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Kampfsterne

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1985 – Es ist ein verrückter, heißer Sommer, in dem Boris Becker Wimbledon gewinnt, vier Passagierflugzeuge innerhalb eines Monats abstürzen, alle großen Rockstars bei Life Aid für das hungernde Afrika singen und in einer Siedlung am Rand der Stadt drei Familien zu zerbrechen drohen.

Ulla und Rainer. Rita und Georg. Ella und Bernhard. Drei Paare. Mütter und Väter. Sie wohnen in dänischem Design, fahren nach Südfrankreich in den Urlaub, schicken ihre Kinder zum Cello-Unterricht und zum Intelligenztest. Sie versuchen, sich als aufgeklärte und interessierte Menschen zu beweisen, die das richtige Leben führen. Wo wäre das leichter als in den sorgenfreien Achtzigerjahren der Bundesrepublik? Und warum funktioniert es trotzdem nicht?

Alexa Hennig von Lange erzählt die Geschichte einer Generation von Eltern, die ein freieres Miteinander wollten. Der Ideologien, denen sie folgten. Der Liebe, die sie verband. Der Ängste, die sie hatten. Der Kindheit, die sie sich für ihre Söhne und Töchter wünschten. Der Fehler, die sie machten. Der Entschlüsse, die ihre Kinder deshalb fassten.

224 pages, Hardcover

Published August 20, 2018

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About the author

Alexa Hennig von Lange

51 books17 followers

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Community Reviews

5 stars
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21 (9%)
1 star
3 (1%)
Displaying 1 - 28 of 28 reviews
Profile Image for Uralte  Morla.
374 reviews138 followers
February 22, 2021
Ein wütendes, ein lautes, ein schmerzendes Buch hat Alexa Hennig von Lange hier geschrieben. Aus mehrerern Perspektiven zeichnet sie das Panorama einer Schickimicki-Wohnsiedlung, in der die Kinder alle Instrumente lernen müssen und zum Intelligenztest geschickt werden. Alles sieht geleckt und nach heiler Welt aus, aber nichts, wirklich so gar nichts ist hier heile Welt. Die Erwachsenen befinden sich alle in toxischen Beziehungen, niemand sagt, was er oder sie wirklich denkt und die Kinder leiden unter den Neurosen.
Ein Buch, dass mich wütend gemacht hat und dabei sehr großartig war! Definitive Leseempfehlung.
Profile Image for Steph.
178 reviews
September 21, 2018
Als Lesexemaplar bekommen und sehr begeistert vom Cover gewesen, hat mich dieses Buch sehr begeistert. Dies war mein erster Roman von Alexa Henning von Lange und ich muss sagen ich bin positiv überrascht, da ich komplett ohne Erwartung an dieses Buch herangegangen bin. Es hat mich sehr an Joachim Meyerhoff und Robert Seethaler und deren Wortgewandheit erinnert, nur etwas düsterer und bösartiger. Neid, Missgunst, ja sogar Hass unter den Familien und Charakteren wurde stilvoll mit Wortwitz und Schlagfertigkeit dargestellt. Der Schreibstil und die Erzählweise sind sehr unterhaltsam und es lässt sich sehr gut herunter lesen. Auch die Charaktere sind vielschichtig und interessant, besonders deren Verhältnis zueinander. Auch die Titelwahl und wen oder was sie als Kampfsterne bezeichnet fand ich fantastisch. Ein tolles Buch! Ich werde mir auf jeden nochmal Alexa Henning von Langes andere Bücher anschauen.
Profile Image for Zoli.
4 reviews
May 26, 2024
Ich hab es schon gerne gelesen weil ich das einnehmen von den verschiedenen Perspektiven mochte. Ach ich weiß nicht ob ich es nochmal lesen würde aber ich bereue auch nicht es gelesen zu haben lol
Profile Image for Von Beust.
53 reviews
July 19, 2018
„Daran krankt unsere Gesellschaft! An lauter kaputten Beziehungen!“ (Rita, S. 170). Die bundesdeutsche Familie der 80er Jahre ist ein gärender Mikrokosmos, in dem jeder Einzelne ein einsames Teilchen ist – gerade in Reihenhaussiedlungen, dem Blockwarteparadies. Alexa Hennig von Lange erzählt vielstimmig eine Geschichte, die auch die Geschichte ihrer Generation ist. Die Geschichte der Kriegskindergeneration, der 68er-Bewegten und wiederum deren Kindern, zu denen auch Hennig von Lange gehört (geb. 1973). Dass die Hauptfigur die achtjährige Alexa – „Lexchen“ – so aussieht und heißt wie die Autorin und eine große Schwester hat, die „Cotsch“ gerufen wird (man kennt sie schon aus der 2008 begonnenen Lelle-Serie), sind Hinweise auf die autobiographische Verortung der Geschichte, gleichsam als Authentisierungsstrategie: „Hier schreibt eine, die weiß, wie es war, weil sie es selbst erlebt hat – so oder so ähnlich.“ In einem Interview im Magazin ‚Allegra‘ von 2016 sagt Hennig von Lange: „Wir waren alle Töchter der 68er-Generation, wir alle hatten Mütter, die erst einmal nur davon träumten, leidenschaftlich zu lieben, zu leben und zu arbeiten– aber eben auch Mütter sein wollten, die für ihre Kinder da waren. In Freiheit.“ Ehefrauen und Ehemänner, Kinder und Mütter und Väter, Nachbarn untereinander. Kindsein, Erwachsenwerden, Sichausprobieren, Frausein, Liebe und Familie – das sind Hennig von Langes Themen seit „Relax“ und kehren in der Reihenhaussiedlung der „Kampfsterne“ wieder.

