In der Schule fallen diese verträumten Mädchen nicht weiter auf. Sie stören, ganz anders als ihre männlichen Leidensgenossen, den Unterricht kaum. Sie können sich schlecht konzentrieren, lassen ihre Gedanken schweifen, und ihre Leistungen sind schwach. Sie beginnen immer wieder neue Ausbildungen und schließen keine ab. Als erwachsene Frauen wirken sie chaotisch und leiden unter starken Stimmungsschwankungen. Andererseits verfügen sie oft über spezielle Begabungen, vor allem im künstlerisch-gestalterischen Bereich, und stecken voller prächtiger Ideen. Sie leiden an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Je früher die richtige Diagnose gestellt wird, desto größer ist die Chance, dass die Betroffenen ihr hohes Potenzial doch noch auszuschöpfen lernen und zu einem erfüllten Leben finden.
Zwischen Erkenntnis und Barriere: Ein mühsamer Blick auf ADHS bei Frauen
In Vorbereitung auf meine Master-Thesis habe ich zu „ADHS bei Frauen – den Gefühlen ausgeliefert“ von Doris Rawak gegriffen. Ein Thema, das mir nicht nur akademisch, sondern auch persönlich am Herzen liegt. In drei Sätzen lässt sich das Buch so zusammenfassen: Es bietet Einblicke in verschiedene Altersspektren, beleuchtet diverse Lebenswelten und lässt dabei auch das Umfeld wie Eltern und Ehemänner zu Wort kommen. Trotz dieser Breite blieb mein Leseeindruck mit insgesamt 3 Sternen eher verhalten.
Wertvolle Einblicke, schwierige Umsetzung Das Buch zeigt eindrucksvoll auf, wie unterschiedlich die Ausprägungen von ADHS bei Frauen aussehen können. Besonders spannend: Hätte ich meine eigene Diagnose nicht schon erhalten, wäre ich spätestens nach dieser Lektüre losgegangen, um mich testen zu lassen. Es ist faszinierend und erschreckend zugleich zu sehen, wie sehr sich die Biografien ähneln.
Leider wurde der Lesefluss durch den Schreibstil (2 Sterne) massiv gestört. Die Erfahrungsberichte sind teilweise in Schweizerdeutsch verfasst, was das Verständnis für mich unheimlich erschwert hat. Zudem blieb die fachliche Einordnung der Autorin hinter meinen Erwartungen zurück. Ich hätte mir deutlich mehr fundierte Analysen der Fachperson gewünscht, statt einer reinen Aneinanderreihung von Berichten.
Kritik an der Aktualität Eine Frage brennt mir nach der Lektüre besonders unter den Nägeln: Warum war es bei einer Neuauflage nicht möglich, die Fallbeispiele an den aktuellen ICD-10-Standard und die allgemeine deutsche Sprache anzupassen? Diese redaktionellen Mängel machen das Buch als wissenschaftliche Quelle oder auch als Ratgeber unnötig sperrig.
Wem würde ich das Buch weiterempfehlen? Ehrlich gesagt: niemandem. Es gibt mittlerweile aktuellere und zugänglichere Literatur zu diesem Thema, die weniger sprachliche Barrieren aufweist.
Was ich aus dem Buch mitgenommen habe: Frauen mit einer Spätdiagnose stehen fast alle vor demselben schmerzhaften Bild: Das Gefühl, nicht in diese Welt zu passen, führt zu einer so starken mentalen Erschöpfung durch ständige Anpassung („Masking“), dass irgendwann einfach nichts mehr geht. Eine Erkenntnis, die zeigt, wie wichtig Aufklärung in diesem Bereich weiterhin ist.
Das Thema "Masking" und die daraus resultierende Erschöpfung ist ein so zentraler Aspekt bei ADHS-Biografien von Frauen – schade, dass das Buch dem durch seine Form nicht ganz gerecht wurde.
Das Buch gibt Anhand verschiedener Lebensläufe von Frauen einen guten Überblick über die Auswirkungen und Symptome von ADHS. Einfach zu lesen und mit aufschlussreichen Anmerkungen der Autorin.
Es liest sich gut und kurzweilig. Für mich waren nicht viele neue Erkenntnisse darin, aber die Erfahrungsberichte haben mich sehr berührt. Dass sehr traditionelle Lebensentwürfe als Norm präsentiert werden, liegt, so vermute ich, daran, dass von einer Schweizerin über Schweizer Lebensumstände geschrieben wird. Keine einzige Frau hat sich gegen Kinder entschieden, keine einzige Frau lebt in einer queeren oder bewusst in keiner Beziehung. Keine Frau stellt ihre Karriere vor die des Partners. Und natürlich sind es nur cis Frauen.
Realistisch gesehen, wäre es wahrscheinlich keine 4 Sterne wert, aber für mich war es unglaublich hilfreich und ein super Einstieg, um mein eigenes ADS besser zu verstehen. Es ist sehr heteronormativ und geht nur um cis-Frauen, aber es gibt einen Überblick und ein besseres Verständnis für die Symptomatik von ADHS bei Frauen.
Interesting read. Definitely related a lot and showed me, what might be in store for me. The therapy section is more of an overview, with a large emphasis on coaching.