Jump to ratings and reviews
Rate this book

"Wenn Deutschland so scheiße ist, warum sind Sie dann hier?": Ein Strafrichter urteilt

Rate this book
Eigentlich ist Stephan Zantke bloß ein einfacher Strafrichter in Zwickau. Doch Ende 2017 machte er europaweit Schlagzeilen. Vor seinem Gericht stand ein libyscher Flüchtling. Die Liste schwerwiegender Vorwürfe gegen ihn war lang. Als der Angeklagte über "Scheißdeutschland" schimpfte, fragte "Wenn es bei uns so scheiße ist, warum sind Sie dann hier?" Der Satz machte Karriere. Dass die medialen Reaktionen so heftig ausfielen, zeigt, dass Zantke einen Nerv getroffen hatte. Die Frage war ein Ausdruck seines angestauten Ärgers angesichts einer Vielzahl von Kriminellen, die nach und nach den Respekt vor der Justiz und dem Staat verlieren.In diesem Buch berichtet Zantke von seinen drastischsten Fällen. Von einem 14-jährigen Jungen, der es schaffte, eine ganze Ortschaft in Angst zu versetzen. Von einer Bande, die sich darauf spezialisierte, Rentner zu überfallen. Zantke gibt Einblicke in deutsche Parallelwelten und kriminelle Milieus. Er zeigt, wie nah uns das Verbrechen eigentlich ist. Und wie machtlos der Staat oftmals bleibt. Der Richter wirft einen schonungslosen Blick auf eine überforderte Justiz und Kriminelle, die sich die Schwäche des Staates zunutze machen. Eine nachdenklich stimmende Analyse. Und ein Plädoyer für ein überfälliges Umdenken.

216 pages, Kindle Edition

Published October 8, 2018

2 people are currently reading
42 people want to read

About the author

Stephan Zantke

2 books1 follower

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
20 (24%)
4 stars
37 (45%)
3 stars
15 (18%)
2 stars
4 (4%)
1 star
5 (6%)
Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Angela Falkner.
185 reviews10 followers
October 7, 2021
3.5
Spannende Geschichten aus der Strafjustiz, für Laien zugänglich geschrieben. Ich hab mir mehr Internes aus dem Richterdasein erwartet und weniger fallbezogene Inhalte aber sonst top.
69 reviews1 follower
December 4, 2022
Sehr interessant! Traurig, aber wahr.

Vielen Dank, Herr Zantke, für dieses Buch.
Profile Image for Sparkles.
509 reviews29 followers
December 15, 2018
„Ich sehe in jedem Straftäter einen Menschen, der einen Fehler gemacht hat. Ich sehe aber auch die Opfer. Die Menschen, die unter einer Straftat leiden müssen. Manchmal ein Leben lang. Eine gerechte Entscheidung für beide Seiten zu finden ist und bleibt unmöglich. Ich versuche es jeden Tag.“ (Stephan Zanke im Nachwort)

Worum geht’s?
Stephan Zantke ist Strafrichter in Zwickau. Bekannt geworden ist er durch die im Buchtitel zitierte Aussage in einem Strafprozess, dem ein Reporter der Bild-Zeitung beiwohnte. Richter Zantke berichtet in diesem Buch von zehn seiner selbst erlebten Fälle, reale Taten, reale Täter, reale Urteile. Hierbei wird die bunte Bandbreite des Strafgesetzbuchs aufgegriffen und von Vergewaltigung, Betrug, Diebstahl bis zu Drogendelikten der tägliche Wahnsinn eines Strafrichters präsentiert.

Schreibstil / Gestaltung
Das Cover zeigt Herrn Zantke in seiner Richterrobe. Das Bild finde ich zugegebenermaßen nicht sehr schmeichelnd, es wirkt wie eine kurzfristige Momentaufnahme. Das als Buchtitel gewählte Zitat ist natürlich sehr deutlich und vermittelt vielleicht eine Erwartung, die das Buch nicht ganz erfüllt.

Der Schreibstil ist grandios. Einfühlsam, aber spannend berichtet Richter Zantke von seinen zehn ausgewählten Fällen. Hierbei erfährt der Leser zu Beginn jedes Kapitels, welches Delikt ihn erwarten wird, dann wird das Geschehen vorgestellt. Im Anschluss folgt der Unterabschnitt „Der Prozess“ und ein als „Die Tat“ betitelter Abschnitt, wo meist allgemein eine juristische Erklärung für Besonderheiten ausgeführt wird, etwa erklärt wird, was der Unterschied zwischen Raub und Diebstahl ist oder was sich eigentlich hinter „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ verbirgt.

Mein Fazit
Der Grund, weshalb ich zum Buch griff, war der Titel. Ja, der Titel sprach mich an – allerdings negativ. Ich habe viele juristisch veranlagte Bücher gelesen, wo es um Abrechnungen und Anprangerungen ging. So spricht auch der Klappentext von „einem schonungslosen Blick auf eine überforderte Justiz und Kriminelle, die sich die Schwäche des Staats zunutze machen“.