Schon der Einstieg in den Roman ist wie der Opener zu Star Wars: Die „Kampfschiffe“ kreisen durch das Bild und laden ihre Waffen oder fahren ihre Schilde hoch. Allen Personen sind starke Emotionen zu eigen: Die verbitterte Rita ist voller Hass und Neid. Die unterdrückte Ulla ist voller Angst, will es aber allen „schön“ machen und verkennt, dass man für Freiheit und Wohlbefinden kämpfen muss. Ullas und Rainers ältere Tochter Cotsch ist voller Zorn und auf dem Selbstfindungsweg, verliert sich aber im Kampf. Dann ist da noch Lexchen, die kleine Schwester: Für sie ist alles „wunder-wunderschön“ wie in Roald Dahls „Sophiechen und der Riese“. Dieses unbeschwerte Mädchen muss es irgendwann mit den Riesen aufnehmen, mit den Kampfsternen in dieser schrecklich-schönen Siedlung mit den schönen Fassaden und den starken Emotionen dahinter. Sie ist das Auge des Sturms, in dem Ruhe herrscht vor der zerstörerischen Kraft des Wirbelsturms namens Leben.
Der Roman ist gelungen: Frausein ist die Problemstellung für vier Personen (Cotsch, Ella, Ulla und Rita) und wird mit unterschiedlichen Strategien angegangen. Da die Perspektive der handelnden Personen ständig wechselt – „ich“ ist immer ein anderer –, erfährt man beim vielstimmigen Lesen stets, was die Figuren sich bei ihrer Handlungsweise gedacht haben. Das ist sowohl geschickt als auch simpel – engt die Interpretationsbreite ein, weitet aber den handlungstreibenden Hintergrund. Allerdings wird aus der Abfolge vieler innerer Monologe nicht ein innerer Dialog, aber vielleicht ist auch das Absicht. Manchmal aber gelingt ein direkter Dialog der Gedanken, etwa wenn Rita und Ulla sich gegenüberstehen (S. 113 ff.).

Die inneren Monologe werden zum Ende hin grundsätzlicher, und man spürt, dass es Hennig von Lange hier ernst wird mit ihren Gedanken, dass Freiheit und Beziehungen immer auch Kampf. Dass es hier durchaus eine Schwarz-Weiß-Einteilung gibt, „gute“ und „böse“ Menschen, ist okay, denn die „Kampfsterne“ leben von ihrer Überzeichnung. Wenn Cotsch sich wie auf dem „Scheiterhaufen der gesammelten Versäumnisse“ (S. 124) ihrer Mutter fühlt, sich Lexchen oder Rita mit Jesus gleichsetzen (der überhaupt häufig um die bildungsbürgerliche Ecke linst), dann darf Johannes auch „die Guten/Bösen“ (S. 185) benennen. Sogar die kitschige Ausblendung aus dem Roman passt zur den starken Farben, in denen Hennig von Lange malt.

Die „Kampfsterne“ sind nicht nur etwas für Kinder der 1970er Jahre, sondern ein gelungener Blick in einer Generation, die verstehen und verstanden werden will, und macht Lesefreude.
Profile Image for Bettina.
92 reviews1 follower
March 26, 2021
Spaß macht dieses Buch nicht. Die Figuren in diesem Buch sind alle andauernd wütend (teils nachvollziehbar, teils auch nicht). Was mich als Leserin wütend macht, ist die Art, wie hier häusliche Gewalt und Vergewaltigung verharmlost werden und der Feminismus völlig lachhaft dargestellt wird. Was soll mir dieses Buch sagen? So war das nun mal in den Achtzigern? Um das zu thematisieren, hätte man auch eine differenziertere Geschichte erzählen können. Und ein Ende, bei der sich der gewalttätige Ehemann mit seiner misshandelten Frau versöhnt, will doch wirklich niemand lesen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Cathrin.
406 reviews14 followers
January 29, 2019
Eine nette Wohnsiedlung im Deutschland der 80er Jahre. Vermeintlich perfekte Familien, die Kinder gehen zum Intelligenztest und lernen klassische Instrumente, die Männer gehen arbeiten, die Frauen sind zugleich Hausfrau und Feministinnen, geben sich intellektuell und lesen Sartre oder töpfern und batiken. Hinter den Kulissen brodelt es aber, es gibt Neid und Mißgunst, mangelnde Kommunikation, Missverständnisse und sogar Gewalt. Erzählt wird in sehr kurzen Kapiteln bzw. Abschnitten aus der wechselnden Sicht der zahlreichen Protagonisten und man stellt schnell fest: außer der kleinen Lexi ist hier keiner so perfekt.
Das Buch endet, wo das Drama eigentlich erst so richtig beginnt, aber das ist wohl so gewollt.
Profile Image for Christian Müller.
133 reviews2 followers
October 20, 2021
Gut geschriebene Charaktere, die sich wunderbar ergänzen bzw. auch nicht. Zu schnell vorbei und die letzte Seite hab ich nicht verstanden.
Profile Image for yexxo.
910 reviews28 followers
November 14, 2018
Wie lebte es sich in der gutbürgerlichen Mitte der 80er Jahre? Alexa Hennig von Langes Darstellung verschiedener Personen, die als NachbarInnen in einer scheinbaren Vorortidylle wohnen, ist deprimierend und erschreckend. Nach außen hin wird das Bild der kultivierten, durchaus intellektuellen Menschen gehegt und gepflegt, die das Schöne und Gute zu schätzen wissen und füreinander da sind. Tatsächlich ist jede der beschriebenen Familien auf ihre Weise jedoch durchdrungen von Gewalt, Neid, Frust und jeder Menge weiterer negativer Gefühle. Oh ja, es gibt auch die Guten, die sich nach Liebe und Frieden sehnen; doch sie werden ohne jede Rücksicht physisch und psychisch klein gemacht.
Die Autorin schildert das eindrucksvoll, immer wieder gibt es einen nicht allzu langen (teilweise auch sehr kurzen) Abschnitt aus der Sicht einer der BewohnerInnen dieser Siedlung. So hört man Kindern, Teenagern und Erwachsenen zu, Frauen und Männern - fast alle hadern in irgendeiner Form mit ihrem Schicksal. Die einzige Ausnahme ist das kleine Lexchen, das einfach nicht mehr weiterwachsen will. Vielleicht weil es ihr dann besser geht?
Alexa Hennig von Lange kann gut Geschichten erzählen, daran zweifle ich nicht im Geringsten. Doch bei einer solchen Vielzahl von Erzählstimmen reichen gute Geschichten nicht, hier muss die Verschiedenheit der Stimmen erkennbar sein. Doch Alles klingt annähernd gleich, selbst die Kinder hören sich wie Erwachsene an. Beispielsweise wenn das achtjährige Lexchen erzählt: 'Das Zimmer macht Mama nervös, als würde sie gleich selbst eine Diagnose bekommen. Ihre Stimme ist brüchig, ...'. Auch die Figuren wirken nicht überzeugend. Eine der Frauen wird von ihrem Mann geschlagen, nicht nur einmal - und plötzlich scheint wieder alles eitel Sonnenschein. Keinerlei Widersprüche, die sie mit sich selbst austrägt, alles ist offenbar so, wie es sein muss.
Wären die Figuren glaubwürdiger und ihr jeweiliger Erzählstil differenzierter, wäre es eine richtig tolle Geschichte geworden, denn die Grundidee finde ich wirklich gut. So jedoch bleibt es bei einer Zwischendurchlektüre, die schnell wieder vergessen ist. Zumindest von mir.
Profile Image for Havers.
906 reviews21 followers
September 4, 2018
Hinter verschlossenen Türen lauern die familiären Abgründe. Der schöne Schein trügt, die Vorstadt-Idylle hat Risse. Außen hui und innen pfui. Alexa Hennig von Lange hält mit dem Brennglas unbarmherzig darauf und zeigt das dysfunktionale Familienleben der ach so intakten Keimzelle der Gesellschaft: Der erfolgreiche Architekt, der seine Frau vor den Augen der Kinder verprügelt und in finanzieller Abhängigkeit hält. Die Nachbarin, bei der sie sich nach den Prügelattacken ausheult. Die sich zu ihr hingezogen fühlt. Die ihren eigenen Mann verabscheut und ihre Kinder mit so viel emotionaler Distanz betrachtet, dass es fast schon weh tut. Die sich ihr Leben mit ordentlich Rum schon am Nachmittag schön, oder besser gesagt erträglich trinkt. Kinder, die ihre Eltern verachten, und Eltern, die es längst aufgegeben haben, ihren Kindern eine unbeschwerte Kindheit zu bieten.

