Sie sind Mörder, Dealer, notorische Betrüger, Vergewaltiger oder haben schwere Raubüberfälle begangen. Und sie alle wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Im Knast haben sie viel Zeit, um sich mit ihren Taten auseinanderzusetzen - und irgendwann wollen sie reden: der psychopathische Serienmörder über eine eiskalte Entführung, die beiden Halbbrüder über einen fast perfekten Mord, oder der Rettungssanitäter über den Zufall, der ihn zum Verbrecher machte - mit verheerenden Folgen. Sie alle vertrauen sich Joe Bausch an und lassen ihn tief in den Abgrund ihrer Seele blicken.
Wie wird man zu einem Mörder oder Dealer? Was treibt einen Menschen dazu an, jemanden zu vergewaltigen oder einen schweren Raub zu begehen? Joe Bausch, Mediziner in der JVA Werl, begegnet tagtäglich Schwerverbrechern, die langjährige Haftstrafen verbüßen müssen. Im Knast haben die Kriminellen viel Zeit, um sich mit ihren Taten auseinanderzusetzen - und irgendwann wollen sie reden. Viele vertrauen sich dabei Joe Bausch an.
„Gangsterblues – Harte Geschichten“ ist das zweite Buch von Gefängnisarzt Joe Bausch mit True-Crime-Geschichten, geschrieben mit Bertram Job.
Meine Meinung: Nach dem Vorwort enthält das Buch zwölf Kapitel. Jedes beinhaltet eine andere Kriminal-Anekdote. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Joe Bausch. Dieser Aufbau funktioniert prima.
Der Schreibstil ist sehr anschaulich, lebhaft, locker und flüssig. Die Sprache ist dem Ernst der Themen angemessen, also weder übertrieben flapsig noch blumig oder übermäßig dramatisch. Trotzdem konnte mich das Buch gleich fesseln und ich konnte mir die dargestellten Geschichten gut vor dem geistigen Auge vorstellen.
Joe Bausch arbeitet bereits seit vielen Jahren als Arzt im Gefängnis. Darüber hinaus ist er als Schauspieler im „Tatort“ zu sehen. Ich schaue mir eher selten Krimis an und bin auch keine Anhängerin von True-Crime-Büchern. Bei einem seiner Vorträge bin ich vor einigen Jahren allerdings persönlich auf Bausch getroffen. Seine Charakterstärke und seine angenehme Art haben mich damals beeindruckt. Auch sein erstes Buch, „Knast“, konnte mich überzeugen, denn es bietet sehr interessante, intensive Einblicke in das Leben hintern Gitter und in die Psyche von Tätern. Deshalb habe ich auf das Erscheinen von „Gangsterblues“ hingefiebert.
Obwohl bereits in „Knast“ auch beispielhaft Gangsterbiografien und -karrieren angerissen wurden, legt sein zweites Buch besonders darauf seinen Schwerpunkt. Joe Bausch selbst spricht von außergewöhnlichen Begegnungen und Geschichten, die er anonymisiert, fiktionalisiert und weitergesponnen hat. Die Einzelschicksale wurden also etwas verfremdet. Dennoch sollen sie nah an der Realität bleiben, sodass sich die Ereignisse exakt so zugetragen haben könnten. Tatsächlich kommen mir die dargestellten Geschichten authentisch und glaubwürdig vor. Die Auswahl ist ausgewogen und abwechslungsreich. Wieder einmal erhält der Leser interessante Einblicke in den Alltag hinter den Gefängnismauern, in die Denkweise und die Erlebnisse der Insassen und deren kriminelle Werdegänge. Die Geschichten machen nachdenklich und lassen einige Stereotype in einem neuen Licht erscheinen. Ganz ohne Effekthascherei schafft es Bausch, dass man gebannt Seite um Seite umblättert und das Buch nicht weglegen möchte, bis man es fertig gelesen hat.
Das reduzierte Cover, das auf Joe Bausch fokussiert, passt inhaltlich sehr gut und trifft meinen Geschmack. Der Titel ist ebenfalls gelungen.
Mein Fazit: Mit „Gangsterblues – Harte Geschichten“ hat mich Joe Bausch wieder einmal überzeugt. Seine Anekdoten, die auf wahren Begebenheiten beruhen, sind eine empfehlenswerte Lektüre. Ich hoffe auf ein weiteres Buch von ihm.
