Buches zwischen Fachkenner und interessiertem Leser mit wenigen Vorkenntnissen, die nicht gelingen will. Für jemanden wie mich, der Philosophie studiert hat, waren die meisten philosophischen Bezüge und Darstellungen maximal Repetition, neue Kenntnisse erwachsen hier sicherlich nicht. Für einen interessierten Leser mit etwas weniger philosophischen Vorkenntnissen, stellt das Buch aber eine zu hohe Hürde dar. Oft werden komplexe Gedankenexperimente wie Mary’s Room auf ein, zwei Seiten dargestellt (zum Teil auch nur in wenigen Sätzen) und ich dachte mir mehrmals beim lesen: “Ok, ich kenn das ja jetzt schon, wenn Ichs aber noch nie gehört hätte, hätte ich keine Chance das zu verstehen.” Die Platzierung gelingt hier meiner Ansicht nach also nicht, für jemanden mit Fachkenntnissen geht es klar zu wenig in die Tiefe und für denjenigen ohne grosse Vorkenntnisse ist es ein zu schneller, brutaler Crash-Kurs in der Philosophie des 20ten und 21ten Jahrhunderts, der ohne Konsultierung weiterer Quellen wohl wenig aussichtsreich ist.
Digitaler Humanismus verfolgt ein hehres Ziel und hat klare Stärken und Schwächen. Es ist ein sehr gut lesbares Buch und auch in Stücken durchaus geniessbar. Die Autoren stellen eine wichtige These auf, die philosophisch auf starken Fundamenten steht und sicherlich Bestand haben kann. Ausserdem macht der Mix aus Popkultur und Philosophie grossen Spass. Leider gelingt es hier nicht ganz, die richtige Marschroute zwischen Fachpublikum und interessiertem Leser ohne besondere Vorkenntnisse zu finden und so verliert sich das Buch auch in seinem zweiten Teil etwas im eigenen politischen Programm. Was soll nun der interessierte Leser tun? Weils ein so wichtiges Thema ist, empfehle ich das Buch trotzdem jedem, den Themen wie Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Roboter interessieren, zur Lektüre. Es lohnt sich allemal, denn wer sich nicht scheut, etwas ins philosophische kalte Wasser geworfen zu werden, der kann hier sehr, sehr viel lernen über die zeitgenössische Philosophie.
a few good considerations and contributions, but overall not very consistant. The idea to reflect innovation and future with film titles and stories is no good idea at the en of the day, because the reader knows when the author changed.
In „Digitaler Humanismus" entwickeln die Autoren die philosophischen Grundlagen einer Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, die der drohenden Silicon-Valley-Ideologie eine humanistische Alternative entgegensetzt. Diese Ideologie betrachtet KI nicht nur als Werkzeug, sondern als quasi-religiösen Ersatz, der menschliches Denken, Fühlen und Handeln überflügeln oder gar ersetzen könne. Der Digitale Humanismus widerspricht dem grundlegend, indem er die klare Unterscheidung zwischen menschlicher Vernunft, Autonomie und Empfindung einerseits und softwaregesteuerten, algorithmischen Prozessen andererseits verteidigt. Für Nida-Rümelin und Weidenfeld bleibt der Mensch das normative Zentrum – nicht die Technologie. Das Buch schlägt eine Brücke zwischen Philosophie und Praxis, um die weitreichenden ökonomischen, kulturellen und ethischen Folgen der Digitalisierung zu steuern. Das bedeutet, klare Grenzen zu ziehen – etwa beim Einsatz von Pflege-Robotern oder autonomen Korrespondenzsystemen – und Algorithmen konsequent dem Primat menschlicher Entscheidungsfreiheit und Verantwortung unterzuordnen. Ziel ist es, die technologischen Möglichkeiten zu nutzen, ohne das Humanum aufzugeben oder es durch reine Datenlogik zu entmündigen.
Als eine Person, die die genannten Filme, deren Nacherzählung alle zu lang finden, auch gesehen hat, bin ich anderer Meinung. Ich fand die Nacherzählungen nicht zu lang und die Erklärungen für deren Verwendung stets verständlich.
Das Buch hat eine gute Menge neuer Erkenntnisse geliefert und hier und da bekannte Konzepte verständlich übersichtlich dargestellt. Daher kann ich das Buch nur empfehlen.
Insgesamt fand ich das Buch gut, da es viele Anstöße geliefert hat und (als Laie) größtenteils verständlich war, der Ansatz mit den Popkultur vergleichen hat also in der Hinsicht gut funktioniert. In einigen Aspekten kam es mir arg pessimistisch vor (bedingungsloses Grundeinkommen) und ich hätte mir etwas mehr Diskussion gewünscht.
Ottimo testo divulgativo che mischia fantascienza e riflessione filosofica e Bioetica. Consigliatissimo: uno dei migliori modi di parlare di temi importanti ed attuali ad un pubblico generalista.
Das Buch verbringt sehr viel Zeit damir Filme im Detail nachzuerzählen, oft ohne wirklich klar zu machen wieso. Verbreitete philosophische Thesen werden mehr als einmal ohne Angabe detaillierter Gründe als "offensichtlich falsch" verworfen. Die eigentlichen Theorien die das Buch vertritt klingen vielversprechend, werden aber in diesem Werk nicht angemessen dargestellt. Ich bin unsicher, wer die gedachte Zielgruppe ist.
Netter Exkurs über die Möglichkeiten der Digitalisierung in kleinen Häppchen und leicht verständlich mit Beispielen aus Film und Literatur. Dank der ausführlichen Beschreibungen der Synopsis, muss ich mir nun auch etliche Filme nicht mehr ansehen...
Nicht schlecht wo es um die Philosophie geht(für diejenigen die sich aber noch nie intensiver mit ihr beschäftigt haben nicht niedrigschwellig genug) und dort wo es nicht um Philosophie oder Filme geht (die Spezialgebiete des Autoren-Duos) zu oberflächlich und unfundiert. Sehr interessant war der Verweis auf das Gedanken-experiment des Chinesischen Zimmers: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Chine...