„Kampfsterne“ soll/will die Familienverhältnisse Mitte der achtziger Jahre portraitieren, der Generation nach 68, die doch alles besser machen wollte, aber dennoch in den alten Strukturen verharrt. Finanzielle Sicherheit ist gegeben in der Vorstadtsiedlung, aber die Emotionen, das Miteinander sind auf der Strecke geblieben. Alle Protagonisten kreisen nur um sich und ihre Befindlichkeiten, es fehlt ihnen an Empathie und Distanz. An Reflexionsvermögen oder auch an dem Willen dazu. Gefangen in tradierten Rollen. Jeder einzelne ist für sich allein. Die Träume sind geplatzt, bleibt nur zu hoffen, dass es die nachfolgende Generation besser machen wird.

Das schonungslose Portrait einer Generation. Ein Buch, bei dem jede Zeile schmerzt.
Profile Image for Christine.
69 reviews12 followers
September 11, 2019
Ein Buch über Kommunikationsfehler in Beziehungen, über unerfüllte Träume und klügere Kinder als Erwachsene.
Offene Frage für mich bleibt, wie autobiographisch die Autorin hier schreibt.
Profile Image for Bastilkarton.
28 reviews
August 19, 2019
Inhaltlich geht es in "Kampfsterne" um das Leben mehrer Familien in einer Siedlung in Deutschland in den Achtzigerjahren. Und es geht vor allen Dingen um die Probleme, Zwänge, Ängste und Unfreiheiten all dieser Personen zu dieser Zeit. Diverse Probleme werden aufgegriffen. Die einen erschütternd, traurig, teilweise noch immer zeitgemäß, die anderen objektiv betrachtet weniger schlimm, doch für die betreffende Person der Mittelpunkt ihres Bewusstseins und Denkens. Es ist nah am Zahn der damaligen Zeit geschrieben und lässt einen über die früheren Gesellschaftsstrukturen zweifeln, gleichzeitig aber auch dankbar über die sozialen Fortschritte unserer heutiger Generation im Vergleich dazu sein.



"Kampfsterne" war ein etwas anderes Buch. Sicher anders, als ich es normalerweise gewöhnt bin, da es in so vieler Hinsicht einzigartig und außergewöhnlich war. Denn eine große Besonderheit: Die Handlung wird von ca. 11 unterschiedlichen Leuten geschildert. So entwickelt sich der Verlauf der Geschichte nach und nach, indem man als Leser die Puzzleteile der Erzählungen zu einem ganzen zusammensetzt. Sie wird erzählt von Kindern, Erwachsenen, Protagonisten und Charakteren, die zunächst unscheinbar wirken. Doch diese Erzählweise macht dieses Buch zu etwas Unvergleichlichem.

Denn man kommt als Leser selbst ins Zweifeln, wie schnell man sich ein Bild über Menschen machen kann und wie schwierig es ist, dieses wieder auszubessern.

Das klingt jetzt verworren und kompliziert, doch eine der Erzählenden, Rita, war die erste, die in diesem Buch ihre Sicht schildern durfte. Ihre Sicht auf die Dinge und einzelnen Personen waren meistens sehr negativ, sie war sehr unzufrieden mit ihrem Leben und neidisch auf das anderer. Sie warf anderen gedanklich vor, unzufrieden mit ihrem 'perfekten Leben' zu sein. So habe ich anfangs Ritas Haltung übernommen. Wurden die Personen, über die sie vorher hergezogen hatte, erwähnt, so hatte ich direkt eine negative Haltung ihnen gegenüber.

Doch ich habe durch dieses Buch gemerkt, dass man niemals voreilige Schlüsse machen sollte. Manche ihrer Einschätzungen bewahrheiteten sich, doch andere nicht. Ganz im Gegenteil, manche dieser kritisierten Personen wurde wahre Lieblingscharaktere von mir. Doch eine gewisse Verbundenheit zu Rita blieb immer, obwohl ich sie irgendwann nicht mehr nachvollziehen konnte.