Ein Gefängnisarzt blickt hinter die Kulissen des Gefängnisbetriebes und oft genug auch in die Seelen der Insassen. Joe Bausch hat seine langjährigen Erfahrungen und Begegnungen in 12 Kurzgeschichten aus dem Knastleben gepackt und erzählt von eiskalten Psychopathen, Selbstjustiz und Gentleman-Verbrechern.
Auch Mörder, Dealer, Vergewaltiger und andere Schwerverbrecher haben eine Vergangenheit und haben durch die meist lange Haftzeit sehr viel Zeit sich mit ihren Taten auseinanderzusetzen. Sie fassen zu Joe Bausch, ihrem Arzt in der Justizvollzugsanstalt vertrauen und erzählen ihm ihre Geschichten.
Gangsterblues – Harte Geschichten von Joe Bausch
Joe Bausch, Arzt in einer Justizvollzugsanstalt und Tatort-Schauspieler, erzählt in diesem Buch die Geschichten, die ihm vor allem Insassen anvertraut wurden. Unaufgeregt, in ruhigen Worten und ohne Effekthascherei gibt er diese wieder, was mir ausgesprochen gut gefallen hat und sich gut und flüssig lesen ließ. Aus Opfer- und Täterschutz wurden die Geschichten und Personen natürlich verfremdet und anonymisiert.
Die Geschichten selbst, können laut Bausch, auch schon mal ein wenig von den Insassen ausgeschmückt werden um sich „besser“ darzustellen, können aber auch schonungslos ehrlich sein. Dabei glaubt Bausch nicht sofort jede der Geschichten, hört aber immer aufmerksam zu und forscht nach. Dabei wahrt er trotz dieser vertraulichen Gespräche immer eine gewisse Distanz, die als Arzt in einer Justizvollzugsanstalt auch zwingend erforderlich ist.
Die einzelnen Geschichten lösen ganz unterschiedliche Reaktionen beim Lesen bei mir hervor. Teils schockieren sie, machen fassungslos, können aber bedrückend sein oder regen zum Nachdenken an. Denn die Bandbreite der Erzählungen reicht von unschuldig verurteilt bis schwerer Vergewaltigung, Mord, den Phantasien und Taten eines Psychopathen und dem Sterben hinter Gittern, und zeigen auch schon mal die Schwächen im deutschen Justiz- und Vollzugssystem und in der Gesellschaft auf.
Mein Fazit: Ein wirklich interessantes und lesenswertes Buch, das mir einen Einblick in das Leben von Tätern gewährte und dabei ganz unterschiedliche Reaktionen hervorrief.
Ein sehr unterhaltsames Interview mit dem Autor bei „Missverstehen sie mich richtig“ hat mich dazu gebracht, dieses Buch zu lesen. Das Buch war leider viel weniger unterhaltsam. Der Erzählstil entspricht vermutlich sehr gut dem sehr nüchternen, kühlen Arbeitsalltag in einem Gefängnis.
Bevor das eBook als Rezi-Ex auf meinem Kindle Einzug hielt, war mir bereits eine Leseprobe bekannt, welche die erste enthaltene „Geschichte“ (das Buch besteht aus diversen Episoden aus Bauschs Berufsalltag in der JVA, auf wahren Begebenheiten fußend, aber wohl immer leicht verfremdet) umfasste und theoretisch lässt sich der Eindruck, den ich dadurch vom Buch gewonnen hatte, für mich nun quasi auch weiter auf das Gesamtwerk übertragen. Der große Aufmacher an diesem Buch war für mich nun definitiv der Autor, auch mir längst aus dem Kölner „Tatort“ bekannt (den ich auch grad deswegen schätze, weil die Rolle des Rechtsmediziners dort eben mit Joe Bausch mit einem echten Gefängnisarzt besetzt worden ist), der neben dem Münsteraner „Tatort“ der Einzige ist, den ich wirklich gerne sehe.