Doch meine Erwartungen, hier eine weitere Wutrede über die Machtlosigkeit der Justiz und die unzureichenden Gesetze zu lesen, wurde nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil: Dieses Buch war eine absolute Sensation zu lesen. Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite, nicht zuletzt durch den einfühlsamen und interessanten Schreibstil, keine Seiten voller schwerverständlicher juristischer Ausführungen und vor allem Abwechslung! Denn bei Richter Zantke gibt es alles: Der Asylbewerber, der sich danebenbenimmt, die linke Weltverbesserin, der minderjährige Nazi, die brave Hausmutter – Männlein, Weiblein, alt, jung, gescheiterte Existenzen und unerklärliche Momentausfälle. Das Buch spiegelt die Realität an deutschen Gerichten wider. Nicht immer geht es in der Quintessenz darum, dass unsere Gesetze unzureichend sind. Teilweise lernt man viel eher das Problem Mensch kennen, den Drang nach Erklärungen, die man im Strafverfahren finden möchte, aber nicht immer findet. Der Klappentext ist für mich absolut irreführend und fast schon beschämend, denn hier gibt es weder drastische Fälle noch Einblicke in Paralellwelten - hier gibt es den gnadenlosen Alltag vor deutschen Strafgerichten.

Und die für mich wichtigste Erkenntnis, die ich aus diesem Buch mitnehme: Hier schreibt jemand, der die Schattenseiten unserer Bevölkerung kennt. Jemand, der weiß, dass Recht nicht auch immer der gewollten Gerechtigkeit entspricht, weil auch Beweisbarkeit eine Rolle spielt. Jemand, der an verdiente zweite Chancen glaubt, aber auch weiß, wann die volle Härte gebraucht wird. Jemand, der täglich versucht, unser Leben ein wenig sicherer zu machen. Und ich bin dankbar dafür, dass dieser Jemand nicht aufgibt, obwohl der ein oder andere Rückschlag in Form von gesetzlichen oder menschlichen Hindernissen ihm regelmäßig gegenübertritt.

Dieses Buch ist für Leute, die sich für das Strafrecht interessieren, für Fälle und Schicksale, für die täglichen Probleme eines Richters, aber hierbei keine mutlose Wutrede suchen, sondern ein wundervoll geschriebenes, gut erklärtes Buch in den Händen haben wollen.

[Diese Rezension basiert auf einem eigenständig im stationären Handel gekauftem Exemplar des Buches. Ich stehe weder in Verbindung mit dem Autor noch dem Verlag.]
Profile Image for mellidiezahnfee.
1,028 reviews6 followers
August 11, 2019
Vor dem Gesetz sollte jeder gleich sein .....Und ein Richter muss immer,immer objektiv anhand des Gesetzes urteilen. Niemals eine subjektive Meinung zeigen, nur das Gesetz zählt. Nun mag man über unser wunderschönes - NICHT- Land denken was man mag, und die Bedenklichkeit der Gesetzgebung liegt ja nun völlig klar auf der Hand, aber das Buch ist klasse.
Der Autor hat die Gratwanderung geschafft , objektiv zu bleiben und die Täter,Opfer und vor allem die Gesetze in den Vordergrund des Buches zu stellen.Alle Fälle sind wunderbar aufbereitet und das ganze Buch liest sich sehr informativ ohne jemals mit typischem Juristenjargon zu langweilen.
Fazit: Eine absolute Leseempfehlung
Profile Image for Zukigomori.
25 reviews4 followers
April 28, 2022
Erschreckend was für eine einfältige und banale Weltsicht man als Richter haben kann. Da gibt's sicher gehaltvollere Bücher in der Richtung. Nur der ebenso wenig geistreiche Titelsatz hat diesen Mann ein wenig bekannt gemacht. Warum ist man in Deutschland, wenn's da so scheiße ist? Na, vllt weil man sich seine Staatsbürgerschaft nicht aussuchen kann, z.B. Duh.
137 reviews1 follower
April 13, 2024
Dieses Buch hab ich nicht selbst gekauft, sondern als Belohnung für die Teilnahme an einer Studie erhalten. Dies lässt den Inhalt des Buchs etwas verschmerzen. Der Autor, ein Richter am Zwickauer Amtsgericht, ist durch eine Aussage während eines Gerichtsprozesses kurzzeitig bekannt geworden. So bekannt, dass der Verlag hinter dem Buch wohl das schnelle Geld gewittert hat. Schließlich darf das Zitat des Richters auch gleich als Titel herhalten. Inhaltlich sind beschriebenen Gerichtsprozesse eine Mischung aus Ferdinand von Schirach und nachmittäglichen Gerichtsshows im Privatfernsehen.
Displaying 1 - 6 of 6 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.