Das Buch hat mich insgesamt etwas verwirrt zurückgelassen, was ich grundsätzlich eher kritisieren würde. Denn das Buch war nach meinem Geschmack zu schnell zu Ende. Einige Handlungen wurden angerissen und meines Empfindens nach nicht weit genug ausgearbeitet. Sie wurden zwar immer wieder erwähnt, doch ich hätte mir noch mehr davon gewünscht. Das Buch hätte noch einige Seiten mehr haben können, denn ich hätte gerne noch mehr über die Bewohner der Siedlung erfahren, hätte noch gerne einige Zusammenhänge besser verstanden. Ich habe mich letztlich bei vielen Handlungen gefragt: wie wäre sie jetzt eigentlich weiter gegangen? Was wird daraus?

Es ist nicht wirklich ein offenes Ende, dennoch regt es einem zum Nachdenken an.



Zugegeben, manche Handlungen und Vorhaben habe ich nicht wirklich verstanden. Obwohl, das ist das falsche Wort- ich habe sie verstanden, konnte sie aber nicht nachvollziehen. Sie waren absurd, unangebracht, grauenvoll.



Doch genau das macht dieses Buch aus. Dass die Verzweiflung teilweise so groß ist, dass die Leute dort zu Übersprunghandlungen neigen.



Zuletzt möchte ich noch auf die Charaktere eingehen. Es ging primär um 3 Familien. Familie eins besteht aus Rita, Georg, Johannes und Klara. Über Rita hatte ich ja schon eben gesprochen. Georg ist mir, wie sein Sohn Johannes, in der Zeit sehr ans Herz gewachsen. Beide haben ein großes Herz und eine verborgene Stärke. Sie mögen vielleicht in Ritas Augen "langweilig" sein, doch sie sind definitiv gute Menschen, und gerade Johannes hat oftmals gesagt, was ich gedacht habe und wurde so schnell mein Lieblingsmensch dort.

Familie 2, bestehend aus Ulla, Rainer, Constanze aka Cotsch und Lexchen war eine vielbeneidete Familie, doch es zeigte sich, dass man allen Menschen nur vor den Kopf schaut. Lexchen und Constanze sind mir aber auch sehr ans Herz gewachsen, denn während Cotsch stark und unabhängig ist, sieht Lexchen immer das Gute im Menschen, eine bewundernswerte Haltung in dieser Welt.

Und die Dritte Familie, Ella und Joschi, spielen am Rande mit, obwohl ich mir zu beiden nicht wirklich ein Bild gemacht habe.



Letztlich kann ich das Buch empfehlen, doch nicht uneingeschränkt an jeden. Denn das Buch ist nicht unbedingt eine leichte Lektüre für Zwischendurch. Sie regt zum Nachdenken und Zweifeln an, hat Themen, die letztlich alle sehr dramatisch sind, doch das Buch ist unfassbar gut geschrieben und sehr fesselnd. Alexa Hennig von Lange hat sich definitiv zu meinen bevorzugten Autoren hochgearbeitet und ich bin erstaunt über ihre Wandelbarkeit in Erzählweise und wie sie es geschafft hat, den Handlungsverlauf so genau aus so vielen Puzzleteilen zusammenzusetzen.
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
July 28, 2018
Mitte der 1980er Jahre, irgendwo im Westen der Republik. Die Welt ist in Ordnung in der Neubausiedlung, wo die Familien friedlich nebeneinander wohnen, sich gelegentlich treffen und die Kinder wohlgeraten sind und widerspruchslos den Musikunterricht besuchen, weil dies zur Talentförderung dazugehört. Doch hinter den Fassaden brodelt es, pubertierende Töchter begehren gegen die Eltern auf, Söhne nehmen sie schon gar nicht mehr ernst, Kinder leiden still und unbemerkt und die Ehepartner haben sich nur noch wenig zu sagen. Sex gibt es schon lange keinen mehr und alle befinden sich in einem Leben, das sie sich so nicht vorgestellt hatten.

Alexa Hennig von Lange hat das normale, geradezu durchschnittliche Leben eingefangen und lässt Figuren zu Wort kommen, die überall in deutschen Kleinstädten leben könnten und die uns tagtäglich überall begegnen. Die raschen Wechsel zwischen den einzelnen Erzählern lockern die Geschichte auf, die trotz der vielen Perspektiven doch sehr deutlich einem roten Faden folgt und unweigerlich auf eine Katastrophe hinsteuert.

„Kampfsterne“ greift dabei Themen auf, die auch 30 Jahre später noch aktuell sind und somit einen recht hohen Wiederkennungswert haben. Besonders interessant fand ich dabei den feministischen Aspekt. Die Mütter haben alle die Zeit der sexuellen Revolution und der Kämpfe für die Rechte der Frauen miterlebt. Sie haben Simone de Beauvoir gelesen, bewundern Susan Sontag und erkennen Alice Schwarzers Haltung an. Aber was haben sie daraus gemacht? Sie befinden sich in der Vorstadthölle, reduziert aufs Hausfrauendasein und unterwerfen sich den Wünschen ihrer Männer, wenn sie sich nicht gerade von ebendiesen verprügeln lassen und dies auch noch widerspruchslos aushalten. Ein Vorbild für die Töchter sind sie nicht, weshalb diese sie mit Verachtung strafen. Mit spitzer Zunge könnte man die Frage stellen, ob nicht ebendiese Töchter als Latte-Macchiato-Mütter Jahre später in dieselbe Falle getappt sind.

Die Männer haben es nicht leichter, haben sie selbst als Kindern der Kriegsgeneration Gewalt in der Erziehung erlebt, reproduzieren sie diese oder verkommen zu weichen Ja-Sagern. Wie soll der moderne Mann sein? Egal, was er tut, es wird falsch sein und schnell gerät er unter Generalverdacht, nur, weil er Kind auch niedlich findet, dies aber niemals sagen darf. Er soll nicht sein wie die Vätergeneration, aber doch wie einst der Steinzeitmensch seine Familie vor Feinden schützen, gelingt ihm das nicht, ist er ein Versager.