Die „harten Geschichten“ waren nun allesamt ganz interessant (wobei die erste Geschichte letztlich gar die war, die mich am Wenigsten ansprach); völlig Fachfremden und gänzlich Außenstehenden bietet sich hier ein Einblick in die „Vielfalt“ der Verurteilten, von mutmaßlich unschuldig bis hin zu absolut skrupellos. Alle Erzählungen sind völlig unterschiedlich; ich hatte nie den Eindruck, dass sich eine (Lebens)Geschichte wiederholen würde, und Bausch selbst beurteilt die Aussagen der Straftäter eher vorsichtig bis verhalten, in jedem Fall professionell distanziert. Teilweise lässt sich erahnen, was er über einen bestimmten Fall denkt, aber im Allgemeinen ist der „Gangsterblues“ doch sehr objektiv gehalten. Für Menschen, die selbst mit diversen Straftätern zu tun haben/hatten, dürfte das Buch jedoch keine überraschenden Inhalte bieten, sondern vermutlich lediglich das beruhigende Gefühl, dass man nicht als Einziger von teils heftigen Biografien weiß. Ich habe, zunächst im Hauptberuf und später noch auf ehrenamtlicher Basis, lange mit schwerstabhängigen verurteilten Kriminellen zu tun gehabt, im Rahmen von deren Bewährungsauflagen: Irgendwie waren Bauschs in „Gangsterblues“ erzählten Geschichten vielfach auch für Jene absolut typisch und nun so beliebig, dass mir dauerhaft vermutlich keiner der im Buch nu thematisierten Straftäter mittelfristig im Gedächtnis bleiben wird.
Wobei: Wenn man sich bislang eher nur in einem Heile-Welt-Szenario aufgehalten hat, werden viele von Bauschs Erzählungen wiederum sehr heftig und unfassbar wirken (obschon ich mir ganz, ganz sicher bin, dass er dabei hier über die krassesten Fälle nicht ein einziges Wort verliert); ganz sensiblen und besonders empathischen Personen würde ich von der Lektüre vermutlich eher abraten, man sollte schon bereit sein, in etwas tiefere, menschliche Abgründe zu blicken und sich generell eben für die Geschichten von Kriminellen, bei denen es sich halt nicht unbedingt um den kleinen Ladendieb handelt, sondern die echt was auf dem Kerbholz haben, interessieren.
[Ein Rezensionsexemplar war mir, via #NetGalley, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]
JVA Werl – Anstalt des geschlossenen Vollzugs, drei Gebäude für Gefangene, ein separater Bereich für Sicherungsverwahrte. Knapp 1000 Straftäter können dort untergebracht werden und werden dabei von über 500 Vollzugsbeamten und unzähligen sonstigen Mitarbeitern betreut. Darunter auch von Anstaltsärzten, einer von ihnen ist Joe Bausch, besser bekannt als Dr. Joseph Roth, Gerichtsmediziner des Kölner Tatorts. In „Gangsterblues“ schreibt er über seine Arbeit in der JVA, über außergewöhnliche Begegnungen und unvorstellbare Fälle.
In zwölf Geschichten berichtet er von Mördern, die vielleicht gar keine waren; von Selbstjustiz in der JVA; von ungleichen Zwillingsbrüdern und ehrenhaften Senioren; von ernsthaft psychisch Kranken und von wiederholten Ablehnungen der Behandlung. Jede Geschichte ist ein Schicksal, das unter die Haut geht und das zeigt, dass kein Mensch nur gut oder nur böse ist, immer tragen die Menschen beides in sich – manchmal gewinnt das eine, dann das andere die Oberhand.
Es ist nicht der voyeuristische Blick hinter die Gefängnismauern, der den Reiz des Buches ausmacht, sondern die bewundernswerte Menschlichkeit, die Bausch seinen Patienten unter diesen besonderen Umständen entgegenbringt. Er begegnet ihnen neutral, unvoreingenommen. Mehr als die anzuwendenden Sicherheitsmaßnahmen weiß er oft nicht von ihnen, wenn er sie zum ersten Mal trifft. Ihre Geschichten berühren ihn, lassen ihn aber nicht die professionelle Distanz und Skepsis verlieren. Er glaubt nicht blind jede Story, ist aber bereit zuzuhören und mehr als einmal lohnt sich die Nachfrage und das Vertrauen, das er dem Gefangenen entgegenbringt. So verhält er sich als Arzt und auch als Autor, denn er missbraucht die Fälle nicht für sein Buch, sondern schildert bemerkenswerte Schicksale, die auch auf Schwächen im Justizsystem und der Gesellschaft hinweisen. Immer wieder wird deutlich, dass die Menschen, trotz der schwere der Taten, die sie verübt haben, auch Werte haben, die sie leben und dass ihr Charakter sich nicht ausschließlich aus diesen bildet.
Auch wenn das Buch als True-Crime angekündigt ist, stehen weniger die Taten als viel mehr die Menschen im Fokus, das, was nach der Gerichtsverhandlung und nach der Zeitungsmeldung kommt, wenn sich niemand mehr für den Täter interessiert. Und genau das wird von Joe Bausch unterhaltsam und lesenswert dargeboten.
