4,5 von 5*
Wenn einem der Stil eines Benedict Wells gefällt, dann gefällt einem auch „Becks letzter Sommer“.
Nach drei seiner Bücher kann ich festhalten: All seine Protagonisten sind einsam und männlich, irgendwie verbittert, haben aber so unsagbar ehrliche und lustige Gedanken, dass man während der Lektüre manchmal grinsen, schmunzeln oder gar auflachen muss.
Beck, der seinen „letzten Sommer“ erlebt, ist Lehrer. Jeder Leser hatte Lehrer. Wer selbst nicht Lehrer geworden ist, kann sich schwer vorstellen, wieso Lehrer Lehrer werden. Beck, der ja Lehrer ist, hasst fast ausnahmslos jeden seiner Kollegen. Als Leser, der nicht Lehrer ist, kann man das alles sehr gut und humorvoll nachvollziehen.
Ich mochte auch den Roadtrip in der zweiten Buchhälfte gerne. Der Gedanke, sich zusammen ins Auto zu setzen und durchzubrennen, ist vielleicht der Inbegriff eines westlichen Abenteuers und man liest es einfach gerne.
Das Buch protzt nicht mit Weisheiten wie es „Vom Ende der Einsamkeit“ auf vielen Seiten auf eloquente Weise macht. Aber die Kernbotschaft, zu machen, worauf man Bock hat (alte Träume verfolgen) und dass das manchmal so bescheidene Leben an seinem Ende vielleicht durch die gesammelten Erinnerungen seinen Sinn erhält (was voraussetzt, dass man Dinge wagt und nicht immer auf Nummer Sicher geht - was mit dem Verfolgen von Träumen einhergeht) kommt dennoch rüber. Auch ohne schlaue Kalendersprüche.
P.S.: Wie cool ist es, dass Jasper Lier (Protagonist aus „Spinner“) eine klitzekleine Komparsenrolle in „Becks letzter Sommer“ übernommen hat? Raffiniert, wenn ein Autor zwei Buchwelten aufeinandertreffen lässt!
P.P.S.: Mein Kakao ist in der Mikrowelle übergelaufen, während ich diese Review geschrieben habe. Muss ein guter sein!