Es ist noch nicht die Zeit der Einzelkinder, deren Bedürfnisse über alles gestellt werden. So stehen sie oftmals hintenan und finden selbst nach schlimmsten Erlebnissen in ihren Eltern nicht diejenigen, die Trost spenden und für sie kämpfen. Im Gegenteil, die müssen sogar sehr viel aushalten, um dem Wunschbild zu entsprechen. Die Familien sind Kampfsterne, die sich gegenseitig bekriegen und die private Idylle zerstören, wo doch gleichzeitig der Welt dank Umweltzerstörung und Kaltem Krieg von außen die globale Katastrophe droht.

Glückliche Menschen sucht man vergeblich in der kleinen Siedlung und das, wo nie so viel persönliche Freiheit herrschte wie zu dieser Zeit. Aber Glück ist auch etwas, das nicht unbedingt von alleine kommt, sondern das man sich erarbeitet und für das man aktiv werden muss. Ein Buch, das ernsthafte Themen lebensnah und authentisch präsentiert, dabei aber auch unterhaltsam und komisch ist, was eine in sich stimmige und überzeugende Mischung ergibt.
425 reviews4 followers
August 19, 2018
Dieser Roman hat mich umgehauen. WOW fällt mir da spontan ein. Warum ist er so überzeugend gut?
Zum einen diese grandiose Erzählweise. Man hat das Gefühl man begleitet eine/n Therapeut/in, der allen Figuren abwechselnd folg, je nachdem wo die Handlung ihn hin verschlägt. Geschrieben als würde die handelnden Personen diesem imaginären überall anwesenden Therapeuten alles erzählen und keine Geheimnisse haben müssen. Wie ein reinigender Prozess bei dem alle ihr innersten nach außen kehren. Jeder ist mal dran, mal kürzer mal länger, auch handlungsgetrieben. Sehr innovativ und par excellence umgesetzt. Chapau.
Zum anderen überzeugt Alexa Henning von Lange mit der atmosphärischen Wiedergabe dieses spießigen kleinen Kosmos einer Vorstadtsiedlung der 80er Jahre. Wo alte Traditionen einer patriarchalen Erziehung mit neue feministische Idee, eine Generation Freiheitlicher Liebe und neue Denkansätze zusammenprallen. Ein Ort an dem die Menschen unglücklich an ihren eigenen Lebensvorstellungen scheitern, nach Anerkennung gieren und Anderen ihr Glück missgönnen. Eine gelungene Rückblende in die ach-so sorglose Zeit der 80er Jahre Reihenhaus-Idylle mit ihren schon damals verlogenen Perfektionen. Und wer sitzt mittendrin in diesem Tornado aus Gefühlen, Sich-finden und Leben vortäuschen? Die Kinder!
Und das ist der dritte überzeugende Faktor bei diesem Roman. Alexa Henning von Lange spiegelt uns selbst in der Gegenwart mit all unseren Erwartungen in dem Treiben der 80er Jahre. Dort nahm die ganze Selbstoptimierung, der Kinder-Förderwahn seine Anfänge. Es werden Mütter hier angeklagt, die emanzipiert sein wollen, es aber nicht schaffen und ihre Töchter mit all dem Ballast alleine lassen. Wie ein paar Zeilen auf Seite 97 belegen: „Meine Kinder zerbrechen an dieser Welt. Und niemand kann uns beschützen. Nur wir uns selbst.“
Hier werden auch andere große Themen indirekt verarbeitet: Wo ist die westdeutsche durchschnittliche Gesellschaftsschicht falsch abgebogen? Hier wird portraitiert wo der Selbstoptimierungs- und Ego-Trip seinen Anfang nahm.
Ein sehr vielschichtiger Roman, den es zu lesen lohnt. Aufklärend & augenöffnend, auch wenn der Spaß hier eher literarischer als inhaltlicher Natur ist.
Fazit: Für mehr echtes Leben ohne Fassade und mehr Menschlichkeit im Umgang miteinander.
Profile Image for Leselaunen.
49 reviews1 follower
July 28, 2018
Da das Buch eher kurz ist (224 Seiten), fiel es mir sehr leicht, in die Geschichte hinein zu kommen. Es geht direkt los. Man befindet sich sofort im Geschehen. Das Besondere ist, dass es keine Kapitel gibt. Erzählt wird aus den unterschiedlichen Perspektiven der Ehepaare und ihrer Kinder. Dabei stellt sich schnell heraus, das niemand so wirklich glücklich ist. Die Kinder werden zu Intelligenztests und zum Cello-Unterricht geschickt, die Mütter machen den Haushalt, backen Marmorkuchen und die Väter gehen arbeiten.

Rita ist die Mutter von Klara und Johannes. Ihr Ehemann ist Georg, den sie, wie sie beschreibt, gar nicht liebt. Eigentlich ödet er sie nur an. Ulla ist ihre Nachbarin und, so scheint es zunächst, Freundin. Sie ist die Frau von Rainer, der seine Frau regelmäßig prügelt. Ihre Töchter Lexchen (Alexa) und Cotsch (Constanze) wissen um den unliebsamen Umgang ihrer Eltern und gehen ganz unterschiedlich damit um. Ulla glaubt, dass der sonntägliche Apfelkuchen die Familie immer wieder zusammen bringt und sie ihren Kindern die heile Welt vorspielen kann. Ella ist die Mutter von Joshi und Ehefrau von Bernhard. Sie glaubt, dass ihr Mann sie betrügt.

Alle Familien jagen Idealen nach. Die Frauen lesen feministische Bücher und versuchen kläglich das Bild einer emanzipierten Frau umzusetzen. Jeder will die perfekte Familie darstellen und keiner ist glücklich mit seinem Leben. Die sorgenfreien Jahre sind ein Trugbild. Es ist die Generation von Eltern, die ihre Kinder frei erziehen wollen, dabei aber oft an ihre Grenzen geraten. Hennig schreibt sehr authentisch und klar. Ihre Charaktere sind Menschen aus dem Leben. Das Ende hat mich leider etwas enttäuscht, weil die Geschichte keinen wirklichen Abschluss hat. Das mag so gewollt sein, gefiel mir aber nicht ganz so gut. Mir fehlte außerdem ein Nachwort der Autorin. Insgesamt aber ein gelungenes Buch.