Joe Bausch ist Gefängnisarzt in Werl, einem Knast, in dem nur die notorischsten oder gefährlichsten Kriminellen, meistens aus dem Pott, einsitzen. Ich kannte den Mann nicht, hatte dank selbstgewählter TV-Abstinenz auch noch nie von ihm gehört (Punch intented) und wunderte mich, dass er anfangs erwähnte, er sei ein "bekannter Schauspieler". Das ist vielleicht ein bisschen optimistisch ausgedrückt, und ich gebe zu, dass ich anfangs daher auch ein bisschen Schwierigkeiten mit ihm hatte, zumal er eine gewöhnungsbedürftige Art zu sprechen und betonen hat. Aber sobald ich die Eingewöhnungsphase hinter mir hatte, gefiel mir seine langsame, tiefe, bedächtige Art vorzulesen.
Und ja, auch die Fälle gefielen mir, vor allem, wie sie vorgestellt wurden. Als jemand, der viel True Crime liest oder hört, hat man irgendwann das Gefühl, schon alles zu kennen. Das ging mir hier nicht so. Noch von keinem der vorgestellten Täter oder Fälle hatte ich je etwas aus den Medien erfahren und da hier nicht aus der Perspektive eines Polizisten, Rechtsmediziners oder Anwalt erzählt wird, sondern von einem, der im Knast ist und die Kriminellen behandelt, bekommt man auch einmal völlig neue Ansichten.
Dabei kamen einem die verschiedensten Fälle unter. Manchmal hegt man sogar Sympathie für einige der vorgestellten Männer, einmal ist man maßlos empört über die deutsche Justiz, die scheinbar so starr in ihren Regeln ist, dass Fehler "nicht existieren" oder falls sie existieren auf keinen Fall zugegeben werden können. Man leidet sogar ein einem oder zwei Fälle mit todkranken Patienten von Bausch mit, amüsiert sich ein bisschen über die drei Alten vom Affenfelsen und bei dem Adoptivsohn, der seine Familie auf dem Gewissen hat, aber nach 23 Jahren entlassen werden soll, kochen noch mal die Gefühle hoch. Warum darf so einer jemals wieder auf freien Fuß? Weil das Gesetz sagt, jeder, der resozialisiert ist, bekommt eine zweite Chance, wenn er bereut und seine Zeit abgesessen hat. So ist das wohl und in vielen Fällen vielleicht auch gut so. Vielleicht aber auch nicht. Die Zeit wird es zeigen.
Spannende Geschichten aus einem spannenden Millieu, gut vorgetragen. Schürt das Interesse auf mehr - und nach über 30 Jahren als Knastarzt dürfen wir von Joe Bausch wohl auch noch den einen oder anderen Schwank von Erlebnissen hinter Gittern erwarten. 4,5/5 Punkten.
Vielen Zuschauern dürfte Joe Bausch als Rechtsmediziner aus dem Kölner Tatort bekannt sein. Doch der Arzt arbeitet hauptberuflich als Regierungsmedizinaldirektor in der Justizvollzugsanstalt Werl und hat somit direkten Kontakt zu Schwerstverbrechern. In „Gangsterblues“ erzählt er die Geschichten dieser Insassen, mal sind sie berührend, mal schockierend, aber immer fesselnd und unterhaltsam.
Eigentlich bin ich kein großer Fan von Kurzgeschichten, da ich immer das Gefühl habe, dass zu viel auf der Strecke bleibt, aber hier habe ich zum Glück eine Ausnahme gemacht. Ein großer Pluspunkt ist in diesem Fall, dass nicht die Taten der Kriminellen im Vordergrund stehen, sondern ihre eigene Person und Geschichte, soweit diese bekannt ist. In zwölf Kurzgeschichten geht es hauptsächlich um die Täter, manchmal kommt aber auch die andere Seite zu Wort. Diese Täter sind bunt gemischt, es gibt uneinsichtige Schwerstverbrecher, sogar Unschuldige, Schlitzohre oder solche, die tatsächlich versuchen, gegen ihre inneren Dämonen zu kämpfen. Theoretisch handelt es sich hier um True Crime Stories, aber der Blick auf die Verantwortlichen ist nie voyeuristisch, sondern eher von Menschlichkeit geprägt.
Je nach Länge der Kapitel habe ich zehn bis zwanzig Minuten zum Lesen benötigt. Damit ist dies dann auch ein ideales Buch für Zwischendurch.
Da ich selbst noch nie einen Tatort gesehen habe, war mir Joe Bausch bisher unbekannt. Deshalb kann ich auch nicht beurteilen, ob der Tonfall dieses Buchs typisch für ihn ist. In einer leicht schnodderigen Art erzählt er die Geschichten und bedient häufig des Slangs des kriminellen Milieus, was „Gangsterblues“ sehr authentisch wirken lässt.
