Was kann ich - lokal, effizient, jetzt sofort - für eine bessere Zukunft tun?
Moderator und Physiker Harald Lesch kennt man aus dem ZDF: Dort erklärt er Wissenschaft leicht verständlich für jedermann. Nicht nur in Leschs Kosmos, Frag den Lesch oder Terra X - mittlerweile hat er auch seinen eigenen Youtube-Kanal „Terra X - Lesch und Co“. Als Autor veröffentlichte er zuletzt mit „Die Menschheit schafft sich ab“ ein nachdenklich stimmendes Buch. Hier schließt „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ an: Es reicht längst nicht mehr, sich unserer Probleme bewusst zu werden. Wie müssen handeln! Handeln, für eine Welt, in der wir leben wollen…
Was passiert?
Unsere Welt geht vor die Hunde. Plastikmüll auf den Meeren, Diesel auf den Straßen, der Klimawandel hat längst begonnen. In unserer Gesellschaft herrscht Ungerechtigkeit, an den Schlüsselstellen wir Macht für eigene Ziele missbraucht. Grund dafür ist der „Sieg der Geschäftstätigkeit“, die uns fest im Griff hält und bewirkt, dass sogar mit der Pflege von Alten und Kranken sowie mit der Betreuung unserer Kinder eine Menge Geld verdient werden muss. Sie bringt uns dazu, ökologisch falsch zu handeln und das große Ganze, die Natur als wundervollen Lebensraum, im Alltag zu verlieren. Doch ist es nicht unsere Pflicht, die Erde für unsere Kinder zu erhalten? Hat nicht jede Generation bisher gehofft, die nächste Generation solle es einmal besser haben? Wieso sind wir die erste Generation, der das egal ist? Haben wir etwa den Glauben an eine bessere Zukunft verloren?
Worum geht´s?
Wissenschaftlich und philosophisch beleuchtet Harald Lesch in Wenn nicht jetzt, wann dann? unser Handeln angesichts des Klimawandels. Für sein Buch führte er zahlreiche Interviews mit den Vertretern großer Organisationen, recherchierte Zahlen & Fakten zum Klimawandel, die in bunten Grafiken, jederzeit einfach zu entschlüsseln, gedruckt sind. Apropos Druck: Das Hardcover wirbt damit, in einem besonders umweltschonenden Verfahren hergestellt zu sein. Weiter im Thema:
Neben einiger Kritik an Politik und Wirtschaft versäumt er dabei aber keinesfalls, auf unsere Möglichkeiten hinzuweisen. Denn jeder von uns kann die Zukunft unseres Planeten positiv beeinflussen. Revolution beginn im Kopf. „Wer lokal handelt, kann global wirken“, dessen ist er sich sicher. Und so schaut er in die Vorgärten unserer Nachbarn: Die Initiative die Gemeinde Norderstedt zu einer der umweltfreundlichsten des Landes zu machen, ging von den Bürgern aus. In Kopenhagen erprobt man neue Mobilitätskonzepte, die Wirkung zeigen. Aber auch jeder von uns kann jetzt sofort tätig werden: Online-Petitionen setzen ein Zeichen. Fair gehandelte Ware bewirkt bessere Lebensbedingungen weltweit. Und wer demnächst einen teuren Langstreckenflug bucht, sollte erwägen, die entstandenen Emissionen durch eine freiwillige Spende zu kompensieren.
Wie war´s?
In Wenn nicht jetzt, wann dann? ruft Harald Lesch seine Leser dazu auf, endlich aktiv zu werden. Denn gemeinsam können wir die längst überfälligen Veränderungen auf den Weg bringen. Wenn jeder von uns seine Lebensweise überdenkt und bereit ist, auch zu verzichten, kann der Klimawandel noch gestoppt werden. Aber die Zeit drängt. Uns bleiben nur noch wenige Jahre, einen Gesellschaftswandel zu bewirken. Und tut der Mensch sich nicht gerade damit schwer: mit Veränderungen und Verzicht?
Obwohl ich mir bereits vor der Lektüre des Buches über die Probleme unserer Welt im Klaren war, bewirkten Harald Leschs sehr klare Worte ein Umdenken. Vielleicht reicht es eben nicht, zu schauen, wo man sich einbringen kann. Vielleicht sollte ich ab heute komplett auf Plastikflaschen verzichten, regional und saisonal einkaufen statt importierte Früchte zu kaufen. Vielleicht fahre ich morgen mit dem Fahrrad zur Uni. Wieso eigentlich nicht? Und wenn nicht jetzt, wann dann?
Ein typischer Lesch: Klug, motivierend, lesenswert. Erklärend, ohne zu belehren.
[Eine ausführliche Rezi zum Buch findet ihr auf meinem Blog.]
[Vielen Dank an den Penguin-Verlag für dieses Rezi-Exemplar.]