Ein kurzer, aber sehr intensiver und temporeicher Roman mit rauem Unterton, der es schafft, das Leben seiner Charaktere sehr detailgetreu wiederzugeben und einen Einblick in die Ideologien der Menschen in den Achtzigern gibt und zeigt, warum Urlaube in Südfrankreich, dänische Innenausstattungen und musikalische Kinder keine Garantie für ein sorgenfreies Leben sind. Das Ende fand ich leider schwach.
343 reviews5 followers
October 2, 2018
1985 – Es ist ein verrückter, heißer Sommer, in dem Boris Becker Wimbledon gewinnt, vier Passagierflugzeuge innerhalb eines Monats abstürzen, alle großen Rockstars bei Life Aid für das hungernde Afrika singen und in einer Siedlung am Rand der Stadt drei Familien zu zerbrechen drohen.
Drei Paare. Mütter und Väter. Ulla und Rainer. Rita und Georg. Ella und Bernhard. Sie wohnen in dänischem Design, fahren nach Südfrankreich in den Urlaub, schicken ihre Kinder zum Cello-Unterricht und zum Intelligenztest. Sie versuchen, sich als aufgeklärte und interessierte Menschen zu beweisen, die das richtige Leben führen. Wo wäre das leichter als in den sorgenfreien Achtzigerjahren der Bundesrepublik? Und warum funktioniert es trotzdem nicht?
Alexa Hennig von Lange erzählt die Geschichte einer Generation von Eltern, die ein freieres Miteinander wollten. Der Ideologien, denen sie folgten. Der Liebe, die sie verband. Der Ängste, die sie hatten. Der Kindheit, die sie sich für ihre Söhne und Töchter wünschten. Der Fehler, die sie machten. Der Entschlüsse, die ihre Kinder deshalb fassten. Die Sprache mit der die Autorin dieses Werk erzählt ist gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich darauf einlässt, ist sie großartig, die Geschichte ist unglaublich abgefahren aber extrem unterhaltsam! Den Reigen aus Einzelschicksalen verdichtet Alexa Hennig in einer lakonisch verknappten Sprache meisterhaft. Präzise zeigt sie auf, wie deren unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen aufeinanderprallen und sich schließlich in einem spontanen Akt der Verzweiflung entladen. Sie schreibt ohne Rücksicht, ohne Scham, ohne Bremse, wechselt atemlos die Perspektive, daß einem als Leser schwindelig wird. Passt genau zu dem Buchcover, extravagant, und handelt vom Mittelstands(un)glück in einem bundesrepublikanischen Winkel, der nur noch in der Literatur vermessen werden kann. Es scheint es ist ein Buch für alle die jenseits der normalen Literatur mal Lust auf etwas abgefahrenes haben, es ist ein Sentiment, eine Flut an Erinnerungen.
Profile Image for Anke.
4 reviews
July 21, 2018
Wie man sein Leben zum Gefängnis macht

„Kampfsterne“ erzählt aus einer ganzen Reihe verschiedener Perspektiven von drei Familien in einer Wohnsiedlung der 1980er. Die Ehemänner verdienen gut, die Ehefrauen kümmern sich um Haus, Kinder und darum, die Nachbarn möglichst vor Neid erblassen zu lassen. Jeder ist allein in seinem perfekten Familienwohnzimmer, seinem eingezäunten Garten, eingesperrt in seine eigene Fassade. Dazu passt auch das graphische Cover mit seinen klaren Linien oder Grenzen sehr gut.

Von Lange erzählt überzeugend von der Innenperspektive solcher Leben, in denen es vor allem um die Außenperspektive geht – und davon, dass das in den Menschen nicht das Beste zum Vorschein bringt oder fördert. Sie erzählt von Frauen, die lächeln, auch wenn ihr Mann sie schlägt oder betrügt; Frauen, deren Lebensumfeld sich weitgehend auf die Familie und Nachbarschaft beschränkt und die gleichzeitig unter enormen Perfektionsdruck stehen. Sie glauben, das Leben sei ihnen das große Glück schuldig – und wenn das nicht eintritt, soll es doch bitte wenigstens so aussehen. Diesen Perfektionsdruck geben sie weiter an ihre Männer und Kinder. Noch sind die Stimmen der Kinder voller Kraft und zeugen von einem unverstellten Blick auf das Leben und ihre Eltern; man fragt sich jedoch beim Lesen ständig, ob sie die Fehler ihrer Eltern wiederholen oder es schaffen werden, auszubrechen aus dem schönen Schein.

Der Autorin ist es von Anfang an gelungen, mich zu fesseln. Die Charaktere sind teilweise etwas überspitzt und einige Dinge (wie etwa die Fokussierung auf eine angebliche Hochbegabung der eigenen Kinder) scheinen mir zumindest anachronistisch und eher in die heutige Zeit gehörend. Das wird jedoch durch den flüssigen Schreibstil locker wettgemacht, der sehr modern, frisch und dynamisch ist. Ein Buch, das trotz seiner Kürze viel Wahres enthält.
Profile Image for Nina‘s Bücherbasar.
299 reviews22 followers
July 26, 2018
Meine Meinung
Ich durfte dieses Buch bei vorablesen.de lesen, und gehörte in dieser Leserunde wahrscheinlich eher zu den jüngeren Teilnehmern und hatte daher auch keinen so starken Bezug zu den 80er Jahren wie manch anderer. Ich habe als wahrscheinlich ein Klischeebild über dieses Jahrzehnt im Kopf und wahr etwas enttäuscht, dass ich nicht das bekam, was ich erwartete. Theoretisch hätte dieses Buch auch 10 Jahre früher oder später spielen können, ich denke das hätte keinen Unterschied gemacht. Die Aufmachung des Buches hat aber dieses Jahrzehnt ganz wunderbar aufgenommen und ich hatte selten ein so cooles Retrobuch im Regal.
Kommen wir nun zum Buch: Ich habe mich mit dem Schreibstil der Autorin sehr schwer getan und musste mich streckenweise sehr dazu zwingen weiterzulesen. Die Autorin neigt zu überflüssigen Erzählsträngen und unnötig langen Passagen, sowie zu hochgestochenen Formulierungen, die einfach nervig sind. Trotzdem gefiel mir die Idee hinter der Geschichte und das Ende. Da ich selbst in solch einer Siedlung aufgewachsen bin, konnte ich viele „Probleme“ wiedererkennen. Dieses ständige gucken was die Nachbarn machen und besitzen ist heute noch vorhanden und einfach fürchterlich. Das hat die Autorin ganz wunderbar dargestellt und somit den Nagel auf den Kopf getroffen! Dadurch, dass alle in dieser Siedlung irgendwie ein Rad ab haben, konnte man sich leider auch mit keinem der Charakter richtig anfreunden. Das finde ich sehr schade, denn für mich macht es ein gutes Buch aus, wenn man tief in die Geschichte eintauchen kann und einen Lieblingsprotagonisten hat.