Fazit: Kurzweilige Kurzgeschichten aus dem echten Knastleben, die berühren und einen besseren Einblick in das Milieu geben.
Den Titel des Buches "Gangsterblues" finde ich einfach nur perfekt gewählt und trifft total das Geschriebene. Das Buch besteht aus 12 Gefängnisgeschichten, die eine Mischung aus Realität und Fiktion sind. Ich fand es einerseits atemberaubend spannend, aber auch irgendwie bedrückend, wenn man sich das alles mal vor Augen führt. Das Leben im Knast ist einfach kein Zucker schlecken. Die Dinge, die einem irgendwo "bewusst" sind (Gewalt, Sexualdelikte, usw.) doch mal direkt vor Augen geführt zu bekommen, ist schon heftig.
Joe Bausch schreibt authentisch und echt. Die Wertung zwischen gut und böse überlässt er dem Leser. Es scheint, dass er ein für die Insassen wirklich ein vertrauenswürdiger Arzt ist, was ihm hoch anzurechnen ist.
Im Grunde findet man alles mögliche in diesem Buch und vieles regt auch zum nachdenken an. Gibt es tatsächlich so krasse Justizirrtümer? Besonders bedrückend fand ich ua. die Szenen in Krankheitsfällen. Diese Machtlosigkeit. Interessant ist auch sich ansatzweise in die Lage eines Gefangenen zu setzten. Was ist eigentlich, wenn die Haftstrafe vorbei ist? Wie geht das Leben draußen weiter? Was hat sich alles verändert? Hat man eine zweite Chance? Hoch interessant.
Mir persönlich hat die Geschichte "Altes Eisen" sehr gut gefallen. Ich möchte nicht spoilern, deswegen nur kurz erwähnt: Die drei haben mich sogar zum Schmunzeln gebracht.
Fazit: Ein Buch, was ich auf jeden Fall weiter empfehlen würde. Sehr spannend und hoch interessant. Das harte Leben im Gefängnis.
Joe Bausch - Gangster Blues - Harte Geschichten - Sachbuch
Joe Bausch ist nicht nur als Schauspieler in vielen Tatort-Krimis, sondern auch seit Jahrzehnten Gefängnisarzt in der JVA Werl (NRW), in der vor allem Schwer- und Sexualstraftäter und Sicherungsverwahrte einsitzen. Durch seine Tätigkeit als Arzt bekam er so einen sehr tiefen, teils schockierenden Einblick in das Leben der Gefangenen. Auf den Geschichten, die er während seiner Karriere selbst erlebt, oder erzählt bekommen hat, basiert dieses Buch.
Das Buch besteht aus 12 unabhängigen Geschichten über verschiedene Gefangene oder Fälle, und die meisten davon haben es richtig in sich. Der Autor erzählt die meisten Geschichten sachlich, Ihr Inhalt ist aber immer interessant, manchmal schockierend und bringt einen Teils auch zum Nachdenken. Durch verschiedene, abwechslungsreiche Geschichten schafft es der Autor so, dem Leser einen tiefen und un-beschönigten Einblick in ein deutsches Gefängnis zu geben. Das Buch eignet sich gut zum Lesen nebenbei, da die einzelnen Geschichten/Kapitel unabhängig gelesen werden können. So ist das Buch auch leicht zu verstehen und man begreift eigentlich die Hintergrundmessage in jeder Geschichte.
Das Buch ist dabei kein literarischer Meilenstein oder bahnbrechender Enthüllungsbericht, es ist aber durchweg interessant und bringt dem Leser auch Aspekte aus dem Gefängnis näher, mit denen man sonst nie in Kontakt gekommen wäre. Ich kann es deswegen nur weiterempfehlen -> 4/5 Sterne
Dieses Buch hat mich überrascht. Joe Bausch kannte ich vor allem als Schauspieler aus dem Tatort. Dass er in seinem "wahren" Leben eigentlich Gefängnisarzt ist und darüberhinaus auch Autor hat mich sofort neugierig werden lassen. Was ich in diesem Buch dann aber gefunden habe, habe ich so ganz und gar nicht erwartet.