Mein Fazit
Kampfsterne ist eine interessante und solide Geschichte, die vielleicht eher etwas für ältere Generationen ist (50+). Meine Mutter würde dieses Buch wahrscheinlich lieben, ich empfinde es eher als mittelmäßig und bewerte es daher mit durchschnittlichen und soliden drei Sternen.

3/5 Sternen
This entire review has been hidden because of spoilers.
25 reviews1 follower
July 18, 2018
Inhalt
Ein Vorstadtsiedlung in den 80er. Alles erscheint auf den ersten Blick perfekt. Die Kinder lernen Instrumente oder werden per Intelligenztest als hochbegabt eingestuft. Doch hinter der Fassade verbergen sich Neid, Gewalt, Sexualität und die tiefe Unzufriedenheit ganzer Generationen.

Schreibstil

Die Autorin nutzt die Perspektivwechsel zwischen den Protagonisten geschickt aus, um das Buch aus verschiedenen Blickwinkeln und mit verschiedenen Stimmen zu erzählen. Hierbei schafft Sie es, die Charaktere trotz ihrer Teilweise heftigen Schwächen in einem größtenteils glaubwürdigen Licht darzustellen.

Überraschungsfaktor

Es gibt immer wieder Szenen, die zwar aus dem Verlauf nicht völlig unerwartet auftauchen, aber mit ihrer Wucht doch den Leser schockieren können. Das ist weniger der Überraschung als der Wucht der Risse in den Traumfamilien geschuldet. Einige der Wendungen der Charaktere gegen Ende erscheinen allerdings ein wenig übertrieben.

Lest dieses Buch wenn...

... ihr euch für Dramen innerhalb und zwischen Familien interessiert.
... ihr selbst in den 80er aufgewachsen seid.
... ihr mal etwas anderes für den Sommerurlaub sucht.

Finger weg, falls...

... ihr eher auf leichte Kost steht.
... ihr einen klaren Spannungsbogen und eine simple Geschichte wollt.
Profile Image for Angelika Altenhoevel.
260 reviews
August 7, 2018
Zum Inhalt:
Eine Geschichte von Eltern, die ein freieres Miteinander wollten. Von Ideologien, Liebe, Ängsten, Fehlern, die sie hatten. Der Kindheit, die sie sich für ihre Söhne und Töchter wünschten. Der Entschlüsse, die ihre Kinder deshalb fassten.
Meine Meinung:
Das ist ein Buch, dass man erst mal sacken lassen muss. Man fragt sich erst, das war es jetzt und kann es gar nicht so recht glauben. Wenn es sich dann ein wenig gesetzt hat, bekommt es einen Art Nachhall und mehr Sinn. Es ist ein Buch dass das gleiche Leben aus vielen Sichten zeigt und eben auch zeigt, dass auch hinter der scheinbaren Idylle viel mehr stecken kann, als man vermutet. Nach außen hui, nach innen eher pfui. Mir hat die Geschichte am Ende doch ganz gut gefallen, was aber auch sicher daran lag, dass das Buch eher dünn war. Ob ich diese Familiendramen über 500 Seiten hätte lesen wollen glaube ich eher nicht. Der Schreibstil ist gut und flüssig lesbar, so dass man dieses Buch sehr schnell weg liest. Ich hatte anfangs etwas Mühe die Protagonisten den einzelnen Familien zuzuordnen, aber das ergibt sich im Laufe des Buches. Kurzweilige Unterhaltung bietet das Buch auf jeden Fall.
Fazit:
Ein Buch mit Nachhall.
38 reviews
July 30, 2018
interessanter Roman

Alexa Hennig von Lange erzählt die Geschichte einer Generation von Eltern, die ein freieres Miteinander wollten. Der Ideologien, denen sie folgten. Der Liebe, die sie verband. Der Ängste, die sie hatten. Der Kindheit, die sie sich für ihre Söhne und Töchter wünschten. Der Fehler, die sie machten. Der Entschlüsse, die ihre Kinder deshalb fassten.

Fazit:
Obwohl das Buch nur 224 Seiten hat, ist es sehr tiefgründig und bietet interessante Einblicke. Verschiedene Personen schildern wie sie ihr Leben sehen. Toll, dass auch die Kinder eine Stimme haben, in diesem Buch. Man bekommt interessante Einblicke in das bürgerliche Leben der 80er Jahre in der Bundesrepublik. Der Schreibstil ist flüssig.
Das Ende des Buches konnte mich dann aber nicht zufriedenstellen - mir fehlt nämlich ein Ende, bzw. ein runder Abschluss am Ende des Buches.
Profile Image for Paul Niklaus.
44 reviews
April 9, 2025
Eine Art Sittenbild aus der Vorstadt, BRD Noir in Reinform, sehr lesenswert. Das Buch gewinnt enorm durch den steten Wechsel der Perspektive und das dadurch bedingte unzuverlässige Erzählen – jedes Kapitel hat eine andere Figur als Erzähler. Das Ende war schlüssig, wenn auch etwas zu schnell erzählt, sodass der Roman am Ende etwas von einer Kurzgeschichte hat.
Für Fans: Ein Motiv aus Relax wird wiederholt, was mich sehr freute.
106 reviews1 follower
October 31, 2019
Ein solides Porträt der Bundesrepublikanischen Gesellschaft der 1980er-Jahre. Mit wenigen Wörtern aus vielen Perspektiven. Was fehlt, ist Humor, ein Augenzwinkern, mehr als ein Lachen, das im Halse stecken bleibt.
Profile Image for Britta.
399 reviews38 followers
April 4, 2020
Gut geschrieben, absurde und kaputte Familien. Das merkt man wieder, wie gut man es hat ...
17 reviews1 follower
January 14, 2021
Unfassbar gutes Buch über Kindheit, Erinnerung und endlose erscheinende Beziehungskonflikte.
Profile Image for Emil Fichtner.
93 reviews3 followers
June 26, 2022
Gute Unterhaltung so richtig schräg. Ist jetzt nicht dr Überflieger, jedoch gute Tempo steigerung von Anfang und zum Ende gehts nochmal richtig von prüde auf provokant
Profile Image for Susanne Krollik.
37 reviews
January 16, 2026
Wow, was für ein Buch!
Einziges Manko: sie lässt die Kinder mit dem Erfahrungshintergrund von Erwachsenen reflektieren und reden.
Profile Image for Helena.
159 reviews11 followers
September 19, 2018
Kämpfernaturen