Joe Bausch hat einen wirklich feinfühligen und authentischen Schreibstil und erzählt aus der Ich-Perspektive von seinen Erfahrungen mit Gefangenen in der JVA Werl. Dabei ist das Buch in zwölf kurze Geschichten geteilt, die sich immer mit einer bestimmten Person oder einer Personengruppe befasst. Berichtet wird über die Hintergründe von Verbrechen, den Alltag im Knast und vor allem über die Persönlichkeiten, die sich hinter den Gefangenen verbergen. Als "Gangster Blues", der die meisten Gefängnisinsassen irgendwann überkommt, bezeichnet Joe Bausch die Geschichten, die ihm die Gefangenen dann erzählen.
Man erfährt nicht nur unglaublich viel über den Alltag in deutschen Gefängnissen, über Straftäter und über einzelne Schicksale - vor allem lernt man die Person Joe Bausch besser kennen. Ein Mann, der ohne Vorurteile auf einer respektvollen Ebene mit Menschen arbeitet. Für mich eine inspirierende Person von der ich gerne noch mehr lesen möchte.
Joe Bausch ist der leitende Mediziner der JVA Werl und das schon über 30 Jahre. In dieser Zeit hat er ganz verschiedene Dinge erlebt, die er hier in Kurzgeschichten fiktionalisiert zum Besten gibt.
Kurzgeschichten sind an sich nicht ganz so meins, aber hier wurde ich schnell überzeugt und ich konnte das Buch kaum mehr weglegen. Das lag zum einen am runden, in sich stimmigen Schreibstil, zu anderen an den Geschichten selbst. Die Geschichten sind vielfältig und wecken die verschiedensten Emotionen. Jede dieser 12 Geschichten hat mich auf die eine oder andere Weise bewegt, mal staunte ich ungläubig, mal schüttelte es mich quasi und selbst eine gewisse Sympathie gegenüber den Kriminellen keimte gelegentlich auf. Nicht nur gegenüber einem möglicherweise zu Unrecht verurteilten Mörder.
Ich hatte das Gefühl einen realistischen Querschnitt aus dem Gefängnisleben gelesen zu haben und empfehle das Buch, welches zum Nachdenken anregt, gerne weiter. Aber Achtung: es ist wirklich nichts für zartbesaitete Menschen, denn es geht manchmal ganz schön hart zu und das auf ganz verschiedene Arten, die niemanden kalt lassen.
Nach „Knast“ gewährt Arzt, Autor und Schauspieler Joe Bausch in „Gangsterblues“ erneut Einblicke in seine Arbeit als Leitender Regierungsmedizinaldirektor in der Justizvollzugsanstalt Werl und den Gefängnisalltag.
„Außergewöhnliche Begegnungen und die Geschichten, die mir dabei erzählt wurden, oder Geschichten, von denen ich nebenbei erfuhr, inspirierten mich für dieses Buch. Die Idee, die interessantesten von ihnen zu anonymisieren, zu fiktionalisieren und weiterzuspinnen, trieb mich dabei an.“
Das Cover mit dem markanten Gesicht Joe Bauschs und prägnanten Titel hat Anziehungskraft. Gut gewählt sind auch die Farben. Das Schwarz als Hintergrund und die weiße Schrift. Alles sehr passend zum Inhalt. Zusatz und Vorwort lassen keine falschen Erwartungen aufkommen. „Gangsterblues“ bringt einem den Gefängnisarzt Joe Bausch näher, der seine Prinzipien und Regeln hat, aber auch eine Neugierde. Ihm gelingt es, Vertrauen aufzubauen wo Misstrauen und unsichtbare Mauern vorherrschend sind. Ein interessantes Buch. Auch der Unterhaltungswert kommt nicht zu kurz.
Zwölf Geschichten über 12 Menschen in einem der härtesten Gefängnisse Deutschland und ein Arzt, der nicht nur mit seiner Arbeit sehr ernst nimmt, sondern auch versucht, die Menschen, die vor ihm sitzen, nicht nur als Verbrecher zu sehen sondern als Menschen mit Vergangenheit, die seine ärztliche Hilfe benötigen. Das betont Joe Bausch auch immer wieder in dem Buch. Ein guter Einblick in den Alltag einer deutschen Justizanstalt, erzählt durch einen der bekanntesten Gefängnisärzte und Schauspieler Deutschlands - Joe Bausch. Seine Art des Erzählens sollte man schon mögen, weil sie ist sehr lebensnah und manchmal auch etwas schonungslos, aber so ist auch der Alltag in einer Justizvollzugsanstalt. Ein Buch, was fesselt, aber auch nachdenklich macht, weil Verbrecher ist eben nicht gleich Verbrecher und das zeigt sich in den 12 Geschichten sehr gut. Absolut empfehlenswert, nicht nur für True Crime Fans sondern auch für alle, die sich für den Alltag im Knast oder auch für spannende Biografien interessieren.