„Das Fantatstische an der Zeit, in der wir leben, ist, dass in diesem Jahrzehnt alles total durchpsychologisiert wird. Keine noch so zarte Gemütsregung bleibt ohne Diagnose. Daher kennen wir Jugendlichen, die aus derartigen »Haushalten« kommen uns bestens mit Traumata und deren tiefenpsychologischen Folgeerscheinungen aus. Constanzes und mein »Nervenkostüm«, wie es hier in unseren Kreisen gerne genannt wird, ist wund gescheuert. Darum ist uns so kalt. Unsere Körper haben jetzt auf Autopilot geschaltet beziehungsweise aufs Notprogramm.“

Die 80er Jahre stehen unter dem Stern der Psychologie und der Emanzipation, die Kinder werden zum Intelligenztest geschickt, die Frauen lesen Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer. Sie wähnen sich aufgeklärt, frei und selbstbestimmt und sind doch auch nur Kinder ihrer Zeit, indem sie den gegenwärtigen Strömungen ausgeliefert und in den Trends ihrer Zeit gefangen sind. Der Leser taucht in die Innensicht von Rita, Georg, Johannes, Klara, Ulla, Rainer, Cotsch (Constanze), Lexchen (Alexa), Ella und Joschi ein und erfährt auf diese Weise wie diese Figuren die Welt, sich selbst und die anderen wahrnehmen. Angefangen bei Rita mit der dunklen Seele, die keine Erfüllung in ihrem Ehe- und Mutterdasein findet und glaubt, nur die erwiderte Liebe zu ihrer Nachbarin Ulla könnte ihrem Dasein einen tieferen Sinn geben, und aufgehört bei dem kleinen Lexchen, das die reine Liebe verkörpert, sind alle Figuren sowohl äußerst individuell gezeichnet, was sich in ihrer jeweils sehr eigenen Ausdrucksweise widerspiegelt, als auch psychologisch stimmig. Die Figur der Cotsch war nach meinem Gefühl als Charakter nicht ganz rund und auch Lexchens Sprache fand ich an einigen Stellen nicht passend, doch im Großen und Ganzen ist Alexa Hennig von Langes bis tief in die Seele bewegendes und zur (Selbst-)Reflexion animierendes Werk nur in höchsten Tönen zu loben.

Wie beiläufig, scheinbar nebenbei streut die Autorin Gedanken und Reflexionen ein, die geradezu erschütternd wirken und uns von Neuem auf das Wesentliche im Leben zurückberufen lassen:

„Unsere Eltern sind vollkommen blind dafür, dass ihr schlimmster Fehler eigentlich darin besteht, dass sie aus der Liebe gefallen sind. Womöglich klingt das etwas hochtrabend, aber ist es nicht die Verantwortung von uns Menschen, uns jeden Tag erneut für die Liebe zu entscheiden, zu erkennen, dass wir die Vermenschlichung der Liebe in unseren Armen halten? Dass wir ureigentlich dazu auserkoren sind, diesen unermesslichen Schatz der Liebe zu bewahren?
Ganz ehrlich? Bei Lichte betrachtet sind wir Gott gleich! Er ist Liebe! Wir sind Liebe! Nur wir halten uns für nicht würdig, diese Leibe zu verwirklichen und zu leben. Darum verurteilen wir die Liebe. Zucken zusammen, wenn jemand von Liebe redet.
Ganz offenbar sind wir Menschen noch nicht so weit, diese Verantwortung zu übernehmen. Wir wollen, wollen, wollen, haben diesen unstillbaren Hunger nach mehr und immer mehr. Reichtum, Bedeutung, Macht. Wir meinen, wir haben noch längst nicht alles bekommen, wollen uns alles nehmen, Besitztümer anhäufen, egal, ob sie uns zustehen oder nicht. Haben Panik, dass uns unsere gehamsterten Schätze wieder genommen und wir nackt dastehen werden. Dabei stoßen wir das, was wir einmal frei und umstandslos bekommen haben, das Wertvollste überhaupt, das unseren Hunger augenblicklich stillen könnte, von uns weg. Gott hat uns nach unserem Ebenbild erschaffen. Doch unser Selbstwert ist so niedrig, dass wir uns von ihm abwenden und Schlechtes tun. Amen.“
Profile Image for Katja.
123 reviews9 followers
December 13, 2018
Wow! Ich hatte keinerlei Erwartungen an dieses Buch, sondern hab es mir gekauft, weil ich die Autorin in einer Talkshow gesehen habe... seeehr unwahrscheinlich bei mir! Ab der ersten Seite war das Buch wie eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der man nie weiß, ob man heulen, schreien oder lachen soll oder alles auf einmal. Die Charakterisierung der Akteure auf so wenigen Seiten ist brillant und man merkt, dass die Autorin 5 (?) Kinder hat: Die Kinder scheinen die einzigen vernunft- und empathiebegabten Wesen in diesem Buch zu sein. Schräge, verstörende Geschichte und dabei großes Kino!
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