Joe Bausch arbeitet in der Justizvollzugsanstalt Werl und manch einer kennt ihn vielleicht als Rechtsmediziner aus dem Kölner Tatort. Er entführt den Leser in eine unbekannte Welt,nämlich dem Knastalltag. Beim Lesen stellt man schnell fest,dass es in Gefängnissen anders zugeht,als man es sich vorstellt. Alle 12 Geschichten,die der Autor hier erzählt,könnten nicht gegensätzlicher sein,Justizirrtum ist nur ein Beispiel.
Wem gelingt es schon,das Vertrauen der Häftlinge zu gewinnen und ihre Geschichten nieder zu schreiben...Joe Bausch hat es geschafft,natürlich unter Wahrung der Identitäten.
Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und alle Geschichten sind so spannend,ja gar teilweise packend erzählt,sodass man als Leser total an dieses Buch gefesselt wird.
Für mich ein Buch,was ich so vorher noch nicht gelesen,geschweige denn irgendwo schon mal wahrgenommen habe,dass mich aber ab der ersten Seite total überzeugt hat.
Meine Meinung : Mit sehr großen Erwartungen bin ich an das Buch herangegangen , doch leider blieb ich desillusioniert zurück. Denn in diesem Buch zeugt sich mal wieder, dass jemand der verbal mit Worten gut umgehen kann, noch lange kein begnadeter Schreiber ist und so verhält es sich auch mit Joe Bausch. Ich erwartete spannende, nah an der Realität angelegte Stories, in denen eine gewisse Form der Charakterstudie mit Reflexion einzughält. Was ich bekam war leider ein sehr schlecht und frei Schnauze erzählte Buch, welches weder Spannung noch interessante Einblicke gewährte, sondern den Leser stets gelangweilt zurückließ, mit der Frage, was einem diese Geschichte nun eigentlich erzählen wollte. Doch das größte Manko ist in meinen Augen, die Unfähigkeit des Autors zu schreiben bzw. Zu erzählen. Für mich eine echte Enttäuschung und 2 Sterne
"Gangsterblues" bietet interessante Einblicke in die Abläufe von deutschen Strafvollzugsanstalten und die Leben deren Insassen. Die verschiedenen Kapitel nutzen immer wieder die kriminellen Laufbahnen unterschiedlicher Menschen um verschiedene moralische und menschliche Aspekte von Gefängnissen zu beleuchten. Außerdem wird die Frage wie jemand zum Verbrecher wird bzw. welche Faktoren jemanden zum Verbrecher machen können in unterschiedlicher Weise gestellt. Nebenbei gibt es auch immer wieder persönliche Eindrücke zum Alltag eines Gefängnisarztes und dem Umgang mit Sträflingen in diesem Zusammenhang.
Insgesamt habe ich dieses Buch als interessant und angenehm lesbar empfunden. Der Schreibstil war teilweise nicht so ganz meiner und das Ende war dann doch überraschend abrupt. Trotzdem werde ich nach dem Vorgängerbuch Ausschau halten :)
Zum Inhalt: Sie sind Mörder, Dealer, Betrüger, Vergewaltiger Räuber. Und viele von ihnen wollen reden? Viele vertrauen sich Joe Bausch an und lassen ihn tief in den Abgrund ihrer Seele blicken. Meine Meinung: Ich weiß nicht so recht, was ich bei diesem Buch erwartet habe aber am Ende muss ich sagen, was es auch immer war, es hat sich nicht wirklich erfüllt. Ich habe die Storys der schweren Jungs gelesen und hatte immer so eine Art Widerwillen dabei. Vielleicht war mir das alles zu viel Realität, mit der man hier konfrontiert wird. Auch der Schreibstil gefiel mir nicht wirklich, wobei er natürlich zum Buch passt. Aber all das führte bei mir zu einer maximal durchschnittlichen Bewertung und am Ende war ich echt froh, als das Buch beendet war. Fazit : Schwere Kost.
Obwohl die Geschichten verständlicherweise verfremdet und teilweise fiktional waren, habe ich bis zur letzten Seite voller Spannung gelesen. Es war faszinierend und auch erschreckend einmal einen Einblick in den Alltag eines Gefängnisses zu erhalten. Meinen Respekt an Joe Bausch, dass er so viele Jahre mit diesem Klientel gearbeitet hat. Ich finde, in seinem Buch hat er sehr deutlich gemacht, dass trotz unvorstellbar grausamer Taten und schrecklicher Fantasien mancher Insassen, dennoch ein Mensch hinter diesen Taten steht, was keineswegs die Taten entschuldigen soll, aber dennoch beachtet werden muss.
Ich muss sagen: das erste Buch von ihm hat mir weitaus besser gefallen. Aber gut, sind ja auch zwei verschieden Ansätze. Es war ganz interessant, ein bisschen was an Geschichten zu hören. Allerdings rutscht die Ich Erzählform ab und zu in die Ich-Form seines Patientens ab und man weiß gar nicht mehr genau, wer "ich" nun ist, da er es auch per Formatierung nicht abtrennt. Übrigens: dass die Geschichten verfremdet werden und voller Fiktion weiter geschrieben werden, stimmt so auch nicht. Nach 2 Minuten Internetrecherche hatte ich den ersten Fall im Buch komplett dargestellt... Immerhin ein Zeichen dafür, dass es sich so zugetragen haben kann.
Mit was für eine Leichtigkeit hier die Geschichten erzählt werden, die manchmal echt nicht ohne sind. Der Autor hat eine sehr angenehme Stimme. Tatsächlich auch einige Gänsehautmomente.
Rezension „Gangsterblues“ von Joe Bausch, erschienen bei Ullstein
Joa Bausch ist ein ziemlich kerniger Typ und das scheint es auch zu brauchen für seinen Job: Er ist Arzt in einem Gefängnis. Dort hat er mit unterschiedlichen verurteilten Verbrechern zu tun. Und deren Geschichten erzählt er in seinem zweiten Buch. Und das macht er so, wie er zu sein scheint: kernig und interessiert an den Geschichten. Und er ist empathisch, so weit er das sein kann ohne an seinem Beruf zu zerbrechen. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich und einige Verurteilte findet man am Ende fast sympathisch, über andere lacht man und hier und da kann man als Leser nur den Kopf schütteln. Was alle Erzählungen eint ist die Tatsache, dass sie authentisch rüberkommen und mich gefesselt haben. Man kann Joe Bausch beim Lesen quasi reden hören und das macht den Charme des Buchs ganz besonders, mir hat es großen Spaß gemacht!
Eine Sammlung von True-Crime-Kurzgeschichten, die sich weniger mit den Taten, als viel mehr mit den Schicksalen der Täter und Opfer befasst.
In einem Vorwort mach Bausch zunächst klar, dass es sich bei den Geschichten, trotz des True-Crime-Charakters, um Fiktion handelt. Er gibt an, dass die Geschichten der Realität lediglich nachempfunden sind, anonymisiert und von ihm weitergesponnen oder verändert wurden. So weiß der Leser nie was nun wirklich der Wahrheit entspricht und was der Fiktion. Auf der einen Seite war das sehr spannend, da man so miträtseln und sich seine eigenen Gedanken machen konnte. Auf der anderen Seite störte es mich aber, da ich mich auf True-Crime gefreut hatte und eben nie wusste was davon jetzt wirklich „true“ ist. Was mir gefallen hat, war die Herangehensweise. Bausch schildert nicht die Taten selbst, und wenn dann nur auf sehr sachlicher Ebene, sondern befasst sich viel mehr mit den Schicksalen der Täter und Opfer. Es geht ihm nicht um Effekthascherei durch die Schilderung besonders grausamer Gewalttaten, sondern darum, was das Leben im Knast mit den Tätern macht. So bekommt man als Leser einen Blick hinter die Kulissen und lernt auch Bauschs Arbeit als Gefängnisarzt näher kennen. Leider muss man sagen, dass ihm das Erzählerische nicht sonderlich liegt. Zwar erzählt Bausch seine Kurzgeschichten aus Ich-Perspektive, wirklich hineinversetzen kann man sich aber nicht. Er beschreibt die Dinge sehr sachlich und nüchtern, was für ein Sachbuch vielleicht angebracht wäre, aber nicht für eine Kurzgeschichten-Sammlung. Alles in allem hat mich das Buch nicht umgehauen, war aber auch nicht schlecht. Ich persönlich finde es ideal, um immer mal wieder zwischendurch eine der Geschichten zu lesen. Das Buch am Stück zu lesen, würde ich eher nicht empfehlen, da könnte auch schnell mal Langweile aufkommen. Letztendlich ist es bei diesem Buch vermutlich stark Geschmacksache. Wer sachlichen True-Crime mag, wird hier auf seine Kosten kommen. Wer spannende, Thriller ähnliche Geschichten sucht, eher nicht.